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  • Sticky Eisloch

    Eisloch

    Es ist kälter geworden am Eisloch
    auch der Himmel hat die Farbe der Kälte
    Die Eingeweide der ausgenommenen Fische
    frieren in den vollen Eimern

    Nur wer die Zeit mitgebracht hat
    findet diesen Winter sein Glück im See

    Im Blick auf das Loch wechseln die Schatten
    es schlafen nicht die Fische nicht die Menschen
    Es ist kälter geworden am Eisloch
    auch der Himmel hat die Farbe der Kälte

    Die Weiden trauern am Rand des Sees
    dort steht ein Dichter im Schneegestöber
    er rezitiert den Faust über den See
    die Fische verziehen sich tiefer vor Schmerz

    Wie viel Faust können Fische im eiskalten Wasser ertragen
    Wie viel Kälte speichert ein gefrorener See
    Einsamkeit auf der Eisfläche voller Ekel vor der Welt
    auch der Himmel hat die Farbe der Kälte

    Gedicht erschienen in der Zeitschrift OSTRAGEHEGE
    und

    im Gedichtband: Gedichte Alles aus einer Hand
    Engelsdorfer Verlag ISBN 3-86703-469-9

    © 2005 MANFRED H. FREUDE

  • Die jungen Vögelchen

    Vögelchen –
    Selbst ist der Schriftsteller.

    Zunächst hat jeder Autor, wie es ein Recht auf freie Bildung gibt, ein Recht auf Veröffentlichung. Er muss sich bewähren. Ob er sich zuerst einem Knebelvertrag eines Großverlages unterwirft oder eine seriöse Lösung zum Druck gegen gerechte Bezahlung einsteigt, bleibt ihm überlassen. Wir wollen doch wirklich nicht behaupten, der namhafte Verleger achtet auf Qualität. Er glaubt an junge Talente, die er billig erwirbt, um sie groß (im wahrsten Sinne) herauszubringen (selber den Markt machen) oder er zählt auf reißerische Namen oder er verlegt den längst Verstorbenen ohne zusätzliche Honorare. In jedem der drei Fälle bestimmt der Verleger den Markt! Aber bittschön, wo bleibt dann der Künstler, wo bleibt der gute Autor, der sich aus der Masse verdichtet? Da wartet der Verleger doch lieber, bis dieser gestorben ist und mindestens 70 Jahre tot ist. Der Dichter hat überhaupt keine Chance, wenn er sich nicht nach dem Vorbild selbst herausbringt und das auf jeder Ebene. Sich selber herausbringen, das ist die Aufgabe des Dichters. Da jammern Verleger, die Lyrik verkauft sich nicht, dabei findet man überall Lyrik und nur wenig in den Lyrikabteilungen, da gibt es nur ein kleines Regal aber die komplette Buchhandlung ist von der Reiseabteilung über Belletristik bis zur Philosophie und Biografien voller Lyrik. Würde man alle Lyrik wegstreichen, wären die Büchereien und Bibliotheken nur halb so groß. Und dann dieses ewige Besserwissen der Germanisten in den Verlagen. Wie man schreibt und wo man seinen Jota setzen muss. Welcher anständige Schriftsteller will das schon? Ich kann nur jedem Kreativen empfehlen, seine Dinge selber in die Hand zu nehmen. Der Dichter kann sich doch nicht, von einem Verleger zeigen lassen, wohin er sein Komma und seinen Doppelpunkt zu setzen hat. Wie der Schriftsteller schreibt, so hat er es gewollt. Das ist eine klare Tatsache. Nicht der Dativ ist dem Genitiv Freund, der Dichter ist sich selbst genug. Warum also nicht selber machen. Das haben alle großen Dichter und Schriftsteller vorgemacht. Nicht nur Selbstverlag, auch selbst das Wort setzen und selbst den Akut, das bringt auch noch Spaß und selber Befriedigung. Die Arroganz der Dichter ist ihre falsche Bescheidenheit. Andere töten, aber nur mit Freundlichkeiten. Bessersein? Ich weiß es nicht! In einer gewissen Qualität gleicht sich die Qualität der Menge an. Man findet keine Unterschiede. Es ist Vage, es ist ein Sorietesproblem. Ab welchem Kriterium beginnt ein Gedicht, Lyrik zu sein? Der Interpret wird zum Richter. Das Gedicht ist schuldlos. Der Dichter selber kennt seine Qualität. Der gute Dichter schätzt sich richtig ein. Derjenige der auswählt kann nicht über seine eigene Qualität hinaussteigen. Der Bauer erkennt den guten Apfel nicht. Seine Beurteilung ist eingeschränkt. Er kennt die Produktion eines Apfels aber, welcher Bauer hat schon einen guten Geschmack und welcher Bauer kennt etwas von Urteilen und Argumenten? Der Apfelbauer aber produziert den gewünschten Apfel oder den außergewöhnlichen Apfel. Ein Gedicht ist ästhetisch oder philosophisch zu betrachten oder beides. Diese Lyrikzeitschriftenverlage und die Etablierten bleiben unter sich, kein anerkennendes Wort, kein Urteil. Nur nicht die eigene Gruppe stören, etwa durch die Hereinnahme eines der besser sein könnte. Doch dann gibt es noch immer die Möglichkeit zu kontern, das dieser sich überschätzt und das die Neuen immer beleidigt wären. Es müsse ja nach dem Prinzip gehen: Abwarten. Alle mussten sie warten, bis sie drankamen; außer natürlich die jungen Spatzen, die da im Frühling zwitschern. Man entdeckt einen Superstar! Die bourgeoisen Kulturbanausen nehmen es enthusiastisch zur Kenntnis. Mitentdecker eines neuen Goethe, soweit reicht der Lyrikhorizont. Qualität? Was ist das? Wo beginnt Qualität, wo hört sie auf? Vage …, ein Sorietesproblem, sie wissen schon.

    Anfänger senden ihre ersten Gedichtproduktionen gerne an die bestehenden Lyrikverlage, in denen irgendein Pseudomöchtegern promovierter Germanist das Lektorat und diese erste Begutachtung vornimmt.
    Die Gedichte sind natürlich nach kritischen Gesichtspunkten künstlerisch allesamt schwach. Sonst würde diese ja auch keiner hinschicken. Zehn Jahre später nach erheblicher Reife (sofern der Beginner weitermacht) schickt er auch nichts mehr hin (es ist ihm einfach zu dumm).
    Worauf ich aber hinauswill, ist, dass diese Einmannjury diese ersten Gedichte mit allgemeinem Formblatt ablehnt.
    Beschwert sich nun der Dichter (zu Recht, denn die abgedruckten Gedichte sind allesamt derart schwach), so wird man im Verlag böse und schreibt arrogantfreche Antworten mit der Begründung, der abgelehnte Dichter sei nur missgünstig das Er nicht veröffentlicht wurde.
    Im Gegenzug werden wie gesagt, diese ewigen schwachen, realpoetischen, Naturgedichte veröffentlicht, und wie ich bereits in anderen Artikeln beschrieb, diese jungen Vögelein (Mädchengedichte) von denen der Verlag glaubt, sie wären diese große Entdeckung. Selbst die größte deutsche Dichterin stirbt am Ende ungeliebt. Und für alle lobenden Nachrufe kann Sie sich nichts mehr kaufen.

    Also ihr lieben Verlage. Werft eure Möchtegernexperten für Lyrik aus den Verlagen und lost die veröffentlichten Gedichte aus. Ihr habt sicher ein besseres Ergebnis und viel eher einen Nobelpreisträger darunter. Denn einen großen Künstler in den Anfängen zu erkennen, spreche ich jedem Menschen ab. Das war seit Jahrtausenden so und wird auch weiterhin so sein.

    Diese Lyrikszene ist abartig.
    Die heutige Literaturszene, insbesondere die Lyrikszene ist anormal abnormal. Wie mir ein Verleger im Vertrauen hinter hohler Hand versichert: „Wir suchen nur junge Mädchen als Talente für unsere Zeitschrift, ergänzen mit hochbekannten Preisträgern und mischen darunter unsere Freunde„. Das ist der Lyrikbetrieb, so läuft das Geschäft. Da suchen die „Lecktoren“ in Verlagen, die Herausgeber von Anthologien und Lyrikzeitschriften diese jungen, nackten Vögelchen und hacken mit ihren Spitzen in die jungen Leiber. Sie schnäbeln das junge Gefieder in abartiger Perversität. In ihren Verlagen und Zeitschriften halten sie eine Brutstätte alternder, veralterter abnormer Verehrer der Poesie, die ihre Lektorate dazu benützen, sich selber und ihre untalentierten Ergüsse, mit diesem jungen Federvieh, sowie mit Hochbetagten ordensgeschmückten Pfauen, zu garnieren. Sie sammeln, organisiert von einer Not, die jungen Hungrigen und Dürstenden, und bieten ihnen kulturbeflissen Champagner und Kuchen für zweifelhafte Dienste; um in ihrer Sprache zu bleiben: alles Lyrikspanner.

    Die vertrauten gierigen Lyrikverleger
    Die netten freundlichen Manuskriptprüfer
    Die feisten stillen Rezensenten
    Die kleinen Vögelchen zwitschern
    Die alten Spanner warten
    Und geben gut die Achtern
    Ein Loch im System…
    Bringen sie groß raus
    Pornografische Halbwüchsige
    Zur Tarnung: Alte Preisträger
    Darübermachen aller Sauereien
    Hinten und Vorne mit Vergewaltigungen
    Unschuldig alle
    Wenn kleine Vögelchen zwitschern
    Im Frühling
    Und krächzen im Herbst

    Was veranlasst sie zu diesem Verhalten?
    Selber talentlos sind sie frustriert, kommen nicht an im Lyrikbetrieb zwischen Sonntagsdichtung und großer Lyrik. Was liegt näher, als selber die Rolle einer Jury anzunehmen. Ihr wahres unbestätigtes und gehasstes Vorbild: und ihre Auffassung, der schöne und geliebte, der kann sie alle haben. Wie in der Gruppe 47, … alle hingen bei der Bachmann im Schoß. Vergleichbar mit denen die sich seitenweise Schund im Internet herunterladen, dort lassen sie ihre Kindlein ebenfalls zu sich kommen. Und anschließend? Da beklagen die alternden Emporgekommenen, dass in den großen Anthologien nur noch Männer vertreten sind. Ja, was war denn vorher? Was war denn mit den Entdeckern? Wir haben die Talente entdeckt und gefördert schreiben Literaturzeitschriftenverleger. Da meinen Verleger, wenn man nur ihre Produkte kauft, würde man Entdeckte finden und manche Entdeckung machen! Ja was glauben die denn? Man erkennt doch gerade an ihren Produkten was sie entdecken und vermarkten. Wo bleibt denn der kaufmännische Verstand? Es bleibt eben kein Geld mehr für den großen Wurf wenn man nur, wie Trittbrettfahrer hinter den Anderen herläuft. Das gilt aber für beide Seiten, für den Verleger und für den Schriftsteller. Wer aber erkennt sich schon selbst? Alle Lyriker sind und bleiben nur Konsumenten. Die großen Dealer bleiben unter sich. Versuche in ihre Kreise zu kommen sind ein sinnloses Scheitern. Man bemüht sich mit finanziellem und zeitlichem Aufwand Kontakte zu knüpfen, aber diese Kontakte sind nicht möglich.

    2. Was ist ein Verlag? Ein Verlag will Bücher verlegen. Das heißt nicht dorthin, wohin der Autor will. Der Verlag verlegt die Bücher dorthin, wo sie niemand findet. Verlegt sie und erwartet Nachfrage, nicht umgekehrt. Deshalb der Name Verlag. Glaubt denn irgendein Schriftsteller er käme bei einem der Drei, - oder sagen wir, Fünf wichtigen Verlage unter? Ehrlich, ob bezahlen oder nicht, insofern stimmt die These, alles andere sind doch keine richtigen Verlage. Verlage sind die moderne Zensur. Wer selber bezahlt, zensiert sich selbst. Wie man einen Verlag wählt, kann man auch eine Partei wählen. Da gibt es die zwei Großen, angeschlossen sind die Kleineren. Alles andere sind Zuschussparteien, so wie es auch Zuschussverlage gibt. Glaubt man denn vielleicht man, zahlt bei einem großen Verlag nicht zu? Sicher nicht, wenn man Dieter Bohlen heißt, aber der bezahlt ja auch mit seinem großen Namen. Das heißt, die großen Schriftsteller bezahlen mit ihrem großen Namen und die Unbekannten? Die Talente laufen vor verschlossenen Türen. Nur was kommerziell zu vermarkten ist, wird angenommen. Hinter den Sätzen liegt eine andere Vorstellungswelt! Natürlich ist, das, wer Geld für „quasi NICHTS“ gibt, grundsätzlich selber schuld! Aber das hier angeschnittene Problem liegt doch nicht bei den Verlagen!
    Es geht doch nicht mehr darum! Wer sein Buch bei einem Unternehmen veröffentlicht, das sich »Verlag« nennt, der sollte dafür kein Geld bezahlen. Ein Verlag trägt das finanzielle Risiko der Buchveröffentlichung allein. Dieser Satz enthält doch eine Doppelmoral. Der erste Teil ist ein gewöhnlicher Hergang, eine normale Sprache; der zweite Teil eine selbstverständliche Konsequenz aber, man muss das nicht erzählen, das Wichtige (die Aufgabe eines Verlages) wird verschleiert. Lesen wir uns nur einmal die Autorenlisten der angepriesenen Verlage an. Der weltberühmte Schriftsteller, den auf jeder Straße niemand kennt. Wer richtig nachliest, der sieht doch, dass es hier keinen Zweck hat anzuklopfen (wie bei Kafka vor der verschlossenen Tür) und sich dann wie in München am P1 vom Türsteher einen Korb zu holen (die Gäste sind alle geladen und sind bekannt) das ist das Kriterium. Wer als Schriftsteller erkannt hat, dass er ein Niemand ist, ist sicher schon auf dem richtigen Weg, aber bitte sehr, nicht bei einem Verlag anklopfen, der ebenfalls im Verlagswesen NIEMAND ist, sich aber sehr wohl für weltberühmt hält. Die Zeiten der großen Verlage sind vorbei, das muss man einfach so sehen und sie sehen nun ihre Felle wegschwimmen durch die preiswerten Druckverfahren und Vermarktungen, denen sie nicht mehr nachkommen. Das wieder wollen sie wettmachen durch eine elitäre Haltung. Die kann aber nur der große Schriftsteller und Dichter haben. Sie steht keinem anderen, auch keinem Verlag zu. Ob man also zu den Auserwählten, oder Ausgezeichneten gehört, das spielt doch wirklich keine Rolle. Wer wirklich gut ist, weiß es mit Sicherheit selber, und darauf kommt es doch nur an. Also, machen und tun, aber nicht so viel anschreiben und vor allen Dingen kein Geld für noch so wenig Leistung zahlen. Alles andere kommt schon von selber.

    3. Glücken
    Nur so kann die Lösung eines Schriftstellers und Lyrikers heißen: Glück.
    Man muss sich den Schriftsteller und Lyriker (Durs Grünbein) als glücklichen Menschen denken, als einen Menschen, der mit sich und seiner Arbeit im Reinen ist. Das sicher auch, weil er gerade in den Orden „Pour le Mérite“ aufgenommen wurde. Vielmehr aber, weil er von sich sagen kann: „Die Poesie hat mein Leben verändert, ihr verdanke ich alles, und wenn ich es mir recht überlege, sogar meine Frau.“ Nur wer sich mit seiner Arbeit alleine beschäftigt und Glück hat, kommt weiter. Wer mit seinem Erstlingswerk hausieren geht, hat keine Chance. So ist Glück nicht zu verstehen und nicht zu erreichen. Also erst Glück und dann Frau, nicht umgekehrt. Man darf einfach die Welt nicht mehr verstehen. Wer sie versteht, hat schon nichts mehr begriffen. Es geht nicht mehr darum! Der vor angeführte Text ist bereits die Majestät des Absurden, die Pervertiertheit der Brillanz. Der Bereich des Natürlichen, des Menschlichen wurde bereits nach der Setzung des Punktes überschritten. Auch wenn wir bereits Schmetterlinge im Bauch haben, wissen wir noch nicht: Ist das geschriebene Realität, Einbildung oder bereits Dichtung. Für normalsterbliche Menschen ohne Glück (ein Widerspruch, denn der normale, der sterbliche Mensch hat kein Glück) gilt nur harte Arbeit und am besten: Gründen sie selber einen Verlag; damit löst sich die Frage nach einem geeigneten Verlag von selber. Was einige an sogenannte Zuschussverlage zahlen, damit kann man locker einen Verlag gründen und die ersten Autoren veröffentlichen.

    Vor lauter Verlagen vergessen wir die Buchhandlungen. Sie, die ärmsten der Armen, haben überhaupt keine Möglichkeit der Wahl. Sie sind sozusagen die Apotheken, nur verkaufen sie statt Medikamenten: Bücher. Aber auch hier verdient man das meiste Geld mit Mitteln gegen Husten und Kopfschmerzen. Eine Lagerhaltung schafft Kosten. Auch hier gilt, der Inhalt ist nicht so wichtig. Wichtig scheint das durch Medien und Fernsehen bekannte Gesicht. Als fernsehbekannter Mundharmonikaspieler, gerne! Aber mit schwerer Kost tut es sich eben schwer. Das sehen auch die Verleger so. Also erst mal berühmt werden, dann ist es egal, was sie schreiben. Blabla verkauft sich sozusagen über das Gesicht.

    4. Die Vögelchen singen wieder. Man schreibt wieder Lieder, die zu singen sind in den Gazetten, zu Hause, unter der Dusche. Der weltberühmte Dichter schreibt dem weltberühmten Verlag. Man kennt sich; Geheimgesellschaften. Wer bist du, wer bin ich? Alles im Mittelfeld. Man kommt sich näher. Kontakte und Stiche. Gedichte am Rande eingerückt. Der Eindruck liegt auf mittlerer Ebene des Mittelfeldes. Immer wieder Geniales. Vorbeisehen. Du- Ich. Man hat sich selber sehr lieb. Was soll dieser Inhalt? Spezielles am Rande und Dichtung. Tragödie und Komödie auf den ersten Seiten längst verstorbener Versager. Heute Helden. Das Übliche krepieren. Man kommt nicht rum. Darüber stehen unfassbare Ideen. Denken und Nichts. Denken ist dasselbe. Es tönen die Lieder, der Frühling kommt wieder. Das Leichte wirkt gefällig schön. Hartes ist schwere Kost, die zu denken gibt. Alles ist tragisch. Es dauert zu lange. Die Zeit läuft. Immer wieder ist Mittelmäßiges zum Füllen. Aber am Ende bleibt nur Frust für alle. Es fehlt der Mut. Wenn es einer schafft, der hochkommt, begegnet niemand. Fahrstühle führen nach oben aber die Türen bleiben verschlossen. Man bleibt, man schreibt für sich. Kein Interesse für Aktuelles. Man träumt, man ist besoffen vom Kaffeerausch. Es liegt was in der Luft, man vergisst zu atmen. Der Weg vom Geld zum Genie ist kurz, kann man sich Entdeckungen nicht leisten. Kolumbus hatte noch Zeit. Schritt für Schritt, ohne auf die Nase zu fallen. Weltbekannt sein, ohne aber den Nachbarn zu kennen funktioniert nicht.

    Die jungen Vögelchen zwitschern schön.
    Man hört sie gern. Der Verlag hat das große Werk verlegt.
    Was wir wissen, wissen wir alle von den T-Shirts.
    Zeig das Du, lebst mit der Sprache.
    Spreche das Dunkel.

    Ich empfinde nur Freude und Leid für alle jungen Dichterinnen, die frühzeitig einen Preis erringen konnten. Freude über ihr fröhliches Singen am Morgen und Leid darüber, dass sie so früh wieder sterben werden. Ich schrieb ja mal über die jungen Vögelchen und das Schicksal dieser Vögelein ist, dass sie früh beginnen zu singen und dabei fängt sie ja bekanntlich die Katze. Es ist also für einen Dichter immer wichtig, so wie Gottfried Benn bereits sagte: spät anzukommen.

    5. Dabeisein ist nicht alles
    Ganze Drossel- und Nachtigallenschwärme singen ihre lyrischen Lieder. Es pfeift von allen Schulen von allen Gassen. Das Singen ist gegen die Natur, kein lyrisches Singen,
    kein Trällern, - das können die Vögel in der Natur besser.
    Lyrik zeigt sich gegen die Natur, Lyrik ist künstlich und fern jeder Kunst.
    Wer singt zeigt nur offen seine Angst vor der Welt. Alles Singen ist nur Angst.
    Aber wohin fliegen diese jungen und diese alten Vögel? Nein, ihr Ziel ist lange nicht der nächste Ast oder das nächste Dach. Sie fliegen auf diese höchsten Gipfel. Die Besten wetzen ihren Schnabel auf allen Achttausendern im höchsten Gebiet der Welt. Die harten, die Ehrgeizigsten, sie wollen nicht nur dabei sein. Es geht um die Medaillen, die Siegprämien, die Pokale, es geht um die Macht, es geht um Geld.
    Einige meinen, warum ich es denn nicht auch gemacht hätte wie diese Vögelchen. Ich habe es eben erst mit dem Ersten Arbeitsmarkt versucht. Immer mehr promovierte Theoretiker gehen in die Comedy.

    Wettbewerb mit Preisvergabe.
    Eine Methode einer Begriffswettbewerbserklärung.
    Es gäbe keine Preisträger, wenn es keinen Wettbewerb gäbe. Wenn man also von Preisträgern hört und von einer Jury, so muss man gleichzeitig von den Teilnehmern reden, welche dann ohne einen Preis geblieben sind. Welche durch die Teilnahme am Wettbewerb selbst, mit Preisträgern und Jury, ein Teil der Notwendigkeit bei einer Teilnahme des Wettbewerbs sind. Selbst der Veranstalter ist Teil des Wettbewerbs, sowohl der Jury als auch aller Teilnehmer, insbesondere der Preisträger. Wenn man also von einem Preisträger hört, so sieht man zunächst den Preis. Wenn man aber den Preis als „nicht könnte, sein“ versteht, so erkennt man die Teilnehmer und durchschaut, in wieweit ein Jurymitglied den Preisträger begreift, statt zu erkennen, das es weniger um das materielle noch um das körperliche, also nicht um den Preis, und auch nicht über den Preisträger geht, vielmehr um das Geistige, welches zu preisen wäre. Eine Schande aber ist es, der Lobpreisung eines Preisträgers mehr anzuhängen, als dem geistig Geschaffenen. Eine Schande also, wenn der körperliche Preisträger, dem geistigen Wettbewerbsbeitrag vorgezogen wird. Also nicht einer künstlerischen Idee, wie sie geschaffen ist, den Vorzug zu geben. Das im Wettbewerb eingereichte Geschaffene, muss also gegenüber dem anderen Geschaffenen, besser sein, ohne Berücksichtigung seines Schöpfers, noch eines von einer Jury hineininterpretierten Hintergrundwissens. Der Preis wendet sich also demjenigen zu, dem es auch verdankt, dass er zu preisen ist. Der Preis verliert hier an dem, was zu preisen ist. Unmöglich aber ist, dass der Preisbeitrag, der Mehrheit von Jury, Preisträgern, Veranstalter noch den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen entsprechen kann, noch an diesen ursprünglich teilhat. Nur das ist unser Preisträger, in dem wir erkennen, dass das von ihm Geschaffene, zu preisen ist, indem wir begreifen, inwieweit es sich von den übrigen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen entfernt. Wieso der Preis nur sein konnte, wenn er nur zu preisen sei. Der Preis muss also ästhetisch dem Publikum gefallen und nicht dem Preisträger oder der Jury. In erster Linie müssen die nicht ausgewählten eine Wahl nachvollziehen können. Denn im Wettbewerb leben wir, bewegen wir uns, und sind.

    Ich zitiere aus dem gleichen Umfeld einen bestimmten Verleger/Herausgeber einer Lyrikzeitschrift (von anderen in ähnlicher Form akzeptiert):
    Wir nehmen nur a) Junge weibliche Lyrikentdeckungen b) alte Lyrikpreisträger, c) und dann mischen wir unsere Freundeskreise und Mitspieler darunter.
    So werden heute Lyrikzeitschriften gemacht!

    Zitat: Wer heute keinen Rollator hat, wird niemals ein Jurymitglied bei einer großen Preisverleihung. M.H.F.

    Manchmal verliert man die Lust, sich für die Dichtung zu engagieren. Da sind immer wieder, Herausgeber, Verleger, Lehramtsexperten, promovierte Germanistenvögel, Selbstverwirklicher ..welche einem jeden Spaß und Ernst am Wettbewerb vermiesen.

    Verleger erzählen bei jeder passenden Gelegenheit, gerne diese Geschichte, der bösen, von ihnen abgelehnten Autoren. Ob diese Briefe wirklich böse sind, ist ihre individuelle Meinung. Sonderbar ist jedoch das sie diese Briefe nicht ernst nehmen, und zum anderen, dass ihnen noch nie ein angenommener Autor einen kritischen, bösen Brief geschrieben hat. Dass bei der Auswahl ihrer Autoren ein erheblicher Diskussionsbedarf besteht, erklärt ihre gleichzeitig nette Geschichte, welche sie bei jeder Gelegenheit zum Besten bringen, dass sie ihre eigentlichen Geschäfte im Grunde genommen nur mit 20 % ihrer Autoren machen. Diese 20 % finanzieren ebenfalls die verbliebenen 80 %. Da sie jedoch bei der Annahme eines Autors meistens nicht wissen welche Autor zu den 20 % oder den 80 % gehört ist ihr Dilemma ihre eigene Wahl. Einem Verleger ist schon klar, wenn er einen schlechten Autor annimmt und einen guten ablehnt (wie frustrierend muss das denn sein). Liegt doch das Problem im wesentlichen bei Ihnen. Es geht nämlich darum, ein möglichst komplettes Programm für seinen Verlag darzustellen. Es ist die Tätigkeit eines Sammlers, der 20 % einer guten Sammlung besitzt und den Rest füllt, damit er eine Ausstellung bestücken kann. Selbstverständlich lehnt er oft den guten Autoren ab. Die verkäuflichen (guten) Autoren sind leider meist die ungeliebten populären Werke. Weil ausreichend schlechte Autoren sein Kontingent füllen weil sie sein Ego streicheln, kann er geistig überleben. Eine Kritik seinerseits zu Beschwerdebriefen ist also völlig unangebracht. Der kurze Hinweis auf ausgebucht reicht völlig und der Kommentar auf gut gemeinte böse Briefe ist besonders unangebracht. Der Verleger ist also seinerseits nicht in der Lage an einem Werk Kritik zu üben, sofern er selbst nicht in der Lage ist, ein gleiches, oder besseres Werk zu schreiben. Dass ihm ein Werk gefällt weil es seinen eigenen Worten entsprechen würde zeigt nur die eigene universelle Beschränktheit.

    Peinlich ist es, als Verleger seine Meinungen verbreiten zu wollen, aber auf der anderen Seite, jeden Informations-Input als störend empfinden.

    Anfänger senden ihre ersten Gedichtproduktionen gerne an die bestehenden Lyrikverlage, in denen irgendein Pseudomöchtegern promovierter Germanist das Lektorat und diese erste Begutachtung vornimmt.
    Die Gedichte sind natürlich nach kritischen Gesichtspunkten künstlerisch allesamt schwach. Sonst würde diese ja auch keiner hinschicken. Zehn Jahre später nach erheblicher Reife (sofern der Beginner weitermacht) schickt er auch nichts mehr hin (es ist ihm einfach zu dumm).
    Worauf ich aber hinauswill, ist, dass diese Einmannjury diese ersten Gedichte mit allgemeinem Formblatt ablehnt.
    Beschwert sich nun der Dichter (zu Recht, denn die abgedruckten Gedichte sind allesamt derart schwach), so wird man im Verlag böse und schreibt arrogantfreche Antworten mit der Begründung, der abgelehnte Dichter sei nur missgünstig das Er nicht veröffentlicht wurde.
    Im Gegenzug werden wie gesagt, diese ewigen schwachen, realpoetischen, Naturgedichte veröffentlicht, und wie ich bereits in anderen Artikeln beschrieb, diese jungen Vögelein (Mädchengedichte) von denen der Verlag glaubt, sie wären diese große Entdeckung. Selbst die größte deutsche Dichterin stirbt am Ende ungeliebt. Und für alle lobenden Nachrufe kann Sie sich nichts mehr kaufen.

    Also ihr lieben Verlage. Werft eure Möchtegernexperten für Lyrik aus den Verlagen und lost die veröffentlichten Gedichte aus. Ihr habt sicher ein besseres Ergebnis und viel eher einen Nobelpreisträger darunter. Denn einen großen Künstler in den Anfängen zu erkennen, diese Wahrsagerei spreche ich jedem Menschen ab. Das war seit Jahrtausenden so und wird auch weiterhin so sein.
    „Deutschen Gegenwartsliteratur“, bestimmt vage eine Generation von Autoren zwischen 30 und 40 Jahren, die allenfalls nach einem Werk einen Zugriff auf die „Gegenwart“ haben. Es sind die gleichen jungen Mädchen, die sich für Pferde und reiten interessieren und die plötzlich nach der Pubertät ihre Liebe für den Schlager finden. „Deutsch“ heißt in größeren Verlagen Deutschlands Veröffentlichtes. Kleinverlage oder Autoren anderer Altersklassen und anderer Länder deutscher Sprache sind hiervon ausgeschlossen. Unsere Bücher müssen weiter wachsen auf über tausend Seiten.

    Da ich ohnehin nicht zur Gegenwartsliteratur zähle, rechne ich mich zu den deutschen Klassikern die erst lebten ehe sie schrieben, statt mit gymnasialen Halbwissen die Welt zu erklären, ohne zu wissen, das es diese gar nicht gibt..
    Ich weiß nicht, wo ich meinen Migrationshintergrund hernehmen soll, wahrscheinlich aus der Bildungsferne meiner Umgebung die mir immer ferner, fremd wurde. Da ich im Süden einer Stadt groß geworden bin, habe ich nie die nördliche Kälte der Zuwanderung kennengelernt.

    Bestätigung finden wir in "Our Generation" das ist das Gedicht des 14-jährigen Jordan Nichols aus Wilmington im US-Bundesstaat North Carolina. Wie schon Julia Engelmann in ihrem Gedicht "One Day/ Reckoning", beschäftigt sich Jordan Nichols mit seiner Generation.

    © Manfred H. Freude

  • Sprachphilosophie Freude

    Dieses Buch wendet sich an Sprachphilosophen, Geisteswissenschaftler, Philosophen, Lyriker, Autoren und alle Interessierten, die Theorie und Sprache als Dialog verstehen. Diese These beleuchtet ein philosophisches Konzept und eine artikulierte Praxis einer sozialen Technik. Alle Sprachphilosophie ist unmoralisch! Der Sprache generell zu diktieren, ob sie wahr oder falsch sein muss, zeigt von einer niederen Gesinnung.
    Einfach Sprechen, so lautet der poetische Diskurs. Bedingung eines Glückens von Sprechakten, ohne Wahrheit oder Aufrichtigkeit zu bedenken. Interesselos und verantwortungslos. Lügen, so wie diese Wissenschaftler, die behaupten, entweder mein Traktat ist das Ende des Diskurses oder wir Schweigen. Man spricht eben so oder so. Während Platon meint, man könne nur aufrichtig sprechen (das ist doch sehr persönlich). Die alten Griechen waren verantwortungslos, zu Recht. Das bekam Sokrates zu spüren. Zu Hause wird Wein getrunken, im Gefängnis aber wird Schierling getrunken; also bitte schön getrennt. Die Wahrheit ist eine Hure. Sie verkauft sich dem Nächsten, Besten.
    Schwaigen verwendet viel philosophischen Scharfsinn darauf, eine Lücke in der Sprachphilosophie von Wittgenstein zu Derrida und von Austin zu Heidegger erkenntnistheoretisch zu deduzieren. Sprache als naives Wohlgefallen, immer mit einem Interesse. Aber welchem Interesse? Diese Frage wäre zuerst zu klären. Sprache als eine Zweckmäßigkeit ohne einen Zweck. Welche Funktion des Sprechens hier vorliegt, spielt keine Rolle. Auch wenn die Form (eine wissenschaftliche) eine mehr oder weniger wichtige Bedeutung vorstellen sollte. Wir reden zu viel. Wer zu viel redet, ist der Sprache nicht mächtig. Oft tritt ein Gerede an die Stelle, wo eher ein Schweigen angebracht wäre.

    Was ist Sprache, und wie bestimmt man die Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken, und was es heißt es diese Ausdrücke zu verwenden?
    Inwieweit handelt es sich im Verhältnis um Sprache, Denken und der Wirklichkeit?

    Ein wesentlicher Paradigmenwechsel entstand mit Gottlob Frege 1848-1925. Nach Frege war die Sprachphilosophie analytisch, welche sich logisch der Sprache hinwendet.

    Ist das Denken von der konkreten Sprache abhängig? Wie bestimmt man Begriffe? Linguisten behaupten heute, dass so wie wir denken, abhängt von, in welcher Sprache wir sprechen.
    Ich weiß, dass Paris in Frankreich liegt.
    Ich kenne Peter.
    Ich kann Fahrrad fahren.
    Im Deutschen wissen, kennen, können und im englischen I know …
    Diese herausgestellte Sprachabhängigkeit ist Unsinn. Bei allen Aussagen macht der deutsche, englische oder ein chinesischer Hörer seine Interpretation. Man kann auch nicht einfach das I know … rückübersetzen.

  • Bücherverbrennung

    Die Bücherverbrennung
    “Also sprach Dr. Goebbels: Lasst uns aufs neue Brände entfachen, auf dass die Verblendeten nicht erwachen!”
    Dass am 10. Mai 1933 Bücher verbrannt wurden, war Demonstration. Wenn wir heute Bücher lesen auf einem elektronischen Gerät, wird dies registriert. Es wird auch registriert, dass wir dies nicht lesen und vielmehr in einer gedruckten Form bestellen.

    Die "Arbeiter-Illustrierte-Zeitung" (AIZ) brachte in ihrer Ausgabe Nr. 18 vom 10. Mai 1933, die bereits in Prag erschien, auf ihrer Titelseite John Heartfields Fotomontage "Durch Licht zur Nacht": Im Hintergrund ist das Reichstagsgebäude, aus dem die Flammen schlagen, zu erkennen, im Vordergrund steht Joseph Goebbels neben einem Haufen brennender Bücher.
    Wie auf dem Berliner Opernplatz, so wurde in vielen anderen deutschen Universitätsstädten am 10. Mai 1933 "undeutsches Schrifttum" verbrannt. Diese makabren Veranstaltungen waren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Höhepunkt der Kampagne "Wider den undeutschen Geist", die vom Hauptamt für Presse und Propaganda der deutschen Studentenschaft vorbereitet worden war. Teil dieser Aktion waren "Schwarze Listen" für die Säuberung öffentlicher und privater Bibliotheken von "zersetzendem Schrifttum", aber auch Veröffentlichungen in der Tagespresse mit Namen "nicht tragbarer" Autoren sowie die Nennung der Plätze für die nächtlichen Verbrennungen. Von "Feuersprüchen" begleitet wurden Werke von Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanautoren wie politischen Schriftstellern den Flammen übergeben. Unter Beteiligung von Rektoren und Professoren verbrannten auf riesigen Scheiterhaufen u.a. die Bücher von Karl Marx (1818-1883), Heinrich Heine (1797-1856), Sigmund Freud, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky und Alfred Kerr.
    In Berlin begleitete Goebbels die Bücherverbrennung - die in Deutschland zumeist mit Gleichgültigkeit aufgenommen wurde - mit einer Schmährede gegen die "verfemten" jüdischen, sozialistischen und demokratischen Autoren, die in der NS-Kunst und Kultur keinen Platz finden sollten. Bei der "Säuberung" öffentlicher Bibliotheken wurden allein in Berlin bis Ende Mai 1933 rund 10.000 Zentner Literatur beschlagnahmt. Ein Jahr später umfassten die "Schwarzen Listen" mehr als 3.000 Titel verbotener Bücher und Schriften.
    (rbl)

  • Wittgensteins Sprachspiel

    Wittgensteins Sprachspiel
    I.
    Allgemein sprechen wir bei einem Sprachspiel von „allgemeinen“ Äußerungen. Es sind also keine eindeutigen Äußerungen. Trotzdem soll die Sprache Regeln folgen; so wie ein Spiel, ebenfalls Regeln befolgt. Aber ist die Regel, das was ein Spiel ausmacht, im Gegensatz zur Sprache? Innerhalb eines praktischen Zusammenhangs versteht man jede Äußerung als Sprachspiel. Klären wir nicht, dass es bei einem Spiel einen Sieger gibt. Ich erwähne hier vorsätzlich nicht den Verlierer. Die unterschiedliche Qualität der Sprache zeichnet sich durch die spezielleren Begriffe gegenüber der alltäglichen Sprache aus. Das gibt es auch bei Spielen. Je vortrefflicher das Spiel, desto höher der Einsatz und der Gewinn. Desto höher der persönliche Einsatz des Spielers. Man kann also nicht bei (Fachsprache) Hochspielen nicht mit Kinderspielen (Privatsprache im weitesten Sinne) argumentieren. Sollte Sprache also verwendet werden, wie ein Spiel. Das hieße, es muss immer einen Verlierer geben, auch bei einem Spiel mit sich selbst. Bei einer Rede, wer wäre dabei der Verlierer. Wir sprechen bei der Sprache nur vom Verlierer, denn würden wir es als Spiel bezeichnen, wenn der Sofist seinen Gegner in Grund und Boden redet. Beispiele, wie die Sprache verwendet werden kann, eignen sich nicht zu Sprachspielen. Sprache wäre in diesem Spiel nur der Ball, der Stein oder der Würfel. Ein Ball, Stein oder Würfel alleine macht noch kein Spiel aus, ebenso wenig, wie die Sprache. Dass jede sprachliche Äußerung in einer menschlichen Praxis beheimatet ist, heißt, dass ohne Sprechen und ohne ein Dichten, der Mensch nicht leben kann. Dichterisch wohne der Mensch. Wie der Mensch gezwungen ist zu atmen, so ist er gezwungen zu dichten, zu sprechen. Man bedeutet mit einem Wort, einem Satz das was man tut, mit einem Ball, Stein oder Würfel. „Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das »Sprachspiel« nennen.“ – Wittgenstein, PU § 7 . Bei der buchstäblichen Darstellung von Sprachspielen bei Wittgenstein, welche alleine dem Zweck dienen, ein Entstehen philosophischer Probleme auf die missverstandenen Sprachspiele zurückzuführen, geht es auch um seine Aussage, besser zu schweigen, genauer gesagt, hieße das, wir haben uns nur dumm ausgedrückt!
    Man kann ja alles nennen wie man will. Aber von einem Sprechen über das Sprechen zu einem Hören überzugehen kann man schwer als ein Spiel betrachten. Der Sprecher behandelt sein Sprechen wie ein Spielinstrument. (wir sehen, dass die Sprache zum Sprechen nur unzureichend geeignet ist) Der Hörer nimmt das Spiel auf; aber nicht in der gleichen Richtung wie der Aufspieler! Selbst wenn er mit sich selber spielt, wie ein Kind beim Werfen des Balles gegen eine Wand, oder dem Ringelreihen. Das wäre ja schließlich kein Spiel, wenn der Gegenspieler die Sprache des Spielers aufnimmt. Ein Spiel hat nun einmal Gewinner, (wenn man mit sich selbst Ball spielt, war das Spiel geglückt oder verunglückt); wir sprechen aber „Spielend“ um Beide aus unserem Sprechen einen Gewinn zu ziehen, oder zumindest die Erkenntnis, wir hätten nichts verstanden. „Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. Ähnlichkeiten im Großen und Kleinen.“
    – Wittgenstein, PU § 66“ Wir benutzen die Sprache heute, besonders in Medien, Funk, Fernsehen und Presse zur Täuschung und Tarnung. Auch in der Wissenschaft, Politik und Wirtschaft verwenden wir die Sprache als Spiel mit künstlichen Worten. Diese Eigenschaften haben aber weder mit dem Sprechen, noch mit der Sprache zu tun. Wenn ein Richter (auch aufgrund seiner Behauptung des besseren Verstehens) nur das Sprechen des Anwaltes zulässt, so ist das eine Sache die zwar eine Regel sein kann, aber mit Sprechen und Sprache überhaupt nichts zu tun hat, wie überhaupt nichts mit dem Sprechen und der Sprache zu tun hat. Wenn dort ein Ball liegt, ist das noch kein Spiel. Wenn dort Spielfiguren oder Würfel liegen ist das noch kein Spiel. Zum Reden gehören Verstand und Verstand und das sprechen können. Sprechen lernt man von selber, wie das Atmen und das Sehen, ihm eine spezielle Position zuzuschreiben wäre falsch. Zu der elitären Aussage "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ käme man bei einer Zensur. Man kann auch sagen: was man nicht tun darf, das darf man nicht sehen; oder was man nicht aussprechen darf, das darf man nicht anhören! Reden nun Austin, Wittgenstein und andere nur Ohnsinn? Sicher wenn wir davon ausgehen können, das jeder Satz, jedes Wort ohne Sinn ist. Um diesem zu entgehen müssen wir so vorgehen, dass „wovon man nicht sprechen kann, das müssen wir besprechen“. Wittgenstein selber stand der Frage skeptisch gegenüber ob sich Menschen über das Sprechen verstehen können und das war richtig. Menschen können sich über das Sprechen verstehen und nicht aus, oder von dem Sprechen her. Der Sprecher kann nicht wissen ob seine Worte und seien sie noch so einfach, verstanden sind. Wir lernen Sprechen, dazu bedarf es keinen Lehrer. Das wir den Lehrer verwenden, damit der Schüler das Wort richtig nachspricht heißt nur, das wir alle gleich sprechen wollen, wollen im gleichen Spiel sein. Auch das ergibt sich nicht allein aus der Sprache. Es ist gerade so, das jeder Mensch für sich einzeln Verstand besitzt und wir nicht von einem großen globalen Verstand reden können, auch nicht in einem eigenen Sprachgebiet. Darum ist es besonders für Menschen nachzuvollziehen, wenn der eine von Gefühlen spricht, die man selber gut nachvollziehen kann. Es ist daher nicht einfach ein privater Gebrauch, wie auch der elitäre Gebrauch keine Geheimsprache ist, sondern ebenfalls ein Ohnsinn, der eben nur verstanden sein will. "Den Begriff 'Schmerz' hast du mit der Sprache gelernt.“ Mit der Sprache lernt man jeden Begriff, das ist eine richtige Aussage. Auch oder gerade wenn wir sie hier als Ohnsinn bezeichnen, lernen wir doch, wie wir im Übrigen nicht unbedingt etwas aus hochgeflügelten Worten lernen. Im Sinne Wittgensteins ist alles Sprechen nur ein ausstoßen von Lauten, die wir gelernt haben zu verstehen. Das Prinzip des Verstehens als eine Erkenntnis ist hier wichtiger als die Sprache. Das Umsetzen von Sprache in Laute, diese zu erkennen und Verstehen, das ist die Erkenntniskraft. Das der Mensch seine eigene Empfindung richtig wiedererkenne daher den Begriff richtig anwenden können, das wird von Wittgenstein noch bezweifelt. Das der Mensch seine Empfindung erkennt kann man schwer bezweifeln, es ist aber für den Menschen unglaublich schwer dies sprachlich zu äußern. Es fehlen dem Menschen einfach die Worte, das ist die einfache Formel.
    Jedes Spiel kennt Regeln, damit haben wir geschlossen. Diese Regeln sind aber nur für das jeweilige Spiel verbindlich. Außerhalb unseres Sprachbereiches und auch noch innerhalb unseres Sprachkreises, gilt eine Unzahl von Regeln. In unserem Kulturkreis fahren, auf der Insel, alle Autos links, während bei uns auf dem Festland, die Autos rechts fahren. Das bedeutet, dass für unser Sprechen keine Regeln gelten. Auch, für das Fahren der Fahrzeuge, gelten nicht die Regeln. Fahrzeuge fahren eben. Die Regeln gelten für den reibungslosen Straßenverkehr, ebenso wie die Sprachregeln für einen reibungslosen Sprachgebrauch anzuwenden sind. Man spricht grundsätzlich ohne Regeln und so hart es klingt ohne Verstand. Man glaubt, dass jedes Sprechen zu einem vernünftigen, wahren Ergebnis führt. Dieser Glaube führt uns in die Irre und Enttäuschung. Man lernt durch das unterschiedliche Sprechen, nicht durch die Anpassung zu einem gleichen Sprechen. Man muss die gegenseitigen Unterschiede der Sprache und des Sprechens vergleichen, um zu einer Wahrheit zu kommen. Unterschiedliche Regeln und unterschiedliches Sprechen können sehr wohl nebeneinander existieren. Die Grenzen unserer Sprache, unseres Sprechens müssen wir überwinden. Oft können wir unsere Grenzen nicht erkennen. Manchmal sind unsere Grenzen so eng, das wir nicht weiter sprechen können. In einem geschlossenen Sprachbereich, wie die Wissenschaftler der anglistischen und der wienerischen Schule, können und wollen die Personen nicht aus ihren Sprachregeln ausbrechen. Ihr Kampf bleibt zwischen Minderwertigkeitsgefühlen und Hybris von Geniehaftem. Sie können nicht frei sein und aus ihrer Enge austreten, weil sie mit ihrer Sprache nicht experimentieren wollen. Wir können fortschreiten, wenn wir bereit sind uns mit anderen Theorien auseinanderzusetzen.

    Wittgensteins Schweigen

    II.

    Zwei Dinge erkennen wir seiend, den Sprecher und den Hörer, beide sind selbstständig im Denken! Die Sprache (das Sprechende ist nur die Brücke, die Differenz. Durch den Fluss sind beide Ufer voneinander getrennt. Die Brücke bildet lediglich die Möglichkeit eines Übergangs. Wir befinden uns mit unserem Denken in einem Stundenglas. Die eigentlich richtige Methode des philosophischen Denkens ist das ständig etwas unsinniges Sagen (im Gegensatz zu Wittgensteins nichts zu sagen…). Dieses Schwätzen, palavern, beinhaltet das Schweigen. Dass ein Mensch sein Denken über einige Zeit ändert, seine Überzeugungen revidiert, beweist doch in seinem menschlichen Verhalten eine Denkkontinuität. Bei Wittgenstein hat Denken und Sprechen seinen Ausdruck im Schweigen. Er verortet allerdings das Schweigen im Nichtssagen und nicht wie hierbei hinter dem Sprechen! In der Übereinstimmung des jeweiligen Schweigens mit der einsicht der Unsagbarkeit für Fragen außerhalb der Naturwissenschaft, dieses Schweigen bereits gesprochen hat, wie auch im Sprechen darüber, das Unsagbare spricht: „du redest Unsinn, aber ich weiß schon was du meinst, oder auch nicht.“ Auch im Schweigen liegen Vorstellungen zugrunde, die zu begreifen, der das Schweigen erkennende, aufgefordert wird. (TLP 4.112) Die Philosophie ist Erläuterung (Sprechen), ist eine Tätigkeit (keine Lehre) zum Zweck der logischen Klärung von Gedanken. Der Zweck ist nicht das Sprechen sondern das Denken.“ Der Sinn der Welt muß außerhalb ihrer liegen“ (TLP 6.41) Außerhalb der Welt hieße hier außerhalb der Logik. Es geht Wittgenstein um die Ethik. Außerhalb des Traktatus; und er erwog einen zweiten, ethischen Teil seiner Schrift. Ethik ist etwas rein Menschliches. Sie hat wie der Mensch eine begrenzte Lebensdauer und ist nach ihm tot. Sinnvolle Sätze über den Sinn, die den Sinn ausdrücken, kann es nicht geben. TLP 6.42, Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts höheres ausdrücken. Was sagbar und was nicht sagbar ist, bestimmt diese Diskrepanz zwischen der Unmöglichkeit von Metaphysik zu formulieren und den religiös-persönlichen Erfahrungen. Es ist alles eine Frage nach der Wirklichkeit. Im Vorwort des Traktatus heißt es: Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen. Das ist meine These. Wir können immer und über alles klar miteinender reden. Aber diese hieße dann weiter, Es gibt überhaupt nichts, worüber man nicht reden kann. Alles worüber man nicht geredet hat (das Schweigen) lässt uns Denken. Es ist die Grenze zu ziehen im vagen Haufen zwischen der Sprache und dem Ausdruck der Gedanken. Wittgenstein gibt der Sprache, dem sagbaren Sprechen die Möglichkeit, durch das, was durch die Naturwissenschaft verifiziert werden kann. Man kann aber Sätze nicht verifizieren, nur falsifizieren. Die Frage ist die, kann man Schweigen falsifizieren, oder falsifiziert das Schweigen das Sprechen? Wir können weder Naturwissenschaftliche Sätze verifizieren, noch religiöse Sätze. Wir können weder Sätze, noch Sprache, noch jedes Sprechen, verifizieren noch falsifizieren, weil sie nicht sinnvoll sein können! Wir können lediglich unsere Welt, alles was wir denken können und unsere Träume, verifizieren. Darum sind Übereinstimmungen von Sprache immer problematisch. Philosophisch heißt das Problem: „Sag mal irgendwas, ich denke mir meinen Teil!“ Unser Denken, das sich im Stundenglas befindet, müssen wir denken! Eine Frage, nach dem Unsinn, und wir müssen erkennen, worin dieser Unsinn liegt! Wir haben die Möglichkeit zu sprechen, aber wir haben nicht erkannt, das wir uns über die Sprache nicht verstehen! Jedermann weiß unendlich viel, aber etwas auszudrücken, oder zu erklären, weiß man nicht.

    Sprachspiel
    III
    Unter Sprachspiel (engl. language game) wird allgemein eine sprachliche Äußerung verstanden, die zwischen einer bestimmten Verwendungssituation auftritt. Diese Verwendungssituation ist die nonverbale Zusammenstellung des Satzes. Im philosophischen Diskurs spricht man hier von einem Sprachspiel. Allgemein kann man unter Sprachspiel jede Form der sprachlichen Äußerung innerhalb eines praktischen Zusammenhangs verstehen, also die massenhafte Arten des Wort- und Satzgebrauchs. Nach der Theorie Wittgensteins wonach das mit dem Begriff verbundene „Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform“. Dabei können diese sprachlichen Äußerungen von gemeinen Lauten bis zu komplexen sprachlichen Systemen reichen: Auch die Philosophie, ein Jargon, ein Spaß, ein literarischer Text oder andere Sprachformen können daher als Sprachspiele bezeichnet werden. Im weiteren Sinne zählen auch Äußerungsformen wie diejenigen der Mathematik oder der formalen Logik zu den Sprachspielen. Diese zeichnen sich gegenüber anderen alltäglichen Sprachspielen durch einen vergleichsweise hohen Grad an Präzision bezüglich der verwendeten Begriffe aus. Es ist aber für eine Sprachtheorie irrelevant, ob eine niedere Sprache oder eine hohe Sprache vorliegt, was im Übrigen auch kein Kriterium für Präzision ist. Das Sprechen mag auch ein Teil einer Lebensform oder einer Tätigkeit sein. Zumindest hat das Sprechen nichts mit dem Sprachspiel zu tun, zumindest sowenig wie der Ball oder die Art des Werfens. Ein Sprechen kann man aber vielleicht mit Gedankenexperimenten vergleichen. Innerhalb von Wittgensteins eigenem Werk sind Sprachspiele oft bestimmte Gedankenexperimente, in denen ein eng umrissener Gebrauch von Worten dargestellt wird, um an simplen Beispielen ihre Verwendungsweise zu studieren. Diese Sprachspiele sind nach Wittgenstein von der Sprache des Alltags zu unterscheiden. Diesen Unterschied mache ich explizit nicht. Es gibt zwar diese Unterschiedlichen Spiele. Ich kann aber nicht nachweisen dass ein Murmelspiel einen geringeren Wert besitzen soll als ein Golfspiel. Es geht immer um den Wert des Spiels, sozusagen um den olympischen Gedanken. Wittgenstein versucht bestimmte Aspekte der Sprachpraxis im generellen zu interpretieren. Die wörtliche Darstellung von Sprachspielen dient bei Wittgenstein zumeist dem Zweck, das Entstehen philosophischer Probleme auf missverstandene Sprachspiele zurückzuführen. Hierin liegt der Grund aber, dass alles Sprechen nur verstanden und missverstanden werden kann. Das Sprechen ist immer unverstandenes Unverständnis! Selbst wenn wir einen Satz verstehen ist dies nicht auf die Rede zurückzuführen. Wie wir auch kein Spiel verstehen wenn plötzlich ein Ball oder ein Spielstein oder Spielzug ins Spiel kommen. Der Gedanke für den Sprachspiel-Begriff ist, dass jede sprachliche Äußerung in einer menschlichen Praxis beheimatet ist. Das heißt auch das wir sprechen müssen und sprechen können und von anderen mit denen wir sprechen verstanden werden können. Das heißt aber nur dass wir uns die Bälle zuwerfen. Hieraus ein Spiel zu formulieren ist ein anderes Werk. Nur innerhalb dieser (zum großen Teil nichtsprachlichen) Praxis machen die vielen verschiedenen Sprachspiele Sinn. Das ist genau der Knackpunkt. Der größte Teil des Sprachspiels ist nonverbales Schweigen. Ein Wort, ein Begriff oder ein Satz hat seine Bedeutung also nicht unabhängig davon, was man mit diesem Wort, dem Begriff oder dem Satz tut und in welcher Situation man ihn äußert. Vielmehr liegt die Interpretation im Hörenden, was der Sprecher bereits berücksichtigt ist was er von seinem Zuhörer erwarten könnte. In den Philosophischen Untersuchungen brachte Wittgenstein dies auf die Formel: „Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie verwoben ist, das »Sprachspiel« nennen.“ – Wittgenstein, PU § 7 So nennen wir es doch auch einfach Sprechen, wie wir auch ein bedeutungsloses Spiel ein Spiel nennen. So nenne ich hier dieses Sprechen: SCHWAIGEN, weil dieses Sprechen nichts sagt, so wie das Spiel nichts sagt, wie auch das Ergebnis eines Spiels nichts sagt, so wie alles was sagt nichts sagt und lediglich zum Nachfragen anregt und durch Nachdenken zu Ergebnissen führt. Vielleicht hat hier Wittgenstein erkannt, je vergleichsweise höher der Grad an Präzision bezüglich der verwendeten Begriffe ist, je mehr muss man Nachdenken und diese ganze meist Stille Begleitung der Rede nenne ich das Schwaigen.
    Im Braunen Buch, einer Vorstufe der Philosophischen Untersuchungen, bezeichnete Wittgenstein die Sprachspiele noch als „in sich geschlossene Systeme der Verständigung“ Ein richtiger Weg. Diese Formulierung taucht in den Philosophischen Untersuchungen jedoch nicht mehr auf. Sprachspiele sind dort bei ihm grundsätzlich offen, lassen sich zumindest theoretisch beliebig erweitern oder verändern. Auch ist es nach Wittgensteins Auffassung in den seltensten Fällen sinnvoll, eine „geschlossene“, also klar definierte und abgegrenzte Verwendung eines Begriffs zu fordern oder zu suchen. Hier votet er für eine vage Bezeichnung des Begriffs Sprache und er bleibt auch Vage indem er es mit dem Begriff spiel verknüpft. Viele Begriffe (viele Sprachspiele) seien gerade dadurch praktikabel, dass man keine genauen Grenzen für ihren Gebrauch ziehen kann. Also was ist nun das Sprechen, etwas mit ungenauen Grenzen, beliebig Vage oder können wir im Sprechen ein genaues Ergebnis herleiten? Exemplarisch erläutert dies Wittgenstein anhand des Begriffes „Spiel“: Betrachte z.B. einmal die Vorgänge, die wir »Spiele« nennen. Ich meine Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiel, Kampfspiele, usw. Was ist allen diesen gemeinsam? – Sag nicht: »Es muss ihnen etwas gemeinsam sein, sonst hießen sie nicht ›Spiele‹ « – sondern schau, ob ihnen allen etwas gemeinsam ist. – Denn wenn du sie anschaust, wirst du zwar nicht etwas sehen, was allen gemeinsam wäre, aber du wirst Ähnlichkeiten, Verwandtschaften, sehen, und zwar eine ganze Reihe. Wie gesagt: denk nicht, sondern schau! – Schau z.B. die Brettspiele an, mit ihren mannigfachen Verwandtschaften. Wir erkennen nun hieran schon, es kommt nicht mehr auf das Sprechen an Wittgenstein erkannte das schon sondern, und hier sagt er ja, sieh hin, und beim sehen verschafft man sich ein Bild und das kommt dem Denken schon näher. Nun geh zu den Kartenspielen über: hier findest du viele Entsprechungen mit jener ersten Klasse, aber viele gemeinsame Züge verschwinden, andere treten auf. Wenn wir nun zu den Ballspielen übergehen, so bleibt manches Gemeinsame erhalten, aber vieles geht verloren. – Sind sie alle ›unterhaltend‹. Vergleiche Schach mit dem Mühle. Oder gibt es überall ein Gewinnen und Verlieren, oder eine Konkurrenz der Spielenden? Denk an die Patiencen. In den Ballspielen gibt es Gewinnen und Verlieren; aber wenn ein Kind den Ball an die Wand wirft und wieder auffängt, so ist dieser Zug verschwunden. Schau, welche Rolle Geschick und Glück spielen. Und wie verschieden ist Geschick im Schachspiel und Geschick im Tennisspiel. Denk nun an die Reigenspiele: Hier ist das Element der Unterhaltung, aber wie viele der anderen Charakterzüge sind verschwunden! Und so können wir durch die vielen, vielen anderen Gruppen von Spielen gehen. Ähnlichkeiten auftauchen und verschwinden sehen. Und das Ergebnis dieser Betrachtung lautet nun: Wir sehen ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. Ähnlichkeiten im Großen und Kleinen. – Wittgenstein, PU § 66 Die Antwort kann doch nur lauten, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ein spiel ist eben ein spiel und morgen ist wieder ein anderes Spiel. Ein Spiel ist eben so unterschiedlich wie die Menschen und das Sprechen ist so unterschiedlich wie die Menschen. Wir hätten es immer gerne genau und präzise. Doch je präziser wir formulieren, desto mehr entfernen wir uns von den Menschen. Die Spitzenspiele der Spitzenspieler sind für den normalen Menschen unerreichbar. Darum werden sie so interessant Auch wenn die Geschicklichkeit oder das Können für andere unerreichbar scheint, so hat doch das Betrachten oder zuhören nur Ästhetischen wert. Das Betrachten eines Spitzenspiels, wie das hören einer wichtigen Rede ist ein ästhetisches Vergnügen mit interessenlosem Wohlgefallen genossen. Diese Ähnlichkeiten, durch welche die Sprachspiele untereinander verwandt sind, nennt Wittgenstein Familienähnlichkeiten. Der Begriff „Spiel“ im Wort „Sprachspiel“ betont also zum einen, dass Sprachspiele in eine menschliche Praxis eingebettet sind: Sprachliche Äußerungen (Sprachspiele) haben demnach auch nur dann einen Sinn, wenn sie eine bestimmte Verwendung und Funktion innerhalb einer Lebensform haben. Also hier wird die Frage nach dem Sinn von Sprechen gestellt. Nun ist uns doch klar das Sprechen sinnlos ist und das Sprechen ohne Sinn ist, denn der Sinn ist vom Sprechen different. Zum anderen verweist der Begriff des Spiels darauf, dass den vielen verschiedenen Sprachspielen nicht notwendigerweise irgendetwas gemeinsam zu Grunde liegt. Es ist doch keine Frage dass es auch etwas Angenehmes ist den Mund zu halten. Die Frage ist nur für wen. Einige wollen immer Reden. Andere wollen immer hören. Ich denke aber dass gerade im Sprechen sehr viel liegt, was nicht gesagt ist und worüber nachzudenken ist. Manche Sprachspiele bauen dabei aufeinander auf. Um etwa an einem philosophischen Sprachspiel teilzunehmen (zum Beispiel wenn über die Verwendung des Begriffs „Sprachspiel“ diskutiert wird), muss bereits die Beherrschung vieler anderer Sprachspiele vorausgesetzt werden. Ein Mensch kann nicht sofort damit beginnen zu philosophieren, sondern muss die Sprache zunächst erwerben, also – in Wittgensteins Worten – zur Verwendung vieler Worte und Sätze „abgerichtet“ werden (PU § 27). Hier hat Wittgenstein natürlich eine falsche, elitäre Vorstellung von philosophieren. Eine Frage könnte sein, ob man das Thing für ein Palavern hält oder für philosophieren. Ich denke die Grenzen sind hier fließend. Jedes Sprachspiel hat bestimmte Regeln: jedes Wort, jeder Satz, hat bestimmte Regeln für seinen Gebrauch. Diese Regeln für den richtigen Gebrauch der Sprache sind Konventionen bzw. Gepflogenheiten, die Menschen innerhalb einer Lebensform teilen. Ein Sprachspiel ist daher prinzipiell nur in einem sozialen Kontext denkbar. Ein Mensch allein wäre laut Wittgenstein nicht fähig, ein Sprachspiel zu etablieren. Dies hat Wittgenstein in seinem berühmten Privatsprachenargument zu zeigen versucht.
    Wenn Ludwig Wittgentein (1889-1951) in seinem berühmten "Tractatus logico-philosophicus“ mit der Aussage "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ der (philosophischen) Sprache noch eine radikale Absage erteilte, so machte er der Sprache in seinem Spätwerk wieder Zugeständnisse. Dort gesteht er ihr eine gesellschaftlich erlernte Kommunikationsfunktion zu.
    Das Sprachspiel bei Ludwig Wittgenstein
    Können die Menschen sich mittels ihre Sprache wirklich verstehen? Kann der Sprecher davon ausgehen, dass seine Worte vom Zuhörer wirklich verstanden werden? Ludwig Wittgenstein stand diesen Fragen skeptisch gegenüber. Für ihn bedeutete Kommunikation hauptsächlich das Erlernen von Verhaltensregeln innerhalb der Gesellschaft. Er nannte das ein Sprachspiel.
    Benennung der Gegenstände als Voraussetzung
    Die Voraussetzung, am Sprachspiel der Gesellschaft teilnehmen zu können, ist für Wittgenstein das Erlernen der Regeln. Dies findet im Benennen durch den Lehrer bzw. Nachsprechen des Lehrlings statt (hinweisendes Lernen). In seinen Philosophischen Untersuchungen schreibt Wittgenstein: "Der Lernende benennt die Gegenstände. Das heißt, er spricht das Wort, wenn der Lehrer auf den Stein zeigt. - Ja, es wird sich hier noch die einfachere Übung finden: der Schüler spricht die Worte nach, die der Lehrer ihm vorsagt - beides sprachliche Vorgänge.“
    Wer das Sprachspiel spielen kann, handelt situativ richtig
    Aber wie kann man sicher sein, dass durch das hinweisende Lernen der Schüler die Bedeutung der Worte wirklich versteht und nicht bloß nachspricht? Eigentlich gar nicht. Für Wittgenstein gab es kein tieferes Verstehen in diesem Sinne, sondern nur die Regeln des Sprachspiels. "Verstehen“ bedeutet in diesem Fall, dass jemand innerhalb des Sprachspiels richtig handelt, das heißt die "richtigen“ Reaktionen zeigt.
    Wörter oder Sätze haben bei Wittgenstein keinen festen Bedeutungssinn. In unterschiedlichen Situationen kann ein Wort oder Satz eine völlig andere Bedeutung annehmen und ganz unterschiedliche Reaktionen erfordern. Mit dem Benennen ist also noch nicht viel gewonnen. Der Ausruf "Bitte!" beispielsweise kann ein Ruf nach Hilfe sein, aber auch der Ausdruck von Höflichkeit, wenn wir jemandem einen Gefallen tun. Ruft der Meister seinem Lehrling "Platte!" zu, so wird dieser, je nach Situation wissen, was zu tun ist: die Platte bringen, wegtragen, weiterreichen und so weiter.
    Kritik an der Privatsprache
    Können wir mitfühlen, wenn uns ein anderer von seinen Gefühlen erzählt? Typischerweise nehmen wir an, dass jemand, der von seinen Zahnschmerzen erzählt, genau die gleiche Empfindung hat wie man selbst, als man Zahnschmerzen hatte. So ist es auch mit anderen "privaten“ Empfindungen. Dabei gibt es nach Wittgenstein keinen Hinweis darauf, dass die Empfindungen vergleichbar wären. "Das Wesentliche am privaten Erlebnis ist eigentlich nicht, daß Jeder sein eigenes Exemplar besitzt, sondern daß keiner weiß, ob der Andere auch dies hat, oder etwas anderes“, formuliert der Sprachphilosoph in seinen "Philosophischen Untersuchungen“. Für ihn stand fest: "Den Begriff 'Schmerz' hast du mit der Sprache gelernt.“ Auch Empfindungen werden durch hinweisendes Lernen Teil des Sprachspiels. Im Falle von Schmerzen erlernen wir, die äußeren Anzeichen (Wimmern, Klagen, sich Krümmen) mit dem Begriff Schmerz in Verbindung zu bringen. Nur über diese Schmerzäußerungen sei unser Schmerzbegriff definiert und gesellschaftlich erlernt, glaubte Wittgenstein.

    Wie sinnvoll sind private Äußerungen?
    Im Grunde negierte Wittgenstein die Privatsprache. Für ihn bestand eine private Sprache letztendlich nur aus Lauten, die kein Anderer verstehen kann, und von der lediglich der Sprecher glaubt, sie verstehen zu können. Selbst die eigene Wahrnehmung des Sprechers bezweifelt Wittenstein noch. Dass dieser seine eigene Empfindung richtig wiedererkenne daher den Begriff richtig anwenden können, selbst das zog Wittgenstein in Zweifel.
    Spiel mit der Sprache in der Literatur [Bearbeiten]
    Als Sprachspiele im weiteren Sinne könnte man auch die konkrete Poesie (visuelle Poesie) bezeichnen, die vor allem die optischen und akustischen Aspekte der Sprache zum Anlass nimmt, in Abweichung von den offiziellen Normen der Sprache zu spielen und Formen der Darstellung unkonventionell zu variieren. Ihrer Theorie zufolge stellt „Konkrete Poesie“ keine Sachverhalte mehr dar – außer sich selbst. Insofern ist das Spiel mit der Sprache das Ziel dieser Art der Sprachmanipulation.

  • Sprechhandlungstheorie

    Moores Katze
    Sprechhandlungstheorie zum Schweigen
    Sprechakttheorie und Privatsprache
    Theorie Moores Katze

    Sprechen ist ein Handeln. Man beschreibt mit sprachlichen Äußerungen wie dem Reden nicht nur, sondern vollzieht gleichzeitig Sprechakte. So ist die Theorie. Man beschreibt also mit dem Sprechen, (in die Köpfe,) also behauptet und vollzieht gleichzeitig Handlungen, wie Anordnungen und Benennungen. Der Sprechende ist überredet. Seine Sprache legt sich über seine Schrift, über seine Gedanken. Sie tritt zwischen den Sprechenden und seinem Zuhörer. Dass man einfach sich äußert, spricht, bloßes Sagen, einen einfachen Satz sagt, heißt nicht, das man etwas sinnvolles produziert, auch wenn der Satz formal und gramattisch und nach sprachphilosophischen Kriterien sinnvoll zu sein scheint. Nicht jedoch nach unseren hier angelegten, überschaubaren Kriterien, wonach Sätze doch nur produzierter Unsinn sind. Wie wird Unsinn hier verstanden?

    Alle Menschen sehnen sich nach einem wahren Wort. Aber, sie wissen im Grunde ihres Herzens. Sie werden es nicht finden! Es gibt kein wahres Wort! Wir belügen uns immer, aber wir leben gut damit. Wir erkennen Wahrheiten über unsere Sprache hinaus. Wir bleiben alle immer Sklaven.

    Jeder Mensch auf der ganzen Welt braucht dieses Buch! Keiner kann sinnvollerweise sagen, das er es nicht braucht. Man müsste ihm sagen, er rede Unsinn. Warum? Das steht alles im Buch, aber wenn er es nicht gelesen hat, ist er auch nicht glücklicher, er weiß dann auch nicht, das er Unsinn redet. Vor allen Dingen weiß er nicht was hier Schweigen und Unsinn bedeutet.

    Wer redet produziert Unsinn könnte man an dieser Stelle behaupten. Euripides Hippolytos sagt 428v.Ch. : Meine Zunge hat geschworen, mein Herz aber nicht. Das heißt auch, wir reden Unsinn, was wir reden meinen wir unähnlich, was wir sagen meinen wir verschiedenartig. Wir sagen etwas, denken aber etwas anderes. Wenn wir alleine davon ausgehen, was viele Sprachphilosophen und Sprachtheoretiker annehmen, das ein Satz wahr oder falsch sein kann, ja ein Satz eigentlich immer wahr sein sollte, was könnten wir dann wohl noch sagen? Wir müssten nur noch lallen oder schweigen. Wir müssten Philosophie aufgeben. Was wir über Jahrhunderte als falsch erkannten, erkennen wir heute als richtig und verstehen so auch die Lüge im kantischen Sinn bereits in der Sprache. Der Lehrer redet zum Schüler bereits so, dass er die Antwort der Gegenrede bereits beliebig ändern könnte. Es wird nicht möglich sein, auch unter allergünstigsten Konstellationen, dass ich immer sicher sein kann, dass man mich auch richtig versteht. Das ist der wesenhafte Punkt. Erstens kann man sich dessen nicht sicher sein, und selbst wenn, was wäre wenn man sicher wäre, dass man verstanden worden wäre? Welchen Unsinn müsste man dann geredet haben! Sicher hätte man sich diese Rede sparen können. Das Wichtige in einer Rede ist jedoch, davon auszugehen, das man etwas zu sagen hat, das schwer zu verstehen ist, mit dessen Formulierung man sich schwer tut. Nur wer darauf verstanden hat, dass er nichts verstanden hat, hat etwas verstanden. Es scheint für beide nicht sonderlich intelligent, wenn man erklärt, „das ist eine Tür, das ein Stuhl, das ein Tisch“. Aber so sprechen wir alle, immer. Man sagt, damit man etwas sagt; oder wie Karl Valentin sagt: ich red nicht so, und red nicht so, damit nachher keiner sagen kann ich hätte so oder so geredet. Es gibt nun die These, dass ein Ausspruch sinnvoll erscheint, wenn zum Beispiel der Richter sagt „schuldig“, oder der Schiedsrichter sagt „Tor“. Hier ist lediglich verabredet, das das Wort, endgültigen Charakter hat und zwar nur in der gegebenen Situation. Jedes weitere Wort, auch abseits des Spielfeldes oder außerhalb des Gerichtssaales ist reiner Unsinn (in hier aufgefasstem strengerem Sinn). „Wenn ich sage, die Katze sei auf der Matte“, (Beispiel: G.E. Moore), und Austin schreibt hierzu weiter: „so gebe ich damit zu verstehen, dass ich auch glaube, dass die Katze auf der Matte ist! (Austin, S.66) Genau das ist das Problem! Zu sagen die Katze ist auf der Matte, ist Unsinn, auch wenn es sich hierbei für Gymnasiallehrer um einen Satz mit Referenz und Prädikation handelt. Dies zu beweisen ist nur Realismus. Das Wichtige an dem Satz, ist nämlich, dass, was ich nicht ausgesagt habe! Das Wichtige ist, das was wir Verschweigen, das Schweigen, das Denken: so gebe ich damit zu verstehen, das ich glaube… und weiter alles was ich denke, was ich nicht gesagt habe, nicht sagen wollte und nicht sagen konnte, was in diesem Zusammenhang und auch in anderen Zusammenhängen, alles was der Fall sein kann! Austin versteigt sich hier so weit die Position des Anderen, des Zuhörers aufzugreifen, was der nicht sagen und nicht antworten kann. Wir können zu „Unsinn“ (was wir hier als Unsinn auffassen, was aber unser Umgang ist) nichts sagen. Wir nehmen es hin, weil wir nicht anders können. Wir unterstellen weiterhin beim Sprechen. Auch hier können wir nicht anders als davon ausgehen. Auch wenn diese Unterstellung ein Schweigen bedeutet. Wo man Sprachlos ist, wird man heimisch im Geheimnis. Das Schweigen entspricht dem, was Sprache ist. Der performative Satz sagt nichts. Er beschreibt, berichtet, behauptet nichts, ist nicht wahr oder falsch. Man vollzieht teilweise eine Handlung. Es ist nun aber so, das alle Sätze „Nichts“ sagen (als Satz). Zumindest ist mit Sätzen nichts gesagt, wenn der Sprechende beim Sagen des Satzes dabei nichts denkt und wenn der besagte Besagte nicht zuhört oder ihm der Satz nichts sagt. Beim Vordenken oder Nachdenken zum Satz ist aber eine derart große Differenz, das diese Differenz Unüberbrückbar ist. Kein Fährmann kann den Satz vom Sprecher zum Hörer hinübertragen. Noch ohne er gesprochen ist, hat sich der Satz verändert. Beim Satz „Katze liegt auf der Matte“ kann dieser Satz wahr oder falsch sein. Mit jeder Aussage, Inferrenz, legen wir uns fest. Wir sprechen nicht nur den Satz, wir meinen auch. Zum Beispiel das es eine Matte und eine Katze gibt. Der Denker nimmt die Sätze als Ausgangspunkt (was sollte er auch anders), vergisst aber, das die Äußerung von Menschen gemacht, hergestellt werden. Alle Sätze, ausnahmslos, Artefakte. Er schreibt: „wir können nicht sagen, ich habe mich absichtlich geärgert“. Nein? Kann man nicht? Ich schon. Natürlich dachte ich mir etwas dabei. Vielleicht nur um den Wissenschaftler zu irritieren. Ich verschweige es. Eine performative Äußerung trifft zu „wenn, dann“. Einen Satz wie: „Ich bitte um Entschuldigung“ kann man nicht einmal guten Gewissens aufs Meer hinaus rufen. Man nimmt ein Boot und rudert weiter aufs Meer. Dann ruft man den Satz. Das Schweigen ist hier vor dem Satz, während dem Satz und indem man vergebens auf Antwort wartet und darüber nachdenkt. Im günstigsten Fall zwischen hinausrudern. Mit unserem Sprechen und unseren Aussagen legen wir uns weiter fest, und unser Schweigen wird immer mehr. Wer redet hat schon zugestimmt. Wer aus welcher Idee auch immer, sich für Erhaben über diese Theorie hält, ist Besserwisser oder Autoritär. Es gibt drei Einstellungen zu einer Rede. Eine performative, eine halb descriptive und die bloße Mitteilung, dies nach Austin. Der Erstere sagt demnach: du sollst, der Zweite sagt, ich würde und der Dritte meint, mir ist. Aber wer redet, wie redet er, wie sagt er es. Der erste sagt es sicher mit Nachdruck, aber was verschweigt er? Seine Gedanken gibt er nicht preis. Er schweigt. Der perkolative Act: Ich glaube nicht, das, der vor dem Standesbeamten „Ja“ sagt, anders als der beim Begräbnis die Schüppe Erde auf das Grab wirft, weiß was er sagt, noch was er verschweigt! Du verstehst, weil ich nicht spreche. Aber du sprichst.

    1. Alles spricht
    2. Nichtssagen redet
    3. Sprechen sagt etwas anderes

    Heute weiß selbst der Spitzensportler, dass es nicht auf die Spielfähigkeit ankommt, sondern auf das „Mentale“. Nicht auf Sprache, sondern auf Schweigen hieße das, bei Sprachspielen. Ich schaue auf ein Glas und man fragt: “willst du etwas trinken?“ Ich sage:“ Hast du ein Glas?“ und man fragt wieder: „willst du etwas trinken.“ Man hört nicht immer was man sagt. Es sind nicht die Worte. Man hört was man denkt. Nur der Orthodoxe will nicht. Er besteht auf eine Auslegung im Wörtlichen. Ist Sprachtheorie etwas Orthodoxes? Mit der Aussage des Satzes ist das Reden nicht vorbei. Austin machte sich über Wittgenstein lustig, weil Wittgenstein sagte, es gibt unzählige Sprachspiele. Das Argument ist würdig veröffentlicht zu werden gegebenenfalls ohne eine Letztbegründung. Wir wissen schon lange, dass es die neuen Medien nicht mehr so wörtlich nehmen. Es geht zum Nichtssagenden Sprechen. Zum Schweigenden Sprechen. Ein Geläut der Stille. Wir hören etwas klingeln. Wir hören den Nachbarn reden, mit seinem Handy. Warum sollen wir noch auf das Gerede mit unseren Mitmenschen hören? Wenn ein Belehrer (Gelehrter) vom Zuhörer (Schüler) Ernsthaftigkeit einfordert, so nenne ich dies Wohlwollen. Zweihundert Jahre brauchte es, die Gedichte Goethes einigermaßen objektiv zu interpretieren. Alle Dichter danach, fallen unter mehrdeutige Interpretationsversuche. Selbstkritische Ausgaben von bis zu zwanzig Bänden bleiben kritisch. Freispruch mangels Beweisen. Der Diktator redet zu seinen Anhängern mit Phrasen und überzeugt. Aufsichtsräte, Ärzte reden mit Autorität. Die Autorität, verhindert, dass der Patient, wie die Krankenschwester, nicht bemerkt dass die falschen Tabletten verabreicht wurden. Der Eindruck des weißen Kittels redet mehr als der ausgesprochene Satz auf wahr oder falsch überprüft wird. Ein Satz ist nämlich wahr oder falsch, aber es geht darum das er daraufhin überprüft wird. Reden wir also immer richtig? Der Belehrer übernimmt die Rolle, sagen wir als Experte für Einzelfälle. Die Gedichtsinterpretation hieße nach Austins Schiedsrichtertheorie, dass diesem die Autorität von lediglich elf Spielern und lediglich der einen Seite der Zuschauer zugesprochen würde. Eine schlechte Beweisführung für Sprachtheoriethesen. Eine Aussage, die keine Torheit ist und grammatisch unproblematisch, sagen wir:“ die Mannschaft A spielte gegen die Mannschaft B, eins zu eins“ und wir können davon ausgehen, das diese Aussage wahr ist. Aber wieso? Wir sind an dem Punkt uns die Frage zu stellen, ist der Satz sinnvoll. Es entstehen Fragen die wir nicht abweisen können. Darum sind Sätze problematisch. Es geht im Fall dieser Untersuchungen also nicht darum, ob Sätze wahr oder falsch sein können, sondern darum, wie, wann und besonders warum sie geäußert wurden. Setzt der Sprecher mit dem v. a. Satz voraus, das wir die Vereine kennen, das wir an dem Thema interessiert sind, will er ein Gespräch aufbauen, oder wirft er den Satz uns einfach so zu? Er könnte ja auch einfach sagen: in China fällt ein Sack Reis um. Der Satz könnte ja ebenfalls wahr sein. Es ist für den Satz nicht wichtig ob er wahr oder falsch ist. Worum es hier geht, heißt, das Wichtige, an dem Äußern eines Satzes ist nicht sein Äußern. Erstens sein herausbringen, das der Satz nun in der Welt ist, das, was er verlässt und zweitens das, wohin er führt, dem Erlebnis, der Begegnung. Das bedeutsame ist Veränderung die geschieht mit dem Satz, die Wendung von Wirklichkeit und Innenwelt. Die Mitteilung, die Erörterung oder das zur Sprache bringen des Spielergebnisses, sind nur das natürliche Reden und Sprechen. Das hinüberbringen und Übersetzen vom Sprechenden zum Hörenden. Der Begegnung zwischen Sprache und Sprache, zwischen eins zu eins. Die Gedanken des Sprechers, wie die des Hörers liegen sozusagen in den abgeschlossenen Hälften einer Sanduhr und nun sind darin die Sandkörner die Buchstaben, Worte oder Sätze, wie man will. Bei jeder Drehung müssen sie durch die Engführung der Mitte. Dort in der Mitte muss alles durch. Dort bleibt nichts und ist nichts, aber sobald alles durchfließt, entsteht eine neue Konstellation. Bei dem Satz, „die Mannschaften spielten eins zu eins“, öffnen sich weitere Fragespiele. Man begegnet sich nun in der Distanz zwischen dem Aussprechen des Satzes und der Wirkung (was geschieht jetzt, wie geht es weiter, steigt der Zuhörer auf Gespräche und Fragen ein?) man überlegt, kennt man die Mannschaften, ist dieses eins zu eins gut zu bewerten oder schlecht? Am Anfang der Saison ist es gut, am Ende kann es schlecht sein. Es geht also nicht um das einfache wahr-falsch des Satzes, es geht darum das ein Satz etwas Unfertiges, Unbearbeitetes ist. Der Satz ist nur das Korn, das im Brot enthalten ist. Sätze sind nicht, sie entstehen erst, sie werden nicht gemacht, sondern sie machen sich selber. Die Frage die erst folgt, muss heißen, was kann ich mit dem Satz anfangen, was weiß ich darüber? Das was alles der Fall ist, was alleine mit dem Satz nicht gesagt ist, was vom Sprecher nicht gesagt wurde, was vom Hörenden alles bei solchen Sätzen an Nichtgesagtem bereitgehalten wird. Der ausgesagte Satz, schien dem Sprecher ja nur geeignet etwas in Gang zu setzen (jeder Satz ein unbewegter Beweger). Sätze die wir am Nebentisch oder Nebenplatz mitbekommen mögen uns zunächst unvernünftig sein, wie vielleicht der Satz über ein Spielergebnis. Der nächste Satz baut dieses Sprachspiel erst auf. Das Spielergebnis ist gut und wichtig. Eine richtige Aussage. Aber es heißt auch, das Wichtige ist immer das Nächste Spiel. Das Problem ist, das es immer weitergeht, weiterfließt. Für das Spiel und auch für das Sprachspiel. Warum ich nicht den Satz für wichtig halte, das Ausgesagte; vielmehr das was nicht ausgesagt, verschwiegen wurde, werde ich noch weiter erläutern. Es gibt auch andere, weniger harmlose eins zu eins Begegnungen bei denen der Satz wahr ist, die Wahrheit aber verschwiegen wird. Wir brauchen das Spiel um zum Ergebnis zu kommen (Sonst brauchten wir ja nur das Ergebnis) ebenso wie wir das Sprechen brauchen um unser schweigendes Wissen zu erweitern. Die Sprache ist das gefährlichste Medium. Wenn man sagt „Verabschiedung“ und meint (Schweigend) „Hinrichtung“. Wie begegnen wir dem Satz. Ausgesprochen wird er interpretiert, vom Sprechenden, vom Angesprochenen und vom Beobachter; doch der Satz ist bereits verschwunden, er ist entflohen. Die Frauen wollen den Toten balsamieren, doch das Grab ist leer. Es waren Buchstaben, es wurden Worte, dann Sätze und Gespräche. Der Vertreter der Sprachtheorie darf nicht lügen, er muss davon ausgehen, dass er seine Aussage, wörtlich als wahr ausgibt Er darf nicht sagen, du bist dumm. Nach meiner Theorie wäre diese Aussage nur eine Floskel für den Beginn einer Debatte. Es gibt also Abstufungen in der Auslegung. Sicher ist nach der Eheschließung, man sagt vor dem Standesbeamten Ja. Gibt sich das Ja-Wort und ist endgültig verheiratet. Das ändert nichts an der Qualität, der Form und alles was darum der Fall war. Hat auch keinen Einfluss auf die Aussage. Sie kann, wie jeder Satz, jedes Wort ist Unsinn gesagt sein, trotzdem. Das Kind im Märchen ruft den Wolf, ruft „Wolf“. Da gibt es viele Bedeutungen. Der Wolf kommt und frisst das Kind. Eine von vielen Möglichkeiten. Wenn jemand nur das Wort ja, oder Wolf sagt, ist es nicht das Gleiche. „ Das zurechtbilden zu identischen Fällen, zur Scheinbarkeit des Gleichen ist ursprünglicher als das Erkennen des Gleichen“ (Nietzsche 12/550: 10/159) Das Produkt des Wissenschaftlers ist sein Wirken, nicht seine Sprache; das Produkt seiner Sprache. „ Aus wissenschaftlichen Theorien folgt technisch verwertbares, aber kein normatives, kein handlungsorientierendes Wissen… (Habermas 1973; 355) Der Dichter schreibt: „Nur Narr! Nur Dichter!“ Nach Nietzsche ist die Beschreibung eines Werks zwischen Extremen von Vertrautheit und Fremdheit, Nähe und Distanz, Erinnern und Vergessen, Sinnhaftes und Unverständliches. Dieses Beschreiben als ein Nachschreiben, Nachsprechen, Interpretieren, Entwerfen, Aussprechen. Der Sprache und der Schrift ist seine innerste Geschichte, sein werden eingeschrieben. Es ist dem Menschen, auch Nietzsche, der es selbst geschrieben hat, nicht zugänglich. (Geburt der Tragödie, Versuch der Selbstkredit, 3.) Die Sprache kommt zur Welt. Dabei kann man sagen, sie ist geboren. Aber die Koffer mit altlasten und mit Neuen Problemen warten schon. Künstlerische Sprache bezieht sich nicht auf Wissen, sondern auf ein Handeln, die Gestaltung des eigenen Lebens ist das Projekt. Wir legen die Sprache aus. Wir erschließen, was ausgesagt wird. Daher haben wir schon eine Meinung was ausgesagt wird, ebenso wie der Redende eine Meinung darüber hat, was er zu sagen hat. Wir sehen nicht erst die Katze auf der Matte, wenn wir nicht schon das Chema Katze und Matte symbolisch als Erkenntnisgegenstände gespeichert haben um dann sprachlich eine „bloße Äußerung“ zu machen. Mit Sprache machen wir unser Denken erst klar, worüber wir nichts aussagen können. Zu sagen, das das Geschriebene alles Unsinn ist, ist schon richtig, wie auch jedes Geschriebene und Gesprochene in diesem Sinne Unsinn ist. Die Auslegung dessen, was ausgesagt ist macht erst die Qualität. Der Leser und der Interpret stellt erst seine eigene Denkschrift auf. Wenn ich hier Schriftsteller, Philosophen und Dichter zitiere, gebe ich erst ein Urteil über ihre Aussage ab. Davon muss ich ausgehen, dass die bisherige Theorie sich nicht ausreichend bewiesen hat, sondern gar keine Theorie ist. Einsteins Theorie wurde verifiziert Sprachtheorie bedarf einer Begründung. Wenn ein Satz wahr wäre, müssten wir nach Popper gesehen die Philosophie aufgeben. Meine Theorie könnte man ebenfalls als unbegründet darstellen. In vor angeführter Weise gewiss. Uns zwingt niemand, sonst hätten wir einen Zwang, alle Sätze auf Wahrheit zu prüfen. Wir erkennen aber „systematisch“ Sätze als wahr oder falsch. Wenn wir aber wüssten, der Satz wäre falsch, wüssten wir ja schon. Es ist über-flüssig, da sich alles ja erst später zeigt. Wenn das Ergebnis mit allen Menschen einig sein soll, wird man leicht irren. Eine Aussage „ich weiß aber“ ist in jedem Fall „uninteressant“. Es besteht ein ganz gewaltiges Problem unter den Menschen. Die Menschen glauben, die Wissenschaftler, die Philosophen müssten belehren und die Dichter und Künstler müssten erfreuen. Ein Problem das wir seit über zweitausend Jahren weiterführen. Die Antwort heißt richtig: Wissenschaftler, Philosophen, Dichter und Künstler haben etwas zu lehren! Was lehrt uns das? Ein sinnvoller Satz ist nur Realismus! Wenn es nur wichtig ist, was ich sage, so ist das Babig (wie Carnap dazu sagen würde). Wenn man davon ausgeht, dass man sich nur auf das bezieht, worüber man redet, so gilt das nur auf die Beziehung, nicht auf die sinnvolle Aussage. Die Auslegung, wie ich Sprache verwende ist eine kulturelle, hier eine westliche. Karl der Große, hat spät, aber vergebens versucht Schreiben zu lernen. Wie aber sollte einer, der Worte und Sätze nun, so wie sie formuliert sind, als nach alten, westlichen Auslegungen nun verändert betrachten? Warum sprechen wir, von Unsinn auch im Sinn, von einer Ungereimtheit? Wir Dichten, ja; dichterisch wohnt der Mensch, und vor dem Denken ist Dichten. Ich kann Sprachspielen in Bezug auf Farben nicht sehr gut folgen, da ich mich mit Farben sehr gut auskenne. Daher entdecke ich in allen theoretischen Beispielen grobe Fehler. Selber kann ich die Beispiele aber nicht formulieren. Der Sprachtheoretiker kann es auch nicht besser, als er erklärt. Er weiß aber mehr, und zwar so viel, das es ihn zwingt es zu lehren. Dieses beiderseitige, verschwiegene Wissen, deckt sich gegenseitig und macht das gegenseitige Verstehen aus. Dies auch bei einem Brainstorming der Ideenfindung einer Gruppe für richtige Farbkombinationen mit Farbtafeln. Im Nachhinein ist man sich nicht nur einig, sondern kam zu genialen, neuen Ergebnissen, ohne das diese von einzelnen sprachlich richtig formuliert oder ausgesprochen wurden. Man akzeptiert und weiß was nicht gesagt wurde. Das reicht. Das ist immer so!
    Austin deutet an: wenn ich diesen Satz sage. Dann folgt der Satz, der mit Referenz und Prädikation natürlich ein sinnvoller Satz ist, was sage ich, natürlich? Dieses wollen wir einmal dahinstellen, weil wir ja davon ausgehen, das Sätze nicht sinnvoll sein können. Somit wäre das für uns eine Tautologie (sinnvoller Satz). Dann schreibt er dazu; so gebe ich damit zu verstehen. Das will heißen: ich will sagen also ich gebe das was ich sage dem Anderen zu verstehen. Das heißt, der andere sollte oder muß das auch verstehen, also sagt Austin damit aus, das nicht nur dieser kurze Satz mit Referenz und Prädikation als sinnvoller Satz nicht alleine über die Symbolik, wie sein Chema über die Katze und Matte zu verstehen ist sondern er gibt auch damit vor das man einen Satz erst einmal verstehen muss. Das ist unsere These das ein Satz von sich aus sagt, beziehungsweise erst einmal verstanden werden muss, heißt ich muss einen Satz verstehen. Die Frage entsteht aber hierbei ehe ich einen solchen Satz „die Katze sei auf der Matte“ als Satz so verstehen kann ich diesen Satz nur im Kontext verstehen müsste ich sobald ich ihn kenne, der diesen Satz ausspricht, andere Begriffe dazudenken. Zumindest sagt der Satz außerhalb eines Zusammenhangs nichts aus. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ ist eben auch nur eine Sprachübung und als Satz Unsinn. Seien die Sätze gedruckt oder gesprochen, man könnte sie kaum als ein Gedicht nehmen, sei denn man würde sie in einer Anthologie veröffentlichen. Weiter sagt Austin: „was ich auch glaube“. Hier entstehen einfach viele Probleme. Wir müssen erkennen, was Austin hier meint. Darauf kommt es im Kontext an, wie das ich auch glaube betont wird. Betont er alle Worte: was ich auch glaube, Betont er nur das ich? Beziehungsweise das auch glaube? Betont er nur das: ich auch glaube, betont er das auch, betont er das glaube, oder betont er das ich und das glaube? Ich gehe davon aus, das er die Variation 6 meint und er dieses ich und dieses glaube betont. Weil er zuerst ja sagt: wenn ich sage, und dann im zweiten, dass ich auch glaube, wo bei beidem dann das ich betont wäre. Man sieht, hier gibt es schon viel schweigend zu bedenken. Das hieße, wen ich sage, dann glaube auch ich. Nun sind wir ganz verwirrt in Bezug was er sagt und was er meinen könnte. Sagt er was er meint, oder meint er nur was er sagt? Wenn zum Beispiel jemand sagt, wenn ich glaube, wenn ich sage, der Himmel ist blau, dann wäre er auch blau. Für wen eigentlich. Die meisten sagen der Himmel ist blau, oder war blau, und glauben es auch ganz bestimmt. Für mich war er lange nicht mehr blau, jedenfalls dort wo ich wohne nicht. Wenn man mir sagt, der Himmel ist blau, dann ist das beim Studium Lehramt ein vernünftiger Satz mit Referenz und Subjekt. Das mag sein; trotzdem ist für mich der Satz Unsinn, und für andere mag der Satz zumindest einiges Nachdenken wert. Es ist der Glaube, der hier mitspielen muss und die Vorstellung, man kann sich viele Himmel vorstellen die blau sind, aber ich kann mir keinen blauen Himmel vorstellen, wenn er weiße Wolken hat, Schleierwölkchen oder Cummuluswolken oder gar wenn er nicht kräftig blau ist, hieße er wäre nur sagen wir graublau. Soll das also ein sinnvoller Satz sein? Das wäre autoritäres Geschwafel. Wir akzeptieren diesen Satz als Satz. Dabei sind wir uns einig, erstmal. Darüber Bücher zu schreiben ist überflüssig. Einer hat angefangen und andere kommen mit Gegenentwürfen, wie diesem hier. So ist es mit den Sätzen. Man fängt an und sieht zu wie es sich entwickelt. Wenn also jemand etwas sagt und dann sagt das er das glaubt, dann ist er Realist und sollte das glauben. Wenn ich den Satz als Ding betrachte ist er sinnvoll, wenn ich ihn aber als eine Aussage sehe, ist er ohne Sinn. Der Satz im Buch verglichen mit einem Stein, ist schön, aber was soll das? Betrachtet aus dem Blickwinkel eines Künstlers, der darin bereits eine Skulptur sieht, sehr sinnvoll. Es ist also die Betrachtungsweise, nicht der Satz selber. Wenn also zu verstehen ist, die Katze sei auf der Matte, brauche ich nicht zu glauben, das die Katze auf der Matte ist. Selbst, wenn ich den Satz äußere kann ich nicht glauben, das es so ist. Noch während ich es sage können Katze oder Matte ihre Position verändern. Ich fühle mich auch nicht angesprochen in einer Erklärung, dass die Katze auf der Matte ist. Ich kann es glauben, oder kann es unterstellen, wie der Redner es mir unterstellen kann. Ich weiß nicht ob das so geht, denn ich würde nur verstehen, er hat eine Katze und hat eine Matte, jedenfalls was ich unter Katze und Matte verstehe. (ich weiß ja was ich weiß) Aber kann ich selber auch aussagen was ich weiß, kann ich nicht nur sagen was ich sagen kann und was ich weiß, davon kann ich gar nichts aussagen? Selbst Beweise, das inzwischen diese Meinung weit verbreitet ist und Hinweise auf Statistiken oder ähnlichem, täuschen doch nicht darüber hinweg, das man zwar so reden kann und soll, aber Unsinn nicht auch noch wissenschaftlich untersuchen soll. Das sagte schon Platon und Wittgenstein. Ich warte nur darauf, das man behauptet, diese Einstellung sei Unsinn. Dann würde ich fragen, welche Einstellung. Ich beziehe mich nicht auf eine eigene Theorie, sondern ich sage ja gerade, dass jede über Unsinn aufgestellte Theorie auch Unsinn ist. Ich bin mir auch sicher, das es schwarze Schwäne gibt, was von allen Wissenschaftlern jahrhundertelang mit Beispielen über Beweisschlüsse bestritten wurde. Das Ausgangsproblem, das alles was ich sage nicht mit andern Sprach- und sonstigen Handlungen von mir in Widerspruch stehen darf, ist das von mir zu kritisierende. Ich weiß, das ich eine Meerkatze habe und sage, die Katze sitzt auf der Matte; der Satz ist falsch. Also ist auch der Satz die Katze sitzt auf der Matte falsch, wenn ich davon ausgehe, das es keine Meerkatze ist und auch kein Löwe. Es ist gerade meine Position, das nicht das richtige ist, was ich sage, also nicht die Sprache ist wichtig, nicht die aussage, sondern, wie nun mehrfach angedeutet DAS VERSCHWIEGENE. Das, was VERSTANDEN wird, was UNTERSTELLT wird, was man versteht und was man GLAUBT das man versteht. Auch der Redende UNTERSTELLT. Er lügt also im Kantischen Sinne manchmal sogar und ich erwähnte schon, das (die Behauptung kommt von Tierforschern) Tiere nicht lügen, sie kommunizieren ja meist schweigend, mit ganz einfachen, elementaren Kommunikationsbedingungen, die von Sprachforschern selbstredend nur Menschen zugesprochen werden. „Noch der Baum, der blüht, lügt in dem Augenblick, in welchem man sein Blühen ohne den Schatten des Entsetzens wahrnimmt .“ Die Beziehung auf das Gesprochene ist nicht die Sprache, der Satz baut erst die Beziehung auf.
    So ist es auch in Durs Grünbeins Essay, Katze-Maus, Katze Mond. Katze und Mond passen nicht zusammen, mindestens nur metaphysisch. Der Gedanke geht dahin, dass das Problem, das Durs Grünbein anspricht bereits im Gespräch Platons, Sophistes, im Gespräch des Theaitetos mit dem Fremden, erwähnt wird:
    Fremder: Deine Sache ist also nun zu erklären, wovon sie ist, und was sie beschreibt?
    Theaitetos: Offenbar von mir, und mich.
    Fremder: Wie aber folgende wiederum?
    Theaitetos: Was für eine?
    Fremder: »Der Theaitetos, mit dem ich jetzt rede, fliegt. «
    Theaitetos: Auch von dieser würde wohl niemand etwas der es sagen, als sie rede von mir und über mich.
    Fremder: Und irgendeine Beschaffenheit, sagen wir, habe notwendig jede Rede?
    Theaitetos: Ja.
    So ist auch die Katze fliegt, ein falscher Satz. Warum? Es gibt für Platon wieder Seiendes und Nichtseiendes, das sei hier das Fliegen. Man verknüpft Wirklichkeiten und wirkliches Wissen. Diese Wirklichkeiten passen aber hier nicht zusammen. Beim Fremden ist Theaitetos ein Mensch, und Menschen können nicht fliegen. So ist bei Grünbein die Katze eben kein Vogel und Katzen können nicht zum Mond fliegen. Wozu also Experimente wenn die Frage bereits vor langen Jahren geklärt wurde, und was will der Dichter damit sagen?

    Die Welt ist wieder auf den Kopf gestellt. So sind wir beim Thema Paul Celan und Ingeborg Bachmann, jeweils zu ihren Büchnerpreisreden, das Lenz sich wünschte auf dem Kopf zu gehen? Die Welt wird mittels der modernen Wissenschaft auf den Kopf gestellt. Büchners Lenz bedauerte, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte, dann hätte er den Himmel als Abgrund unten. Es gibt also einen klaren Unterschied zwischen wahren und falschen Urteilen.

  • Schweigende Wahrheit im Literaturbetrieb

    Die schweigende Wahrheit im Literaturbetrieb.
    Von Manfred H. Freude.

    Die Philosophie sucht nach (der) Wahrheit - und hat bis heute nur eine vage Menge, miteinander streitende Wahrheiten gefunden. Jeder Mensch hat jede Menge Wahrheit und jeder verkörpert objektiv seine eigene Wahrheit. Zwischen Wahrheit und Wahrheit besteht eine tiefe Kluft, die zunächst unüberwindbar scheint. Aber es scheint auch nichts zu geben, was das menschliche Gehirn nicht überwinden könnte. Die Wahrheit ist also lediglich das, was wir selbst denken. Aber Achtung, nicht das was wir denken zu denken, sondern das was wir nicht wissen, das wir es wissen. Alles was wir reden und ausdrücken ist schon nicht mehr wahr, weder für uns noch für den anderen, der es einer Prüfung unterzieht. Wir können es allerdings für wahr halten, oder es für wahr ausgeben, oder noch soviel dazu erzählen, dass es anscheinend wahr sein könnte. Wir könnten ein Buch darüber schreiben und so gesehen sind alle Bücher irgendwie Romane. Der Schriftsteller hat die Handlung so oder so schon erlebt oder einmal gehört und sie scheint wahr zu sein; aber seine Geschichte ist natürlich völlig frei erfunden und an den Haaren herbeigezogen. Selbst ein performativer Akt ist niemals wahr und eine Handlung, wie eine Eheschließung, ist nur aufgrund konventioneller, kultureller Vereinbarungen bindend wahr. Wir dürfen dann einfach nicht denken. Sobald wir denken, müssen wir erkennen, dass eine Hochzeit nur Firlefanz ist so, wie wir das Tragen des Kopftuches, oder verschiedene Beerdigungsriten, nicht verstehen können. Alle Dinge, die wir aussprechen, nehmen wir aber aus guten Gründen für wahr. Boris Groys, der das Buch über die Einführung in die Antiphilosophie schrieb, wurde in Ost-Berlin geboren. Hier musste ihm doch wohl schon aufgefallen sein, dass für West-Berlin eine völlig andere Wahrheit galt. Was ist das überhaupt, ein Anti? Sitzen alle im gleichen Boot und sind dann Antiruderer oder was? Kommt Groys am Ende doch zu keinem Ergebnis, was die Antiphilosophie ist, so gibt es zwei Wahrheiten. Erstens, er schrieb ja nur eine Einführung in die Antiphilosophie oder zweitens ihm fiel auch, bei seinen Recherchen keine weitere Lösung ein, es gibt eben eine Philosophie und eine Antiphilosophie. Wie beim Parmenides gibt es das eine das ist und das eine das nicht ist. Doch dessen Göttin behauptete schon, die Menschen sind blöde, weil sie MEINEN mit WISSEN verwechseln. Nun gibt es aber eine Lösung für Herr Groys. Das ist nicht die ungeschriebene Lehre des Platon, über die man nicht schreiben könnte, und auch nicht Wittgensteins, worüber man nicht reden kann, über beides müsste man schweigen. Es ist das, was in der Weiterentwicklung der kantischen Vernunft, oder besser in deren Entwicklung, sowie in den Sprachtheorien Wittgensteins, Austins, Russel, zu kurz greift. Man besitzt die beiden Möglichkeiten, entweder man redet oder man schweigt. Man könnte in jeder Form Wahrheit herausholen. Die Philosophie ging dahin, dass sie auf der anderen Seite das Schweigen als ein Reden interpretierte und das es eine nennen wir es Letztbegründung oder besser nur X, nicht gibt und darüber kann man auch nichts aussagen. Diese Konsequenzen kann man heute nicht mehr so halten! Lassen sie es mich so sagen: Wir sagen nie etwas ganz. Alles was wir sagen oder nicht sagen ist nichts. Die Wahrheit kennen wir letztlich wie o. a. selbst nicht. Wir schreiben ein Buch, sagen wir über Antiphilosophie, wir wissen hierüber sehr viel und können sehr viel schreiben. Aber wir wissen eigentlich nichts und was viel interessanter ist, wir sagen und schreiben auch nichts, denn wir müssen uns diese Sätze Selbstinterpretieren und der Leser (was wir womöglich auch noch beabsichtigen) muss aufgrund unseres Buches seine eigenen Gedanken machen. Selbst interpretieren und denken. Das heißt, wir können mit einem Wort, einem Satz oder einem Buch eigentlich nichts anfangen. Es sagt uns Nichts, es ist wie eine Erfurter Raufasertapete. Erst wenn wir uns damit beschäftigen, unser Vorwissensherauskramen, weiter informieren können wir aus den Brubbeln auf der Raufasertapete einen Sinn entwickeln. In dieser Zeit aber entsteht eine zeitliche Differenz, von Sekunden bis zu Jahren. Diese nenne ich Schweigen (Schwaigen). Wir können selbst nicht erkennen, was wir sagen, wir müssen es interpretieren. Boris Groys erklärt es dahin gehend, dass es zweieiige Zwillinge sind, die Philosophie und die Antiphilosophie. In jedem Ding steckt auch das Antiding, wie auch in jedem Reden das Schweigen implizit enthalten ist. Es ist aber das, das beide vom gleichen Stamm sind, eine geniale Metapher. Das Reden ist nämlich das Schweigen! Sowie das Hören ebenso das lautlose Nichts ist! Und doch entsteht aus beidem, aus Schweigen und aus Nichts, so etwas wie Denken und Welt, mit allem was der Fall ist, ein steter Nachschub im Warenhaus der Ideen. Wahrheit ist, was der Fall ist, Wahrheit hat man nicht und sagt man nicht, Wahrheit muss man erst erkennen durch Prüfung. Es ist nach Austin nicht so, das unsere Sinne getäuscht wurden, wenn wir etwas falsch erkennen, als vielmehr haben unsere Sinne etwas falsch erkannt! Wir glauben, wenn wir etwas wahrnehmen, das wir es wahrnehmen, weil wir es erkennen. Wenn wir aber als ein Beispiel das hierhin passt, das Wort hermeneutisch so lesen, als hätten wir hermetisch gelesen. Wir haben uns also einfach verlesen. So gehen wir davon aus, dass dieses falsche Wort, richtig war. Wie können wir dann erkennen und sagen, das richtige Wort sei wahr, wenn wir nicht einmal sicher sein können, dass wir uns nicht verlesen haben? Wir können also niemals sicher sein, ob wir das Richtige sagen. Wie können wir dann ernsthaft etwas sagen? Alles, was wir sagen muss, unser Verstand erst einmal prüfen, ob und wie, wir etwas wahrnehmen. Das Wahre ist ständig im Streit zwischen Schweigen und Nichts. Der Augenzeuge hat etwas gesehen, aber das, was er gesehen hat, sind nur Sinnesdaten und er kann sprachlich nur aus diesen Sinnesdaten schöpfen.
    Erkenntnistheorie: Ist der Satz wahr oder nicht wahr
    Es gibt keine sinnvollen wahren Sätze, es gibt nur einfach Sätze, es besteht keine Frage von wahr und falsch, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Eine Lösungsmöglichkeit man löst die Frage mit Schlüssen, oder die Lösungsmöglichkeit, das Lachen (das Lachen ist immer einzeln, nicht wie weinen, niesen, hören, sehen, sprechen usf. die immer noch ein Zusätzliches z. B. das Denken voraussetzen) ist das überall und immer, immer nur einzeln, hier und dort, nicht gleichzeitig beim Frager und beim Objekt. Eine Theorie lautet, es besteht keine Frage von wahr und falsch, die Feststellung ist nur ein leerer Satz, eine Behauptung kann man nur falsifizieren, eine Verifizierung ist nie möglich! Sollte man die Frage stellen: Ist dieser Satz wahr oder falsch, setzt dies schon ein Nachdenken und im Grunde auch eine Antwort voraus. D. h. sage ich: Die Antwort ist wahr, so stelle ich wiederum eine Behauptung auf, die gleichwohl sinnlos ist und keine Beantwortung erfordert, weder besteht ein Wahrheitsanspruch, noch ist dies ein sinnvoller wahrer Satz. Man kann diese Frage oder Aussage nur durch (Popper) falsifizieren, beantworten; d. h. ich kann nur feststellen das oder ob die Behauptung falsch ist. Niemals das sie richtig ist. Auch dann nicht, wenn ich alle Möglichkeiten, von falsch ausgeschöpft habe. Eine weitere Frage ist diese nach der Lüge. Dichterlüge? Lügt der Dichter? Kann ein Dichten lügen? Diese Frage nach der Moral wird seit jeher Dichtern vorgeworfen. In der Presse: Es gibt nichts mehr zu berichten, was Schlagzeile machen könnte, bisher aus einem machen könnte. Schon gar nicht die Wahrheit ist für den Leser interessant. Es müssen Lügen sein, erfundene Schlagzeilen. Nur über das, was nicht sein kann, was nicht sein darf, wird Interesse geweckt. Jeder Mensch ist Dichter und dichtet sich seine Welt zu Recht. Am Morgen liest er seine Zeitung. Die darin enthaltene Story hörte er bereits im Radio. Am Vorabend berichtete man darüber im Fernsehen. Wer nun denkt er wäre Erstleser dieses Zeitungstextes, ich meine, wer denkt er ginge völlig ohne Vorwissen an diesen Text, ohne dieses Vorwissen, würde man seinen Verstand ausschalten, der irrt. Was aus der Zeitung spricht, ist nur subjektiv. Oder genauer, es ist objektiv, wird aber nur subjektiv wahrgenommen. Es ist sehr einfach. Begegnet uns ein Chinese, und spricht uns in seiner Landessprache zu, so verstehen wir seine Sprache nicht, aber immerhin werden wir etwas verstehen. Im einfachsten Fall verstehen wir Nichts, wir verstehen, dass wir nichts verstanden haben, also haben wir etwas verstanden. Nämlich das, wenn einer zu uns, in einer uns unverständlichen Sprache spricht, wir nichts verstehen. Hätte er allerdings geschwiegen, so hätte er in jedem Fall zu uns gesprochen, das hieße, wir hätten verstanden, das ist ein Chinese, dessen Sprache verstehen wir nicht. Was ist das Schweigen? Das Schweigen ist kein Verschweigen, weder Absichtliches noch ein Unabsichtliches. Man schweigt von etwas, das man nicht weiß, dass man etwas verschweigt. Man sagt, aber man sagt etwas nicht. Man sagt nichts, was man denkt und verschweigt. Oder da ist nichts, man weiß nichts. Kann also auch nichts sagen, denn über nichts kann man auch nichts sagen. Da ist aber etwas, man versucht darüber zu reden. Man beginnt darüber zu reden. Alexander von Humboldt begegnet dem Urwald, er ist beeindruckt von seiner Größe und der Artenvielfalt. Er erkennt, dass er alles wohl niemals erfassen wird. Er beginnt mit dem ersten Blatt, das er zeichnet, dass er sorgfältig zwischen zwei Seiten presst. Mit diesem Darstellen des ersten Blattes verschweigt er gleichzeitig die unendliche Artenvielfalt. Über bestimmte Themen will man nicht reden, darum palavert man über belanglose Dinge. Es geht aber nun darum, dass man grundsätzlich verschweigt, und zwar Dinge, die man nicht ausdenkt, die man nicht aus formuliert die man nicht ausformulieren kann. Mit jedem Aussprechen, der Historiker und der Archäologe können nicht erkennen, dass sie mit der Sprache nicht die Vergangenheit erklären, sondern die Vergangenheit verschweigen. Alle Dichter und Denker beschäftigte dieses Thema auf der einen oder anderen Weise. Auch wenn ihnen nicht einmal die Frage bewusst war, was mehr spricht, die Rede oder das Schweigen. Welche Rede und welches Schweigen hätte ihre Frage heißen müssen. Des gleicht der Frage nach Ebbe und Flut. Man kommt zu dem Ergebnis, das die Flut immer wieder zurückkommt. Es ist aber das Wasser, das bei Ebbe zurückgeht. Fußnote, wir zitieren einen Satz zum Thema Fußnote: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dann geben wir die Fußnote an: aus § 1 Grundgesetz. Ein sehr guter, richtiger Satz. Wahrer, schöner, bedeutender Satz. Sicher dies alles. Aber spricht der Satz auch aus sich? Der gleiche Satz bei einer Beerdigungsfeier, in einem Glückskeks, der Satz auf einer Plakatwand oder einer Todesanzeige. Er besitzt Referenz und Objekt. Ist also ein richtiger Satz. Wer spricht an, wer ist angesprochen? Das Volk ist angesprochen, weiß das es angesprochen ist. Woher? Aus dem Schweigen, aus dem nicht gesagten. Aus dem Wissen. Es spricht die Bundesregierung, sie spricht an. Sie zitiert das Grundgesetz. Sie verweist auf das Grundgesetz. Ohne nachzudenken, erkenne ich den Sinn aus meinem Unterbewusstsein. Ich weiß, dass ich angesprochen bin. Kann ich mir die Situation der Anwendung dieses Satzes vorstellen, so habe ich mich von diesem Satz bereits entfernt. Der Satz ist nicht meine Vorstellung. Wie bei den Speisen muss ich die einzelnen Komponente nachvollziehen, schmecken. Gibt es einen Grund für die Regierung mir diesen Satz nun vorzustellen? Zwischen meinen Vorstellungen und denen der Regierung diesen Satz vorzustellen, sind Welten, die erst erarbeitet werden müssen. Welten, die der Fall sind und entfernt von diesem Satz liegen. Die auch nicht aus diesem Satz hervorgehen. Die außerhalb der Bedeutung dieses Satzes liegen. Was bedeutet hier: Grundgesetz als Fußnote? Im öffentlichen Verkehrsmittel greift ein in jeder Hinsicht minderbemittelter Mann eine andere Person an. Wir fahren dazwischen: Bitte lassen sie diesen Mann in Ruhe. Wir tun unsere Pflicht. Wir sind stolz, wir haben sehr recht, das Gesetz ist hinter uns. Wir verheimlichen uns selbst gegenüber, dass wir keinen Gedanken verschwenden, aus welchen sozialen Problemen und Brennstoffen der Angreifer einer solchen Handlung fähig war. Wenn wir etwas Schönes sehen, verheimlichen wir das Hässliche, wenn wir etwas Böses sehen, verheimlichen wir das Gute. Mit jedem Wort, mit jedem Satz, verheimlichen wir. Mit der Fußnote unterstellen wir. Wir unterstellen, mit dem Aufstellen der Fußnote, das der Leser nicht weiß, das der Satz aus dem Grundgesetz ist. Das Erkennen des Schwaigen erlöst uns von dem Glauben an das Wort. Das Wort, das uns veranlasst zu einem Gedankensprung hinüberzugehen, aber, woher, wohin? Sprache bleibt dem Sprecher fremd. Das Sprechen ist die Erfahrung von etwas, das dem Ich radikal fremd bleibt. Meine Idee versucht eine Brücke der Übersetzung vom „letzten Menschen“, zum „Philosophenkönigübermenschen“.
    Die wissenschaftliche Sprache scheint mir eine Art Obskurterrorismus nach Derrida zu sein. Sie ist unverständlich und wer si nicht versteht, ist ein Idiot. Das ist Obskurantismus. Dieses Idiot ist Terrorismus.
    So scheint es doch, das auch der größte Unsinn, Quatsch einer Rede oder Schrift die verworren daherkommt, doch am meisten durchdacht sein kann. Der gesunde Menschenverstand ist objektiv. Er ist selbstbewusst. Das Bewusstsein jedoch ist zerrissen, offen und subjektiv für das absolut, offen für die Metaphysik. Sprache und Sprechen sind ein wollen, ein Sprechenwollen, dieser Ausdruck. Jedes Sprechen vermag das Gedachte zu nennen durch den Willen. Solange wir denken, sprechen wir nicht, und wenn wir sprechen, denken wir nicht. Man kann das Sprechen auf das Genaueste historisch interpretieren, ohne zu erkennen, was wohl der Gedanke hinter der Sprache war.
    Der Gedanke des Denkers, den dieser zur Sprache bringen will, wird vom anwesenden Sein her gedacht. Der Gedanke, der sich selbst zur Sprache bringen will. Dieser Bezug, den der Denker noch zum Anwesen des Gedankens fühlt, ist die Abwesenheit seines Willens, der sich nunmehr selbst will. Die Sprache ist nicht von einem Sein her geschaffen. Vielmehr von einem Dunkelnichts, spricht sie unhörbar ohne eine Stimme.
    Das Schweigen ist nicht die Sprache des Schweigens.
    Das Schweigen ist in der Rede, ist nicht das Phänomen als Möglichkeit sich besonderer Erfahrung zu öffnen in dem Es spricht. Die These, dass Schweigen Erfahrungen mit sich bringt, das es hier etwas zu wissen gibt, das was man meint, wenn man von Schweigen redet. Von Schweigen reden, das soll es geben, ebenso wie das Schweigen reden soll. Meine Theorie aber besagt, das wenn geredet wird nicht die Rede spricht, vielmehr das Schweigen redet. Hier bekommt der Wortlaut, die Sprache des Schweigens ist nicht das Schweigen der Sprache eine völlig neue Bedeutung. Die Rede spricht durch das Schweigen. Nicht die Auffassung Clemens von Brentanos: ein beredetes tiefes Schweigen, dass das Schweigen Sprache hat. Hier bekommt der Satz eine neue, andere, widersprüchlichere Bedeutung. Es ist nämlich beides möglich. Das Schweigen hat Sprache und Die Sprache hat Schweigen. Keine Metapher, keine Mythologie. Sprache vollzieht sich nicht als artikulierte Rede, vielmehr zeigt sich im Artikulierten, was man meint. Was der Sprecher und was der Zuhörer meint, beides. Sprache enthüllt, teilt mit, verkündet. Aber was? Nicht das Offene. Sie enthüllt das Schweigen. Sie teilt nicht mit, was sie mitteilt, sie teilt mit, was sie nicht ganz aussprechen kann, noch das, was sie denken kann, denn wenn sie denkt, denkt sie ebenfalls nur sie denkt. Man weiß es, warum soll man darüber sprechen. Warum soll man überhaupt sprechen? Man schweigt, aber man schweigt laut vor sich hin, man will sich mitteilen, darum spricht man, dass der andere etwas davon mitbekommt, das er seine eigene Meinung sich bilden kann. Man verkündet etwas, und wenn man Glück hat, entsteht ein Ereignis. Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen man wirklich einer Meinung sein kann. Dieses Nebeneinander. Es kann auch ohne Worte geschehen. Der Moment in Goethes Werther, wo einer nur sagt „Klopstock“ und beide haben sofort begriffen. Das Schweigen in dem Wort Klopstock ist so groß, dass es ganze Bücherregale füllen könnte. Was bliebe hier weiter zu sagen? Gewiss könnte man noch viele Worte finden, aber man würde das Verstehen nur noch zerstören. Das Schweigen ist das Wesentlichere über die beredete Sache als ein Reden über die Sache. Es ist hier nicht die Sprache des Schweigens, vielmehr das Schweigen in der Sprache, im Wort. Man fasst hier gerade dieses Schweigen in Worte. Nicht, dass man, wie auch geschieht, sagt, im Schweigen sind die Worte. Das hieße sich in das anwesende Geheimnis versammeln, aber es muss hier bedeuten sich im anwesenden Wort im Geheimnis wiederfinden. Wir verstummen hierbei nicht, vielmehr beginnen wir den Dialog. Die Freiheit zu denken ist wichtiger als die Wahrheit. Ich habe als Sprecher recht, aber die anderen können auch recht haben. Der Widerspruch, den Aristoteles in Platon sieht ist das Wahrscheinliche und nicht die Wahrheit. Die Kraft eines Textes liegt alleine in seiner Interpretation. Der Zuhörer als Interpret kann nicht anders als interpretieren. Platonisch ist hier, der Interpret und der Autor vertauschen ihre Rollen. Der Interpret wird selbst zum Autor. Als Zuhörer wird er selbst zum Sprecher. Es zählen hier die Vernunft und der Glaube nicht, es ist und bleibt die Dichtung. Wenn jemand schweigt, so sagt man auch das er damit etwas ausdrückt, etwas sagt. Will man aber das, was er nicht sagt, in Worte fassen, so könnte man gerade das nicht ausdrücken, was er mit seinem Schweigen uns sagen will. Das liegt wohl daran, dass das Gesagte immer aus dem Schweigen spricht. Zum Wesen diese Schweigens aber gehört, das man zwar darüber sprechen kann und muss, das die Fülle des Schweigens und die Differenz zwischen dem Schweigen des Redners und des Zuhörers es unmöglich machen alles auszudrücken und zusammenzukommen. Reden findet über das nicht gesagte Nichtsagen statt. Daher passiert es auch, wenn wir zu viel reden und uns zu sehr vom Schweigen entfernen, wir verstummen. Dieses Schweigen hat also nichts mit Stille zu tun. Nicht mit dem einsamen Rufer in der Wüste. Vielmehr mit dem sich zu Wort melden. Was wir wissen müssen, steht in den Büchern. Diese werden in der Schule durch den Lehrer vermittelt. Wenn aber ein Schüler aufmüpfigerweise nachfragt. Wie ist das denn, wie stehen sie dazu Frau Lehrerin, wird dieses Schweigen aufgebrochen. Vielleicht mahnt sie dann zur Stille mit dem Argument, das tut hier nichts zum Unterricht. Es ist auch nicht so, dass das Schweigen in unserer Welt so selten geworden ist. Dieses klösterliche Schweigen. Vielmehr ist im ständigen Lärm und Hochbetrieb der Sprachen eine Leere, die erst verarbeitet werden muss. Die Zeit des Sortierens ist eine Zeit von Schweigen. Wenn man so will sortieren die Medien ständig und als Zucker geben sie die News hinzu. Weiter weiß man nichts. Das wäre alles, Schweigen. Hierbei sagt Kierkegaard das Erste, das man tun muss, ist dies: Schaffe Schweigen. Hier denkt er wohl eher, dass man zuhören soll. Wir können zwar zuhören, wenn jemand schweigt, aber das wäre ein Monolog. Zuhören, was einer verschweigt, was einer schweigt, kann man nur im Dialog. Man muss reden, darauf kommt es an. Wittgensteins Schweigeprozession ist tot. Man kann das Schweigen wie man bisher sagte hören, mit den Ohren, mit den Augen, mit Nase und Mund, mit dem Herzen. Zum Schweigen aber kommen wir nur durch Reflexion im Nachdenken. Wenn Nikolaus von Cues nun berichtet, das ihm im Schweigen der Betrachtung Gott in seinem Herzen antwortet, so mag dies allein für Nicolaus von Cues zutreffen. Das muss jeder selbst wissen ob er dies als Selbstgespräch oder Dialog betrachtet. Wir als Menschen entfernen uns zwar immer mehr vom Wort; in dem wir nachdenken finden wir im Wort das, was uns ausmacht für uns. Wir kommen also durch alle Informationen näher zu uns. Dieses Reden und Sprechen ruft uns zu uns zurück, wir öffnen uns zu eigener Beachtung. Freudessatz: Das Wort stirbt, ehe es ausgesprochen ist. Das Schwaigen der Lämmer, dasselbe Schreien im Anblick des Todes, das von Menschen gemachte Schreien das seit der Geburt, dieses immerzu erneut sprechenmüssen. Warum, dann diese Stille. Dieses Schweigen. Dieser förmliche Widerspruch, das, was uns am wahrscheinlichsten scheint, ist nicht die Wahrheit. Besser scheint es frei zu sein als die Wahrheit zu besitzen. Einige glauben die Wahrheit ist im Wort, aber die Wahrheit enthält das Wort. Die Kraft eines Textes verliert sich innerhalb der Interpretation. Der Interpret wird zum Autor, er vertauscht die Position.
    Das Sprachspiel ist keine Treppe.
    Das Gedicht darf sich seine Dunkelheit bewahren, nein muss sich vom Schatten des Menschen lösen und als ein sprachloses Schweigen ins Licht treten aus allen Finsternissen. Buchstäblich trennt es sich von dem zuvor zitierten wortwörtlichen Gerede. Gegen das mittelbare Verstehen für dieses Unmittelbare verbinden des Grundes vom Mensch zum Menschlichen. Das Schweigen ist unerkennbar, unaussprechbar und also nicht wahr. Darüber sollte man nicht nachdenken, noch ihm Nachspüren. Allerdings muss man wissen, dass es immer bei jeder Rede und jedem Sprechen, jedem Wort, bereits darin enthalten ist. Wenn aber das Zweideutige, funktionierend zwischen dem Diskurs und dem Ereignis, also diese Differenz, der Abstand zum Nichts des Schweigens verschwinden, bleibt etwas als von einem Datum her Gedachtes, was die wahre Wirklichkeit ist, unartikuliert! Das die Dunkelheit des schweigenden Nichts, die Einzige wahre Wirklichkeit ist. Heraklit: „Zu hören, verstehen Sie, nicht noch zu sprechen“. Die Sprache aber ist das Recht des Menschen, das er geltend zu machen hat. Alleine die Kraft des Sprechens, so ist meine These zu verstehen, fließt aus der Anerkennung der Notwendigkeit der Phänomene, zu denen die Sprache Distanz bezieht.
    Erklärung einer Lösung: Schwaigen und Nichtsz Näherzukommen
    Verstanden, Erklären, Augenzeugen, Inszenierung.
    Wir haben keinen verstanden, Goethe nicht verstanden, Bob Dylan nicht verstanden, John Lennon nicht verstanden, Platon, Jesus, Buddha, alle nicht verstanden. Aber erklären, ja erklären können wir schön und erklären lassen, erklären über erklären. Das Erklärte noch erklären, du weißt ja. Weißt du? Tisch, weißt du, kennst du! Wir verstehen immer etwas. Etwas verstehen wir immer. Aber was verstehen wir? Wir wissen es nicht! Wir sind völlig ahnungslos. Tappen im Dunkel. Sehen nur Schatten an den Wänden. Menetekel interpretieren wir falsch. Und kommen wir einmal ans Licht, wir wissen es nicht. Es ist hell, aber vor lauter Licht sehen wir nichts. Da muss etwas sein, wir haben alles gesehen, wir glauben wir könnten es beschreiben, aber wir sind schlechte Zeugen. Wir wissen es nicht. Trug der König Kleider oder nicht? Keiner ist sich sicher. Wir können uns niemals sicher sein. Nichts weißt du und du weißt nicht einmal, dass du nichts weißt. Du gibst dich souverän. Wer am meisten blufft, erhält den Job. Du frisierst deine Bewerbung, dein Aussehen, deine Sprache. Es bewirbt sich ein Anderer. Du bleibst zu Hause, du schickst deinen Bruder. Gepimpt zur Vorstellung. Anders kommst du nicht an. Es stellten sich nur Menschen vor meinte der Chef. Suchte er Marionetten, Maschinen? Aber bitte ohne Herz, ihr Herz können sie zu Hause lassen. Herz schadet jedem Unternehmen. Zu anfällig! Reagiert sofort auf jede Kleinigkeit. Zu sensibel, empfindsam eben. Du sprichst, aber der dich hört ist schon ein Anderer. Wir erblicken zum ersten Mal die ganze Hässlichkeit eines Sonnenuntergangs. Sonnenuntergänge sind verdammt langweilig, glauben sie mir. Aber schön sind sie doch. Sicher, sicher. Schön, schön sind sie, ohne Frage. Aber für den Betrachter eine Grausamkeit. Es ist die Angst, die den Menschen sprachlos werden, lässt vor dem Untergang und der Erkenntnis, ob die Sonne wieder aufgehen wird? Angst ist der Motor unseres Lebens. Also was hierbei passiert, das ist schon vielen Menschen passiert. Nämlich, beim Sprechen, im Diskurs, glaubt man beim „Gegenüber“ mangelndes Interesse, wahrzunehmen. Diese Lückenbruchstelle, (Hiatushernie) als Differenz, Distanz eines Unterwegssein, der Sprache, schließt sich nicht … Wozu, wozu reden wir? Wir reden aus Angst, wir treffen Entscheidungen aus Angst und warten in Schweigen. Die Angst einflößende Macht der Sonne als Symbol von Grausamkeiten in der Geschichte wird in der Betrachtung ihres schönen Sonnenuntergangs, verklärt. Als romantische Schönheit suggeriert sie Frieden. Gleichwohl stellen sich dieserart Machthaber, Industriemagnaten, bildhaft dar. Diese Herrscher stellen sich dar, vor anderen Symbolen von Kreativität und Schönheit, die ihre wahre Einstellung und rigorose Politik verschleiert. Das Bild repräsentiert das Falsche als Werbung. Es verschweigt seine Wahrheit. Der Mörder wird verurteilt. Er schreibt in seiner Zelle über seine Tat einen Bestseller. Die Tat wird zum Erfolg. Die Geschichte hat sich verkehrt. Der Diktator, der Industriemanager, der Politiker, der Mächtige, der Herrscher, vor einer inszenierten Kulisse. Alles bleibt Theater. Das Theaterstück wird zum Regietheater. Der Berater stellt den Herrscherzwerg als Riesen dar, den Dämonen als Schaf. Das tödliche Medikament in gesunder, blühender Natur. Wir glauben was wir sehen, getäuscht. Was wir hören, sind nicht die richtigen Worte. Wir hören, was wir hören wollen und was einer sagen will! Wir hören nur Laute und Worte. Was wir hören und was wir hören wollen, setzen wir aus unserem Vorwissen zusammen. Was einer redet, setzt er aus seinem ihm zugänglichen Wissensschatz zusammen. Wir können den Sonnenuntergang nicht sehen, noch können wir ihn erklären. Entweder reden wir ihn schön oder wir reden ihn hässlich. Vielleicht können wir daher nicht anders, als ihn sprachlos zu betrachten. Der Sonnenuntergang vermittelt uns nicht die Welt, er stellt selbst Welt dar. Ich war dabei sagt der Augenzeuge. Was aber sagt er? Man kann nur annähernd versuchen, den Eindruck zu vermitteln. Ich bin ja ebenfalls nicht in der Lage zu vermitteln, was in letzter Konsequenz mit dem Schweigen gemeint ist, aber ich gebe ausreichend Beispiele und Erklärungen, dass dem bereitwilligen Leser eine gespiegelte Beurteilung möglich ist.
    1. ) Es ist nicht das Ungesagte und nicht das Unausgesprochene. Auch nicht das Verschwiegene und gar nicht das uns geläufige und bekannte Schweigen. Ich benutze das Wort in einem völlig anderen Sinn. Man muss zunächst beachten, dass man auf einer sprachtheoretischen Ebene ist.
    2. ) Zu jedem Satz gibt es ausschließlich Voraussetzungen und Zusammenhänge, die im Satz selbst nicht ausdrücklich zur Sprache kommen. Im Satz gibt es gar nichts außer, was man sich denkt, sowohl der Sprecher als auch der Hörer - das weiß man ja, und zwar ebenfalls nur durch Denken, nicht durch den Satz! Wenn man sagt, man steigt nicht zweimal in denselben Fluss, so weiß man das der Satz Unsinn ist, weil man weiß, dass der Fluss fließt. Das weiß der Sprecher und der Hörer. Wer das nicht einmal weiß, erkennt ohnehin den Satz als Unsinn. Und wer sagt diese Theorie wäre einfach zu verstehen hat sie vielleicht noch nicht ganz verstanden.
    3.) Jeder muss sich zu jedem Satz seinen Teil denken, anders versteht er gar nichts! Jeder muss interessiert sein das ist keine Frage. Wir erleben ja immer wieder in der Werbung, in schönen Politikerreden, in den Aussagen des Arztes, Floskeln, Reklame, wo nichts mit gesagt ist. Dahin geht der Trend weltweit. Jeder kann bewerten wollen oder auch nicht. Was soll's? Aber ernsthaft, wie soll man anders ein gutes Buch angehen, eine gute Rede angehen? Da kann ich ja bei meiner Theorie behaupten, der Uninteressierte handelt richtig. Dem widersprechen ja alle bisherigen Theorien.
    4. ) Ich spreche auch nicht von Missverständnissen und Vorurteilen. Ich spreche überhaupt nicht von Aussagen. Natürlich habe ich ein Missverständnis, wenn die Kommunikation misslingt, vielleicht aus Vorurteilen. Aber beides wäre ja Beweis für meine These, das die Kommunikation vorher und nachher geschieht, also das es gar nicht auf das Sprechen ankommt! Es ist wirklich, egal ob in China ein Sack umfällt oder etwas gesagt wird. Es geht aber darum, das die Menschen sich an den Unsinn von Sätzen halten, statt an vorher, dem Denken des Redners, alles, was der Fall ist und nachher, dem Denken alles was der Fall ist. Dem weltweit reflektierten Satz (da gibt es massenhaft Beispiele) Yes we can!
    5. ) Ich gehe in meiner Theorie davon aus, dass wir „nur Blödsinn reden“. Wer sagt ich rede Blödsinn, beweist meine Theorie, wer sagt „was ich sage ist kein Blödsinn“ muss sich beweisen. Die Aussage gibt das nicht her. Wer sagt das wusste ich schon, bestätigt meine These, wusste es aber noch nicht. Wer sagt das stimmt nicht, weiß nicht, was er sagt. Er muss sich erklären, also stimmt meine Theorie.
    6.) alle bisherigen Interpretationen von Reden und Schweigen, von Schweigen ist Gold etc. behandeln das Thema in einer differenten Form. Sie behaupten, man schweigt besser, als zu sprechen. Die Religion sagt, man muss glauben, man kann es nicht erklären. Und ich sage: Man redet immer Unsinn! Bitte um einen vernünftigen Satz: zum Beispiel: Ich weiß, dass ich nichts weiß! Was ist an dem Satz vernünftig? Nichts. Und nun sagt man, das weiß man doch. Was weiß man denn von dem Satz? Darin ist zweimal das Wort weiß und man weiß nichts! Was weiß einer der sagt ich weiß? Und dann sagt er noch, dass er nichts weiß! Was ist das: Weiß? Was sind Sätze, Worte, Buchstaben. Aber darum geht es nicht. Nun befass ich mich mit Unsinn!
    7. ) Bisher befasste man sich damit nicht und schwieg. Heute redet und schreibt man mehr Unsinn als in der Vergangenheit. Der perfekte Unsinn scheint der Renner zu sein. Die Wissenschaft schien ein Problem damit zu haben sich mit unerklärbaren Dingen und Dingen über, die man nicht spricht, so wie über Dinge über die man nicht sprechen kann, zu sprechen. Das ist nun zu Ende! Auch auf die Gefahr hin, dass noch keiner Reif für meine These ist: Wir reden nur Unsinn. Wer nun behauptet das sei Unsinn, bestätigt meine These oder hat sie verstanden.
    Argumentation für das Schwaigen
    Wer spricht schwaigt, das heißt, er sagt vieles nicht, das Verschwiegene (nichts was er verschweigt) ist im Sprechen; daraus folgt: Wer nicht spricht, spricht schon mit und wer spricht, spricht vieles nicht, wer aber redet, der sagt, - aber seine Rede besagt nichts; das was gesagt sein soll, wie auch das was nicht gesagt sein soll, lässt sich nicht aussprechen.
    Nichts zu denken ist fast unerreichbar und damit auch das nicht zu sprechen; wir reden und sagen nichts, wir schweigen und reden fortwährend. Denken und Schwaigen sind eins, aber das Sprechen ist nicht identisch mit dem Denken.

    Neben der Möglichkeit, wenn einer redet, zu denken, was er sagt, besteht auch die Möglichkeit zu denken, was er nicht sagt. Das heißt auch der Redner denkt, was er meint, aber sagt, was er denkt, dass es dem Zuhörer hilft.
    Was wir nicht ausdrücken können, können wir nur im Sagen meinen; auch das was wir sagen können, können wir nur in Sätzen sagen, auch wenn wir es nicht meinen.
    Entgegen der Aussage Nietzsches, „seine Zeit nicht mit verrotteten Gehirnen zu verschwenden“, ist es uns nicht gestattet, uns unsere Mitmenschen auszusuchen, nicht einmal unsere Eltern. Alles in der Welt ist im Fluss, parallel und simultan. Alles geschieht gleichzeitig, es gibt keine Probleme außer diesen, die in der Sprache sind. Wir können es nicht denken und daher können wir es nicht darstellen. Unendlich ist eigentlich alles, das ist das Problem. Räume die nur in Köpfen von Theoretikern existieren. Wie reden wir gleichzeitig über Unendlichkeit und Wirklichkeit?
    Schweigen im Diskurs, also bei der Rede, hat immer erkenntnistheoretischen Charakter.
    Das Nichts und das Schweigen

    Je mehr sich der Inhalt eines Textes von seinem Ereignis ausdehnt, je mehr er sich verdünnt, je mehr das Wasser von der Quelle sich vermischt mit dem Wasser der Nebenflüsse, desto mehr müssen wir verdichten, hinsehen, anzeigen, offenbaren. Mallarmé schrieb: Nachdem ich das Nichts gefunden hatte, fand ich die Schönheit. Also nur im Verborgenen können wir etwas entdecken, finden. Nichts und Vernunft sind der Quell. Der Quell, aus dem die ganze Schöpfung herrührt. Die Geburtsstätte der geistigen Vernunft. Dichten ist das kunstblinde Verdichten zu vieldeutigem Nichtsein. Das Nichts fordert seine Form, aber die Form bleibt das Nichts, wie bei einem Krug der Wert in seinem Innern liegt und bei einem Rad nicht das äußere Rad, sondern das Loch in der Mitte, Belang besitzt. Das Ungesagte ist der wahre Stil der Dichtung. Es verlangt Verstand und Reflexion, den Wert der Sprache, und der Dichtung, zu entschlüsseln. Wie man bei einem Krug nicht an den Hohlraum denkt und bei einem Rad überhaupt nicht an eine Radnabe. So macht es auch keinen Wert, ob ein Dichter eine Privatsprache oder eine Sondersprache entwickelt. Dichten sei immer eine Sprache aus dem ungesagten Nichts, immer ein Quell. Es gilt, die Nähe des Unmöglichen, zu suchen. Zwischen dem Ereignis und der Sprache liegt das Nichts. Der Berg lässt die Wolke abregnen und lässt den Quell entspringen. Nicht mehr nur das Sprechen als ein höheres Wort von schwerer Verständlichkeit, sondern überhaupt ein Abweichen von jeder Normalität mit unauflösbarer Abhebung von der Alltagssprache. Es muss ungewöhnlich bleiben, um jeden Bezug, zu einem vergangenen Ereignis, abzuschwören. Der Leser muss innehalten und reflektieren, ob das Geschriebene, Sinn macht, oder ob er selbst etwas dazulernen muss? Er wird irritiert. Die Sprache liegt an der Grenze des Dunklen, am Rand einer Lichtung. Der Leser, der selbst im Licht steht, kann das kaum verborgene nur schwer erkennen. Anderseits ist der Blick aus dem Wald zum Hellen einer Lichtung hervorragend. Die Dinge werden aber weder getrennt noch verbunden. Wald und Lichtung werden Nebeneinander gefügt. Es ist die Grenze des Schweigens. Das Schweigen reicht in das Verschwiegene, das nicht ausgesprochene, das vernichtete und doch ist es im Sprechen immer vorhanden. Dichtung ist bei Mallarmé ein schweigender Aufflug ins Abstrakte. Die Worte aber verlöschen mit ihrem Aussprechen. Sie treten wieder zurück ins Dunkel, ins Schweigen. Die Nähe des Schweigens aber bleibt die Grenze der Dichtung. In der Dunkelheit des Schweigens aber begegnen wir nur den Sternen, die wir kaum erreichen werden. Ich möchte hier nicht von der Dunkelheit der Dichtung reden, weil diese suggeriert, dass das Gedichtete nur schwer zu enträtseln wäre. Nein, ich rede von den Grenzfällen, bei denen die Sprache eröffnet wird und deutlicher als an jedem anderen Punkt zu erkennen ist. Der sich an diesen Quellen erfrischt hat sicher höchsten Genuss. Das Schweigen ist nicht das nicht mehr verstanden werden wollen Mallarmés. Das Schweigen ist gerade das, was bei allen Texten, auch denen der hermetischen Dichter, verstanden wird. Man versteht nicht das Ereignis, da hat man noch nicht gelebt. Oder wie alt war man, als der Meder kam? Das ist bereits 2.500 Jahre her. Aber wovon sprechen, der Redner und der Dichter. Entweder ist das auch vergangen, bei der Vorbereitung der Rede, oder es weist in die Zukunft. Was bleibt, ist das Verschwiegene. Was liegt im Dunkel. Welche Informationen nehmen wir, zu den uns bereits vorhandenen, mit. Aus diesem Schweigen bilden wir unsere Bedeutung, wir produzieren den Text weiter. Was bleibt von der Schlacht der Meder gegen die Ionier, oder von der Rede des Sprechers, es ist der Sinn, dem man ihm beimisst. Der Zuhörer bleibt anschließend nicht mit dem Schweigen zurück, sondern entflieht gleichsam mit dem Gehörten in das Schweigen.
    Näherbestimmung einer Entwicklung im Begriff des Schweigens.
    Schweigen ist hier die Mitteilung – Handlung – Richtung - Veredlung der Sprache.
    Man will sprechen, kann aber nicht. Die Zeit, die das Ich braucht, um zur Sprache zu kommen, braucht dieses ich, um an das Du als Gleichartiges Ich heranzutreten. Das Ich will nicht und kann nicht dem Du entgegenwirken dem Es immer fremd bleiben wird. Diese Kehre wird in der Copacobanischen Wende vorweggenommen. Es muss gleichsam eine neue Sprache erlernt werden, die das schreckliche dieser anderen Sprache ausblendet. Die Suche nach einer anderen Sprache, nach eines Anderen Sprache, nach einem anderen DU (nach Heidegger, nach Adorno) bleibt der Versuch mit der Sprache dem eigenen Gegenüber zu begegnen. Es sind dieselben Menschen, die nach erhabener Kunst streben und gleichzeitig die systematische Vernichtung der Menschen ausführen. Es ist das gleiche Sprechen der Menschen, denen das Schweigen nicht über diese Lippen geht. Auch in der Ästhetik: denn wenn mein Lied deine Lippen berührt, dann nur weil es Liebe empfängst. Das Lied spricht, kann aber nur von der Liebe empfangen werden. Bei Büchner heißt es: ach die Kunst! Setzt die Leute aus dem Theater auf die Gasse: Ach, die erbärmliche Wirklichkeit! … sie gehen ins Theater, lesen Gedichte und Romane, schneiden den Fratzen darin die Gesichter nach und sagen zu Gottes Geschöpfen: wie gewöhnlich! Celans doppelte Referenz korrespondiert deswegen im Gedicht mit einem komplexen intertextuellen Verfahren, das keine Namen nennt, sondern durch seine poetische Sprache das zu Bezeugende nur evoziert, eine spezifische Repräsentationskritik herausgearbeitet, die hier auch und vor allem Sprachkritik ist. Wenn es in der Sprache eine Regel gibt, nach der „das Sprachspiel“ sich verhält, dann erübrigt sich die Frage: warum die Worte so gebraucht werden. Warum das Wort „JA“ vor dem Standesbeamten, wenn das Wort STOP auf dem Verkehrszeichen doch eindeutig ist. Der Verkehrsteilnehmer funktioniert inner halb der Regel, ohne seine sozial oder anderweitige Stellung oder Zustand. Das Schweigen ist sich selbst bewusst. Es ist kein passives, sondern ein aktives Schweigen. Es spricht und zwar mit der Rede in der Sprache des Sprechens. Dieses Handeln von Sprache gibt im Sprechen im Begriff des Schweigens. Bei Celan spricht dieses Schweigen als das Schweigen der Natur, der Sprechende (bei Celan) der (Jude) Mensch ist. Wo Heidegger nicht sprach, vermochte auch Celan nicht das Unausgesprochene aus dem Gespräch zu lösen. Es blieb schweigen, ein Nichts. Man will sprechen, man betet, aber wer betet, der schweigt, der spricht zu niemand, den hört niemand, denn es ist dort niemand der ihn hört, da ist kein Gott mehr, denn Gott ist tot. Zeit und diese vielen unendlichen Ewigkeiten, in ihrem endlichen Schweigen in der begrenzten Rede geraten uns in eine falsche Kehle. Schweigend fällt jedes Wort ins hörende Ohr. Es ist denkbar, es ist vorstellbar, dieses beredete Schweigen lärmt.
    Argumentation für das Schwaigen
    Wer spricht schwaigt, das heißt, er sagt vieles nicht, das Verschwiegene (nichts was er verschweigt) ist im Sprechen; daraus folgt: Wer nicht spricht, spricht schon mit und wer spricht, spricht vieles nicht, wer aber redet, der sagt, - aber seine Rede besagt nichts; das was gesagt sein soll, wie auch das was nicht gesagt sein soll, lässt sich nicht aussprechen.
    Nichts zu denken ist fast unerreichbar und damit auch das nicht zu sprechen; wir reden und sagen nichts, wir schweigen und reden fortwährend. Denken und Schwaigen sind eins, aber das Sprechen ist nicht identisch mit dem Denken.

    Neben der Möglichkeit, wenn einer redet, zu denken, was er sagt, besteht auch die Möglichkeit zu denken, was er nicht sagt. Das heißt auch der Redner denkt, was er meint, aber sagt, was er denkt, dass es dem Zuhörer hilft.
    Was wir nicht ausdrücken können, können wir nur im Sagen meinen; auch das was wir sagen können, können wir nur in Sätzen sagen, auch wenn wir es nicht meinen.
    Ich kann nur sprechen, indem ich mich des Mediums der Sprache bediene. “So-gibt es keine Sprache jenseits der Rede, der Schrift oder der gestischen Artikulation. Alle Theorien, welche Medien als äußerliche Vehikel und Träger ihrer Botschaft begreifen, verfehlen gerade diese nicht-instrumentelle Dimension: Sie behandeln Medien so, als ob sie Instrumente seien.“ So schreibt es Sybille Krämer. Das Medium als ein Apparat äußerlich einer Botschaft, hervorgerufen durch ein Artefakt, einem handelnden Werkzeug. Hingegen ist Wittgenstein (PU) der Ansicht: „Wir sollen mit der Idee brechen – Sprache funktioniere immer auf eine Weise, diene immer dem gleichen Zweck: Gedanken zu übertragen.“ Dieses Übertragen scheint mir immer ein Übersetzen. Bei dem Übersetzen entstehen „Fehler“. Diese Fehler werden sofort sowohl vom Sprecher als auch vom Rezipienten neu interpretiert. Wir benutzen Sprache als verbale oder nichtverbale Tätigkeit des Handelns. Von einem der schweigt erkennen wir nach einiger Zeit als Zeichen nonverbaler Mitteilungen seinen Ausdruck. Diese Mitteilungen erkennen wir auch während des Sprechens und zwar außerhalb und innerhalb der Sprache. Sprache ist heute nicht mehr, wie Platon im Phaidros noch lehrte ein Spiegel der Natur. Dass wir „nicht richtig sprechen“ können, besagt die Frage Wittgensteins „was es heißt einer Regel zu folgen“ Dieses kann der Sprecher nicht wissen. Er braucht die Korrektur oder die Anerkennung. Es gilt, die Differenz, zwischen Sprachsprechen, und sprachunabhängiger Hinterwelt, zu übersetzen. Dass wir Schreiben, heißt, wir entsprechen. Damit zeigen wir, die Möglichkeit, zwischen Schrift und Sprache, zu unterscheiden. Alles korrekte, grammatikal richtige, wissenschaftliche Sprechen ist nur einer Schrift nachgesprochen. Es ist nicht alleine höchste Kunst sich korrekt auszudrücken, vielmehr in diplomatischen (also auch sprachlich gebildeten) Kreisen die größte Kunst, gekonnt „Unklarheit“ in Verträgen auszudrücken. Im Traum oder Zweifel mag ich erkennen (Descartes) das Ich gewiss meiner Existenz als denkendes Subjekt sein kann. Nicht aber gewiss, dass ich ein sprechendes Lebewesen bin. Denken ohne Sprechen ist träumen. Sprechen ist ohne Denken. Was ist Denken? Ist das Herstellen eines Kunstwerks bereits Kunst? Ist das Sprechen bereits Sprache oder noch denken? Ein Hinschreiben bereits ein entsprechen, eine Medialisierung? Sprache diesseits oder jenseits der Rede ist nicht, also Nonsens. Wir entäußern uns, indem wir eine Rede schreiben. Ein Buch als Antwort und Idee über andere Bücher nur aus Angst. Wir haben Angst, das man vergessen könnte unser Da-Sein, unsere Stellung unsere Existenz. Wie können wir wissen, dass das was wir auszudrücken versuchen, richtig verstehen? Viele Philosophen gehen davon aus, man kann Worte so benutzen wie man will (Humpty Dumpty) Schwaigen als Sprache schließt längere Überlegungsgeschichte ein. Beim Sprechen nehmen wir an, das es wichtige und gerechtfertigte Absicht gibt. Viele wissenschaftliche Erkenntnisse haben den Punkt der Vernunft bereits überschritten, das gilt insbesondere für den Ruf nach Vernunft.
    Zwischen dem Sprecher und dem Hörenden ist Liebe, die Liebe, die dem Sprechen anhaftet, hat das geschichtliche des Ereignisses zum Inhalt und wohnt im Gegenstand des Rezipienten. Liebe als eine Vielzahl von Fällen, die ihr Wirken in der Welt haben.
    Wenn ich nun, wie die Klugen, glaubte, was wahr ist, sei wahr und was falsch ist, sei falsch, so sagte ich was einer mir sagt sei richtig und würde nicht überlegen, ob es auch falsch sein könnte. Es steckt natürlich um eine Wahrheit herauszufinden, viel Arbeit in einer Sache, und gerade aus dieser Arbeit finden sich viele neue Fragen, die wahr oder falsch sein könnten. Ich rede also und lasse es dabei, ich höre und verstehe etwas. Bewegt man sich doch immer in sich, in der Stadt und geht nur selten hinaus zum Tor über die Grenze. So lernt man doch in sich. Der Verliebte scheint mir verliebt in seinen eigenen Text und kann daher nicht objektiv urteilen. Wenn ich nun anerkennen würde, dass dieses oder jenes Buch, diese oder jene Rede wahr wäre, wie kann das sein, das ich vorherigen Bücher und Reden ebenfalls für wahr hielt? Man wird und kann alles aber immer noch wieder besser und präziser ausdrücken vielleicht?
    Wenn wir unser Wissen unter wissenschaftlichen Bedingungen formulieren zu einem unter Wissenschaftlern gesunden Bonsant oder commen sense, wie soll aber etwas klar und verständlich ausgedrückt sein, ohne ein eigenes soziales System aufzubauen? Ein System an dieser Stelle, das sich nicht einmal einfach selbst weiter entwickeln kann? So würde es sich in der Theorie von Luhmann lesen. Ein soziales System ist keine Performation, vielmehr ist es eine Kommunikation. Was ist also nun die Frage: Ist Sprechen Performation oder Kommunikation? Autopoiesis als ein geschlossenes Feld in Form und Grenze. Ein Sprengkörper ist die Sprache, die lediglich zum Zeitpunkt der Explosion (Operation) funktioniert. Die Betrachtungsweise des Feldes allerdings erfolgt von innen oder von Außen. Es sind evolutionäre darwinsche Prozesse, die sich selbst entwickeln und nicht mehr aufzuhalten sind.
    Es gibt Schwaigen! Da ist kein Zweifel.
    Als ein Reden im Sinne von Erkennen. Was gesagt wird, ob alltagssprachig oder wissenschaftlich hermetisch, bleibt als Flüchtiges ohne Gegenwart unklar, Vage. Insofern kann man bei Sprache als Performanzhandeln, sprechen als Aufführung aber im Sinne von Schwaigen als Selbstherstellung reden. Nicht der Autor oder der Schauspieler erklären die Handlung, vielmehr stellt sich die Handlung selbst her. Nicht der Mensch wird gereinigt (bei Katharsis) vielmehr reinigt sich der Text, die Sprache. Nicht der Schauspieler spielt den König, vielmehr stellt sich der König selbst im Auge des Zuschauers als Autopoiesis her. Es schließt sich also nicht Wort für Wort, Satz für Satz oder Sprache für Sprache an, vielmehr Gedanken und Auffassungen an Gedanken und Auffassungen. Luhmann: „Der Mensch kann nicht kommunizieren, nur die Kommunikation kann kommunizieren.“ Sprechen als performativer Akt heißt, dass wir mit jedem Sprechen eine Handlung ausführen. Das mag ja so sehr richtig sein, aber wie sieht es in der Praxis aus? Ja sagen bei einer Eheschließung als ein performativer Akt? Das Handelnde aber ist nicht in der Sprache. Es liegt im gesamten Kontext eines Systems. Ein Vorgang, der sich autopoietisch, sich aus sich selbst heraus, entwickelt. Bezieht sich die Eheschließung aus sich selbst heraus und nicht aus einer Handlung zwischen Priester und Eheleuten.
    Die Differenz zwischen dem Reden über ein Ereignis und dem Ereignis der Rede selbst, dem Sinnieren über das erzählte Ereignis als einem grenzwertigen Kommunikationsfeld, trägt nicht zu einem performativen Akt, im Sinne einer schaffenden Anforderung, bei. Welterklären heißt alles Erklären, was der Fall sein könnte. Das ist der Kritikpunkt, wie die universale Stärke der Schwaigentheorie! Es gibt keine konkreten Probleme, als nur Probleme, die aber nur als Probleme scheinen. Probleme als Gemachte sind nur beim Macher der Probleme zu lösen. Alles ist so simpel und einfach.
    Soziale Systeme bestehen aus Kommunikation, auch wenn diese Kommunikation lediglich aus Grunzen oder dem Aneinanderreiben der Schnauzen besteht. Kommunikation produziert und reproduziert sich selbst. In diese selbstständigen Systeme versucht Wissenschaft, mit permanent neuen Theorien einzugreifen. Dies heißt Technik. In sozialen Systemen läuft Selbstreproduktion wie Kommunikation nach evolutionären Prozessen, wie es passt. Systemoperationen laufen nach dem stets gleichen Muster. Sie operieren nach algorithmischen Strukturen, die sich ständig weiterentwickeln. Es ist nicht Welt, was alles der Fall ist, vielmehr schaffen neue Fälle immer wieder neue Fälle und versprechen so neue Fälle und halten so eine Welt in Gang, dass in dieser Form nie von einer Welt gesprochen werden kann. Diese sozialen Systeme haben ein soziales Gedächtnis, das vorher und nachher analysiert, reflektiert, speichert und aufbaut. Dies ist ein typisch autopoietisches Verhalten. Ein Verhalten, das einer steten Copacobanischen Wende gleicht. Jede Änderung verändert nicht das System, vielmehr schafft es dieses neu. Autopoietische Systeme grenzen sich ab und erhalten sich durch Selbstreflexion.
    Wir können Welt nicht erzeugen, weil die Erzeugung bereits weiterläuft. Das bedeutet: Jeder Gedanke, jeder Windhauch, jedes fallende Blatt ist seit dem Augenblick des Urknalls vorbestimmt. (Laplacesche Dämon) „Gedachtes Wesen von unvorstellbarer Intelligenz, das zu einem bestimmten Moment, den Zustand der physischen Welt vollkommen kennt.“ So ist das Schwaigen im Moment des Sprechens. Mit der Welterzeugung betritt die Ex Machina die Bühne. Die Deo ex Machina verbindet die Handlung mit dem Phänomen Welterzeugung als eine Vermischung. Alles wird Metaphysik. Alles ist Metaphysik, alles ist keine Metaphysik. Himmel und Erde dürfen sich nicht berühren. Nichts geschieht ohne die Kraft der Einbildung. Schlage eine Zeitung auf, schalte ein Radio ein, schalte ein Fernsehgerät ein, spreche mit jemandem etwas Sinnvolles. Was ich bedeutungslos fand, findet Bedeutung. Es zeigt sich, es eröffnet sich. Man kann die Bedeutung berechnen. Die Sprache ist abgrundtief, wie ein Brunnen, aber du wirst dich nur an wenige Male erinnern.
    Noch vor Beginn des Medien und Technikzeitalters hatte jede Stimme ihren eigenen Ort. Sie war verortet am Ort ihrer Geburt und blickt dort bis zum Ort ihres Todes bis zu ihrem Grab. Der Dichter aber dessen Stimme vor dieser Zeit einem Ort entsprang, einem Ort entrissen wurde, der sie aber an gleicher Stelle verortete, festsetzte, aufbaute, für diese Stimme einen Tempel baute. Dieser dichter ist nun empfangen von der Globalisierung. Globalisierung bedeutet für das Gedicht, das es an keinem Ort entsprungen ist und keinem zugeortet wird, zu niemandem spricht, von niemandem adoptiert werden kann. Es schweigt das Wort. Das Wort, das zu niemandem spricht. Das Wort, das lediglich in den Gedanken im Zuhören, im Lesen des Wortes entsteht. Jenem Wort, das entsteht, noch ehe es gedacht wird. In der Stille des schweigenden Gedankens, als ein Wächter, der dort wacht auf die kommende, wichtige Botschaft. Der Wächter, der die Götter bittet, um eine Änderung. Um ein Ende seiner Mühe seines jahrelangen Wachdienstes. Der Ausschau hält nach dem verabredeten Fackelzeichen. Nach dem Feuerschein, der aus Troja Nachricht bringt und die Eroberung der Stadt verkünden soll. „zu Göttern fleh ich um Erlösung von der Pein meines jahrelangen Wächterdienstes“. Diesen Wachdienst hat der Verstand übernommen. Schweigend wacht er auf eine neue Idee. Aus den Mündern kommt nur das Rauschen der Flügel. Kommt nur das Rauschen aufgeschreckter Schwäne am Weiher. Aus den Mündern kommen lediglich Geräusche leerer Worte, leerer Worte die ihren Sinn zwischen Verstand und Sprache bereits verloren haben. Was wirklich geschaffen wird, schaffen die Dichter. Sie sind die Architekten gewaltiger Gebilde. Aber was sagen dazu die Götter? Für sie ist alles gut. Das leere Gerede und das Geschwätz und dem gegenüber die Erkenntnis und Ideen der Dichter und Philosophen. Diesen Ausgleich nennen sie Gerechtigkeit. Das Wort des Dichters zeigt als Monstranz den schweigenden Gott. Die Zeit der Valerios ist beendet. In den stillen Maschinenhallen produzieren Maschinen Worte und Gedächtnis. Vervielfältigen diese wie Banknoten und verteilen diese ungleichmäßig über den ganzen Globus. Die Natur kehrt zurück zu ihren Göttern. Die Dichter finden wie die Entdecker neues Land. Aber Verstand und Götter erklären, dass dieses Land bereits vor ihnen war. Die Worte werden erhaben. Der Dichter stirbt, es gebiert das lyrische Ich. Was die Dichter suchen in diesen vermeintlich neu entdeckten Gebieten ist das Andere. Doch dieses andere ist weder neu noch modern. Noch finden wir in ihm eine Zukunft. Es eröffnet sich dem Rezipienten als von einem geistig, geistlichen Ursprung. Einer Schöpfung eines immer bewegten. Vergleichbar seinem Ursprung dem Wasser und glühender Lava. Ob Quelle, Fluss oder Meer, ob Wasserdampf, Wolke, Regen, Grundwasser und wieder Quelle. In allem finden wir das Gleiche, immer gleich wiederkehrende. Es ist immer nur die Wiederkehr, mit dem sich verändernden ursprünglichen. Wir treten immer wieder in den gleichen Fluss. Nur das, was unvergleichlich ist, oder was einmalig ist, ist das Einzigartige. Das Glück und Glücken in der Dichtung, das glückliche Heraufkommen einer Idee kann man nicht planen, noch denken. Diese geglückten Momente lassen sich nur ästhetisch-metaphysisch feststellen. Das geglückte Gedicht ist eine Erfahrung, eine exklusive Erfahrung des Einzelnen. Sollte diese geglückte Erfahrung sich bei den Einzelnen häufiger einstellen, so wird es zu einem geglückten Gedicht. Der Versuch des Dichters läuft darauf hinaus etwas darzustellen, was Nichts ist, nämlich Nichts das nicht darstellbare der Leere des Unsichtbaren. Die Strömung des Flusses oder die Temperaturschwankung der Jahreszeiten. Das Blühen oder Verwelken einer Blume. Den Wind. Wir befinden uns in einer Schöpfung. Mit jedem Gedicht schöpfen wir eine neue Welt, die wir noch beschreiben müssen. Wir müssen dieser Welt noch einen Namen geben. Wir brauchen für die Dinge einen Namen. Denn was begegnet uns beim Betrachten eines schönen Bildes anderes als im Lesen oder Betrachten eines Gedichtes? Wir benötigen für die Beurteilung einen neuen Namen. Wir erkennen im Bild wie im Gedicht Dinge, die wir nicht erkennen, erkennen das in beiden etwas ist, wo nichts sein kann. Es ist wichtig die Dinge zu betrachten, aber sie auch wirklich zu sehen. Wir erkennen beim Lesen des Gedichtes, das nichts was größer ist als das ganze Gedicht selbst. Das Nichts bedeutet auf das Bedeutende, während das deutende Nichts bedeutet. Die Idee für diese Bedeutung ist das Nichts. Das Objektive an Bedeutung in einem Gedicht ist eine Insel von Nichts. Die Bedeutung schafft. Das, was noch unbekannt ist, was wir nicht kennen, das Vage. Das Fließende, das Implizite. Das Apriori. Unser determiniertes Wissen, das dort in diesem Nichts etwas ist, das wir bedeuten können und wir einen Namen, einen Begriff zuordnen können. Nichts zu tun, einfach den Dingen einen Gedanken ihren Lauf lassen. Gelassen, nicht Handeln. Und damit aus jeder Entscheidung, tue dies, tue das, richtig oder falsch, zu entfliehen. Zu entfliehen in einen Eskapismus. Die Welt des kleinen Dichters. Die kleine Welt des großen Dichters. Wir haben sie endgültig verloren. Unsere eigene Welt wurde beschädigt. Wir tauschen sie ein gegen eine Welt, die für uns längst zu groß geworden ist.
    Die Menschen werden Dichter, soweit die Menschen dichter zusammenleben desto größer wird der Wunsch gegenseitig Distanz zu gewinnen und sich voneinander abtrennen. Abzugrenzen der Sinne werden Schlauch, ihre Körper verpuppen sich. Sie ziehen in Container und Gitterboxen, um sich von den Geräuschen ihrer Umwelt abzugrenzen. Am Ende werden sie blind und taub. Gegensprechanlagen und Türspione helfen bei indirekter Kommunikation. Fertigpizza und Essen auf Rädern erledigen die Versorgung.
    Schweigen ist nicht nichts. Also nicht das Nichts, wovon keine Rede ist. Worüber man nicht reden, kann darüber sollte man schweigen; man sollte also keinen Unsinn reden. Also dieses Schweigen, das man nicht aussprechen kann, ist aber für den Eingeweihten immer mitgesagt und für den nicht eingeweihten der sich ebenfalls ausdenkt, was wohl verschwiegen sein könnte. Gerade wenn man über das eine Unaussprechliche etwas aussagt redet man nur Unsinn. Gerade dieser Unsinn lässt Freiheit für Spekulationen. Aus diesen Spekulationen entsteht das Neue; die Geburtsstunde der Idee. Aus harmlosem Small Talk entsteht ein ernsthaftes Gespräch. Der Wissenschaftler der in seiner Rede bestimmten Passagen, die deutlicher in der Schriftlichkeit hervorkommen, weglässt, zum vermeintlich besseren Verständnis des Zuhörers, der diese Leerstellen erkennt, als das Verschwiegene. Kain tötet seinen Bruder Abel. Und Gott sagte zu Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Und Kain antwortete ihm: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ An dieser Stelle haben beide das Wichtige und wesentliche verschwiegen. Beide wussten, was mit Abel geschehen war. Das Schweigen ist an dieser Stelle, das, was hier ausgesagt wird. Die Rede ist von der Lüge, die Sprache eine künstliche, eine Kunstsprache, eine Sprache von der Kunst gefordert. Mit der Frage: „Wo ist dein Bruder Abel?“ und mit der Frage: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ lügen beide im kantischen Sinne. Hierbei schweigen beide, sie Schweigen, indem in dieser Differenz, in dem Diskurs, des toten Abel und dem Ereignis ihrer Frage und Antwort, dazwischen in der unüberbrückbaren Distanz, denn diese gehören alle zum Verständnis zusammen, das Unausgesagte, das nicht Ausgesprochene. Der Held im Zorn ist außer sich. Er redet außerhalb seiner natürlichen Sprache. Redet künstliches Zeug. Nicht mehr bei sich einen klaren Gedanken zu fassen wird hier im Zorn eine verständliche Rede verschwiegen. Der Held will nicht zurück zum Ausgang, zum Ursprung seines Zorns. Er überspringt das Verschwiegene. Das Schweigen hält sich in der Stille des verschwiegenen Raumes. Auch in den Klosterkammern des Schweigens. Ihre Gedanken aus diesen verschlossenen Kammern tragen das Schweigen hinaus. Ein Teil dieses Schweigens überschneidet sich. Es wird über Handlungen und Begegnungen hinausgetragen. In diesen Handlungen und Begegnungen erkennen sie das Verschwiegene. Noch ein Hinweis auf einen Aspekt des Schweigens: die an dieser Stelle –Gleichwertigkeit – eines Bücherschranks mit der eines laufenden Fernsehapparates gegenüber dargestellt. In diesem Bücherschrank als Objekt, in allen diesen Büchern, stehen geschriebene Worte, Sätze, Geschichten die permanent auf den Bewohner einströmen gegen die er sich nicht wehren kann er wird von den Buchtiteln, Buchrücken avisiert. Er schaut eine Reihe Buchrücken und dementsprechend laufen in ihm ganze Filme von Gedanken. Im Gegensatz dazu steht in einem Raum ein dauernd eingeschalteter Fernsehapparat. Es laufen hintereinander Programme aus aller Welt. Ohne dies besonders zu beachten, entsteht für den Bewohner eine Situation als hätte dieser Raum ein Fenster zur Welt. Auf Dauer ist es so als hätte er die ganze Welt bewohnt. Der laufende Fernseher hat den Effekt eines Fensters, in das der Bewohner ein Kissen legt, sich hinauslehnt und draußen das vorbeiströmende Treiben betrachtet. Beide schweigen, die Buchrücken des Bücherregals und der unbeachtet durchlaufende Fernsehapparat. Aber beide reden permanent. Wir können nicht sprechen, müssen schweigen, aber ohne dieses Schweigen denken wir dümmer. An diesen beiden Beispielen ist gesagt, dass hier nichts gesagt ist. Also keine Rede ist. Doch ist in diesem nicht gesagten eine ganze Welt.
    Ich denke nicht, das, wer meine Erklärungen zum Thema Schweigen liest, das man hierdurch schlauer wird, oder das man sagen kann, man hat verstanden. Aber es ist so, dass dieses Schweigen mehr als etwas ist, worüber man nicht reden kann. Man sollte, über was man nicht reden kann – schweigen. Wir können nicht sprechen, müssen schweigen, aber ohne dieses Schweigen denken wir dümmer. Was aber möglich ist, wie dieses Buch beweisen soll, einige seiner Leser doch Schweigen verstehen. Man muss also für das Schweigen empfänglich sein und kann mit einige Übung lernen, das Schweigen zu verstehen.
    Schweigen oder nunmehr schwaigen? Was ist das Schwaigen? Es ähnelt Platons Fragen im Dialog: Was ist X. Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen. Es geht in allen Texten immer um die X-Frage. Die Frage lautet: Was ist X? Dieses X ist uns zunächst nicht zugänglich. Es gibt zu den Texten weder eine Meinung, noch überhaupt Meinung, noch sind sie vergleichlich. Ein Text kann sich nur nach jahrelanger Liebe erschließen. Die Frage setzt voraus, dass es X, (hier das Schwaigen) gibt. Also heißt die Antwort: X ist wahr. Es gibt X. Nehme ich einen Gedanken. Er ist X, von dem wir nichts wissen, noch etwas kennen. Er ist das, was Parmenides „Eines“ nennt, und von dem wir nichts aussagen können. Wie Wittgenstein sagt, können wir darüber nicht sprechen. Der sokratische Platon stellt nun die Frage: Was ist X? Damit sagt er, dass es X gibt und fragt, was es ist. Wenn es also dieses X gibt, ist X auch wahr. Hieße auch: X ist etwas, das es gibt und wahr ist. Eine Rede oder Aussage ist genau dann wahr, wenn sie unter allen Bewertungen wahr ist. Das gilt auch für falsche Aussagen. Über alle möglichen Wahrheitszuweisungen ergibt sich immer Wahres. Unsere Kooperation ist im Sprechen. Der Lehrer hat nur Wahres mitzuteilen. Der Schüler präzisiert seinen Wahrheitsgrad, indem das Gesagte wahr wird. Er hört also weder explizit, noch implizit das Wahre. Der Kontext ist außersprachlich. Wer, wann, wie, wo, in welcher Absicht? Hinge der korrekte Gebrauch vager Prädikate nicht von internen Kontexten ab, wären wir sprachlich inkompetent. Heraklit sagt: Hier können wir nicht sprechen. Wie generieren wir aus dem Gesagten das Gemeinte? Das ist unsere Gretchenfrage. So lautet unsere Bedeutungstheorie. Worüber wir nicht sprechen können, darüber müssen wir schweigen. Worüber. Dieses “Worüber“, setzt bereits voraus, dass da etwas ist oder auch nicht, aber immerhin etwas. Das, was dort ist oder nicht ist, kann man auch denken. Über alles, was man denken kann, kann man auch sprechen. Wer ist nun „man“? Dieses „man“ scheint mir jeder zu sein, also wir alle. Das folgende „nicht“ kann sich auf dieses „worüber man“, wie auch auf das nachfolgende „sprechen kann“ beziehen. Hieße es nun, „worüber man nicht“, also sage ich hier einmal so wie Platons abstrakte „Ideen“? Hierüber kann man sehr wohl vorzüglich sprechen. Auch wenn man sie im Einzelnen nicht benennen kann. Hieße es: „nicht sprechen kann“, so ist es, das wir sehr wohl sprechen können und auch denken können, selbst wenn wir davon nur träumen könnten, kann man doch darüber sprechen. Nun antwortet Wittgenstein aber, „darüber muss man schweigen“. Es heißt also, man kann nichts Vernünftiges darüber aussagen. Was sollte das denn sein? Gibt es überhaupt vernünftige Aussagen? Das wären doch nur individuelle persönliche Beurteilungen. Wo wir nichts sagen können, müssen wir einen vernünftigen Satz produzieren. Selbst die Utopie können wir noch aussprechen. Es scheint mir eine Hybris, es gäbe auch einen vernünftigen Satz. Sollte der Sprecher einen unbekannten Code für seine Sprache verwandt haben, so kann der Hörer ihn zwar nicht verstehen, aber der Sprecher kann doch sprechen und er kann ebenfalls seinen Code ändern. Die Sprachkultur des Menschen liegt im Wesentlichen in der Natur, die in ihrer Stille zu uns spricht. Wer davon etwas wusste? Goethe! „Die Vögel schweigen im Walde“, wenn man ihnen richtig zuhört, hört man ihr Singen im Schwaigen, so, wie das Schwaigen des Waldes, über Wipfeln und über den Gipfeln. Ich gehe in meiner Theorie vom Schwaigen davon aus, dass wir nicht allein durch die Sprache erkennen, vielmehr in einem viel größeren Maß, im Sagenden unausgesprochenen Schwaigen. Das hieße auch gleichzeitig: Wir denken selbst. Diese These wird wohl keiner bestreiten? Der Sprache das Sprechen zu verbieten, wie es an dieser Stelle Wittgenstein tat, scheint mir ein großer Fehler. Er hat nicht richtig gehandelt. Die Philosophie ist eine Reflexion, wie die Sprache selbst. Ihr ein Ende zu setzen, scheint mir den Schierling mit der Petersilie zu verwechseln. Worüber man nicht schreiben kann, darüber sollte man lieber reden. Worüber man nicht sprechen kann, das ist letztendlich alles. An jeder Theorie bildet sich auch Kritik und Widerspruch. Wer viel sagt oder schreibt, öffnet sich bereits aller Kritik. Die Theorie ist nicht bewiesen, aber wir machen es so. Der Verstand aber ist gefordert nachzufragen, auch wenn er schweigen sollte. Die Vernunft schließt allgemein und kann auch auf Nonsens schließen. Die Vernunft bringt aber Ordnung in den Verstand. Worüber man nicht reden, kann darüber sollte man schweigen; man sollte also keinen Ohnsinn reden. Dabei sagte Wittgenstein noch: „Es schadet gar nichts, Nonsens zu reden, wenn man sich nur tief mit dem Unsinn einlässt.“ Also dieses Schweigen, das man nicht aussprechen kann, ist aber für den Eingeweihten immer mitgesagt und für den nicht eingeweihten, der sich ebenfalls ausdenkt, was wohl verschwiegen sein könnte. Doch ist Schweigen ein kommunikativer Akt. Aber es ist so, dass dieses Schweigen mehr als etwas ist, worüber man nicht reden kann. Man sollte, über was man nicht reden kann – schweigen. Wir können nicht sprechen, müssen Schwaigen, aber ohne dieses Schwaigen denken wir dümmer.
    | © Manfred H. Freude, 10.10.2009

  • Schweigen und nichts

    Schweigen und Nichts
    Von Manfred H. Freude

    Vom Schweigen und Nichts
    Ineinsgefroren liegt himmelschwer.
    Tiefschwer Vergrabenes. Im Körper.
    Gehäutet.
    Leeres Gerede von Pulten.
    Die NICHTS sagten. Sprachen. Ja, sprachen.
    Doch NICHTS sagten. Schwiegen
    Schrieben von den Pulten – schwiegen
    Von einer Stimme, mit eines Stimme
    Beides zusammen
    Nicht eines, sondern: Keines
    Was redet, aber nicht spricht
    Nichts sagt aber schweigt
    Denn dort ist einer.
    Der nicht redet aber schweigt
    Der führt das Wort.
    Führt es hinaus ins Nichts.
    Doch wo steht das Nichts?
    Das Nichts, es steht auf dem Nichts.
    Das Schwarze, es steht auf dem Weißen.
    Das schweigt: Das Schweigen
    Das Leichenläuten der Totenglocke
    (Auf dem Nichts steht das Nichts).
    Ineinsgefroren
    Beides zusammen

    Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann.

    Schweigen und Nichts:
    Es geht in leitendem Gedicht, um Schweigen, (um das Nichts, vielleicht). Das Schweigende, es heißt, es wird „Nichts“ gesagt, immer. Auch wenn gegenwärtig rar von Sprechen und Reden steht, so ist es doch gerade so, dass Austausch Be-Deutungs-Los ist. Es wird immer gesprochen, und immer wird nichts gesagt; „es steht geschrieben …“, doch was steht in der Schrift, was steht in dem Dunklen auf dem Toten, - NICHTS. Es steht dort das Nichts und es schweigt. Der Redner redet, der Zuhörer horcht oder er protokolliert. Der Redner spricht nicht, weil der Hörer ohnehin schon weiß oder vermerkt, weil er nicht weiß, was er nicht weiß. Unverständlich also jede Rede. Die Schrift steht da, ohne den Leser, als ein Nichts. Viele Bücher in vielen Regalen sind allesamt bedeutungsloses Nichts. Werden sie gelesen, treten sie zu den anderen Worten, verbinden sich mit dem schon Bekannten? Nein es ist keine Wissenschaft. Die Worte, die Begriffe, sind alle längst bekannt. Eine Rede oder eine Sprache wäre nur eine Erklärung, aber was sollte erklärt werden, was verstanden werden, wenn es nicht ohnehin schon gewusst wäre. Man nur selber eben keine Erklärung hätte und es nicht beschreiben könnte. Das Schweigen ist keine Reflexion, auch nicht das Reden. Reflexion ist Einbildungskraft, ist Denken. Aber weder das Reden noch die Schrift ist DENKEN. Reden ist Wissen, aber wovon wissen wir? Wir wissen, was eine Rede ist, können es aber nicht erklären; aber wenn einer erklärt was eine Rede ist, was wissen wir dann? Wissen wir dann mehr, was Wissen ist, was wir vorher nicht wussten? So ist es desgleichen mit einer Interpretation. Man liest bescheiden im Kaffeesatz. Man kann interpretieren welcher Kaffe und welche Tasse, aber kann man interpretieren, was der Kaffeetrinker dachte, oder welche Person er war? Das ist wahrsagen. Ist der Interpret ein Wahrsager? Wäre diese Überlegung bedeutungslos, sollte man schweigen, es wäre Nichts. Wir reflektieren und denken, wir blicken nur rückbezüglich. In diesem plötzlichen Augenblick werden wir bereits zu Stein, wir begegnen dem Medusenhaupt. Wir schaffen etwas vollkommen Neues. Wir treten aus dem Text, stellen diesen oder uns selber auf den Kopf. Treten an die Stelle eines neuen Schöpfers und an die Stelle von Büchners Lenz, der am liebsten auf dem Kopf gehen wollte. Dies ist aber die andere Geschichte. Das Gedicht redet alleine vom Schweigen. Hier vielleicht kommt eher Wittgenstein zum Zuge: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Aber gibt es ein Ding, wovon man sprechen kann? Wir hören nur das Stumme, das Stille, das Glockenläuten, das auch aus dem Gedicht hervorkommt; Heideggers Geläut der Stille? Vor allem aber ist es immer beides. Insofern also eine Reflexion, aber eine subjektive Reflexion, ohne ich, ohne du und ohne wir. Es gibt keine Antwort. Eine, oder JEDE Antwort die wir finden war bereits da und ist immer dort. Nur herausgeholt, also nicht vom Redenden, sondern vom Schweigenden, vom Stummen, vom Stein, der nicht spricht. Von der Grenze, an der die Rede, der Gedanke abgegeben wird und bei seinem Zurückblicken zu Stein wurde. Das Schweigen ist kommunikativ aber das Reden ist Nichts-sagend, besonders für Zuhörer. Eine Raumstation, die schweigend im Raum schwebt, spricht. Spricht und schweigt. Technik ist stumm aber redend. Die große Rede, die automatische Rede, verweigert eine Antwort, ein eisiges Schweigen. Ich spreche nicht vom Gebet oder der Rede des Pfarrers und die Gemeinde schweigt. Ich spreche von beidem. Der Geistliche schweigt, indem er redet, und die Gemeinde schweigt, indem sie aus ihrer Andacht redet, beides. Das drückt das Gedicht aus, beides, keine Disjunktion. Eher eine Gleichzeitigkeit eines Grundelementes oder eines Elementarteilchens das zeitgleich, selbst an verschiedenen Orten anwesend ist. Das Gedicht gleicht einer Zeitungsanzeige. Sorgfältig formuliert. Aber wo steht es? Auf welcher Seite? Wer ist sein Leser? Interessiert? Zeigt er Interesse? Er nimmt etwas wahr, etwas für wahr halten. Das Gedicht, die Berichte, sie sprechen. Der interessierte Leser sucht sein Gegenüber. Er redet mit dem Text aber es ist eine automatische Rede. Das Problem des zum Sprechen bringen ist ein Bild, das wir uns von ihm machen. Es erzeugen. Wir müssen vergleichen. Dieses Bild mit den Unseren vergleichen. Das können wir aber nicht übereinander bringen, noch können wir es nebeneinander bringen. Nur in Gedanken, in Reflexionen. Wir müssen beide Bilder erst beieinander bringen, kooperativ miteinander vereinigen. Schreiben, malen, fotografieren. Des Gegenüber und unser Bild. Damit werden wir vergleichen. Ohne dieses Vergleichen sagt uns das Bild oder die Sprache des Gegenübers Nichts. Wir entwickeln unsere Theorie. Auch wenn diese Theorie falsch ist, können wir sie überprüfen. Nur so lernen wir. Die unausgesprochenen Worte der Rede fallen zurück und werden zum Überlebenden Schweigen. Das Ungeschriebene, verhärtet, es wird zur Sprache. Der Gedanke führt zu einem anderen Gedanken. Ein stummer Vorgang von Reflexion. Denken ist einsam, still. Sprachen, ja, aber ihr Sprechen war kein Sprechen. Ihre Reden waren keine Reden. Sie schwiegen und es waren keine Worte; weder in ihnen, noch aus ihnen. Sie verstanden genau. Was sie verstanden, stand auf ihnen geschrieben. War ihnen eingeprägt als schweigende Inschrift. Niemandes Sprache, die Kainsprache. Trugen sie ins Feld um Furche und Furche und an den Grenzen kehrten sie den Vers : vaterländisch. Wendeten sie den Pflug, hoben die Steine. Denn es lagen Steine in den Furchen und Worte fielen aus der Erde und vom Himmel. Widerworte von Reihe zu Reihe, vaterländisch. Reden, Gespräche - reden und sprechen. Es fällt ein Gegenwort, es kommt etwas dazwischen, a priori einer Idee, selbstverständliches einer These. Kein Sein oder Nicht-Sein, eher ein Unterschied. Etwas dazwischen, was immer schon da war, es setzt sich ein Wort dazwischen. Hiermit setzt das Sprechen ein. Es spricht ein Immer-noch am Rand des Verschweigens. Es bleibt was gesprochen und beginnt eine Gründung, ein Riss. Es spricht eine Widerrede in der gleichen Rede. Spricht in einer Anderen Sache, von anderer Sache. „Von einer Stimme, mit eines Stimme Beides zusammen Nicht Eines sondern : Keines“ , so heißt es im Gedicht. Das entweder, oder, ontologisch getrennt aber doch beides zusammen, nur nicht in eines gefasst sondern eher in nichts, niemand, keines, ein Gleiches. In der Tragödie sieht Einer die ganze Brutalität, ein Anderer sieht es als humorvolle Inszenierung, ein Dritter sieht nur das ästhetische Erlebnis. Beim Einmarsch der Truppen erlebt die Eine das Entsetzliche, die ungeheuere Brutalität, das Brüllen, Singen und Marschieren in Todesangst erlebt; während ein Anderer die Begeisterung, den Jubel und das Fest empfindet, ein Dritter bleibt gänzlich unbeteiligt. Die persönliche Erfahrung jedes Einzelnen schließt das Ereignis aus. Es bleibt die Distanz. Das Direkte ist poetologisch unverständlich. Wer es aber Direkt will, kann es so oder so sehen oder aber Verschweigen, Verstummen. Ein gemeinschaftlicher Diskurs einer Sprache zum Erlebten ist unüberbrückbar. Der Diskurs aus einem Reden und Sprechen ist in einer unüberbrückbaren Mitteilung zum Ereignis, das Ereignis ist isoliert und alleine. Es ist Vergangenheit und Stille, es schweigt. Die Daten des Ereignisses stehen auf seinem Denkmal eingemeißelt. Es bleibt aber weiter diese unüberbrückbare Distanz zum Besonderen, zur Erfahrung. Immer sind es zwei Sonderfälle, die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft und das Erlebte. In einer ständigen Widergeburt wird das Gemachte, das Schöne gezeugt. Das Jungfräuliche wird unsterblich, das selbst als Tod geborene erscheint fort als der unsterbliche, der lautlose Tod, das schweigende Nichts. Die Wahrheit des Handelns in der Kunst und der Einsicht bestimmt nicht über ja und nein sondern um gut und böse. Ich habe mich dazu entschieden der Rede eines bekannten Autoren zuzuhören, weil mich das Thema brennend interessiert. Als denkender Mensch aber gehe ich nicht unvoreingenommen in den Saal und beginne sofort zu Beginn der Rede des Autors mit meinen Überlegungen. Subjektiv liegt es also nicht am Redner, mir sein Wissen zu demonstrieren, sondern an meinem Wollen. Ich bin es, der sich dem Einfluss des Redners nicht preisgeben will. Sprache ist eine Regel, folgt einer Regel und jede Regel ist Kunststück meiner praktischen Vernunft. Zum Kreatürlichen von Regeln gehört, das sie mit anderen Regeln verschmelzen. Der Redner redet keine Rede, er mag vielleicht mit seinen Gedanken irgend sonst wo sein während er redet. Warum sollte er diese Möglichkeit seinem Zuhörer nicht zugestehen. Es ist als besteige er einen Berg und ich folge ihm. Sein Gedanke mag sich bereits auf dem Gipfel befinden, während mein Gedanke noch weit unten im Tal sich befindet. Wir sind nicht auf gleicher Höhe und können es auch niemals sein. Der Redner selbst wird es wohl niemals erreichen mit sich selbst auf gleicher Höhe zu sein.

    Schweigen ist ein kommunikativer Akt. Als kommunikativer Akt setzt es eine Aktion voraus. Ein Anreden als symbolische Handlung. Es frag in der Sprache um die Zeit eine Aufklärung zu bedenken. Zum weiteren kündigt das Schweigen ein Ende des Dialogs. Wer zuhört schweigt und wer redet verschweigt. Das Schweigen macht den Weg frei zum Nachdenken. Schweigen folgt dem Verstummen. Nachdenken und Konzentration provozieren Schweigen. Wieder das Vergessen wird ein Sprechen gefordert. Dieses Sprechen beginnt mit einer „Schweigeminute“.

    Wer so handelt scheint alles zu wissen. Kann die Dinge nachbilden, Ebenbilder schaffen oder Trugbilder.
    Das Schweigen aber ist „ etwas“ über das man wieder Reden kann, dem man etwas zusprechen kann.
    Hat man das Schweigen zum Gegenstand, dann redet man, spricht dem Schweigen eine Existenz zu.
    Die Erkenntnis, das Fortfahren vom Logos zu Logos entsteht in der Wende, der Kehre, im Erfahren der Grenzsituation, im Randzonenparadox des verschwiegenen Erfahrungsraumes. Das Aussprechbare will gesucht und gewonnen sein.
    Im Atemlosen verhärtet das Schweigen zur Sprache.
    Mit dem Schweigen beginnt die Sprache als Denken und Schreiben.
    In dieser Lücke, Pause, Leerstelle. Alles geschriebene, jedes Wort, jede Silbe, jeder Satz ist an dieser stelle Nutzlos.
    Hölderlin spricht hier vom Menschen als Zeichen, nicht als Hörer oder Leser. „ Ein Zeichen sind wir, deutungslos“ Wir sind die Setzer von Zeichen, deutungslos!

    Rede als Denkprozess
    Eine Rede ist nicht eine Rede nur weil sie laut geredet wurde. So wie die laute Sprache nicht selbst laut oder leise ist, da zur Sprache nicht laut oder leise passt. Zum Schweigen gehört ebenso nicht „Stille“ oder „Nicht Reden“. Die Rede selber ist ein Denkprozess und damit unsichtbar und unhörbar. Wie können wir also einen Redner, der sichtbar und hörbar spricht, wie können wir uns seinen Denkprozess vorführen? Eine Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann.

    Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln
    Handeln ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung). Die Funktion des Geistes ist ihrem Wesen nach eine schweigende, innerliche Operation. Der Geist wäre ein Ort geheimster Gedanken. Dem Sprechenden gegenüber muss man sich selber bewusst sein, man muss etwas kennen. Nur so kann es zu einer Bekanntschaft einem Kennen kommen, einem bekannt sein als einem Verstehen können. Wir nehmen Bezug auf seine Rede vom Datum her. Eine Bezugnahme von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von einem Hier und einem dort.

    Nihilismus im Schweigen der Sprache
    Das Schweigen der Sprache ist keine Schwarzmalerei, keine Schrift auf weißem Grund. Auch trägt das Schweigen nicht den Hauch einer Verneinung oder einer Anarchie. Das Schweigen des Menschen ist ohne Sprache, kommt als Mitläufer. Unentdeckt (laut Internet Guru Geert Lovink, Buch Zero Comments) verstauben im Internet Blogs ohne Leser. Keiner braucht sie, keiner liest sie, keiner zitiert sie, keiner kommentiert sie. Laut Lovink ein neuer digitaler Nihilismus: die frühen alten Menschen, die sich nichts zu sagen haben, zuzusprechen war. Die Null, die in der Software aufscheint – „kein Verkehr, niemand da gewesen“, das Nihil von Nihilismus – ist die Regel, nicht die Ausnahme. Man schreibt, aber man liest nicht mehr. Man schreibt blogs: global, aber keiner liest die blogs der Anderen. Man schreibt Lyrik ohne Ende, aber keiner kauft Lyrik. Man redet und keiner hört zu – sie kennen das!

    Celan
    Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

    1. Ist dieser Satz Erklärung, Interpretation zu meinem Gedicht „Schweigen und Nichts“ und erklärt dieses Gedicht diesen Satz?
    2. Die Beziehung des Impliziten und des Expliziten. Das Eine kann ohne das Andere nicht gedacht oder ausgesprochen werden.

    Die Sprache Celans verschweigt von Unaussprechlichem und redet damit. Das äußerste Schweigen wird zur Sprache des Stummen, dessen, der nichts sagen kann, weil ihm die Sprache versagt; wie dem Toten, dem Staub, dem Stern. Der Rede wird ihre Sprache genommen. Alles an Haut und Gedärm wird entfernt und es bleibt nur noch der Knochen. Die ausgegrabenen Knochen der frühesten Menschen beginnen zu reden. Im entkernten Text wird das Entsetzliche des Verstummten, des Unausgesprochenen, sichtbar. Wir begreifen was der Redner nicht sagte, ja was er nicht wusste. Nach Celan geht das Kreatürliche des Sprechenden, oder der Sprechende geht kreatürlich mit seinem Dasein zur Sprache. Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

    Was wir zu Hause gelernt haben, das wissen wir. Was wollen wir also in der Rede wissen? Das, was wir bereits wissen? Was wir nicht wissen, das können wir nicht wissen, können also nicht Wissen, auch wenn wir wüssten das wir nicht Wissen. Wir nähern uns einer Spur. Fische und Vögel ziehen keine Spur. Doch beobachten wir, wohin sie geflogen oder geschwommen sind, wo sie herkamen und wo sie auf ihrer Reise waren. Anhand dieser Punkte bringen wir, in das Dunkel des Dickichts, Licht. Wir entfernen das Gestrüpp und der Blick wird immer freier und lichter. Redet Einer, so stelle er seine Meinung gegenüber. Ich passe meine Meinung seiner an, entweder unter dem Aspekt wahr oder falsch. Dieses Wahr und Falsch ist die Rede, ist ein „Sprechen“. Die Sprache aber (so steht im Menon ) ist eine ständige Wiedergeburt. Eine Selbstreflexion zwischen lieben und sterben. Die Sprache ist das Kreatürliche, das menschliche Schicksal. Eine Rede der Seherin/des Priesters ist Tod und Erlösung; etwas medusenhaftgleiches, - man hört die Rede und sieht zurück und blickt versteinert in das Medusenhaupt.
    Im Sophistes „der Fremde“ kann reden, er will reden, er will lehren, er will ein dialogisches Lehrgespräch führen (mit seinem Schüler?); aber er ist grundsätzlich zu einer „monologischen Vorlesung“ bereit - niederschreiben? abgeben? herausgeben? Denken und Sprache sind existent, kreatürlich, (Kreation). Das Schreiben ist hier ein Schweigen. Der göttliche, „gar philosophische“ Mann hat „gelehrt“, er hat „etwas herausgekriegt“ was er herausgefunden , was er gefunden hat, das muss er an einer Grenzmarke abgeben, (Laotse und der Zöllner) als eine Ermahnung, als ein geschriebenes Schweigen. Die Bekehrung bleibt diesem ungeachtet im Haus. Sie wird von der Lehrmeinung zum Wissen. Das Schweigen lässt sich differenzieren, unterteilen. „ dadurch wird das bestehende, implizite Vorwissen des kompetenten Sprachbenutzers ( im Sinne eines knowing how ) sprachlich explizit gemacht (im Sinne eines knowing that). Das Wissen lässt sich aus dem Schweigen heraus ordnen, datieren, zuordnen. Das grenzhafte Schweigen als ein Randzonen Paradox.
    „Denken und Rede sind dasselbe. Nur dass das innere Gespräch der Seele mit sich selbst, das was ohne Stimme vor sich geht, Denken genannt wird.“

    Das Schweigen jeder Rede liegt in ihrer Erfahrung. Das Greifbare der Dinge, das in einer Rede enthalten und herauszuziehen ist, liegt weit zurück und ist nur in einer Zukunft herauszureißen. Je höher eine Rede fliegt, je mehr begeht sie eine unwirkliche, lebensfeindliche Zone. Nicht ihre Worte, noch ihr Atem, ihr Herzklopfen oder die Geräusche des Blutes sind vernehmbar. (Das Schweigen des Lemma) Ruhe ist über allen Wipfeln. Wir bewegen uns oberhalb der Baumgrenzen. Die Rede verdeckt wie ein Schleier das Schweigen im Behältnis der Rede. Die Rede gleicht einer Vase, einer Truhe, einem Telefonbuch. Wie das Rad für die Nabe da ist; die Vase oder Truhe, oder das Telefonbuch sind nur das hohle, die Leere, der Raum; das Innen berechnet. Die Gefäße beruhigen die Dinge.

    Verstummen. Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst. „Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst“. So etwa drückt Adorno in seiner Ästhetischen Theorie sich aus. Ist nicht in allem noch im kleinsten Stäubchen die Spur der gegenständlichen Welt eingeschrieben? Kunst spricht immer, jederzeit spricht das Bild, das Objekt im öffentlichen Raum, schreit hinaus. Auch wenn niemand da ist und schweigt, sobald keiner da ist oder keiner hinhört; wie ein Baum im Wald der umfällt wo nie ein Ohr ist, wird keiner einen Ton hören. Das Gedicht „Der Teppich“ von Stefan George das symbolisch durch betrachtende Versenkung „der immanente Prozesscharakter des Gebildes„ sich entbindet. Hier heißt es: „indem es spricht, wird es zu einem in sich Bewegten“. Der Redner, der seine Rede spricht, bringt die Bewegung. Es benötigt einen Willen. Die Materie, das ausgesprochene Ding, bewegt sich im Raum. Wenn der Redner ein Glas Wasser auf sein Rednerpult stellt, wird sich das Wasser nach einiger Zeit im Raum verteilen und das Glas ist leer. Alle Dinge, auch die Rede, werden eins im Raum. Zwischen dem Material, dem Ding, dem Körper, bedarf es einer Brücke; die es aber nicht gibt. Der Redner ist keine Brücke für die Sprache. Die Sprache folgt einer Regel. Diese Regel ist vorbestimmt. Ein geübter Zuhörer kann nachvollziehen, dass diese Rede so erfolgen musste und nicht anders. Eine Interpretation, eine Auslegung reicht nur dann an ein Gedicht heran, wenn man die Beziehung seiner Elemente begreift; nicht durch Zerstückelung oder Zerlegen auf seine oder die Ursprünge des Dichters oder der Aufführung. Ein völliges Verstummen einer Rede ist ihr Zerfall der vorher oder sehr viel später erfolgt. Es kommt schließlich auf die Bewegtheit der Rede und Sprache an.

    Wenn Eins nicht ist, dann ist Nichts.
    …alles auf alle Weise ist und nicht ist und
    scheint sowohl als nicht scheint.
    166a Platon Parmenides

    Wenn also eine Rede (nehmen wir es einmal an) nicht ist; das heißt, es wird nichts ausgesagt, so ist NICHTS. Eine Rede die nicht ist. Ohne aber, diese eine Rede, sich etwas vorzustellen, was gemeint sein könnte, ist schwer. Es bedarf eines Nachdenkens. Ein Denken von dieser einen Rede evoziert, erwartet keine neue Rede. Es zerfällt in Schweigen. Mit Abstand zu dieser Rede, scheint der Inhalt Eins zu sein, zusammenfassend bezeichnet und ähnlich zu sein, mit dem Abstand des Redners zum Thema. Beim Näher - kommen des Denkens, zum Inhalt der Rede, wird die Rede zu Verschiedenem, verschiedenartig. Der Schein von Verschiedenem und bei weiterer Reflexion, der Rede immer unähnlicher. Wenn ein Mathematiker über eine Zahl spricht, ohne Erklärung woher und wie die Zahl entsteht, sei es zwei oder drei; wenn es aber nicht mal seine Grundursache, nämlich eins an sich hat, so fehlt der Aussage das Wesentliche. Die Zeit und die Geschichte muss aufgehoben werden. Die Zeit ist der wichtige Abstand, den wir der Rede zumessen müssen. Der Urzeitmensch, der das Tier an die Wände der Höhle malte, gewann den benötigten Abstand. Er zeigte, wie die Tiere draußen waren, ohne nach draußen zu müssen. Der heutige Film oder das Fernsehen schaffen noch größere Nähen oder Fernen. Die Dinge können uns näher erscheinen, aber auch ferner erscheinen. Das Bild eines hungernden Kindes in Afrika mag uns sehr fern sein, das Bild einer stillenden Mutter in Afrika kann uns sehr nah sein. Der Fluss verändert sich, wir verändern uns aber gleichzeitig auch. Es ist also nicht die Rede, die direkt bei uns ankommt, wie es auch nicht der gleiche Fluss ist der bei uns erscheint, während wir uns ebenfalls verändern. Die Dinge scheinen uns also nur zu scheinen. Das Eins-Nichtseiende ist, und ist nicht, wechselt und wechselt nicht. So scheint es. Welt entsteht nicht mit der Rede, sondern die Welt entsteht außerhalb der Verständigung. Welt entsteht nicht mit dem Tier draußen. Sie entsteht zwischen dem Abbild und der Außenwelt. Die Differenz ist das absolute Nichts. Es steht zwischen dem Sein und dem Nicht-Sein. Es ist die Welt des Werdens, ist der Schein des Seins, einem „könnte-sein“. Der Schein ist nicht das Sein zum Erscheinen, es ist die Differenz zu relativieren, er deutet auf das Sein. Nicht die Namensgebung in der Beschreibung. Erst war das Unbenannte und dann erhielt es seinen Namen, sondern in dieser Namensgebung sondert das Sein in Vereinzelung. Die Welt in der Rede ist nicht die Welt einer Schöpfung aus dem Nichts, sondern die Aufgliederung und Ordnung erfolgt durch erst Benennung. Ein Akt des Unterscheidens, einem Ordnen durch Vermischung
    Das Licht, als Sein, vermischt sich mit lichtloser Nacht. Durch die Namen erfolgt die Mischung.

    Göttin des Parmenides
    Alles was ich sehe
    kann ich nicht sprechen
    Schweigen über dieses
    was wir alles für wirklich halten

    Haltet mich für Befangen –
    Muss alles Nachfragen:
    meiner Göttin die mich leitet
    die ich von Parmenides
    übernahm
    Was Wichtigeres
    In der Sprache ist der Grenzstein zu dem sich die Sprache bewegt oder der Weg den sie bis dahin zurücklegt?
    Viele Wege lehrt Parmenides,
    so, das Viele und das Werden
    steht auf der Seite des Nichts
    Dieses Nichts aber ist immer noch Etwas.
    Dass, was wir aus dem Lehrgedicht erkennen, findet keinen Ort.
    Wir sollten ihn zu denken versuchen.
    Wenn wir aber weiterdenken, werden wir sehen, das Parmenides, zwischen seiendem und Sein eine Differenz zwischen beiden verschweigt. Die Differenz
    Ist Nichts, ist das Schweigen.

    Wohin soll der Weg führen, wenn nicht Vertikal? Von oben nach unten oder von unten nach oben? Kann es auf einer Kugel oder dem Nichts einen horizontalen, geraden Weg geben? Der Weg kommt aus dem Nichts und führt in das Nichts. Aus dem All-Gemeinen und führt ins All-Gemeine. Der Weg kommt aus der Nacht und führt in das Dunkel der Unterwelt. Singe dem Gram, der länger anhält als der Zorn. Im Schein bleibt die Erkenntnis des Nie - Erreichbaren. Ohne eine Hoffnung auf irgendein Licht steigt der Mensch zu sich selbst hinab. Die Sprache des Gastes auf Erden gerät zum Verstummen auf dem Pfad. Der Weg führt von Oben nach Unten. Je tiefer die Sprache geht, je mehr gerät sie zum Verstummen. Das Vergessen ist ein zu-sich-kommen. Der Sprechende als Schöpfer (Gott) würfelt. Der Sprechende erklärt den Wurf. Die Worte als ein Zufall. Der Zufall wird erneut zur Hand genommen. In die Hand, ein jeder Gedanke, bei dem der Atem gefriert. Er gräbt (Elisengarten) bis zum Punkt des Möglichen gedachten. Die Angst beim Weitergraben etwas zu entdecken, das sich nicht mit dem bereits erkannten vereinbaren lässt, dem Flüssigen, dem Gemischten Lässt die Grabenden mit ihrer Arbeit Stoppen. Ich und Du, sind versöhnt. Das Gold im Innern wird flüssig. Hiermit kann jeder Baum und jeder Stein vergoldet werden. Der Weg nach unten führt in die Vergangenheit, in die Erinnerung, ins Schweigen und Vergessen. Bevor das Gold flüssig wird, bleibt ein Rest der Worte implizit bestehen. In sich gehen heißt in die Tiefe gehen, heißt wieder auftauchen am oberen Punkt der Leiter, die wir umstoßen. Die Dichtung muss zwischen Schein und Schein unterscheiden. Was uns nah scheint, scheint uns vertraut. Gold hat Gegenwart, vergoldet ist Scheingold. Tief in der Kälte des Dunkels schreit das Gold nach Erlösung. Hält Erinnerungen wach. Es gibt keine Versöhnung, noch eine Zuversicht. Weder der grabende noch das Grabende werden das Leblose in das Reich der Kunst bringen. Der Weg durch das unheimliche Tor führt nur zu sich selber zurück. Der Weg in eine andere, gleiche Welt einer Matrix. Mag es vielleicht diesen Weg des Parmenides durch dieses Tor geben. „im Akt des Weglassens überlebt das Weggelassene als Vermiedenes wie in der atonalen Harmonik die Konsonanz.“ (Adorno). Abstieg-Rückstieg-Heimstieg. Was Wichtiges, ist in der Sprache, der Grenze zu der sich die Sprache bewegt oder der Weg, den sie bis dahin zurücklegte.

    Es gehört schon sehr viel Mut dazu, immer wieder und immer wieder von neuem anzufangen und zu sprechen und zu sprechen.
    Wenn ich etwas zumache, sagen wir ich schließe eine Kassette, so ist das nicht sinnlos, also nicht falsch, und auch nicht, dass ich es nicht verstehe, weil ich den Inhalt ja nicht mehr sehe. Vielmehr ist das widersprüchliche Verschließen etwas Sinnvolles und kein Widerspruch und trotz des Schließens widersprüchlich. Ich halte es gerade fest, obwohl ich es nicht mehr habe, vielmehr kann ich ja nicht mehr sicher sein ob es überhaupt noch da ist? Es ist also paradox und widersprüchlich. Man könnte sagen es ist sinnlos. Es kommt gerade darauf an, dass man versteht, was hier verschlossen ist, das macht den Sinn. Ich habe verstanden, dass hier etwas verschlossen ist. Wenn das Ding vor mir liegt sagen wir eine Goldmünze, könnte mir der Sinn verborgen bleiben, der Wert scheint mir zumindest höher zu sein, wenn man ihn in eine Kassette einsperrt. Wenn Aristoteles die Demokratie für etwas moralisch Gutes hält, so müsste ihm dies als ein logischer Widerspruch erscheinen, zumindest seinem Sklaven. Trotzdem sehe ich seine Sätze nicht (jedenfalls nach meiner These als sinnlos). Während nach Austin und Wittgenstein und einigen anderen Sprachphilosophen aus diesem Widerspruch Unsinn hergeleitet wird. Wenn ich sage diese Münze ist aus Gold, so gehe ich auch davon aus, dass diese Münze aus Gold ist. Ich bin Aufrichtig, man kann auf Redlichkeit und Intention schließen. Das ist in der HEUTIGEN Welt gänzlich unerheblich! Und richtig kommt es heute darauf an, wie es der beurteilt, dem ich die Münze zeige. Sie kann aus purem Gold sein oder aus Scheingold (Katzengold). Wem ich diese Münze zeige der muss über das was ihm zugänglich ist (das Nicht Gesagte) urteilen, wie er die Worte beurteilt. Also wieder eine paradoxe Situation. Bei den Hütchenspielern kommt es nicht darauf an, was sie sagen. Auch bei den lautersten Menschen der Welt nicht. Die Intention nach der wahren Goldmünze kondensiert. Die Frage scheint doch diese zu sein; Wie wird verhindert, das wir verstehen, was vor sich geht? Das die Verhinderung des Verstehens nur noch alleine verstanden werden kann (dieses Schließen der Kassette). Aber die Frage wird dann sein, wie? Wie wird das Verstehen verstanden? Ob das Gold oder Scheingold ist, ist soviel wie die Sprache. Es ist nur eine Verbindung des Nichtzuverbindenden. Ein Teil des gesamten Spiels. Sprechen, ist nur ein Trommelschlagen, dazu noch, das Küssen der Marketenderin. Das müsste die Wissenschaft längst begriffen haben, die doch selber immer wieder, die alten Rhythmen trommelt und küsst nach allen Seiten. Aristoteles sagt zum Satz des Widerspruchs: "Niemand kann zugleich in derselben Hinsicht zur gleichen Zeit von derselben Sache in derselben Hinsicht sinnvoll behaupten, sie sei und sie sei nicht." "Sein" meint hier nicht Existenz, sondern das Aussagen von "Eigenschaften". Z.B.: "Mein handy ist schwarz". Da kann man, so Aristoteles, nicht sinnvoll zugleich (....) behaupten, es ist "nicht-schwarz". Wer das trotzdem tut, hebt die Möglichkeit der Kommunikation mit anderen auf; auch mit sich selbst, d.h. er hebt das Denken auf, denn das Denken, so Aristoteles, ist eine Kommunikation (ein Dialog) der Seele mit sich selbst. So ist die gängige philosophische Ansicht. Wenn ich selber weiß, mein Handy ist schwarz, dann kann ich weiter Murmeln spielen. Soweit Philosophie. Wenn ich aber zumindest denke, es könnte auch anders sein, denke ich. (Ich denke das ich denke, dann denke ich auch nur ich denke.) Die Möglichkeit der Kommunikation beginnt: Das Handy ist schwarz, vielleicht Anthrazit oder Klavierlack? Ich weiß, dass mein Handy schwarz ist. Ich soll und kann nicht denken es ist nicht schwarz. Mehrere Freunde zeigen mir ihre Handys. Alle scheinen schwarz. Welches Handy ist nun schwarz. Kann ich noch glauben mein Handy ist schwarz? Mein Handy ist schwarz, aber ich glaube es nicht. Nun die Richtung in die ich das denke: Du weißt dein Handy ist schwarz, aber weil du es heute/demnächst nicht mehr denken kannst, fragst du bei Google! Frage >Handy schwarz<6.810.000 Treffer. Bei der Frage: >Mein Handy ist schwarz<immerhin noch 4.460.000 Treffer. Im Übrigen glaube ich dass es heute eher Usus ist, dass Menschen etwas behaupten und auch gleich das Gegenteil behaupten. War der Täter zu dem besagten Zeitpunkt am Tatort? Ich weiß das in meiner Hand eine Münze ist (glaube ich es?) und muss es auch glauben, kann nur sagen ich glaube es. In der Kommunikation kann ich aber nicht sagen ich habe eine Münze in der Hand, noch ich habe keine Münze in der Hand aber ich habe eine Münze in der Hand aber ich glaube es nicht. Denn hätte ich eine Münze in der Hand oder keine, ich brauche es weder zu sagen, noch zu fragen. Ich kann also die Frage nur so stellen, >was denkst du? <Wir haben heute eine total versaute Kommunikation. Und deshalb sollten wir uns über die Sprache auch gar nicht wundern. Eine "Sprachphilosophie" ist ganz einfach: Sprache dient dem Zweck, etwas mitzuteilen; darauf sollten sich beide Kommunikationspartner einlassen. Aber was kann man mitteilen? Manchmal muss man nachfragen und präzisieren. Macht man das nicht, denkt man sich etwas. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, was ein handy "wirklich" ist und ob es schwarz oder weiß "wirklich" gibt. Danach zu fragen, ist in meinen Augen längst überholte Metaphysik und Ontologie. Bloß nicht nach dem "Wesen der Dinge" fragen - das führt nämlich zur Vers-Wesung! Meine Gedichte sind eigentlich klar und deutlich, und dafür, was einer sich dabei denkt, kann ich nichts. Bereits 2006 habe ich (jetzt spricht man: gibt es ein sprechen hinter der Sprache?) geschrieben:

    Analog sind Himmel und Erde
    Und wer spricht, stirbt, tritt in den Schatten.

    Heißt es doch hier, wer immer beginnt zu sprechen, kann sich nicht mehr auf Logik, Metaphysik, Ontologie berufen. Beim/während dem Sprechen beginnen wir NEU, wie bei Heraklit treten wir in den Fluss. Das Sprechen dient der Mitteilung, das ist richtig, aber wir müssen immer nachfragen um die Kommunikation zu beginnen und aufrecht zu erhalten.

    Brecht schreibt, das arglose Wort ist töricht, was heißt hier arglos frage ich? Das ohne Argwohn ohne böse Absicht geäußerte Wort. Was aber ist mit dem künstlichen, bös arglistigen Wort. Bei dem der Redner kantisch lügt, indem er sagt „sie dürfen mich beim Wort nehmen“. Die Antwort ist „Schweigen“. Man hat palavert notiert Göbbels häufig in seine Tagebücher. Man palavert also, man spricht die Dinge weder an noch aus. Man bleibt ästhetisch. So ästhetisch bleiben auch die Folterknechte und Tötungskommandos. Sie ließen aufspielen, inszenierten, zeremonisierten, mit Fackeln und Feuerstellen, Licht und Hundegebell. Es ist kaum darüber zu sprechen, es ist vieles verschwiegen. Sprechen ist so sinnlos wie das Leben, mehr noch als das Sterben. Wir kommen nirgendwoher, gehen nirgendwohin und sind ausnahmslos Niemand. Warum, wieso und wozu das sind die Fragen, vergeblich. Um die sich das Ich und das Leben rankt. Fontane: Halte dich still, halte dich stumm. Nur nicht fragen, warum, warum? Du musst, so sagt auch das hermetisch im Bernstein eingeschlossene Insekt.

    Das Schweigen ist nicht die Sprache des Schweigens.
    Das Schweigen ist in der Rede, ist nicht das Phänomen als Möglichkeit sich besonderer Erfahrung zu öffnen in dem es spricht. Die These, dass Schweigen Erfahrungen mit sich bringt, das es hier etwas zu wissen gibt, das was man meint, wenn man von Schweigen redet. Von Schweigen reden, das soll es geben, ebenso wie das Schweigen reden soll. Meine Theorie aber besagt, das wenn geredet wird nicht die Rede spricht, vielmehr das Schweigen redet. Hier bekommt der Wortlaut, die Sprache des Schweigens ist nicht das Schweigen der Sprache eine völlig neue Bedeutung. Die Rede spricht durch das Schweigen. Nicht die Auffassung Clemens von Brentanos: >ein beredetes tiefes Schweigen , das das Schweigen Sprache hat. Hier bekommt der Satz eine neue, andere, widersprüchlichere Bedeutung. Es ist nämlich beides möglich. Das Schweigen hat Sprache und Die Sprache hat Schweigen. Keine Metapher, keine Mytologie. Sprache vollzieht sich nicht als artikulierte Rede, vielmehr zeigt sich im artikulierten was man meint. Was der Sprecher und was der Zuhörer meint, beides. Sprache enthüllt, teilt mit, verkündet. Aber was? Nicht das Offene. Sie enthüllt das Schweigen. Sie teilt nicht mit, was sie mitteilt, sie teilt mit, was sie nicht ganz aussprechen kann, noch das was sie denken kann, denn wenn sie denkt, denkt sie ebenfalls nur sie denkt. Man weiß es, warum soll man darüber sprechen. Warum soll man überhaupt sprechen? Man schweigt, aber man schweigt laut vor sich hin, man will sich mit teilen, darum spricht man, dass der andere etwas davon mitbekommt, das er seine eigene Meinung sich bilden kann. Man verkündet etwas und wenn man Glück hat entsteht ein Ereignis. Es gibt nur seltene Augenblicke, in denen man wirklich einer Meinung sein kann. Dieses Nebeneinander. Es kann auch ohne Worte geschehen. Der Moment in Goethes Werther, wo einer nur sagt „Klopstock“ und beide haben sofort begriffen. Das Schweigen in dem Wort Klopstock ist so groß, das es ganze Bücherregale füllen könnte. Was bliebe hier weiter zu sagen? Gewiss könnte man noch viele Worte finden, aber man würde das Verstehen nur noch zerstören. Das Schweigen ist das Wesentlichere über die beredete Sache als ein Reden über die Sache. Es ist hier nicht die Sprache des Schweigens, vielmehr das Schweigen in der Sprache, im Wort. Man fasst hier gerade dieses Schweigen in Worte. Nicht das man wie auch geschieht, sagt im Schweigen sind die Worte. Das hieße sich in das anwesende Geheimnis versammeln, aber es muss hier bedeuten sich im anwesenden Wort im Geheimnis wiederfinden. Wir verstummen hierbei nicht, vielmehr beginnen wir den Dialog. Die Freiheit zu denken ist wichtiger als die Wahrheit. Ich habe als Sprecher recht, aber die anderen können auch recht haben. Der Widerspruch, den Aristoteles in Platon sieht ist das Wahrscheinliche und nicht die Wahrheit. Die Kraft eines Textes liegt alleine in seiner Interpretation. Der Zuhörer als Interpret kann nicht anders als interpretieren. Platonisch ist hier, der Interpret und der Autor vertauschen ihre Rollen. Der Interpret wird selber zum Autor. Als Zuhörer wird er selber zum Sprecher. Es zählen hier Die Vernunft und der Glaube nicht, es ist und bleibt die Dichtung. Wenn jemand schweigt, so sagt man auch das er damit etwas ausdrückt, etwas sagt. Will man aber das was er nicht sagt, in Worte fassen, so könnte man gerade das nicht ausdrücken, was er mit seinem Schweigen uns sagen will. Das liegt wohl daran, dass das Gesagte immer aus dem Schweigen spricht. Zum Wesen diese Schweigens aber gehört, das man zwar darüber sprechen kann und muss, das die Fülle des Schweigens und die Differenz zwischen dem Schweigen des Redners und des Zuhörers es unmöglich machen alles auszudrücken und zusammenzukommen. Reden findet über das Nichtgesagte Nichtsagen statt. Daher passiert es auch, wenn wir zuviel reden und uns zu sehr vom Schweigen entfernen, wir verstummen. Dieses Schweigen hat also nichts mit Stille zu tun. Nicht mit dem einsamen Rufer in der Wüste. Vielmehr mit dem sich zu Wort melden. Was wir wissen müssen steht in den Büchern. Diese werden in der Schule durch den Lehrer vermittelt. Wenn aber ein Schüler aufmüpfiger Weise nachfragt. Wie ist das denn, wie stehen sie dazu Frau Lehrerin, wird dieses Schweigen aufgebrochen. Vielleicht mahnt sie dann zur Stille mit dem Argument, das tut hier nichts zum Unterricht. Es ist auch nicht so, dass das Schweigen in unserer Welt so selten geworden ist. Dieses klösterliche Schweigen. Vielmehr ist im ständigen Lärm und Hochbetrieb der Sprachen eine Leere die erst verarbeitet werden muss. Die Zeit des Sortierens ist eine Zeit von Schweigen. Wenn man so will sortieren die Medien ständig und als Zucker geben sie die News hinzu. Weiter weiß man nichts. Das wäre alles, Schweigen. Hierbei sagt Kierkegaard das Erste, das man tun muss, ist dies: schaffe Schweigen . Hier denkt er wohl eher dass man zuhören soll. Wir können zwar zuhören, wenn jemand schweigt, aber das wäre ein Monolog. Zuhören was einer verschweigt, was einer schweigt, kann man nur im Dialog. Man muss reden, darauf kommt es an. Wittgensteins Schweigeprozession ist tot. Man kann das Schweigen wie man bisher sagte hören, mit den Ohren, mit den Augen, mit Nase und Mund, mit dem Herzen. Zum Schweigen aber kommen wir nur durch Reflexion im Nachdenken. Wenn Nikolaus von Cues nun berichtet, das ihm im Schweigen der Betrachtung Gott in seinem Herzen antwortet, so mag dies allein für Nicolaus von Cues zutreffen. Das muss jeder selbst wissen ob er dies als Selbstgespräch oder Dialog betrachtet. Wir als Menschen entfernen uns zwar immer mehr vom Wort; in dem wir nachdenken finden wir im Wort das was uns ausmacht für uns. Wir kommen also durch alle Informationen näher zu uns. Dieses Reden und Sprechen ruft uns zu uns zurück, wir öffnen uns zu eigener Beachtung. Freudessatz: Das Wort stirbt, ehe es ausgesprochen ist. Das Schwaigen der Lämmer, dasselbe Schreien im Anblick des Todes, das von Menschen gemachte Schreien das seit der Geburt, dieses immerzu erneut sprechenmüssen. Warum, dann diese Stille. Dieses Schweigen. Dieser förmliche Widerspruch, das was uns am wahrscheinlichsten scheint, ist nicht die Wahrheit. Besser scheint es frei zu sein als die Wahrheit zu besitzen. Einige glauben die Wahrheit ist im Wort, aber die Wahrheit enthält das Wort. Die Kraft eines Textes verliert sich innerhalb der Interpretation. Der Interpret wird zum Autor, er vertauscht die Position.

    Das Sprachspiel ist keine Treppe
    Das Gedicht darf sich seine Dunkelheit bewahren, nein muss sich vom Schatten des Menschen lösen und als ein sprachloses Schweigen ins Licht treten aus allen Finsternissen. Buchstäblich trennt es sich von dem zuvor zitierten wortwörtlichen Gerede. Gegen das mittelbare Verstehen für dieses Unmittelbare verbinden des Grundes vom Mensch zum Menschlichen. Das Schweigen ist unerkennbar, unaussprechbar und also nicht wahr. Darüber sollte man nicht Nachdenken, noch ihm Nachspüren. Allerdings muss man wissen, das es immer bei jeder Rede und jedem Sprechen, jedem Wort, bereits darin enthalten ist. Wenn aber das zweideutige, funktionierend zwischen dem Diskurs und dem Ereignis, also diese Differenz, der Abstand zum Nichts des Schweigens verschwinden, bleibt etwas als von einem Datum her gedachtes, was die wahre Wirklichkeit ist, unartikuliert!. Das die Dunkelheit des schweigenden Nichts, die Einzige wahre Wirklichkeit ist. Heraklit: „Zu hören verstehen sie nicht noch zu sprechen“. Die Sprache aber ist das Recht des Menschen das er geltend zu machen hat. Alleine die Kraft des Sprechens, so ist meine These zu verstehen, fließt aus der Anerkennung der Notwendigkeit der Phänomene, zu denen die Sprache Distanz bezieht.
    Das Sprachspiel erklärt, an verstehbaren Beispielen (wie sie Wittgenstein anführt) sich als ein Spiel, so wie auch Kleinkinder ihre Muttersprache lernen. Dies ist nur in diesem Sinne für Dichtung anzuwenden, als diese einen wesentlich höheren Anspruch an den Sprachschatz des Autors sowie des Rezipienten, stellt. Das Sprachspiel in der Dichtung, muss nur in sofern einen verständlichen, kommunikativen Zweck erfüllen, als der Leser, den Gebrauch der Worte, unter verschiedenen Verwendungsregeln der Ausdrücke, für sich beansprucht. Dies in einem besonders persönlichen Sinn. Das gute Gedicht kann somit, aufgrund verschiedener Lesarten und Betonungen, einen völlig anderen Sinn erhalten. Insofern könnte es schon der Kindersprache ähneln, indem das Kind Mama sagt, (warum eigentlich nicht Papa?) wenn die Mutter da ist, und ein anderes Mal Mama sagt, wenn die Mutter kommen soll. In der Verwendung der Sprache ist es leicht zu erkennen, das wir,im Grunde gonommen doch alle das Gleiche meinen. Dies aber wird immer weniger deutlich, indem wir uns in immer mehr Worten verlieren. Das heißt ein Buch darüber schreiben. Oder eine Vorlesung halten. Ein Sinn wird doch erst deutlicher, und klarer, wenn er zu einem lexikalischen Begriff zusammengefasst wird. Es ist die gleiche Position bei allen Reden, sei es diese Frage nach dem Sein oder Nichtsein oder eine ja und nein Fragestellung oder, ob eine Aussage wahr oder falsch ist. Die erste zu klärende Frage bei einem Text ist diese, ob dieser aus Verstand und Vernunft besteht, oder beidem? Das Wichtige in der Bedeutung eines Satzes, scheint mir doch zu sein, das ein Satz in der richtigen Situation ausgesprochen wird. Das heißt zu einem gesprochenen (geschriebenen) Satz gehört auch der richtige Zuhörer, sowie der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt. Dies gilt im Besonderen für ein Gedicht. In sofern sind jedoch Gedichte oder Bücher oder Theaterstücke anders, als der Rezipient sich in die Lage des Textes herein versetzt ohne das sie ihn selbst jedoch berührt. Dieses Berührtsein scheint mir hier wichtig, denn es macht im Kontext einen Unterschied, wenn ich sage: in China fällt ein Sack Reis um, oder wenn ich den Satz so verwende, zu sagen, gleich fällt hier ein Sack Reis um.Wenn also ein sprachlicher Ausdruck etwas ist, das verschiedene Bedeutungen haben kann, so kann es für diese Sprache auch keine Spielregeln geben. Es macht auch keinen Sinn für die Sprache, den Satz oder die Regel, wenn ich den dahinterstehenden Gedanken nicht verstehe. Es kommt nicht darauf an ob ein Satz gut oder schlecht ist, oder ob er richtig oder falsch ist.vielmehr ist es für die Verwendung des Satzes wichtig, wie er verwendet wurde. Hier um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Die Regel scheint also hier zu sein, ob ein Satz das erreichte Ziel hat. Also, ob der Satz einen Punkt gemacht hat.

    Der Dichter ist immer in seiner gesellschaftlichen Verantwortung gefesselt und somit politisch. Dieses ist immer seinen Gedichten mitgegeben. Was ein Gedicht heute sagen kann und sagen darf, ist frei und bleibt unversperrt. Die Gedichte reden und verschweigen. Öffnen sich dem Ungesagten. Das heißt, der Text eskapiert, macht eine Eskapade (als Musik hieße es eine Fuge machen) im allgemeinen Sprachgebrauch macht er eine Biege. Er tritt als selbstständiges Subjekt zur Seite und eröffnet weiteren Raum. In welcher Weise dies geschieht, kann weder eine Interpretation zu Celan noch zu Adorno verhindern. Das Gedicht redet, als wolle es das Gesagte nicht sagen. Als sei alles, worüber gesprochen wurde, nur schön, wohlgefällig, ästhetisch, eben Kunst. Worüber wir noch reden können? Natürlich über alles. Das gehört zum eigentlichen Sprachspiel. Wir gehen meist bei unseren Interpretationen vom Autor aus. Aber dieser kann soviel Text produzieren, wie er will. Dass gleiche gilt für Interpretationen. Die Bedeutung eines Textes offenbart sich immer erst beim Rezipienten. Es gibt keine zwei Welten, von denen wir nur reden könnten. Es ist immer diese zweite uns einzig zugängliche, subjektive Welt. Wobei wir selbst nicht mehr zwischen Subjekt und Objekt zu unterscheiden vermögen. Wir reden, ohne zu denken. Denn, wenn wir nur anfangen zu denken, machen wir in unserer Sprache Fehler. Es gibt keine Welt oben und unten. Die Welt ist immer da. Wir können sie nur manchmal nicht sehen vor Nebelschleier, Sprachgittern, oder weil wir die Augen verschließen. Wenn Novalis im Lied des Bergmanns schreibt: „Der ist der Herr der Erde, wer ihre Tiefen misst […]“ so liegt dies ständig in seiner Landschaft. Und es gibt nur diese eine Landschaft im Wolkennebel. Diese eine Landschaft ist über dem Wasser und unter dem Wasser. Also mit Luft oder mit Wasser bedeckt. Das Licht dringt nicht in tiefste Tiefen des Meeres und es gibt Stellen der Landschaft, an denen die Sonne niemals untergeht. Das Dunkle jedoch erreicht beizeiten jeden Ort der Welt. Nur das Dunkle ist der Hinweis auf die ständige Anwesenheit der Landschaft. Die Landschaft ist niemals tot, auch wenn sie für unser Auge sichtbar nicht da ist. Alles, was wir bei Licht besehen über diese Welt berichten können, ist mit soviel falschem und grausamen beladen, dass hierüber ein Schweigen in Gedichten der völlig falsche Weg nach Fukushima wäre. Auch der Hinweis Wittgensteins: „Worüber man nicht sprechen kann“, zu schweigen ist der verkehrte Weg. Das heißt, gleich, wohin man ihn kehrt, er wäre nicht verschwunden. Wir sprechen immer in eines Anderen Sprache; das Fremde. Wir sind nicht wir, noch unsere Sprache. Wir sprechen, zu einem Anderen, von einem Anderen, der nicht wir sind, noch das wir jemals denken könnten, das wir von unserem Denken sprechen könnten. Wir sitzen vor unseren Maschinen, bearbeiten unsere Träume, die wir alle als Literatur, Tragödien und Romane erkennen. Mit unserem Denken fügen wir dieser zweiten (realen) Welt eigene Programme und Änderungen zu. Je höher man auf den Gipfeln der Landschaft steht (über allen Gipfeln ist ruh) ist Stille. Und je tiefer man in die Täler der Meerestiefen dringt, ist ewige Stille. Selbst Vögel und Fische schweigen in den Höhen und Tiefen. Die Stille ist der Ort, an dem alles spricht. Der Tod (und der Übergang zu diesem Ort) diese Utopie, ist die Vereinigung unendlicher Fälle von Welt. Es ist so, das die Worte mit weißem Stift auf weißem Papier geschrieben sind; Schweigen. Ich rede von einer Muschel, die in der tiefsten Tiefe des Meeres ein Wort enthält, aber welche Muschel? Niemand weiß, welche Muschel und welches Wort. Und nicht einmal, ob Diese oder Jene überhaupt ein Wort enthält. Das Wort, welches sich uns zeigt, ist uns fremd. Und doch ist uns das Fremde nah. Näher, denn das Fremde spricht hier zum Fremden. Es redet dir zu. Wie im Gedicht. Aber du bist nicht fähig, ihm zu sagen, was es dir sagen sollte. Reden, ja, schweigen. Schweigen, ja, reden. Was wir in den tiefsten Tiefen der Meere unter den Muscheln finden an Worten, bleibt unserer alltäglichen Sprache verborgen. Die schweigenden Worte können ans Licht, als Gedichte an die Meeresoberfläche, heraufgeholt werden. Sie erscheinen im Licht als gegenwärtige Poetisierungen deviant, offen zum Schweigen. Verweigern das Gedicht, als ein erneutes Sprechen. Sprache mit ihrem Schweigen, verweigert jedes Wort. Wenn wir zurückgehen zum Allerheiligsten, allertiefsten Grund, von ewigem Dunkel und ewiger Stille. Dort finden wir das unaussprechliche Widerwort. Meingedicht, Genicht. Erst, wenn diese Worte auftauchen zur Nacht, sprechen sie ihren Text zu den Tränen, wenn sie auch feststellen müssen, beim wiederkehrenden Auftauchen, dass sich die Nacht wieder etwas mehr verdunkelt hat. Wenn aber das Wort gestorben ist (an den Strand gespült) setzt man ihm einen Stein zum Gedenken mit der Aufschrift: Hier ruht das Wort. Damit spricht es für alle Zeiten.
    Meine Idee versucht eine Brücke der Übersetztung vom „letzten Menschen“, zum „Philosophenkönigübermenschen“. Das Erkennen des Schwaigen erlöst uns von dem Glauben an das Wort. Das Wort, das uns veranlasst zu einem Gedankensprung hinüberzugehen, aber, woher, wohin? Sprache bleibt dem Sprecher fremd. Das Sprechen ist die Erfahrung von etwas, das dem Ich radikal fremd bleibt.
    Die wissenschaftliche Sprache scheint mir eine Art Obskurterrorismus nach Derrida zu sein. Sie ist unverständlich und wer si nicht versteht, ist ein Idiot. Das ist Obskurantismus. Dieses Idiot ist Terrorismus.
    So scheint es doch, das auch der größte Unsinn, Quatsch einer Rede oder Schrift die verworren daherkommt, doch am meisten durchdacht sein kann.
    Der gesunde Menschenverstand ist objektiv. Er ist selbstbewusst. Das Bewusstsein jedoch ist zerrissen, offen und subjektiv für das absolut, offen für die Metaphysik. Sprache und Sprechen sind ein wollen, ein Sprechenwollen, dieser Ausdruck. Jedes Sprechen vermag das Gedachte zu nennen durch den Willen. Solange wir denken, sprechen wir nicht, und wenn wir sprechen, denken wir nicht. Man kann das Sprechen auf das Genaueste historisch interpretieren, ohne zu erkennen, was wohl der Gedanke hinter der Sprache war.
    Der Gedanke des Denkers, den dieser zur Sprache bringen will, wird vom anwesenden Sein her gedacht. Der Gedanke, der sich selbst zur Sprache bringen will. Dieser Bezug, den der Denker noch zum Anwesen des Gedankens fühlt, ist die Abwesenheit seines Willens, der sich nunmehr selbst will. Die Sprache ist nicht von einem Sein her geschaffen. Vielmehr von einem Dunkelnichts, spricht sie unhörbar ohne eine Stimme.
    Die Sprache ist der unaufhörlich fließende Fluss in den man nie zweimal steigt. Das unbewegte Ich fordert mit Widererinnern und apriori die Wahrheit. Sprache ist fließend. Wir haben dahingehend erkannt, dass wir denkend schauen (Theorein), dass Dinge, die wir sehen, eigentlich erst in unserem Kopf gebildet werden. Wir müssen nun umdenken, das nicht wie wir bisher zu beweisen versuchten, die Dinge in unserem Kopf in die Sprache abbilden, sondern, das wir die Schrift und die Sprache ebenfalls durch hören, über das Sehen denkend erfasst werden. Es ist doch wissenschaftlich nicht nachzuvollziehen, das ein Wissenschaftler denkt, seine Sprache wäre präziser als die Aussage eines welken Blattes.
    Dichterlüge? Lügt der Dichter? Kann ein Dichten lügen? Diese Frage nach der Moral wird seit jeher Dichtern vorgeworfen. In der Presse: Es gibt nichts mehr zu berichten, was Schlagzeile machen könnte, bisher aus einem machen könnte. Schon gar nicht die Wahrheit ist für den Leser interessant. Es müssen Lügen sein, erfundene Schlagzeilen. Nur über das was nicht sein kann, was nicht sein darf wird Interesse geweckt. Jeder Mensch ist Dichter und dichtet sich seine Welt zu Recht. Am Morgen liest er seine Zeitung. Die darin enthaltene Story hörte er bereits im Radio. Am Vorabend berichtete man darüber im Fernsehen. Wer nun denkt er wäre Erstleser dieses Zeitungstextes, ich meine, wer denkt er ginge völlig ohne Vorwissen an diesen Text, ohne dieses Vorwissen, würde man seinen Verstand ausschalten, der irrt. Was aus der Zeitung spricht ist nur subjektiv. Oder genauer, es ist objektiv, wird aber nur subjektiv wahrgenommen. Es ist sehr einfach. Begegnet uns ein Chinese, und spricht uns in seiner Landessprache zu, so verstehen wir seine Sprache nicht, aber immerhin werden wir etwas verstehen. Im einfachsten Fall verstehen wir Nichts, wir verstehen, dass wir nichts verstanden haben, also haben wir etwas verstanden. Nämlich das, wenn einer zu uns in einer uns unverständlichen Sprache spricht wir nichts verstehen. Hätte er allerdings geschwiegen, so hätte er in jedem Fall zu uns gesprochen, das hieße, wir hätten verstanden, das ist ein Chinese, dessen Sprache verstehen wir nicht. Was ist das Schweigen? Das Schweigen ist kein Verschweigen, weder Absichtliches noch ein Unabsichtliches. Man schweigt von etwas, das man nicht weiß dass man etwas verschweigt. Man sagt, aber man sagt etwas nicht. Man sagt nichts, was man denkt und verschweigt. Oder da ist nichts, man weiß nichts. Kann also auch nichts sagen, denn über nichts kann man auch nichts sagen. Da ist aber etwas, man versucht darüber zu reden. Man beginnt darüber zu reden. Alexander von Humboldt begegnet dem Urwald, er ist beeindruckt von seiner Größe und der Artenvielfalt. Er erkennt, dass er alles wohl niemals erfassen wird. Er beginnt mit dem ersten Blatt das er zeichnet dass er sorgfältig zwischen zwei Seiten presst. Mit diesem Darstellen des ersten Blattes, verschweigt er gleichzeitig die unendliche Artenvielfalt. Über bestimmte Themen will man nicht reden, darum palavert man über belanglose Dinge. Es geht aber nun darum, das man grundsätzlich verschweigt und zwar Dinge die man nicht ausdenkt, die man nicht aus formuliert die man nicht ausformulieren kann. Mit jedem Aussprechen, der Historiker und der Archäologe können nicht erkennen, das sie mit der Sprache nicht die Vergangenheit erklären sondern die Vergangenheit verschweigen. Alle Dichter und Denker beschäftigte dieses Thema auf der einen oder anderen Weise. Auch wenn ihnen nicht einmal die Frage bewusst war, was mehr spricht, die Rede oder das Schweigen. Welche Rede und welches Schweigen hätte ihre Frage heißen müssen. Des gleicht der Frage nach Ebbe und Flut. Man kommt zu dem Ergebnis, das die Flut immer wieder zurückkommt. Es ist aber das Wasser, das bei Ebbe zurück geht. Fußnote, wir zitieren einen Satz zum Thema Fußnote: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dann geben wir die Fußnote an: aus § 1 Grundgesetz. Ein sehr guter, richtiger Satz. Wahrer, schöner, bedeutender Satz. Sicher dies alles. Aber spricht der Satz auch aus sich? Der gleiche Satz bei einer Beerdigungsfeier, in einem Glückskeks, der Satz auf einer Plakatwand oder einer Todesanzeige. Er besitzt Referenz und Objekt. Ist also ein richtiger Satz. Wer spricht an, wer ist angesprochen? Das Volk ist angesprochen, weiß das es angesprochen ist. Woher? Aus dem Schweigen, aus dem Nichtgesagten. Aus dem Wissen. Es spricht die Bundesregierung, sie spricht an. Sie zitiert das Grundgesetz. Sie verweist auf das Grundgesetz. Ohne nachzudenken erkenne ich den Sinn aus meinem Unterbewusstsein. Ich weiß, dass ich angesprochen bin. Kann ich mir die Situation der Anwendung dieses Satzes vorstellen, so habe ich mich von diesem Satz bereits entfernt. Der Satz ist nicht meine Vorstellung. Wie bei den Speisen, muss ich die einzelnen Komponente nachvollziehen, schmecken. Gibt es einen Grund für die Regierung mir diesen Satz nun vorzustellen? Zwischen meinen Vorstellungen und denen der Regierung diesen Satz vorzustellen, sind Welten, die erst erarbeitet werden müssen. Welten die der Fall sind und entfernt von diesem Satz liegen. Die auch nicht aus diesem Satz hervorgehen. Die außerhalb der Bedeutung dieses Satzes liegen. Was bedeutet hier: Grundgesetz als Fußnote? Im öffentlichen Verkehrsmittel greift ein in jeder Hinsicht minderbemittelter Mann eine andere Person an. Wir fahren dazwischen: bitte lassen sie diesen Mann in Ruhe. Wir tun unsere Pflicht. Wir sind stolz, wir haben sehr recht, das Gesetz ist hinter uns. Wir verheimlichen uns selbst gegenüber, das wir keinen Gedanken verschwenden, aus welchen sozialen Problemen und Brennstoffen der Angreifer einer solchen Handlung fähig war. Wenn wir etwas schönes sehen, verheimlichen wir das hässliche, wenn wir etwas böses sehen, verheimlichen wir das Gute. Mit jedem Wort, mit jedem Satz, verheimlichen wir. Mit der Fußnote unterstellen wir. Wir unterstellen, mit dem Aufstellen der Fußnote, das der Leser nicht weiß, das der Satz aus dem Grundgesetz ist.
    Jeder Sprecher spricht, als wäre seine Aussage wahr, auch wenn er sicher ist, das er lügt. Der Hörer geht ebenfalls davon aus, dass jeder Redner immer die Wahrheit sagt. Unwillkürlich wird er aber an seiner Aussage zweifeln, wenn er sich mit seiner Meinung dem Redner überlegen fühlt. Er wird die Aussage für wahr ansehen, wenn er die Kompetenz des Sprechers anerkennt, auch dann, wenn er durch Massenanhänger ein Gefühl bekommt, er braucht die Aussage nicht mehr zu hinterfragen. Wir sind uns nun alle dessen bewusst, und wenn ich hier versuche eine Theorie aufzubauen, so wird man behaupten, das wäre allgemeines Wissen und nicht Neu. Meine Theorie beschäftigt sich aber nicht mit dem Sprechen. Sie ist eine Sprachtheorie, die sich mit dem Wortlaut der gesprochenen oder geschriebenen Sätze beschäftigt, und zwar besagt sie zunächst, dass die Gesprochene und Geschriebene Sprache „an Sich“ nichts aussagt, das sie ohne Bedeutung ist. Der Redner gibt ihr nun, wie vorher angeführt, ihre Bedeutung und der Hörer wird sie falsifizieren, auch mit seiner Hilfe von Hören, Sehen, Riechen und Verstand. Ohne diese Sinne zu benutzen, machen Sätze „für sich“ keinen Sinn. Sie produzieren lediglich Fragezeichen. Ich spreche hier nicht davon, dass die Sprache des Schweigens nicht das Schweigen der Sprache ist, auch, wenn ich im gesamten Text, viele Beispiele anführe, um mein Thema zu erläutern. Sie verstehen, das Thema ist Still! Es Schweigt und wird erläutert! Es ist also nicht das beredsame, tiefe Schweigen, das ich hier ansprechen möchte. Es ist dass Rede, Sprechen, von einem Schweigen getragen sind. Das Sprechen ist kein Sprechen. Wir nennen es so, wegen seiner Laute. Wir schweigen uns zu und wenn wir wissen, brauchen wir uns nur zu zu nicken. Wir sagen:“ du weißt“ und der Andere nickt. Man braucht hier keine Erklärung. Man kann nun behaupten. Man versteht es nicht und hält es für Quatsch. Oder man sagt, das kennt man ja, das weiß man ja und deshalb ist es Quatsch. Beides ist hierzu genau richtig. Wir reden immer Quatsch und wir schreiben immer Quatsch. Von Platon bis Wittgenstein sagten die Wissenschaftler, dass man hierüber nicht reden und schon gar nicht schreiben kann. Sie hatten aber immer das besondere Problem, das sie keinen Quatsch schreiben wollten. Diese Zeiten haben sich endgültig geändert. Paradigmenwechsel. Wir sind nun in einer Welt angekommen in der wir fast ausschließlich von und mit Quatsch leben (Werbung, Reklame, Schlagzeilen, Politik Statements). Über Jahrhunderte legte die Religion uns dieses Schweigen als das Denken Gottes aus. Nun sind wir in der Lage, zu denken und sind von dem uns überflutenden Quatsch bezaubert. Wir lesen sicher mit größerem Vergnügen Werke namhafter Personen die inhaltlich völlig Quatsch sind, mögen sie auch teilweise reale Begebenheiten gewesen sein, (Quatsch kann auch, wie Kitsch etwas sehr schönes sein) als hier, diesen Text, der sicher nicht beansprucht wissenschaftlich zu sein, im Sinne von akademischer Theorie. Das Sprechen des Schweigens ist das Geheimnis! Die Versammlung der Geheimen im Schweigen. Wir verstummen aber nicht vor dem Geheimnis, wir verstummen vor der Gewalt. Die Gewalt von Sprache und der Quatsch machen uns Stumm. Es reißt das Wort im Schmerz Dem Anderen entsprochen
    Zurück, dort wo der Mensch gebrochen
    In seiner Haut so ausgesetzt dem Leib
    Dem er verbunden, Jäh entleibt Befragt so mit Gewalt zum Sprechen
    Verschärft – VERNOMMEN – bohrend
    Die Antwort bleibt Nur Reine Form Von seinem Körper schon entleibt
    Hat er gesprochen, gegen seinen Willen
    Entkommen wird er nicht der Haut – Und auch der Tod wäre viel zu leer.
    Der Welt dies Opfer: geht dies Opfer verloren
    Entgegen dem Willen sein Wort entrissen
    Es wird erzwungen für seine Welt, Zurück, wo Mensch, erst wird der Hilferuf
    Erzittert Körperschrei die Kehle Und ausgesetzt von Haut und Leib
    Die Ohnmacht glaubt der Stimme nicht
    Ein Schmerzensschrei dem Peiniger folgt
    Der Schmerzensschrei entspringt dem Zeichen
    Durchbricht die Ordnung und befreit, Gibt Antwort bloßer Haut des Leibes
    Lebendig seiner Welt beraubt - Und willenlos dem Schmerz entrissen. Soviel zur Gewalt.
    Die Gewalt eines Tornados, das ist seine verheerende Kraft. Diese Kraft aber liegt in einer schweigenden Stille die sich in seiner Mitte verhält, in seinem Auge. Gläubige mögen darin Metaphernhaft das Auge Gottes oder die Anwesenheit des Schöpfers sehen. Der Gläubige meint in unserer lauten Welt wäre das Schweigen selten. Daher geht er ins Schweigen des Klosters um Ruhe und Stille zu finden. Er wird aber das Zwiegespräch mit sich selber finden. Wir erklären einen Text und nehmen einen Satz auseinander, auf seine Bedeutung hin, und stellen fest, das, was wir immer schon wussten. Wenn es wirklich so ist, dass in einem Gedicht, sagen wir einem hermetischen, großen Gedicht (und ich bin mir sicher, er würde es ebenso sehen) eine Bedeutung verborgen sei, warum verändert sich dann jeweils nach einer anderen Interpretation die Bedeutung? Und warum gibt der Text dem Wissenschaftler so viel Mühe auf? Was soll also dann der Text bedeuten, wenn die Bedeutung, hier hinter dem Text liegt? Diese Theorie des Schwaigen, braucht nur von Philosophen falsifiziert zu werden. Wie ich zeige, kann man an dieser These nicht feststellen ob sie falsch ist, vielmehr müssen andere Theorien (Wittgenstein, Austin, Gadamer), damit überprüft werden, oder anhand eines Experimentes diese Theorie bewiesen werden. Schwaigen ist ein kommunikationsfreudiger Akt, bei dem nicht nur gesprochen wird und bei dem auch nicht immer Laute erzeugt werden. Schwaigen hat mehrere Funktionen. Während man einem anderen zuredet, schweigt man über die wesenhafte Aussage hinweg. Doch kann das Schwaigen auch einen Kontext zur Verständigung anzeigen.
    Nur was wir nicht wissen, das macht uns klüger...
    Wir versuchen in unserem Denken und Zuhören zu Verstehen, aber dieses Verstehen ist nur eine Vergewaltigung. Ich denke, dass ich in meinem Dichten nur zeige, wie eine Welt funktioniert. Ich schreibe nicht, damit mein Gedicht verstanden wird. Und wenn sie Verstehen würden, weil sie zum Beispiel diese Situation bereits selber einmal mitgemacht haben, so sollten sie ihr Gedicht doch selber denken, denn sie sind weder ich, noch ein Dichter wie ich. Ich will nicht, dass man in meine Gedichte eintaucht, wie in einen Roman. Vielmehr soll man bei meinen Gedichten nach außen entfliehen, emporsteigen, vergessen.

    Die Philosophie sucht nach (der) Wahrheit - und hat bis Heute nur eine vage Menge, miteinander streitender Wahrheiten gefunden. Jeder Mensch hat jede Menge Wahrheit und Jeder verkörpert objektiv seine eigene Wahrheit. Zwischen Wahrheit und Wahrheit besteht eine tiefe Kluft die zunächst unüberwindbar scheint. Aber es scheint auch nichts zu geben, was das menschliche Gehirn nicht überwinden könnte. Die Wahrheit ist also lediglich das, was wir selber denken. Aber Achtung, nicht das was wir denken zu denken, sondern das was wir nicht wissen, das wir es wissen. Alles was wir reden und ausdrücken ist schon nicht mehr wahr, weder für uns, noch für den Anderen der das Gesagte erst einer Prüfung unterzieht. Wir können es allerdings für wahr halten, oder es für wahr ausgeben, oder noch soviel dazu erzählen, dass es anscheinend wahr sein könnte. Wir könnten ein Buch darüber schreiben und so gesehen sind alle Bücher irgendwie Romane. Der Schriftsteller hat die Handlung so oder so schon erlebt oder einmal gehört und sie scheint wahr zu sein; aber seine Geschichte ist natürlich völlig frei erfunden und an den Haaren herbeigezogen. Selbst ein performativer Akt ist niemals wahr und eine Handlung, wie eine Eheschließung, ist nur aufgrund konventioneller, kultureller Vereinbarungen bindend wahr. Wir dürfen dann einfach nicht denken. Sobald wir denken, müssen wir erkennen, das eine Hochzeit nur Firlefanz ist, so wie wir das Tragen des Kopftuches oder verschiedene Beerdigungsriten nicht verstehen können. Alle Dinge die wir aussprechen, nehmen wir aber aus guten Gründen für Wahr. Boris Groys der das Buch über die Einführung in die Antiphilosophie schrieb, wurde in Ost-Berlin geboren. Hier musste ihm doch wohl schon aufgefallen sein, dass für West-Berlin eine völlig andere Wahrheit galt. Was ist das überhaupt, ein Anti? Sitzen alle im gleichen Boot und sind dann Antiruderer oder was? Kommt Groys am Ende doch zu keinem Ergebnis, was die Antiphilosophie ist, so gibt es zwei Wahrheiten. Erstens, er schrieb ja nur eine Einführung in die Antiphilosophie oder zweitens im fiel auch bei seinen Recherchen keine weitere Lösung ein, es gibt eben eine Philosophie und eine Antiphilosophie. Wie beim Parmenides gibt es das Eine das ist und das Eine das nicht ist. Doch dessen Göttin behauptete schon, die Menschen sind blöde, weil sie MEINEN mit WISSEN verwechseln. Nun gibt es aber eine Lösung für Groys. Das ist nicht die ungeschriebene Lehre des Platon, über die man nicht schreiben könnte, und auch nicht Wittgensteins, worüber man nicht reden kann, davon müsste man schweigen. Es ist das, was in der Weiterentwicklung der Kantischen Vernunft, oder besser in deren Entwicklung, sowie in den Sprachtheorien Wittgensteins, Austins, Russel, zu kurz greift. Man besitzt die beiden Möglichkeiten, entweder man redet oder man schweigt. Man könnte in jeder Form Wahrheit herausholen. Die Philosophie ging dahin, das sie auf der anderen Seite das Schweigen als ein Reden interpretierte und das es Eine nennen wir es Letztbeg

  • Schweigende Sprache

  • Schweigen und nichts

    Schweigen und Nichts
    von Manfred H. Freude

    Das Gedicht
    Vom Schweigen und Nichts
    von Manfred H. Freude, anschließend ein zweites
    mit einer folgenden Interpretation (Auslegung):

    Vom Schweigen und Nichts

    Ineinsgefroren liegt himmelschwer
    Tiefschwervergrabenes. Im Körper
    Gehäutet

    Leeres Gerede von Pulten
    Die NICHTS sagten. Sprachen. Ja, sprachen
    Doch NICHTS sagten. Schwiegen
    Schrieben von den Pulten –
    Schwiegen

    Von einer Stimme, mit eines Stimme
    Beides zusammen
    Nicht eines, sondern: Keines

    Was redet, aber nicht spricht
    Nichts sagt aber schweigt
    Denn dort ist einer
    Der nicht redet aber schweigt
    Der führt das Wort
    Führt es hinaus ins Nichts

    Doch wo steht das Nichts?
    Das Nichts, es steht auf dem Nichts
    Das Schwarze, es steht auf dem Weißen
    Das Schweigt : Das Schweigen
    Das Leichenläuten der Totenglocke
    (Auf dem Nichts steht das Nichts)
    Ineinsgefroren
    Beides zusammen

    © 2008 MANFRED H. FREUDE Aachen

    „VOM SCHWEIGEN UND NICHTS“

    Dieses längere freirhythmische Gedicht rückt die Reflexion um die beiden Pole „Reden und Schweigen“ in den Mittelpunkt. Sie nutzen das Stilmittel des Paradoxons, um Spannung zu erzeugen, indem Sie ‚nichtssagende Redner’ („sprachen, doch nichts sagten“) mit einem ‚das Wort führenden Schweigenden’ kombinieren. Hier klingt meines Erachtens das alte Ideal von einer dem rein Arbiträren und Zeichenhaften enthobenen Sprache ebenso an wie das bekannte Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“.
    Das Gedicht bewegt sich, wie schon die Überschrift vermuten lässt, vor allem im Spannungsfeld von abstrakten Begriffen: Zentral ist hier die Opposition „Schweigen“ und „Reden“; aber auch „das Nichts“, als Steigerung des Schweigens. Gut gefiel mir, dass Sie diese reflexiven (und weniger ‚griffigen’) Begriffe mit einigen konkreten Bildfeldern koppeln, die es den Lesern ermöglichen, die Situation zu verorten (das Ausgangsbild „leeres Gerede von Pulten“ konnotiert etwa Redner in einem Kongresssaal oder einer Universität).

    Veränderungsvorschläge:
    Wenn Sie redundante Passagen (z. B. Wiederholung von Abstrakta) ausdünnen würden und so das Feld der abstrakten Reflexionen noch etwas komprimieren, würden Sie meiner Ansicht nach dem Gedicht insgesamt noch mehr Kontur, Griffigkeit und Dichte verleihen können.
    So ließe sich anfangs das gedoppelte „schwer“ kürzen, vielleicht sogar sofort mit der Spannung erzeugenden Opposition „Himmelschwer“ und „Tiefvergrabenes“ einsteigen. Auch in der 3. Strophe könnte man eine Kürzung in Erwägung ziehen: Da das Wortfeld des Sagens im Text sowieso dominant ist, läge es hier meiner Ansicht nahe, Wiederholungen zu streichen. Ähnliches gilt für die letzte Strophe (s. u.).
    Das Stilmittel der Wiederholung ist ein starkes, sollte aber meiner Ansicht nach möglichst akzentuierend, also eher sparsam gebraucht werden. So würde ich vorschlagen, in Strophe 4 das Verb „führt“ nur einmal zu verwenden und in Strophe 5 auf die Stockung des Satzes durch nachgestelltes Pronomen („Das Nichts, es“) zu verzichten. Auch die rhetorische Frage „Wo ist das Nichts“ könnten Sie in meinen Augen hier weglassen, um eine eher plaudernd-kommentierende Tonlage zu vermeiden und die Überlegungen kompakter, direkter und suggestiver zu präsentieren.
    Der Vers „nicht Eines, sondern: Keines“ in Strophe 2 läuft meines Erachtens Gefahr, unscharf zu wirken – hier könnte eine Ausdünnung in meinen Augen mehr Klarheit erzeugen.
    Formal fände ich es geschmeidig, wenn Sie die Zeilenanfänge klein beginnen, denn so lesen sich die Zeilenübergänge fließender. Wo Sie deutlichere Zäsuren wünschen, könnten Sie ja – wie in der gelungenen Verszeile „Die nichts sagten. Sprachen. Ja, sprachen“ – konsequent Punkte als Satzzeichen setzen.
    Der Titel könnte ohne die Präposition „vom“ etwas direkter und ‚knackiger’ wirken.

    VORSCHLAG

    SCHWEIGEN UND NICHTS

    Himmelschwer liegt
    Tiefvergrabenes
    im Körper. Gehäutet.

    Leeres Gerede von Pulten.
    Die nichts sagten. Sprachen. Ja, sprachen,
    doch nichts sagten. Schwiegen.
    Schrieben von Pulten,
    schwiegen.

    Von einer Stimme,
    mit eines Stimme.
    Beides und keins.

    Dort ist Einer,
    der nicht spricht, aber sagt,
    der nicht redet. Schweigt.
    Der führt das Wort
    hinaus ins Nichts.

    Das Läuten der Totenglocken. Das Schweigen.
    Schwarzes steht auf dem Weißen.
    Auf dem Nichts steht das Nichts.
    Ineinsgefroren.
    Zusammen.

    SCHWEIGEN UND NICHTS

    0. Vorwort
    1.01 Gemeinsames Schweigen
    1.02 Gemeinsames Nichts
    1.03 Schweigen und Nichts
    2.01 Wer spricht wird widersprechen
    2.02 Lösungskonzepte
    2.03 Rede als Denkprozess
    2.04 Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung)
    3. Der Mensch verzichtet immer
    3.01 Nihilismus im Schweigen der sprache
    3.02 Vagheit
    3.03 Dinge – Gefäße beruhigen
    4. Schweigen der Autoritäten - Implizites Wissen
    5. Verhärtet - Entfremdet
    6. Celan
    6.01 Celan - Büchnerpreisrede
    6.02 Celan - Bachmann
    7. Brecht - Wenn man über Bäume nicht mehr reden darf
    8. Platon Menon -Wissen
    8.01 Russel / Rhyle
    8.02 Heideggers - Naivität
    8.03 Gadamer / Derrida - Fisch und Vogel spurlos
    8.04 Adorno - Verstummen

    Warum diese Schrift?
    Begründung:
    Aus folgenden Gründen sehe ich mich ernsthaft gezwungen, auch
    (entgegen allen Ratschlägen) eine Deutung des Gedichtes zu liefern.

    1.) Das Gedicht “ Schweigen und Nichts „wie andere, entzieht sich einer fehlerlosen Interpretation, (oder wird ihm, da es noch nicht namhaft rezitiert wurde, seine Ernsthaftigkeit nicht zugesprochen?)
    2.) Die fehlenden Bemühungen von Wissenschaftlern sich mit Unbekanntem zu beschäftigen, mit dem Gedanken, das sie diesem Beliebigkeit unterstellen.
    (Man beschäftigt sich mit Platon und Kant und begeistert sich an der Mehrdeutigkeit ihrer Worte. - Hierbei unterstelle ich, das man sich nur ungern der Mühe unterzieht, auch bei namenlosen Texten, Unerkanntes zu entdecken.)

    Fundamental gehe ich davon aus, das es für jeden Wissenschaftler und Experten unmöglich ist, das Genie, in und an einem Kunstwerk, sei es Bild, Plastik, Musikstück oder Gedicht zu erkennen. Noch nie wurde große Kunst bei Ihrer Entstehung entdeckt, schon ein Gegensatz.

    Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann

    Vorwort

    Interpretation von Schweigen und Nichts:
    es geht in diesem Gedicht, einzig um das Schweigen, (um das Nichts). Das Schweigende, es heißt es wird „Nichts“ gesagt, immer. Auch wenn gegenwärtig rar von Sprechen und Reden steht, so ist es doch gerade so, das Austausch be-deutungs-los ist. Es wird immer gesprochen, und immer wird nichts gesagt; „es steht geschrieben…“, doch was steht in der Schrift, was steht in dem Dunklen auf dem Toten, - NICHTS. Es steht dort das Nichts und es schweigt. Der Redner redet, der Zuhörer horcht oder er protokolliert. Der Redner spricht nicht, weil der Hörer ohnehin schon weiß oder vermerkt, weil er nicht weiß was er nicht weiß. Unverständlich also jede Rede. Die Schrift steht da, ohne den Leser, als ein Nichts. Viele Bücher in vielen Regalen, sind allesamt bedeutungsloses Nichts. Werden sie gelesen, treten sie zu den anderen Worten, verbinden sich mit dem schon Bekannten? Nein es ist keine Wissenschaft. Die Worte, die Begriffe, sind alle längst bekannt. Eine Rede oder eine Sprache wäre nur eine Erklärung, aber was sollte erklärt werden, was verstanden werden, wenn es nicht ohnehin schon gewusst wäre. Man nur selber eben keine Erklärung hätte und es nicht beschreiben könnte. Das Schweigen ist keine Reflexion, auch nicht das Reden. Reflexion ist Einbildungskraft, ist Denken. Aber weder das Reden noch die Schrift ist DENKEN. Reden ist Wissen, aber wovon wissen wir? Wir wissen was eine Rede ist, können es aber nicht erklären; aber wenn einer erklärt was eine Rede ist, was wissen wir dann? Wissen wir dann mehr was Wissen ist, was wir vorher nicht wussten? So ist es desgleichen mit einer Interpretation. Man liest bescheiden im Kaffeesatz. Man kann interpretieren welcher Kaffe und welche Tasse, aber kann man interpretieren was der Kaffeetrinker dachte, oder welche Person er war? Das ist Wahrsagen. Ist der Interpret ein Wahrsager? Wäre diese Überlegung bedeutungslos, sollte man Schweigen, es wäre Nichts. Wir reflektieren, Denken und Reflexion, wir blicken nur rückbezüglich. In diesem plötzlichen Augenblick, werden wir bereits zu Stein, wir begegnen dem Medusenhaupt. Wir schaffen etwas vollkommen Neues. Wir treten aus dem Text, stellen diesen oder uns selber auf den Kopf. Treten an die Stelle eines neuen Schöpfers und an die Stelle von Büchners Lenz, der am liebsten auf dem Kopf gehen wollte. Dies ist aber die andere Geschichte. Das Gedicht redet alleine vom Schweigen. Hier vielleicht kommt eher Wittgenstein zum Zuge: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Aber gibt es ein Ding wovon man sprechen kann? Wir hören nur das Stumme, das Stille, das Glockenläuten, das auch aus dem Gedicht hervorkommt; Heideggers Geläut der Stille? Vor allem aber ist es immer beides. Insofern also eine Reflexion, aber eine subjektive Reflexion, ohne ich, ohne du und ohne wir. Es gibt keine Antwort. Eine, oder JEDE Antwort die wir finden war bereits da und ist immer dort. Nur herausgeholt, also nicht vom Redenden, sondern vom Schweigenden, vom Stummen, vom Stein der nicht spricht. Von der Grenze, an der die Rede, der Gedanke abgegeben wird und bei seinem zurückblicken zu Stein wurde. Das Schweigen ist kommunikativ aber das Reden ist Nichts-sagend, besonders für Zuhörer. Eine Raumstation die schweigend im Raum schwebt, spricht. Spricht und schweigt. Technik ist stumm aber redend. Die große Rede, die automatische Rede, verweigert eine Antwort, ein eisiges Schweigen. Ich spreche nicht vom Gebet oder der Rede des Pfarrers und die Gemeinde schweigt. Ich spreche von beidem. Der Pfarrer schweigt indem er redet und die Gemeinde schweigt indem sie aus ihrer Andacht redet, beides. Das drückt das Gedicht aus, beides, keine Disjunktion. Eher eine Gleichzeitigkeit eines Atoms oder eines Elementarteilchens das zeitgleich selbst an verschiedenen Orten anwesend ist. Das Gedicht gleicht einer Zeitungsanzeige. Sorgfältig formuliert. Aber wo steht es? Auf welcher Seite? Wer ist sein Leser? Interessiert? Zeigt er Interesse? Er nimmt etwas wahr, etwas für wahr halten. Das Gedicht, die Berichte, sie sprechen. Der interessierte Leser sucht sein Gegenüber. Er redet mit dem Text aber es ist eine Automatische Rede. Das Problem des zum Sprechen bringen ist ein Bild das wir uns von ihm machen. Es erzeugen. Wir müssen vergleichen. Dieses Bild mit dem Unserigen vergleichen. Das können wir aber nicht übereinander bringen, noch können wir es nebeneinander bringen. Nur in Gedanken, in Reflexionen. Wir müssen beide Bilder erst beieinander bringen, kooperativ miteinander vereinigen. Schreiben, malen, fotografieren. Des Gegenüber und unser Bild. Damit werden wir vergleichen. Ohne dieses Vergleichen sagt uns das Bild oder die Sprache des Gegenübers Nichts. Wir entwickeln unsere Theorie. Auch wenn diese Theorie falsch ist, können wir sie überprüfen. Nur so lernen wir. Die unausgesprochenen Worte der Rede fallen zurück und werden zum Überlebenden Schweigen. Das Ungeschriebene, verhärtet, es wird zur Sprache. Der Gedanke führt zu einem anderen Gedanken. Ein stummer Vorgang von Reflexion. Denken ist einsam, still. Sprachen, ja, aber ihr Sprechen war kein Sprechen. Ihre Reden waren keine Reden. Sie schwiegen und es waren keine Worte; weder in ihnen, noch aus ihnen. Sie verstanden genau. Was sie verstanden, stand auf ihnen geschrieben. War ihnen eingeprägt als schweigende Inschrift. Niemandes Sprache, die Kainsprache. Trugen sie ins Feld um Furche und Furche und an den Grenzen kehrten sie den Vers : vaterländisch. Wendeten sie den Pflug, hoben die Steine. Denn es lagen Steine in den Furchen und Worte fielen aus der Erde und vom Himmel. Widerworte von Reihe zu Reihe, vaterländisch. Reden, Gespräche - reden und sprechen. Es fällt ein Gegenwort, es kommt etwas dazwischen, a priori einer Idee, selbstverständliches einer These. Kein Sein oder Nicht-Sein, eher ein Unterschied. Etwas dazwischen, was immer schon da war, es setzt sich ein Wort dazwischen. Hiermit setzt das Sprechen ein. Es spricht ein Immer-noch am Rand des Verschweigens. Es bleibt was gesprochen und beginnt eine Gründung, ein Riss. Es spricht eine Widerrede in der gleichen Rede. Spricht in einer Anderen Sache, von anderer Sache. „Von einer Stimme, mit eines Stimme Beides zusammen Nicht Eines sondern : Keines“ , so heißt es im Gedicht. Das entweder, oder, ontologisch getrennt aber doch beides zusammen, nur nicht in eines gefasst sondern eher in nichts, niemand, keines, ein Gleiches. In der Tragödie sieht Einer die ganze Brutalität, ein Anderer sieht es als humorvolle Inszenierung, ein Dritter sieht nur das ästhetische Erlebnis. Beim Einmarsch der Truppen erlebt die Eine das Entsetzliche, die ungeheuere Brutalität, das Brüllen, Singen und Marschieren in Todesangst erlebt; während ein Anderer die Begeisterung, den Jubel und das Fest empfindet, ein Dritter bleibt gänzlich unbeteiligt. Die persönliche Erfahrung jedes Einzelnen schließt das Ereignis aus. Es bleibt die Distanz. Das Direkte ist poetologisch unverständlich. Wer es aber Direkt will, kann es so oder so sehen oder aber Verschweigen, Verstummen. Ein gemeinschaftlicher Diskurs einer Sprache zum Erlebten ist unüberbrückbar. Der Diskurs aus einem Reden und Sprechen ist in einer unüberbrückbaren Mitteilung zum Ereignis, das Ereignis ist isoliert und alleine. Es ist Vergangenheit und Stille, es schweigt. Die Daten des Ereignisses stehen auf seinem Denkmal eingemeißelt. Es bleibt aber weiter diese unüberbrückbare Distanz zum Besonderen, zur Erfahrung. Immer sind es zwei Sonderfälle, die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft und das Erlebte. In einer ständigen Widergeburt wird das Gemachte, das Schöne gezeugt. Das Jungfräuliche wird unsterblich, das selbst als Tod geborene erscheint fort als der unsterbliche, der lautlose Tod, das schweigende Nichts. Die Wahrheit des Handelns in der Kunst und der Einsicht bestimmt nicht über ja und nein sondern um gut und böse. Ich habe mich dazu entschieden der Rede eines bekannten Autoren zuzuhören, weil mich das Thema brennend interessiert. Als denkender Mensch aber gehe ich nicht unvoreingenommen in den Saal und beginne sofort zu Beginn der Rede des Autors mit meinen Überlegungen. Subjektiv liegt es also nicht am Redner, mir sein Wissen zu demonstrieren, sondern an meinem Wollen. Ich bin es, der sich dem Einfluss des Redners nicht preisgeben will. Sprache ist eine Regel, folgt einer Regel und jede Regel ist Kunststück meiner praktischen Vernunft. Zum Kreatürlichen von Regeln gehört, das sie mit anderen Regeln verschmelzen. Der Redner redet keine Rede, er mag vielleicht mit seinen Gedanken irgend sonst wo sein während er redet. Warum sollte er diese Möglichkeit seinem Zuhörer nicht zugestehen. Es ist als besteige er einen Berg und ich folge ihm. Sein Gedanke mag sich bereits auf dem Gipfel befinden, während mein Gedanke noch weit unten im Tal sich befindet. Wir sind nicht auf gleicher Höhe und können es auch niemals sein. Der Redner selbst wird es wohl niemals erreichen mit sich selbst auf gleicher Höhe zu sein.

    1.01) Gemeinsames Schweigen

    1.02) Gemeinsames Nichts

    1.03) Schweigen und Nichts

    Schweigen ist ein kommunikativer Akt. Als kommunikativer Akt setzt es eine Aktion voraus. Ein Anreden als symbolische Handlung. Es frag in der Sprache um die Zeit eine Aufklärung zu bedenken. Zum weiteren kündigt das Schweigen ein Ende des Dialogs. Wer zuhört schweigt und wer redet verschweigt. Das Schweigen macht den Weg frei zum Nachdenken. Schweigen folgt dem Verstummen. Nachdenken und Konzentration provozieren Schweigen. Wieder das Vergessen wird ein Sprechen gefordert. Dieses Sprechen beginnt mit einer „Schweigeminute“.

    2. ) Lösungskonzepte

    2.1) Wer spricht wird widersprechen

    Wer so handelt scheint alles zu wissen. Kann die Dinge nachbilden, Ebenbilder schaffen oder Trugbilder.
    Das Schweigen aber ist „ etwas“ über das man wieder Reden kann, dem man etwas zusprechen kann.
    Hat man das Schweigen zum Gegenstand, dann redet man, spricht dem Schweigen eine Existenz zu.
    Die Erkenntnis, das Fortfahren vom Logos zu Logos entsteht in der Wende, der Kehre, im Erfahren der Grenzsituation, im Randzonenparadox des verschwiegenen Erfahrungsraumes. Das Aussprechbare will gesucht und gewonnen sein.
    Im Atemlosen verhärtet das Schweigen zur Sprache.
    Mit dem Schweigen beginnt die Sprache als Denken und Schreiben.
    In dieser Lücke, Pause, Leerstelle. Alles geschriebene, jedes Wort, jede Silbe, jeder Satz ist an dieser stelle Nutzlos.
    Hölderlin spricht hier vom Menschen als Zeichen, nicht als Hörer oder Leser. „ Ein Zeichen sind wir, deutungslos“ Wir sind die Setzer von Zeichen, deutungslos!

    3.01) Rede als Denkprozess
    Eine Rede ist nicht eine Rede nur weil sie laut geredet wurde. So wie die laute Sprache nicht selbst laut oder leise ist, da zur Sprache nicht laut oder leise passt. Zum Schweigen gehört ebenso nicht „Stille“ oder „Nicht Reden“. Die Rede selber ist ein Denkprozess und damit unsichtbar und unhörbar. Wie können wir also einen Redner, der sichtbar und hörbar spricht, wie können wir uns seinen Denkprozess vorführen? Eine Rede kann nicht ohne das Schweigen gedacht werden, sowie die Stille nicht ohne einen Laut gedacht werden kann.

    3.02) Sprechen ist eine Angelegenheit der Muskeln

    Handeln ist eine Angelegenheit der Muskeln (Bewegung). Die Funktion des Geistes ist ihrem Wesen nach eine schweigende, innerliche Operation. Der Geist wäre ein Ort geheimster Gedanken. Dem Sprechenden gegenüber muss man sich selber bewusst sein, man muss etwas kennen. Nur so kann es zu einer Bekanntschaft einem Kennen kommen, einem bekannt sein als einem Verstehen können. Wir nehmen Bezug auf seine Rede vom Datum her. Eine Bezugnahme von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von einem Hier und einem dort.

    3.) Der Mensch verzichtet immer

    3.01) Nihilismus im Schweigen der Sprache

    Das Schweigen der Sprache ist keine Schwarzmalerei, keine Schrift auf weißem Grund. Auch trägt das Schweigen nicht den Hauch einer Verneinung oder einer Anarchie. Das Schweigen des Menschen ist ohne Sprache, kommt als Mitläufer. Unentdeckt (laut Internet Guru Geert Lovink, Buch Zero Comments) verstauben im Internet Blogs ohne Leser. Keiner braucht sie, keiner liest sie, keiner zitiert sie, keiner kommentiert sie. Laut Lovink ein neuer digitaler Nihilismus: die frühen alten Menschen, die sich nichts zu sagen haben, zuzusprechen war. Die Null, die in der Software aufscheint – „kein Verkehr, niemand da gewesen“, das Nihil von Nihilismus – ist die Regel, nicht die Ausnahme. Man schreibt, aber man liest nicht mehr. Man schreibt blogs: global, aber keiner liest die blogs der Anderen. Man schreibt Lyrik ohne Ende, aber keiner kauft Lyrik. Man redet und keiner hört zu – sie kennen das!

    6.) Celan

    Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.
    Manfred H. Freude

    1. Ist dieser Satz Erklärung, Interpretation zu meinem Gedicht „Schweigen und Nichts“ und erklärt dieses Gedicht diesen Satz?
    2. Die Beziehung des Impliziten und des Expliziten. Das Eine kann ohne das Andere nicht gedacht oder ausgesprochen werden.

    Die Sprache Celans verschweigt von Unaussprechlichem und redet damit. Das äußerste Schweigen wird zur Sprache des Stummen, dessen, der nichts sagen kann, weil ihm die Sprache versagt; wie dem Toten, dem Staub, dem Stern. Der Rede wird ihre Sprache genommen. Alles an Haut und Gedärm wird entfernt und es bleibt nur noch der Knochen. Die ausgegrabenen Knochen der frühesten Menschen beginnen zu reden. Im entkernten Text wird das Entsetzliche des Verstummten, des Unausgesprochenen, sichtbar. Wir begreifen was der Redner nicht sagte, ja was er nicht wusste. Nach Celan geht das Kreatürliche des Sprechenden, oder der Sprechende geht kreatürlich mit seinem Dasein zur Sprache. Das Lyrischkreative ist das implizite des expliziten Dasein auf dem Weg durch das Schweigen im Stimmhaften der Sprache und Schrift.

    5.) Celan Bachmann

    3.) Celan – Büchnerpreisrede

    6) Brecht –
    Wenn man über Bäume nicht mehr reden darf

    7. ) Schweigen der Autoritäten - Implizites Wissen

    8.) Platon Menon - Wissen

    Was wir zu Hause gelernt haben, das wissen wir. Was wollen wir also in der Rede wissen? Das, was wir bereits wissen? Was wir nicht wissen, das können wir nicht wissen, können also nicht Wissen, auch wenn wir wüssten das wir nicht Wissen. Wir nähern uns einer Spur. Fische und Vögel ziehen keine Spur. Doch beobachten wir, wohin sie geflogen oder geschwommen sind, wo sie herkamen und wo sie auf ihrer Reise waren. Anhand dieser Punkte bringen wir, in das Dunkel des Dickichts, Licht. Wir entfernen das Gestrüpp und der Blick wird immer freier und lichter. Redet Einer, so stelle er seine Meinung gegenüber. Ich passe meine Meinung seiner an, entweder unter dem Aspekt wahr oder falsch. Dieses Wahr und Falsch ist die Rede, ist ein „Sprechen“. Die Sprache aber (so steht im Menon ) ist eine ständige Widergeburt. Eine Selbstreflexion zwischen lieben und sterben. Die Sprache ist das Kreatürliche, das menschliche Schicksal. Eine Rede der Seherin/des Priesters ist Tod und Erlösung; etwas medusenhaftgleiches, - man hört die Rede und sieht zurück und blickt versteinert in das Medusenhaupt.
    Im Sophistes „der Fremde“ kann reden, er will reden, er will lehren, er will ein dialogisches Lehrgespräch führen (mit seinem Schüler?); aber er ist grundsätzlich zu einer „monologischen Vorlesung“ bereit - niederschreiben? abgeben? herausgeben? Denken und Sprache sind existent, kreatürlich, (Kreation). Das Schreiben ist hier ein Schweigen. Der göttliche, „gar philosophische“ Mann hat „gelehrt“, er hat „etwas herausgekriegt“ was er herausgefunden , was er gefunden hat, das muss er an einer Grenzmarke abgeben, (Laotse und der Zöllner) als eine Ermahnung, als ein geschriebenes Schweigen. Die Bekehrung bleibt diesem ungeachtet im Haus. Sie wird von der Lehrmeinung zum Wissen. Das Schweigen lässt sich differenzieren, unterteilen. „ dadurch wird das bestehende, implizite Vorwissen des kompetenten Sprachbenutzers ( im Sinne eines knowing how ) sprachlich explizit gemacht (im Sinne eines knowing that). Das Wissen lässt sich aus dem Schweigen heraus ordnen, datieren, zuordnen. Das grenzhafte Schweigen als ein Randzonen Paradox.
    „Denken und Rede sind dasselbe. Nur dass das innere Gespräch der Seele mit sich selbst, das was ohne Stimme vor sich geht, Denken genannt wird.“

    12.) Dinge – Gefäße beruhigen

    Das Schweigen jeder Rede liegt in ihrer Erfahrung. Das Greifbare der Dinge, das in einer Rede enthalten und herauszuziehen ist, liegt weit zurück und ist nur in einer Zukunft herauszureißen. Je höher eine Rede fliegt, je mehr begeht sie eine unwirkliche, lebensfeindliche Zone. Nicht ihre Worte, noch ihr Atem, ihr Herzklopfen oder die Geräusche des Blutes sind vernehmbar. (Das Schweigen des Lemma) Ruhe ist über allen Wipfeln. Wir bewegen uns oberhalb der Baumgrenzen. Die Rede verdeckt wie ein Schleier das Schweigen im Behältnis der Rede. Die Rede gleicht einer Vase, einer Truhe, einem Telefonbuch. Wie das Rad für die Nabe da ist; die Vase oder Truhe, oder das Telefonbuch sind nur das hohle, die Leere, der Raum; das Innen berechnet. Die Gefäße beruhigen die Dinge.

    13.) Adorno - Verstummen

    Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst.
    „Wenn Kunstwerke nicht mehr sprechen, spricht ihr Verstummen selbst“. So etwa drückt Adorno in seiner Ästhetischen Theorie sich aus. Ist nicht in allem noch im kleinsten Stäubchen die Spur der gegenständlichen Welt eingeschrieben? Kunst spricht immer, jederzeit spricht das Bild, das Objekt im öffentlichen Raum, schreit hinaus. Auch wenn niemand da ist und schweigt, sobald keiner da ist oder keiner hinhört; wie ein Baum im Wald der umfällt wo nie ein Ohr ist, wird keiner einen Ton hören. Das Gedicht „Der Teppich“ von Stefan George das symbolisch durch betrachtende Versenkung „der immanente Prozesscharakter des Gebildes„ sich entbindet. Hier heißt es: „indem es spricht, wird es zu einem in sich Bewegten“. Der Redner, der seine Rede spricht, bringt die Bewegung. Es benötigt einen Willen. Die Materie, das ausgesprochene Ding, bewegt sich im Raum. Wenn der Redner ein Glas Wasser auf sein Rednerpult stellt, wird sich das Wasser nach einiger Zeit im Raum verteilen und das Glas ist leer. Alle Dinge, auch die Rede, werden eins im Raum. Zwischen dem Material, dem Ding, dem Körper, bedarf es einer Brücke; die es aber nicht gibt. Der Redner ist keine Brücke für die Sprache. Die Sprache folgt einer Regel. Diese Regel ist vorbestimmt. Ein geübter Zuhörer kann nachvollziehen, dass diese Rede so erfolgen musste und nicht anders. Eine Interpretation, eine Auslegung reicht nur dann an ein Gedicht heran, wenn man die Beziehung seiner Elemente begreift; nicht durch Zerstückelung oder Zerlegen auf seine oder die Ursprünge des Dichters oder der Aufführung. Ein völliges Verstummen einer Rede ist ihr Zerfall der vorher oder sehr viel später erfolgt. Es kommt schließlich auf die Bewegtheit der Rede und Sprache an.

  • Befreiung 30.4.1945

    Es war der Tag der Befreiung, nach einer Zug-Irrfahrt. 30.04.1945

    Im Konzentrationslager von Neuengamme musste ein Drittel von „dieser Ladung“ aussteigen und … bleiben! Später am Tag wiederholte es sich in irgendeinem Lager und wir, der Rest, wurden nach Hamburg gefahren.
    Dort kamen wir am Mittwoch, dem 20. April an.
    Ende gut, alles gut, so wurde einmal gesagt. Bei uns und mit uns war es ganz anders. Wir waren ausgepumpt von Übermüdung, von Hunger und Durst; wir waren vollkommen schlapp.
    Was konnte dies den Lagerkommandanten des Lagers Hamburg-Langenhorst kümmern? Er sprang nacheinander in die Waggons herein, schlug dort mit dem Gummiknüppel drauflos, bis er uns allesamt, wörtlich gesagt bis auf den Bahnsteig geschlagen hatte; wir fielen an den Rand, wie lahme Hunde. Dann ging es im Marschtempo ins Lager, das auf der Kade der Elbe lag, direkt hinter den Packhäusern der holländischen Reederei Ruys aus Rotterdam. Wir hatten einen neuen, festen Verbleib, einen ganz bestimmt, Unsinnigen.
    Wir waren alle Träger von einem Haufen von Läusen, der verschiedenster Sorten besetzt; hier schwärmte es wieder von einer anderen Sorte. Das Essen war kaum zu beschreiben; es war eine Suppe von Rhabarberblättern mit hier und dort einem verlorenen Stück Kartoffel darin. Es herrschte eine äußerste Not an allem. Das Regime (unter solchem Kommandanten) war äußerst streng. Der Kommandant teilte seine Befehle aus in bösen, hasserfüllten Worten. Er drückte sich unverhüllt aus, dass er nur eine Sache bedauerte, wofür er wohl nicht zugelassen sei, für uns Huren, uns zu den Elbkähnen zu führen, flussaufwärts, um dort die Luken zu öffnen und uns „gesamte Ladung“ als Ratten in der Elbe zu ersaufen!

    Der April 1945 war ein nasser und kalter Monat. Jeden Abend mussten wir nach draußen um die Gebäude bescheinen zu lassen; als wir das Gebäude wieder betraten, waren wir völlig durchnässt und blieben dies die gesamte Nacht. Viele Frauen haben dort gelernt zu beten und alle hofften auf die Intervention der Muttergottes zum 1. Mai. Not lehrt beten.
    Hamburg brannte inzwischen an allen Ecken; sie wird die am schwersten geschlagene Stadt vom ganzen Deutschen Reich. Der Ruhm von der ehrwürdigen Hansestadt, von den großen Schifffahrtsgesellschaften, schien wohl von nun an, am Ende zu sein. Der Fliegeralarm verschwand nicht aus der Luft, an Schlafen war nicht zu denken.
    Und wir waren auf! …
    Wir wurden nicht zur Arbeit verpflichtet, sodass die Tage träge verliefen. Zweimal am Tag war Appell, der so zwei Stunden dauerte. Den Rest der Zeit verbrachte jeder damit zu, auf die Jagd zu gehen, nach Ungeziefer. Das war für uns eine sehr nützliche Beschäftigung. Eine Deutsche aus Dortmund hatte sich die Kopfhaut aufgekratzt und „wimmelte“ voller Kopf- und Hautläusen. Tante Miet hatte Mitleid mit ihr: Während sie das Ungeziefer mit einer Scherbe aus den Wunden holte, musste ich diese töten. Niemand von uns blieb davon erspart. Und dabei zu wissen, dass ein Stich von Filzläusen den Tod verursachen kann, durch Flecktyphus …
    Einmal beschimpfte eine Zigeunerin ein „Blitzmädel“ als „Deutsches Schwein“. Der Kommandant erschien, um diese Missetat zu bestrafen. Die Zigeunerin wurde derart zugerichtet, dass sie vollkommen unkenntlich war. Sie brüllte wie ein wildes Tier vor Schmerzen, aber er ließ nicht nach, bis sie bewusstlos auf dem Boden lag. Ich habe keinen schlimmeren Henker gekannt als diesen Kommandanten.
    Unser Essen wird von Tag zu Tag schlechter. Die Suppe war schon verwässert, zum Eintopf mit Deckblättern von Grün- und Rotkohl, die nicht einmal gar waren.
    In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai wurde um 3 Uhr Alarm geblasen. Gehüllt in unsere Decken mussten wir zum Appell. Rund eine Stunde standen wir in der Nacht und bibberten vor Kälte, bis dieser exzellente Kommandant erschien, einzig und alleine um uns, unter Hohngelächter, stehen zu sehen.
    Wir waren einmal mehr durchnässt vom Regen und legten uns so wieder hin auf unsere Planken, bis um 7 Uhr. Wir hatten alle auf Rettung gehofft und nun alles dies!
    Unser Mut fiel ab gegen Nichts.
    Aber, wenn die Not am größten ist, ist Gott am nächsten. Nach einiger Zeit schienen die Bewacher eher gedämpft denn ausgelassen, und der Henkerkommandant hielt seinen Mund. Es zeigte sich eher etwas Angst und Niedergeschlagenheit unter ihnen.
    Am 1. Mai gegen 11 Uhr mussten alle Gefangenen mit ihren „Habseligkeiten“ nach draußen und ihrer Nationalität nach, in der Reihe stehen. Plötzlich schienen wir keine Nummer mehr zu sein, wir mussten unsere Namen angeben, mit anderen Personalia. Der Kommandant teilte seine Unterweisungen aus. Als diese Liste von so ungefähr vierzig Belgiern, die Hamburg erreicht hatten, erledigt und klar war, gaben die Bewacher den Auftrag, sie auf dem Büro von Ruys dreimal unterschreiben zu lassen. Es dauerte einige Zeit, ehe sie damit fertig waren, aber als sie kamen, erzählten sie ohne Schreien und Brüllen, dass wir auf einen Transport gehen und wir beim Verlassen des Lagers, Brot und Fleisch für unterwegs empfangen würden. Er ließ nicht nach, darauf hinzuweisen, dass dies ein persönliches Entgegenkommen von ihm war, ebenso diese zwei Schnitten Brot, die wir am Morgen bekommen hatten. Er sagte ausdrücklich von Herzen, dass wir mit dem Essen wirtschaftlich umgehen sollten, um zu erreichen, es für die Nacht zu bewahren.
    Wir liefen den langen Weg vom Gebäude zum Ausgang, wo jeder von uns eine Schnitte Brot erhielt und ein Stückchen Wurst von 5 cm. Begleitet durch einige SS Bewacher, ging es dann durch die Stadt. Die Bewacher schienen plötzlich ein anderes Gesicht aufgesetzt zu haben. Sie leiteten uns durch einen dunklen Tunnel zur Untergrundbahn (U-Bahn).

    Oh, oh, dort durften wir auf Bänken sitzen, wie kam das denn? Mit der Untergrundbahn bis zur Endstation Hamburg - Nord; Befehl zum Aussteigen und dann wieder durch einen kräftigen 1. Mai-Regen Schrittmarsch zu einem Güterbahnhof. Dort schien man Güterwagen zu rangieren und zusammenzustellen, bis es einen Zug ergab. Aber nichts zu sehen: einsteigen in ein Büro zur Kontrolle und dann -in der Tat- zurück zum Bahnsteig, wo der Zug wartete. Die Wagen schienen verändert zu sein und für die Bewacher selbst war ein Pack Holzwolle, sodass der Mann weich sitzen konnte. Wir pflückten dort still und heimlich eine Handvoll heraus und schoben diese unter uns. Als der Soldat unseren Wagen bestieg, schaute er böse, denn er hatte sofort gemerkt, das wir seinen komfortablen Sitzplatz „geplündert“ hatten. Tante Miet zeigte mir, dass ich von allen eine Entschuldigung anbieten solle. Das tat ich, ihn fragend, ein bisschen mitfühlend zu sein, für arme Frauen in unserem Zustand. Der Kerl schien entgegenkommend. Frug jeden sogar, sich ruhig und anständig zu betragen, ohne ihm Schwierigkeiten zu machen, oder Ärger zu bereiten, ihn sicher nicht herauszufordern, denn in einem solchen Fall hätte er den Auftrag zu schießen. Ich versicherte ihm, dass er von uns keinen Ärger zu erwarten hätte, und frug ihn beiläufig, ob er wüsste, wohin wir wohl gebracht würden? Er sagte, dass wir nach Dänemark fahren würden. Ich sagte ihm, dass Dänemark doch auch ein besetztes Land wäre, aber er erklärte weiter, dass wir durch das Rote Kreuz empfangen würden.

    http://www.epubli.de/shop/buch/TODESZUG-Manfred-H-Freude-9783844238129/21445

  • Was und wer ist der Mensch?

    Was und wer ist der Mensch? Was ist das Sein?
    Nur durch das Gespräch von Mensch zu Mensch und durch Einübung kann diese Frage nach dem Sein zur Sprache kommen.
    Das heißt, es müsste wie Heidegger es ausdrückte durch Sehen im Denken erreicht werden.

    Bei Celan ist es das Scheitern anzeigt nachdem das Medusenhaupt gewirkt hat (das natürliche und kreatürliche) Sprache – Richtung – Atem – Schicksal sind das Sprechen, als Sprache.
    Verstehen ist das aufrecht aufstellen, Himmel und Abrund sind oben. Aufrecht, wenn die Schwerkraft nicht mehr gilt. Missverstehen ist auch als ein korrektes Verstehen möglich. Der dichterische Wahn um leer zu werden. Der Dichter als das Sprachrohr für höhere Mächte.

    Verstehen, das ist der Wunsch von Hannah Arendt. Was ist ein gedankliches Tabu, was darf gesagt werden, was darf dabei noch begründet werden, ohne dass reflexartig das Damoklesschwert der political correctness oder wie immer man die Tabuschwelle bezeichnet, auf den Sprecher niedersaust? Hannah Arendt - in einem ihrer Briefe an Karl Jaspers:
    Verantwortung, das heißt, man ist bekannt, das heißt, man hat einen Namen und Adresse, ein Twitter oder Facebookprofil und man googelt und weiß wie man Einen erreicht, so wie eine Handwerksbetrieb, der sich nicht zu verstecken braucht. Wessen Erreichbarkeit, man aber nicht durch einen Klick herausbekommt, der sitzt ständig im eigenen Gefängnis, zwischen seinen Bücherwänden, im Lehrerzimmer, der fürchtet sich vor den amerikanischen Nachrichtenspionen, die seine Gespräche belauschen.

  • Meindichten

  • Blumenliebende

    Der Blumenliebende
    Blumenliebende

    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783737537469
    Format: DIN A5 hoch
    Seiten: 52
    Softcover 9,45 €

    http://www.epubli.de/shop/buch/Blumenliebende-Manfred-H-Freude-9783737537469/44839#beschreibung

    Blumenliebende.
    Erfrorene Gedanken, / die mein Herz trennen von mir und dir / im Scheinwerferlicht den Gedanken / unsichtbar machen. / holt mich ab für mich durcheinander. / verzehrt mich, / war hungrig draußen / liebte alles, was ich kannte, / kann / ja muss / unvergleichlich sein, dass nichts ist, / erhebst du dich mit dem Blumenliebenden / zu dunklerem Licht / schweigend vereint im Sprechen von Anschauung / von der Betrachtung des Unaussprechlichen / nicht so kleinkariert verstopft von Landschaft / die bis in die Städte reicht / grenzenlos. Ein Blumenstrauß / der schön ist und doch schon tot. / für mich, … bitte keine Schnittblumen.

    Der Begriff der Intentionalität bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, sich auf etwas zu beziehen (etwa auf reale oder nur vorgestellte Gegenstände, Eigenschaften oder Sachverhalte). Das Konzept lässt sich antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Theoretikern zuschreiben und geht in der modernen Diskussion meist auf den Philosophen und Psychologen Franz Brentano zurück. Dieser hatte den Begriff in seiner Arbeit Psychologie vom empirischen Standpunkte wiedereingeführt. Durch die Arbeiten Edmund Husserls wurde Intentionalität zu einem zentralen Konzept der Phänomenologie.
    In den heutigen philosophischen Debatten der Philosophie des Geistes wird Intentionalität oftmals als spezifisches Merkmal des Mentalen verstanden: Gebe es Intentionalität, so gebe es Mentales – und nicht etwa nur Materielles und naturwissenschaftlich Beschreibbares. Die Annahme von Intentionalität, ebenso wie die von phänomenalem Bewusstsein bzw. von Qualia, stellt daher aus der Sicht der Vertreter des Mentalen ein Problem für den Materialismus dar. Gegner dieser Position kommen jedoch ohne eine Annahme des Mentalen aus und halten Intentionalität, ebenso wie Wahrnehmung und Gedächtnis, für naturwissenschaftlich erklärbar.
    Der Terminus der sogenannten Relation
    muß gar nicht in Wirklichkeit gegeben sein. Man könnte
    darum zweifeln, ob hier wirklich etwas Relatives vorliege,
    und nicht vielmehr etwas in gewissem Betracht einem Rela-
    tiven Ähnliches, was man darum als etwas „Relativ-
    liches" bezeichnen könnte. Die Ähnlichkeit besteht darm,
    daß, wie derjenige, der ein Relativ im eigentlichen Sinne
    denkt, auch der, welcher eine psychische Tätigkeit denkt, in gewisser Weise zugleich zwei Objekte denkt, das eine
    sozusagen in recto, das andere in obliquo. Denke ich emen
    Blumenliebenden, so ist der Blumenliebende das Objekt,
    das ich in recto denke, die Blumen aber sind das, was ich
    in obhquo denke. Das aber ist ähnlich dem Fall, wo ich
    einen denke, der größer ist als Cajus. Der Größere wird
    in recto, Cajus in obliquo gedacht.

    Die Lehre von den Modis des Vorstellens
    nimmt nun in der fortgeschrittensten Psychologie Brentanos
    einen breiten Raum ein und dringt bis in die feinsten Ver-
    zweigungen der Erkenntnistheorie. Im Vordergrunde steht
    hierbei die Scheidung in einen modus rectus und einen
    modus obli(juus. Der Gedanke ist sehr einfach: Jeder z. B.,
    der etwas Relatives vorstellt, denkt zwei Dinge, wovon er
    das eine (das Fundament) modo recto, das andere (den
    Terminus) modo obli(juo vorstellt. Dies gilt vor allem von
    jedem, der etwa eine psychische Beziehung vorstellt, i Denke
    ich einen Blumenliebenden, so stelle ich den Blumen-
    liebenden in recto, die Blumen in obliquo vor.

    Brentano ist das Problem der Nicht-Existenz nicht entgangen. Dieses Phänomens: „Denke ich einen Blumenliebenden, so ist der Blumenliebende das Objekt ...“ Denkt einer etwas, so muss zwar das Denkende, keineswegs aber das Objekt seines Denkens existieren.

    Ganz anders ist es dagegen bei der psychischen Beziehung. Denkt einer etwas, so muss zwar das Denkende, keineswegs aber das Objekt seines Denkens existieren; ja, wenn er etwas leugnet, ist dies in allen Fällen, wo die Leugnung richtig ist, geradezu ausgeschlossen. So ist denn das Denkende das einzige Ding, welches die psychische Beziehung verlangt. Der Terminus der sogenannten Relation muß gar nicht in Wirklichkeit gegeben sein. Man könnte darum zweifeln, ob hier wirklich etwas Relatives vorliege, und nicht vielmehr etwas in gewissem Betracht einem Relativen Ähnliches, was man darum als etwas „Relativliches" bezeichnen könnte. Die Ähnlichkeit besteht darum, daß, wie derjenige, der ein Relativ im eigentlichen Sinne denkt, auch der, welcher eine psychische Tätigkeit denkt, in gewisser Weise zugleich zwei Objekte denkt, das eine sozusagen in recto, das andere in obliquo.
    Denke ich einen Blumenliebenden, so ist der Blumenliebende das Objekt, das ich in recto denke, die Blumen aber sind das, was ich in obliquo denke. Das aber ist ähnlich dem Fall, wo ich einen denke, der größer ist als Cajus. Der Größere wird in recto, Cajus in obliquo gedacht.

    Der Begriff der Intentionalität ist ein philosophischer Fachterminus und weder mit dem alltäglichen Begriff der Intention als Absicht, noch mit dem semantischen Begriff der Intension gleichbedeutend. Die klassische Begriffsbestimmung gibt Brentano:
    „Jedes psychische Phänomen ist durch das charakterisiert, was die Scholastiker des Mittelalters die intentionale (auch wohl mentale) Inexistenz eines Gegenstandes genannt haben, und was wir, obwohl mit nicht ganz unzweideutigen Ausdrücken, die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt (worunter / hier nicht eine Realität zu verstehen ist), oder die immanente Gegenständlichkeit nennen würden. Jedes enthält etwas als Objekt in sich, obwohl nicht jedes in gleicher Weise. In der Vorstellung ist etwas vorgestellt, in dem Urteile ist etwas anerkannt oder verworfen, in der Liebe geliebt, in dem Hasse gehasst, in dem Begehren begehrt usw. Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschließlich eigentümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches.“
    Die These Brentanos lautet also, dass die Intentionalität eine Eigenschaft des Mentalen sei, die man mit den Phrasen “Beziehung auf einen Inhalt” oder “Richtung auf ein Objekt” beschreiben kann. Ein Beispiel kann diesen Zusammenhang verdeutlichen: Der Gedanke, dass noch Milch im Kühlschrank ist, bezieht sich auf die Objekte Kühlschrank und Milch und den Sachverhalt, dass noch Milch im Kühlschrank ist. Durch diesen Bezug auf einen Sachverhalt kann der Gedanke auch wahr oder falsch sein.

  • Machina oder die Rettung Theaterstück

    Machina oder
    DIE RETTUNG
    DRAMA

    Rollenbuch

    Es gilt unsere Lebensprobleme zu lösen!

    DICHTER FREUDE

    In Progress
    Arbeitstexte

    Machina
    Oder die Rettung
    Mechanisches Theater

    Manfred H. Freude

    FREUDE

    Machina oder die Rettung
    Mechanisches Theater
    Freude beim Lesen

    Sonderdruck für Lesungen und Aufführung
    Aachen 2009

    MACHINA oder
    DIE RETTUNG
    DRAMA
    Politisch-, Lyrisch-, Philosophischer Versuch
    dramatisches Gedicht
    Dramaturgie in fünf Bildern
    szenische Dramaturgie
    Angst, Schuld, Hass, Zorn,
    Liebe, Rettung, Freude, Gier, Dekadenz, Gewalt
    Es gilt unsere Lebensprobleme zu lösen!

    Bilder einer szenischen Dramaturgie
    Thema ist die Geburt der Dichtung
    Deo ex Machina – Das Drama rettet die Tragödie

    – Ende mit der Wissenschaft –
    sie schafft nur
    Angst, Schuld, Hass und Zorn
    Es gilt unsere Lebensprobleme
    zu lösen!

    Thema, Handlung:
    Wechsel der Jahreszeiten
    Politisch-, Lyrisch-, Philosophischer Versuch

    Zyklus: Geburt, Wachstum, Verfall

    Frühling: Nächstenliebe
    Sommer: Enttäuschung, Hass, Eifersucht,
    Herbst: Erlösung, Reinigung

    Blütezeit: Läuterung

    Machina oder
    DIE RETTUNG
    DRAMA
    „ Die Unfähigkeit der Freude “
    Mehr Leiden
    Weniger Gleichheit
    Weniger Freude
    Mehr Unwissenheit
    Deo ex Machina – Das Drama rettet die Tragödie

    Die 5 Bilder:
    Ein Raum in Form eines Bootes, einer Arche
    Die Schauspieler im
    1. Bild stehend, zum modernen Bartresen
    2. Bild am Schreibtisch sitzend im Büro
    3. Bild im Bett liegend im Schlafzimmer
    4. Bild vor dem Altar kniend in einer Kirche
    5. Bild im Garten schaukelnd in der Natur

    Die Personen / Perversionen verkleidet (Karneval )

    I. Die Angst = Diktatormäßig
    II. Die Schuld = Büßermäßig
    III. Der Hass = Politisch ( RAF)
    IV. Der Zorn = Sozialhilfeempfänger (Bürger Hartz 4)

    V. Die Gewalt = Henker (Skelett oder ..
    VI. Das Leiden = Christusfigur
    VII. Die Gier = dick - der Branntweinhändler
    VIII. Der Ekel = Kinderschänder
    IX. Der Tod
    X. Der Streit
    XI. Der Chor der Verzweifelten = Gefangenenchor
    XII. Die Unwissenheit = Lehrer mit Doktorhut
    XIII. Die Gleichgültigkeit = Behördenmensch
    XIV. Die Dekadenz = der Banker oder Sparer

    XV. Die Freude = das leichte Mädchen
    XVI. Die Freundschaft
    XVII. Die Liebe = halbnackt mit Krankenschwesterhäubchen und Patientenhemd hinten offen gebunden.
    XVIII. Die Erotik = in Pampers (Ihre Imminenz die Impotenz ihrer Inkontinenz) teilweise von Tonband gesprochen

    XIX. Die Rettung = mit Rettungsring Seenotrettung
    XX. Die Sorgfalt
    XXI. Die Demut
    XXII. Die Hoffnung = Engel und als Rettung mit Rettungsring

    XXIII. Der Valerio = Ausrufer mit Sprechtüte aus Publikum
    XXIV. Der Dichter = ein Goethe!!??
    Zwischen den Valeria, Hoffnung, Rettung - Texten und beim Chor der Verzweifelten läuten mit Messdienerschellen
    Die Erotik wird gesprochen durch das Ablaufen eines Tonbandes

    DRAMA Dramaturgie
    Angst, Schuld, Hass, Zorn
    Deo ex machina – Das Drama rettet die Tragödie
    Die Angst Die Schuld Der Hass und Der Zorn
    Das Meingedicht: Das Genicht

    Prolog
    Eröffnung Einleitung des Autors
    Zur Einführung vom Herausgeber

    Personen:
    1. Person Die Angst
    2. Person Die Schuld
    3. Person Der Hass
    4. Person Der Zorn
    5. Person Die Gewalt
    6. Person Das Leiden
    7. Person Die Gier
    8. Person Der Ekel
    9. Person Der Streit
    10. Person Die Unwissenheit
    11. Person Die Gleichgültigkeit
    12. Person Die Dekadenz
    13. Person Die Freude
    14. Person Die Freundschaft
    15. Person Die Liebe
    16. Person Die Erotik
    17. Person Die Rettung
    18. Person Die Sorgfalt
    19. Person Die Demut
    20. Person Der Tod
    21. Person Die Hoffnung
    22. Person Die Befreiung
    23. Person Der Dichter
    24. Person /Zwischenrufer aus dem Publikum: Der Valerio
    25. Chor der Verzweifelten Sprechgesang und Der Chor

    Machina oder die Rettung ist Lyrik, nicht Epik.
    Es gilt unsere Lebensprobleme zu lösen!
    Das die einzelnen Rufer die Fülle der Motive verklammern, hat strengste Methode. Es ist derselbe, der sich alles, was man betrachten und hören kann, mit pedantisch durchchoreographiertem Ernst und lyrischer Ironie unterordnet: Die vielen Dampf- und Nebelbilder etwa, von einer Showbühne über den kalten Hauch des flüssigen Stickstoffs bis zur rußigen Rauchsäule sind, im Sinne des Rhapsodischen, Dichterischen, durchaus blickführend, das heißt: enthüllend und verschleiernd zugleich, meint, „weshalb eigens eine Spezialeffektfirma erforderlich ist“. Auch der Einsatz der Musik eines Elektronik-Innendekorateurs oder parodistisch zugespitzter Radioformate sollen eine präzise lyrische Gliederung nach Strophe-Refrain-Schema erleichtern, die den Kapiteln des Werks zugrunde liegen. Einblendungen von Film und Powerpoint und DIA wie in der gelungenen Ode oder Hymne, nur dass diese „Sätze“ hier visuell sind, also Bildeinheiten. Das Genre der negativen Zukunftsvision, lässt manchmal allzu üppige Wahngebilde aufeinandertürmen. Der Autor will ein „starker Dichter“ sein, ein mythospoetischer Erneuerer des Sciencefiction und Zustimmung finden, hat sich außerdem noch viel mehr vorgenommen hat als starke Dichtung, ein patriotisches linkes Drama abzuliefern; zu zeigen, was eine postlineare Lyrik-Harke ist; ein Heilmittel gegen die Geschichtsmüdigkeit zusammenzukochen und so fort Basis seiner Gedanken ist die griechische Chortragödie im Stil einer Peter Stein Orestie. Auffallend ist das auftreten des Ausrufers auch als Deo ex Machina und das skandieren des Chors. Was er sich damit aufgeladen hat, müsste dem robustesten Drama das Rückgrat brechen. Zwischen der Erbärmlichkeit der politischen Sprache und der Ärmlichkeit des öffentlichen Denkens und Tun, zwischen der Angst vor einer vernichtungsbereiten Technik und billig dargebotenen Ersatzgläubigkeiten wollte ich mit Machina oder Der Rettung einen anderen Vorschlag auslegen. Bei allem vagen Suchen der Menschen, nach Orientierung, außerhalb jeder bloßen Sprache, die als Verbindlich anerkannt wird, zum Verhalten der Menschen eignet das zueinander heranschaffen zum Wohnen des Menschen; fehlt noch immer eine Einstellung, eine Ausrichtung. Die Lösung liefert eine Deo ex Machina als Rettung. Marc Aurel und Augustinus, Kopernikus und Machiavellì, Locke und Hobbes, Descartes und Pascal, Voltaire und Rousseau, Kant und Goethe, Hegel und Schopenhauer, Kierkegaard und Engels, Darwin und Nietzsche, Bismarck und Haeckel, Max Weber und Einstein, Freud und Heidegger, Sartre und Adorno, Chomsky und Habermas, Heisenberg und Rawls. Diese Reihe lässt sich fortsetzen, aber es bedarf einer Zusammenfassung.
    Die Schuld spricht als Priester hinter einem Gitter/Beichtstuhl.
    Thema, Handlung:
    Wechsel der Jahreszeiten
    Zyklus: Geburt, Wachstum, Verfall
    Frühling: Nächstenliebe
    Sommer: Enttäuschung, Hass, Eifersucht,
    Herbst: Erlösung, Reinigung (es gibt keinen Winter mehr)
    Blütezeit: Läuterung

    „Unfähigkeit der Freude“
    Es gilt unsere Lebensprobleme zu lösen!

    Es geht um DAS GEDICHT: Das Gedicht ist das Genicht ,
    das Meingedicht; es entspricht dem Dasein.
    Das Leben des Menschen besteht aus Angst, Schuld, Hass und Zorn. Es besteht keine Hoffnung. Die Deo ex machina, die Maschine eines Gottes die am Ende der griechischen Tragödie erscheint und erklärt was nicht zu klären ist bringt scheinbar Hoffnung und Rettung
    Sie fragt: Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?
    und antwortet zuletzt:

    Man lebt, man stirbt, man ist tot.
    Der Magier ist tot!
    Der Zauber ist zu Ende!

    Mehr Leiden
    Weniger Gleichheit
    Weniger Freude
    Mehr Unwissenheit

    Es gilt unsere Lebensprobleme
    zu lösen!

    Machina oder
    DIE RETTUNG
    DRAMA

    Beginn des Stückes

    Thema, Handlung:
    Wechsel der Jahreszeiten
    Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich

    I. Erste Szene im Bild stehend, zum Bartresen
    Einleitung ein Spreche und Valerio (evtl. aus Zuschauerraum) kann auch mit Megaphon gesprochen werden oder vom Band:

    I. Zyklus: Geburt, Wachstum, Verfall
    Ein Raum in Form eines Bootes, einer Arche
    Die Schauspieler im Bild stehend, zum modernen Bartresen

    Es ist die Geburt der Dichtung:
    Dichtung ist die Ästhetische Affirmation.
    Die Deviation ist die Abweichung von der normalen Sprache

    Mehr Leiden
    Weniger Gleichheit
    Weniger Freude
    Mehr Unwissenheit

    Wer lebt ist bereits Tot.
    Tot ist Not.
    Nur der Lebende stirbt
    Der Tote lebt ewig.
    Ekelhaft ist die Geburt.
    Dieses Leben ist der Gedanke
    Das Abschaffen von Leben
    Es Vernichtet und Befreit.

    Sich selber verachten
    Heißt Sterben lernen

    Mehr Leiden
    Ein besseres, schöneres Leben, ja vielleicht im Paradies
    das bleibt unser Wunsch?
    Wer hat uns dies nur eingeredet, das wir uns dies zu hoffen wünschen?
    Seid unserer Geburt müssen nicht nur die Gebärenden leiden,
    nein auch wir werden leidend geboren und schreien zum Himmel.

    Ja, sind wir nunmehr aller, ja, jeder Arbeit los
    das wir von allem werken, was klein ist und was groß
    verlieren in dem großen Spiel,
    was früher Schweiß und Fleiß
    das heute uns genommen, was gestern noch Geheiß
    wir sind doch alle eins und jeder ist für sich
    das Brot wird schlecht verteilt, an einem leeren Tisch
    und standen wir soeben noch Hand in Hand am Band
    so ist der Job geflogen, Veränderung in anderem Land
    Tränen hart wie Wasser es rollt das blendende Band

    Weniger Gleichheit
    Formen, Formen der Gedanken,
    Formen der Sprache, Soziale
    Plastik leben, formen, gestalten
    Plastik evolutionärer Prozess

    Weniger Freude
    Unsere ganzen Freuden und alle Versprechungen.
    Nein, wir leben nicht zum arbeiten, wir arbeiten zum Leben.
    Welcher Unsinn. Wir arbeiten immer! Alle!
    Wir arbeiten und arbeiten, arbeiten an unserer Freiheit.
    Unsere Freiheit heißt Arbeit.
    Und ohne Arbeit benötigen wir alle Freiheit eine Arbeit zu erarbeiten.
    Die Mühle in der wir uns ständig drehen heißt:
    weniger Freude.
    Und diese wenige Freude erreichen wir nur ohne Währung.
    Alles Geld das wir uns erarbeiten um uns damit Freude zu erkaufen
    zerfließt in eine Erlebniswelt die nur zur Existenz anderer aufgebaut wurde,
    nicht zu unserem Vergnügen.

    Mehr Unwissenheit
    Warum reicht uns nicht das Lesen von Einweihungen,
    warum wollen wir sie gleich besitzen, sammeln,
    einreihen in unser Eigentum.
    Reicht es uns nicht sie zu entziffern?
    Was wollen wir noch wissen?
    Was wollen wir noch wissen?
    Alles, wollen wir wirklich alle Dummheiten wissen.
    Wissen das ich nichts weiß? -
    dieser weise Spruch ist der Gipfel
    aller erreichbarer Erkenntnis.
    Was alles haben wir unserem Wissen zu verdanken
    und wie weit sind wir mit unserem Wissen gekommen.
    Was haben wir erreicht mit kultiviertem Wissen.
    Dem ewigen Lesen und Ungeheuerlicheren Wissen.
    Sind wir mit unseren Sprachgebildeten nicht wieder in die Höhle hinabgestiegen und reden nun den angeketteten zu wieder hinaufzusteigen zum Licht.
    Philosophen würden dem zustimmen vielleicht.
    Der gute Marx war überzeugt : der Einzelne kommt nie zur Wahrheit.
    Es kommt bessere Zeit und eine Besserung ist nur über Allgemeinheit zu schaffen.
    Nietzsche hingegen glaubte wieder an den Einzelnen.
    An den Übermenschen.
    Und nun?
    Wo sind wir angelangt?
    Die Traurigkeit des Denkens und des Sprechens

    Das Wichtige im Leben das den Einzelnen ändert und ein wenig glücklicher macht ist die Reflexion.

    Der Mensch der reflektiert verändert.
    Aber wer reflektiert?
    Viele sind mit dem Schönen zufrieden; die meisten mit wenigem
    Wollen wir nicht weiter diskutieren und reflektieren über Sprache und Gedanken zum Erhabenen.
    Sei es in der Kunst reflektiert, sei es in einer der Wissenschaften.
    Das wesentliche im Leben des Menschen sind die Probleme der Nahrungsbeschaffung und der Wohnungsgestaltung.
    Weiteres hat die Probleme des Menschen seit den Höhlen bis zu den Wolkenkratzern nicht verändert.
    Götter tauschen für neue Katastrophen.
    Der alte Mensch veränderte nichts in allem Sprechen und Schreiben.
    Erkenne die Lage : Mensch.
    Die Lage bestehend aus vielen Schichten von Geschichte und Geschichten.
    Und dieses Erkennen.
    Fragen wir uns von was?

    Mehr Leiden
    Weniger Gleichheit
    Weniger Freude
    Mehr Unwissenheit
    Diese Lösung haben wir noch nicht durchgespielt.

    Der Valerio / der Ausrufer ruft in den Saal:
    Wirklich, wirklich ich sage euch:
    Ein Gedicht braucht weder wahr noch frei zu sein.
    Dichten ist Vorstellen.
    ICH bin es, der meine Vorstellungen denkt.
    Denken und Sein ist Dichten.
    Wesend ist das Dichten. Alles ist Dichten.
    Unsere vermeintliche Freiheit ist relativ.
    Das Gedicht aber ist nicht Relativ.
    Es ist ebenso nicht NICHTS, es ist keineswegs Nihilismus.
    Es sei informativ (Quantität),
    darf aber auch sehr dunkel sein ( Modalität )
    Das Gedicht ist ein verantwortungsloses Glück.
    Es ist glückseliges Reden ohne Wahrheit, Ethik und Moral.

    Wirklich, wirklich ich sage euch:
    Ein Hund repräsentiert einen Hundehaufen.
    Ein Hundehaufen repräsentiert keinen Hund.
    Der Hundehaufen ist unaufhebbare Sinnlichkeit,
    er ist mit den netten, angenehmen Vorstellungen vom Hund inkompatibel.
    Das ekelhafte des Hundehaufens lässt sich nicht nachahmen.

    Das Ich von dem ein Dichter schreibt, auch in Biographien, Reiseberichten ist immer ein stinkender Haufen.
    Etwas von einem selbst aber doch abstoßend, fremd.
    Deviant – Abweichung von der normalen Sprache.
    Das seriöse Sprechen geschieht in allen Straßen,
    Gassen und auf allen Plätzen.
    Die Poesie aber, das schöne Sprechen, das ist in den Vorzeigevierteln der Stadt zu Hause, in den Museen, den eleganten Gartenanlagen zu Hause.

    Der poetische Versuch diese Deviation zu überwinden heißt:
    Kotzt nicht so Ästhetisch!

    Die Abweichung von der seriösen Sprache ist innovativ, ist kreativ, ist poetisch.
    Die alltägliche Sprache kann unethisch und unmoralisch sein.
    In der Sprache nur das Wahrheitsspiel

    Verschiedene Sprachspiele als Teile einer Lebensform . –
    Erlernen nicht durch erklären.
    Verstöße gegen diese Modalität: bitte - Sei so klar wie möglich
    Deviant, sei im Sprechen deviant.

    Der Zorn tritt auf, zornig schreit er:
    Reich sein nur noch aus Furcht. Arm sein nur noch aus Mitleid.
    Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.
    Es ist das Schauderndmachende und erbarmungswürdige Geschehen gegen übliche und gewöhnliche Erwartungen.
    Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.

    VORSPIEL Sprecher Erklärung:
    Chor / Sprechgesang und Chor
    Manchmal muss man töten
    sich selbst und alles
    jedes Wort zerbrechen
    beginnen an der Ursache
    dem Ausgang aus der Tragödie
    vor Deus ex machina

    Manchmal muss man aus der Tragödie aussteigen
    bevor sie zu Ende ist
    noch vor dem Da Sein
    dieser Geburt der Quelle
    bleibt Erscheinung.
    Nicht Sein und Glanz

    Person Die Hoffnung / der Retter ruft die Leidenschaft:
    im Sprechgesang:

    Es gibt nichts ohne alle Leidenschaft die
    in uns natürlich ohne alles fehlt
    Es gibt nichts ohne diese Leidenschaften von Hass und Zorn,
    von Angst und Schuld und Liebe
    Es gibt nichts was uns begeistert Schwärmen lässt von Leidenschaften, von Idealen und Passionen
    Es gibt nichts das wir nicht durchleben in merkwürdiger Inspiration getrieben von Idealen

    Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio

    Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?

    Gegenruf: Die Hoffnung / der Retter

    Wirklich, wirklich ich sage euch:
    Man lebt, man stirbt, man ist tot

    1. Person ist Die Angst Sie tritt auf; Du findest... Person ist Die Angst
    Ich fand... Gewalt Angst: Diktatormäßig
    gekleidet (Diktator) Symbol: Stab und Hut

    Wir haben nur Angst, darum sprechen wir.
    Wir wissen nichts, und was wir nicht wissen können,
    erklären wir als erkannt.
    Wir ignorieren das sokratische Nichtwissen.
    Wir überleben im Nachdenken.

    Die Fähigkeit des Menschen beruht nicht
    auf der Fähigkeit: was kannst du wissen,
    sondern auf der Fähigkeit: was kannst du vergessen.
    Reich sein nur noch aus Furcht.
    Arm sein nur noch aus Mitleid.

    Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.
    Es ist das Schauderndmachende und erbarmungswürdige Geschehen
    gegen übliche und gewöhnliche Erwartungen.
    Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.

    Du findest alle Farben in ihren Angesichtern
    ihre Körper verhärtet im Schmerz
    so rutschen ihre Mienen über Stacheldraht
    folgte mein Blick jener Kugel die traf in diese Stirn

    Du findest die Augen geblendet und gebrochen
    unter dem Wasser die Pupille wog die Wellen
    ich sah die großen Bäuche der Schiffe gefüllt
    mit den Sklaven und den Edelsteinen der Einsamkeiten

    Du findest das ich euch nicht verstehe
    Fühlt ihr mich seht ihr mich
    meine Gefühle sind heute bei euch

    Du findest ihre Herzen in Eingeweiden
    in den Abfällen ihrer leblosen Körper
    in ihren Leibern zum Platzen gefüllt mit Angst
    und aus den Gehirnen floh ihre letzte Hoffnung

    Du findest sie bewegungslos unter den Gestirnen
    die stillstanden und sich bewegten
    unter ihrer Sonne
    in jedem Augenblick sich gleich, schöne Seele

    Du findest ihre Leichen auf allen Straßen
    in allen Häuser gingen die Untoten in schönsten Kleidern
    und faltigen Körpern
    nur ihre Haare waren falsch wie ihre Gefühle

    Du findest die Nacht und eine weitere Nacht hinzu
    Immer, immer, immer Nacht und dem Dunkel
    dunkel immer dunkel zusammen
    immer und außen im Kampf

    Du findest keine dieser Klingen scharf genug
    dünne Scheiben zu schneiden
    diese Blätter der Kritik an politischen Systemen
    die im Auftrag Mächtiger gemacht

    Ich fand keine Menschenrechte
    in den leeren Worten der Mächtigen
    und deren Augenaufschläge
    die Spuren im Sand von ständigen Wellen zerstört

    Du findest die Saat der Gewalt
    aus den Kreisen der Golfspieler
    von Hubschraubern in die Mengen
    geworfene Granaten die verstümmelten
    unkenntlich selbstzerstörend

    Ich fresse die ganze Wut in mich hinein
    und kotze auf alle Arschlöcher
    bevor ich von krankhafter Leidenschaft
    mich professionell behandeln lasse

    Du findest die ganzen Seligen,
    die seligen die Armen im Geiste
    und du suchst immer noch das Himmelreich
    das Versprochene
    und du kratzt an der Türe und es wird nicht geöffnet und
    es wuchert im Leben nur so von Parasiten

    Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
    Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?
    Zum Hasse, nicht zur Liebe bin ich

    Gegenruf: Die Hoffnung / der Retter

    Wirklich, wirklich ich sage euch:
    Man lebt, man stirbt, man ist tot

    Chor wiederholen:
    Es ist nicht so erotisches
    Es sind zu viele politisch über den Dächern
    Es gibt kein Vergessen
    Es waren Selbstmord zum Schutz
    Erklärung Guten Morgen Deutschland

    II. Frühling: Nächstenliebe
    Ein Raum in Form eines Bootes, einer Arche
    Die Schauspieler im Bild am Schreibtisch sitzend im Büro

    2. Person Die Schuld manchmal.... Person ist Die Schuld
    Manchmal.... Schuld: gekleidet Büßermäßig (Büßer) Dornenkrone

    Die Menschen meiner Generation sind voller Schuld und Angst
    Plötzlich als Affen zu gelten oder sich in Ungeziefer zu verwandeln
    Ungebrochen in allen Gedanken und Gedenken der Vermischung von Schmutz verschiedener Qualitäten

    manchmal -
    ich weiß nicht warum die Sonne aufgeht
    ich weiß nicht warum die Sonne untergeht
    es wundert mich das es mal hell ist und mal dunkel
    mir scheint gar nichts ist recht

    manchmal muss man töten
    sich selbst und alles: jedes Wort zerbrechen
    beginnen an der Ursache dem Ausgang aus der Tragödie
    vor der Deus ex machina

    manchmal muss man aus der Tragödie aussteigen
    bevor sie zu Ende ist im Schatten
    noch vor dem Da Sein dieser Geburt der Quelle
    bleibt eine Erscheinung. Nicht Sein und Glanz

    manchmal verzeiht mir kein Gott
    unverständlich ist mir die Welt und der Tod
    der täglich meine Zeit verkürzt
    wird es Herbst
    und der Schutt sucht sich das längst verdorrte Blatt

    manchmal beginnt das Ende auf einem Feld
    mit Furcht in einer Furche
    mit einem Korn mit dem Biegen und Brechen des Regens
    zerstört am Ende des Regenbogens

    manchmal erkennst du den Wahnsinn
    den ich manchmal als Irrealismus begreife
    Welten die in Gehirnen erzeugt
    von falschem Fleisch degeneriert

    manchmal diese Todesmücke die jeden mordet unheilbar
    resistent bis zum geht nicht mehr
    und dann alle vor die Panzer spannen
    und sie zieht Menschheit meilenweit

    manchmal stellen sie aus in Gottes Staat
    und über ihren Köpfen schwebt ein Heiligenschein
    während sie ihre Hosen benässen vor Glück
    Oder ist es ihre Angst – wir sind wieder wer

    manchmal kannst du für Kunst oder deine Musik
    keinen Euro kaufen nicht mal einen Cent
    oh Freunde, nicht diese Töne
    für euer Gerede kann ich nichts kaufen – alles ist wertlos

    manchmal trinke ich Bier aus der Flasche
    wenn es brodelt und kribbelt
    klären sich alle Fragen nach Motivation
    Metamorphosen wie Sex der richtig Spaß macht

    manchmal vielleicht ging es uns noch gut wenn
    wir täten wie die Gläubigen und
    nicht wie alle Verbrecher wären
    und nicht spießig oder sich lustig zeigen

    manchmal vielleicht macht es noch Spaß
    zu tun was vorgeschrieben und zu wiederholen
    was getan sein muss wie Schimmelpilz an feuchter Wand
    und ständig wiederkommt und geht nicht fort
    was man auch tut

    manchmal aber sind die Gläubigen wie Sporen
    die im Lufthauch ziehen es gibt für den Glauben kein Land
    oder Verbrecher im Haus der Himmel aber sieht alles
    und wer glaubt wird bald wissen

    manchmal denke ich warum denke ich
    das ich denke bevor ich denke das wir
    also du und ich waren wir nicht waren wir nicht
    ein Volk von Dichtern und Denkern

    manchmal ich stand hinter mir und sah
    mich im Spiegel meiner Augen ( Dunkelheiten )
    hörte mich die letzten Worte sprechen: geh zur Seite

    manchmal bedenke ich aufzugeben
    aber ich stehe weiter es macht soviel Spaß
    egal was alle Frauen sagen etwa
    man könnte nur im Sitzen pinkeln

    manchmal am Alexanderplatz fährt
    die Hochbahn vorbei oder
    die Straßenbahn kommt und irrt vorbei
    Halt oder nicht Halt überall es ist alles gleich

    manchmal gingen sie auf die Hauptstraßen
    manche sahen sie aus den Fenstern
    Schließt euch an hinter den Fenstern
    schwenkt den Blick ringsum

    manchmal wenn es regnet
    haben wir noch die Matrix die Filme zu sehen
    Politiker außer Kontrolle
    es gibt Regisseure die noch Wahrheiten verbreiten

    manchmal wissen wir wenn es die Schädel zerreißt
    das wir viel dümmer werden empirisch
    wir lieben es öffnen uns gegenseitig die Schädeldecken
    und pissen auf unsere Gehirne

    manchmal waren wir in einer heilen Welt
    die unter uns faul und morsch wurde
    träge werden die Planken auf denen du trittst
    schrei, wenn du kannst, schrei, es wird endlich Zeit

    manchmal erleben wir so etwas wie Endzeit
    wie das warten auf das Nichts
    wenn man deine Bilder deportiert
    warten wir auf ihre Rückkehr

    manchmal krächze ich für mich alleine
    auf diesem steifen Lied das klingt
    als sei Pause im Orchestergraben
    und nur die letzte Geige und Flöte spielt

    manchmal vergesse ich bei den Worten
    lasse sie fallen in den Orchesterflügel
    und bespucke alle Aboinhaber
    auf ihren festgebuchten Plätzen

    manchmal wenn vom Minarett
    der Priester ruft schreit es nach Krieg
    Die Dummen Knaben laufen auf die Straße
    und die Mädchen gebären

    manchmal wenn sie sterben für Jungfrauen
    wer kann da widerstehen
    bei allen Stangen Dynamit
    und einem harmlosen Kinobesuch

    manchmal ist es ein Gott der ruft
    An den Bushaltestellen den Nächsten
    Halt beim Öffnen der Hirnschalen
    zerfließt matschig die Masse

    manchmal steigt er vom Kreuz und
    er weiß genau alles was er sagt kann
    gegen ihn verwandt werden
    das wusste er denn der Prophet war sein Partner

    manchmal fällt mir ein das seit vielen Jahren
    keine Musik mehr gemacht wird
    keine Musik mehr möglich ist
    und dieses eine Lied das tötet, tödlich

    manchmal weine ich bei diesen Tönen
    bei den Geräuschen der Züge und dieses Regens
    der Handys spielt mir noch einmal
    das Lied vom Tod ins Ohr

    manchmal sind wir verlassen von unseren Familien
    vom Erbärmlichen Leben zum Sterben täglich
    und alle Höllenqualen leibhaftig zu erleben

    manchmal sind wir verblasst im Raumlosen
    hoffnungslos in Krematorien
    ganz verkachelt einschließlich vergammelter Mülltonnen
    wer nun noch keinen Fahrschein hat löst keinen mehr

    manchmal berichten die Quellen von allerlei Waren
    von allerlei Vieh von unerträglichem Gestank
    von entfesselten Gewalten der Natur unnatürlich
    alles biologisch abbaubar energiereich luftverpestend

    manchmal sind die Klippen messerscharf und
    die Schwerter der Götter wie Blitze
    die Zeugnisse ablegen historisch

    manchmal ist es überraschend,
    das Kinder nach der Schule
    die Kreuzzüge wiederholen durch die Ämter und Burgen Administrationen und Formularen unüberwindlich
    wie reißende Bäche und Wasserfälle unbesiegbar

    manchmal hörten sie die Pfeifen der Rattenfänger
    auf göttlichen Befehl und den Predigten ins Meer
    getrieben in Qualen und Leid

    manchmal finde ich dass ich zu dir gehöre
    das ich den Platz gefunden habe auf dieser Welt
    das ich mit dir spazieren ging am Fluss mit deinem Leben

    manchmal glaubtest du jeden anderen zu treffen
    kanntest nicht dieses Appartement
    das mit meinem Lebenswerk begann: Heute

    manchmal wenn die Besten treten
    unter die Geregelten die Ordentlichen
    die alles Richtigmachen
    zerstören die Weisen und brechen unverdaut

    manchmal treten die Armseligen den Armen
    die Reichen verschleppt treten zu den Heiligen reichlich reichen die Armen weinselig

    Quält euch zum Leiden Geborene
    Augen gebrochen Seelen gebrochen Rosengekrönte
    bevor diese Stricke reißen werdet ihr hängen
    ihr hört eure Schreie

    Rosengekrönte seht eure Gesichter
    Augen und Zungen hängen zu den Ohren hinaus
    Nur eure Schöpfe eure Haare – seht ihr
    zum Leiden Geborene Brüder, quält euch

    manchmal fragst du wie es weitergehen soll und
    du hörst eine Antwort, irgendwoher eine Theorie
    aus einem geöffneten Tor durch die Kultur aber
    nichts erkennst du, aus diesen Machwerken der Kunst

    Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio

    Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?

    Die Angst sagt: alles ist die Unfähigkeit der Freude
    Die Schuld sagt: wir müssen mehr Leiden
    Der Hass meint: wir leben in immer mehr Unwissenheit
    Der Zorn spricht: wir finden immer weniger Gleichheit

    3. Person Der Hass Es ist nicht so.... Es sind zu viele... über den Dächern
    Der Hass
    Es ist nicht so... leidenschaftliches
    Es sind zu viele.. Über den Dächern
    Hass: gekleidet Politisch (RAF) Che Guevuara T-Shirt

    Hass - kommt mir entgegen und jedem lauf ich hinterher;
    diese toten Mäuler die mir entgegenkommen?
    Draußen ist alles Tot wenn drinnen alles blüht.
    In meinen inneren Städten halte ich den Frühling.
    Was habe ich die Menschen geliebt und heute kein gutes Wort
    Nur in meinen Träumen werden aus Menschen Blumen und aus Steinen Worte.
    Kein Wort kommt mir entgegen. Jedem laufe ich hinterher.

    es ist nicht so das ich auf eine Entdeckungsreise ging
    bin ich doch kein Liebhaber und ein Orgasmus ist keine Kunst,
    es ist einfach so: als wollte sie immer wieder schwanger werden

    es ist nicht so verzweifelnd wie Armut zwischen Grauen und Leid
    keine Vorstellung von Widerstand und Schweigen
    es ist nicht das Geld oder die Macht. Sind nicht?

    es ist nicht so dass ich es gerne sehe
    wenn mein Gehirn so daliegt auf den kalten Fliesen
    wenn ich mich selber erschieße –
    kann mir nicht gefallen

    es ist nicht so wie du uns seit langem vorspieltest
    dieses Stück, dieses Drama kann ich nicht mehr hören
    schrei noch einmal in den Raum von Angst, Schuld,
    Hass und Zorn diesen Ekel vor deiner Geburt und deinem Tod

    es ist nicht so oder so
    wenn ich sie berühre wie mit einem Anderen Menschen
    der mir entgegentritt und
    begegnet und spricht wie mit mir so bin ich wie du, wie wir

    es ist nicht so Heilig, heilig dieser neue Gott
    den wir so lange schon erwartet
    heilig, egal auch wenn er Hörner trüge oder
    einen Pferdefuß, er könnte niemals schlimmer sein

    Ihr aber die ihr noch lebt
    Euch trifft mein Hass glühend.
    Ihr lebt und wisst nicht mal
    warum. Ich aber starb schon längst. Vor euch
    mehrmals. In der Inskription
    dieses Grabsteins.

    Das Grab ist leer, das Tote lebt
    Was aufstieg ist euch längst entflohen
    Nur mit Namen, den ihr singt
    schafft ihr das Gemeine
    mit eurer Gemeinschaft

    Es sind zu viele…... Über den Dächern
    es sind zu viele die nicht mehr
    in sich selbst zurückkehren, die keine Welt mehr
    finden werden, die nichts in sich
    fauliges Gedärm in sich, wo nichts

    es sind zu viele wie du und du, die schweben
    mit einem Schirm, schweben über den Dächern
    die entfliehen, sich aus dem Staub machen,
    nicht zu fassen,
    nicht zu fassen, für alle die so gehofft haben, wie du

    es sind zu viele, diese Eingeschlossenen Gedanken
    Reflexionen hin und her unerkannt
    Mit leeren Händen ausgereckt ergreifen wir Nichts
    Das aus den Wolken fällt: seit langem Ausgeregnet

    So nah ist Zukunft / Dir näher als das Du
    Das du stolperst über das Neue das war
    Das du fällst über das Erbrochene einer Schlüsselblume
    Und kein Schritt führt dich in die Gegenwart

    In naher Zukunft bist du fort - unendlich fort
    Von hier und jetzt und vom gleichen Ort
    Die Zukunft ist nicht die Zukunft die du weißt
    Die Zukunft ist die Abwesenheit und die Anwesenheit:
    gepaart.

    Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio
    Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?
    Die Angst sagt: alles ist die Unfähigkeit der Freude
    Die Schuld sagt: wir müssen mehr Leiden
    Der Hass meint: wir leben in immer mehr Unwissenheit
    Der Zorn spricht: wir finden immer weniger Gleichheit

    zusammen sprechen sie im Chor: Chor / Sprechgesang und Chor

    Wir haben immer weniger Freude,
    es gibt keine Hoffnung
    Wo ist der Magier? Wo bleibt der Zauber
    Nur Halluzination, Einsamkeit,
    Langeweile, Selbstzerstörung und Dekadententum

    II. TEIL:

    4. Person „DER ZORN
    die Unfähigkeit der Freude“ Person ist Der Zorn
    Es gibt ... Vergessen
    Es waren ... Selbstmörder
    Zorn: gekleidet Sozialempfänger (Bürger)
    Es gibt ... Vergessen
    Es waren ... Selbstmörder

    Zorn der in hartem Boden wächst der dort liegt und treibt und wurzelt
    Von keinem Windhauch je berührt
    Fühlt seine Erde fühlt nicht die Welt
    Ein Baum der stets frische Blätter treibt, krallt sich fest in zähem Lehm
    Nur für sich, verhärtet und vergrämt im Boden, wenn nach kräftigem Regenguss er beweint, wozu darauf die Sonne scheint, dann tanzt ein Wind vorbei

    es gibt Formen, Formen der Gedanken, Formen der Sprache,
    Soziale Plastik lebend formen und gestalten
    Plastik als evolutionärer Prozess
    es gibt weniger Gleichheit,
    Du bist enttäuscht
    Sie haben dich enttäuscht
    Uns können sie nicht mehr täuschen
    Ausbeutung von Begabteren wäre verträglicher
    aber nicht von Hemmungsloseren oder Glücklicheren

    Unsere ganzen Freuden und alle Versprechungen.
    Nein, wir leben nicht zum arbeiten, wir arbeiten zum Leben. Welcher Unsinn. Wir arbeiten immer! Alle!
    Wir arbeiten und arbeiten, arbeiten an unserer Freiheit. Unsere Freiheit heißt Arbeit. Und ohne Arbeit benötigen wir alle Freiheit eine Arbeit zu erarbeiten.
    es gibt die Mühle in der wir uns ständig drehen
    Sie heißt: weniger Freude. Und diese wenige Freude
    erreichen wir nur ohne Geld. Alles Geld das wir uns erarbeiten um uns damit Freude zu erkaufen zerfließt in eine Erlebniswelt die nur zur Existenz Anderer aufgebaut wurde, nicht zu unserem Vergnügen.

    es gibt keine Freude, nein du bist Unfähig zur Freude
    Du entsprichst mir, werde leer, nur im Namen Eines kehrst du zurück, wie der zurückkehrte nachdem er sich für uns festnageln ließ, nun erschaffe du Welt mit meiner Schöpfung

    es waren Wolken die schwebten in Ruh
    Im Turm herrschte große Harmonie
    vom unversöhnlichen ernüchtert
    ruft die Krankheit zum Tod
    Ziehts zum Eremitentum
    wie unromantisch alles ist

    es waren Einige; deine Waffen sind die Gedichte
    ich habe keine Pump Gun
    ich gehe nicht zurück in die Schulen zum Töten
    ich schicke deine Gedichte in die Köpfe
    die in die Schulen gehen wie Viren
    empfehle das Lesen und schreiben von Gedichten die stärker sind als Waffen
    es waren deine Kinder auf den Dächern an den Bildschirmen, in den Schulklassen, wollten sie nur spielen mit ihren Gewehren nur die Geräte zeigen und nur sprechen, nur so sprechen und sagen
    ich war schon immer hier, aber ihr habt mich niemals bemerkt

    Du und ich, und nur wir Beide
    Haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Mit unserer Sprache zu Zeichnen
    Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
    Wenn wir den Mund öffnen
    Können nicht: Nicht antworten
    Wenn wir mit den Worten verwunden
    Mit unseren Zungen züchtigen
    Mit der infektiösen Rolle der Sprache
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wenn wir den Mund auftun
    Und uns der Schrei der Opfer verfolgt

    Rechtfertigen wir mit unserem Schreiben
    Und begeben uns in Komplizenschaft
    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Blond deine schönen kirschroten Zöpfe
    Dein weißer Mund mit deinen gespaltenen Augen
    Im schmutzigen Heilbad der blutenden Tränen
    Du und ich, wir Beide wir haben gelernt
    Haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Mit unserer Sprache zu zeichnen
    Rohes Fleisch in den Abfallgruben voller Phantasien
    Fließen durch die Fleischmaschinen jedes nackt für sich
    Wie die Bilder die ohne Schildern still sind
    Füllen sie weiter alle Geschmackskondome

    Du und ich, wir beide wir haben gelernt
    Haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Mit unserer Sprache zu zeichnen
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Bleiben deinen wahren Träumen treu
    Nur die Schatten an den Decken wissen
    Ist es die Sonne oder der Mond der hier entbindet
    Wir beide wissen von den Ansprüchen
    Wenn wir den Mund öffnen Können nicht: nicht antworten
    Retten wir den brennenden Bankrott freiwillig
    Lesen wir die Zeichen auf den sterbenden Körpern
    Die wir ein Letztes Mal fertig schminken
    So meine kleine Taube nun beachte den Falken
    Wenn wir mit den Worten verwunden
    Mit unseren Zungen züchtigen
    Mit der infektiösen Rolle der Sprache

    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Alle Bücher die darüber berichten verbrennen wir
    Asche von unserer Asche düngt diese Welt
    Feuerwerke verbrennen den Himmel
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen nur
    Wenn wir den Mund auftun
    Und uns der Schrei des Opfers verfolgt
    Falten wir die Bilder die unsere Iris erblickt
    Nur die vergangene Zeit wird die Seiten schließen
    Von Liebe schreiben wir einen neuen Band
    Der sittlichen Begierden der Kulturmenschen
    Dies alles zu rechtfertigen mit unserem Schreiben
    Und begeben uns in Komplizenschaft

    Es tritt auf die Person Die Gewalt
    Der Chor im Sprechgesang:

    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trennen uns von den Barbaren!

    Wir die wir nicht sind die wir alle einmal waren
    Wir die wir sind die wir immer waren
    Wir die wir töten was uns tötet
    Wir die wir verschweigen was uns tötet
    Wir die wir töten was uns verschweigt
    Wir die wir ohne Nachsicht und ohne Hinwenden
    Wir die als Würger würgen aus unverdauter Gewalt
    Wir kennen und wir erkennen uns im Angesicht
    Wir fallen mit unserm Engel in die tiefsten Abgründe
    Wir erwarten des kommenden Gottes
    Wir schweigen um nichts zu Vergessen
    Wir töten aus Angst vor dem Frieden
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wir trennen uns von den Teufeln
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Wir werfen zum Henker die Münze um Zahl oder Kopf
    Wir sprechen täglich von Schuldig und Schuldig
    Wir schreien den Schmerz aus den Bildern
    Wir werfen die Schatten auf lose Blätter
    Wir köpfen die Köpfe der Kahlen
    Wir scheren die Schatten der Gerichteten
    Wir vollenden die klugen Sätze
    Wir tragen das Salz auf unseren Zungen
    Wir brennen auf Platten all unser Vergessen all unser Vergessenes
    Wir kämpfen innen und außen
    Wir atmen die faulige Luft
    Wir verkaufen uns an die Meistbietenden
    Wir zeigen uns in den Schaukästen
    Wir urinieren weiter in die Finsternisse
    Wir liegen in künstlichen Betten begraben
    Wir verschenken unsere Uhren den Toten
    Wir schreien im Sommer am Meer
    Wir ersticken die noch schreien nach Leben mit Worten
    Wir legen die Gedärme in Gläser mit Spiritus
    Wir fressen noch während wir reden
    Wir beklagen die menschlichen Zeiten
    Wir vergessen die althergebrachteren Zeitpunkte
    Wir töten nun auch den Himmel über uns
    Wir tragen Munition zu den Waffen in den Tüten der Kaufhäuser
    Wir sammeln in Kirchen für Waffen des Friedens
    Wir sammeln die Waffen in Kirchen des Friedens
    Wir schließen als Taube die Ohren vor jeder Taubheit
    Wir sparen das Geld für alles Sterben in Krippen
    Wir teilen den Staat unter Armen die uns Reichen
    Wir verletzen die Ansprüche der Anderen
    Wir verletzen Ansprüche des Anderen
    Wir leben in der Gewalt der Sprachen
    Wir formen Gewalt zu Gewaltsamen zu Samen der Gewalt
    Wir sind ausgesetzt unserer Haut die wir nie verlassen
    Wir können uns des Leibes nicht befreien
    Wir sind doch nicht alle Menschen Nein wir sind nicht alle Menschen
    Wir verletzen uns durch unsere Zungen
    Wir sagen Krieg und auch Folter und Gewalt für Alle und Jedes
    Wir sind nicht verletzbar sind nicht verletzt
    Wir erlernen Gewalt ohne Spuren zu hinterlassen
    Wir sind alle Opfer und Täter immerzu alle gleich alle Mörder
    Wir reißen das Wort wider Willen mit Gewalt aus uns aus
    Wir tanzen und lachen sind fröhlich und künstlich und kotzen
    Wir verfolgen noch immer die Sklaven bis in die Schiffe
    Wir haben gelebt und geliebt ehe wir alle geboren
    Wir hatten noch viel Zeit in meinen Augen in deinen Augen
    Wir sind zum Sterben vermählt bis zuletzt vertraut
    Wir kamen wie wir gegangen unsere Kleider hingen am Kreuz
    Wir aber hingen bereits am Haken lagen in den Öfen
    Wir alle waren immer da und ewig
    Wir alle brauchen keinen Schierling und keinen Sprung vom Turm
    Wir sind das Volk unter Kakerlaken: Wehrlos und Wahllos
    Wir lieben die Gräber wie die Strände wie alles in Sand und Staub
    Wir wissen nicht ob wir jemand vertrauen können nicht irgendeinen
    Wir sind dein Gott dessen Haut ich alle nicht entkamt
    Wir wissen nicht in welcher Sprache wir noch denken müssen
    Wir wollen uns doch gegenseitig töten und beerben
    Wir schärfen die Klingen die wie Gedichte klingen
    Wir bleiben zu Hause wo Geschichten und der Kaffee besser
    Wir schreien vor der Welt die so beschissen wie sie ist
    Wir haben nur den Pfurz dazu mit vollgefressenen Bäuchen
    Wir haben diese Welt doch selbst gewählt so wie sie ist
    Wir aber die uns zu den Guten zählen sind uns genug
    Wir brauchen nichts mehr als uns selber Bier und Wein
    Wir wenn dann ab und zu die richtige Sonne scheint
    Wir haben dann vom Leben mehr als das uns je erwartet
    Wir tragen im Herz die alten Kämpfe
    Wir dienen den alten Philistern
    Wir schlagen mit Messern die gleichen Narben
    Wir haben weniger Angst vor Gewalt als vor der Einsamkeit
    Wir kommen nicht von den eigenen Alpträumen los
    Wir kennen nicht den Sitz des Bösen

    Wir können vor Intelligenz nicht mehr sprechen
    Wir schrieen uns alle aus einer Mutter
    Wir husten uns alle in die bekannten Stellungen
    Wir stecken uns an mit Biografien
    Wir infizieren uns mit neuen Gedichten
    Wir springen nackt von fahrenden Geisterzügen
    Wir würgen uns selbst aus Bewusstsein zum Schein
    Wir sind nicht die verletzten im Glauben
    Wir tragen nicht die Male an unserem Körper
    Wir verlassen mit unseren Gedanken alles Schöne
    Wir sind nicht gerecht wir sind Mörder

    Wir haben ein Recht auf Gewalt von Natur
    Wir Verfolgen den Täter mit unseren Schreien
    Wir stoppen durch Sprechen die Kriege
    Wir können uns der Gewalt nicht verweigern
    Wir verweigern die Sprache dem Leib
    Wir stehen nackt auf Altären wenn wir frei wären
    Wir sind nicht beherrschbar im Tod
    Wir empfinden keine Gewalt – Wir sind alle schon Tot

    Wir Treiben und Treiben und Treiben
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    Wir in trägem Schleim, zähfließend der über die Stufen rinnt
    Wir eilen von Kammer von Kammer zu Kammer
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht
    Wir stehen im Elend des Himmels
    Wir zählen nicht in der Wissenschaft wir – Staunen
    Wahnsinn, beginnender Wahnsinn mit Fußmarsch von Bordeaux
    mit eingeschlossenen Gedanken in einem Turm in Nürtingen
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    Der Andere: - kein Gedanke vor Schmerz
    er erstickt am eigenen Kotz
    Das Leben selbst, nicht der gedruckte Text
    - wird uns zum Drama –
    Wir in der Musik, im Klang nicht in den Noten
    Vom Schönen unserer Gedanken geht das harte, das Hässliche aus
    und fürchtet ausgesaugt zu werden für das ewige Leben
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    was aber alles irrt der Gedanke zum Licht
    Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht

    Wir beide haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Wir zeichnen mit unserer Sprache
    Wir öffnen den Mund und können nicht mehr reden
    Wir verwunden mit unseren Zungen
    Wir öffnen den Mund und schlucken die Schreie der Gefolterten
    Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen

    Es reißt das Wort im Schmerz Dem Anderen entsprochen
    Zurück, dort wo der Mensch gebrochen
    In seiner Haut so ausgesetzt dem Leib
    Dem er verbunden, Jäh entleibt Befragt so mit Gewalt zum Sprechen
    Verschärft – VERNOMMEN – Bohrend
    Die Antwort bleibt Nur Reine Form
    Von seinem Körper schon entleibt
    Hat er gesprochen, gegen seinen Willen
    Entkommen wird er nicht der Haut – Und auch der Tod wäre viel zu leer.
    Der Welt dies Opfer: geht dies Opfer verloren
    Entgegen seinem Willen sein Wort entrissen
    Es wird erzwungen für seine Welt, Zurück,
    wo Mensch, erst wird der Hilferuf
    Erzittert Körperschrei die Kehle
    Und ausgesetzt von Haut und Leib
    Die Ohnmacht glaubt der Stimme nicht
    Ein Schmerzensschrei dem Peiniger folgt
    Der Schmerzensschrei entspringt dem Zeichen
    Durchbricht die Ordnung und befreit,
    Gibt Antwort bloßer Haut des Leibes

    Lebendig seiner Welt beraubt - Und willenlos dem Schmerz entrissen.

    Der Valerio / der Ausrufer er erklärt dem Publikum:

    Es tritt auf die:
    Ihre Imminenz der Impotenz ihrer Inkontinenz

    Die Liebe und die Erotik
    Nichts ist wie es ist
    für Scherze ist das Leben nicht gemacht

    Wer kennt die Liebe?
    Die Langeweile, die Selbstzerstörung, das Spießertum, die Halluzination, die Einsamkeit, die Vereinsamung, der Glamour, Die Erotik, die Zärtlichkeit, die Brüderlichkeit,
    Impotenz, Inkontinenz

    alles Liebe und Erotik

    weitere Person ist Die Liebe/ und die Erotik
    treten auf die Bühne:
    Ihre Imminenz der Impotenz ihrer Inkontinenz
    Es ist nicht so... erotisches

    manchmal kümmert mich gar nichts
    ich drücke zwei Finger bis zu dem Gräfenberg
    und spüre das Feuchte
    es ist als betätige ich einen Schalter

    manchmal will ich nur sehen was passiert
    warte auf Reflexe
    nenne es Effekt
    wenn ich das Werk in seinem Schoß lege und warte was passiert

    manchmal wenn du dich selber fickst
    hebt sich die Decke
    und der Himmel öffnet sich
    für Gott, Pflicht und Vaterland und allen Arschlöchern

    manchmal jagt man den einen Schwanz
    und kennt keinen Unterschied
    zwischen Stinkfinger und Präservativ
    oder dem Licht am anderen Ufer des Flusses

    Es ist nicht so das sie mit ihm spricht
    und die Ampel zeigt grün
    und er zieht sich aus und sie
    zieht sich aus und die Ampel springt auf Rot

    Schmetterlinge von haarigem Dreieck
    Unter Frauenröcken flattern
    Geschmacksneutral in
    Interessenlosem Wohlgefallen
    Waren es Raupen? Viele Zweifel
    Ich und wir denken an Puppen
    Diese Metharmorphosen
    An den Orten
    Topoi locus anemoenus
    Meine Nase empfängt den Duft
    Meine Zunge aktiviert Geschmacksnerven
    Riechen, schmecken, hören
    Wenn sich ihre bereiten Schenkel
    Öffnen entweicht ihrer Vulva
    Im hellsten Sopran ein Requiem
    Unter Frauenröcken flattern
    Geschmacksneutral in
    Interessenlosem Wohlgefallen
    Waren es Raupen? Viele Zweifel
    Ich und wir denken an Puppen

    Es kommt mir so entgegen
    wie diese Gerüche von Geil
    und Eiter von Inkontinenz in den Hosen
    das ganze animalische einer schleichenden Krankheit
    Körperliche Schwierigkeiten Harndränge aufzuhalten
    oder unkontrolliertes Koten
    Es ist weit in die Städte wenn man in Vororten wohnt
    Wo es einmal Schön, wo immer die Sonne schien
    und nun ist alles fern, die Ärzte, die Kirchen, die Krankenhäuser

    Ich speise jeden Tag vom Krustentier!
    Warum?
    Sollte ich einmal Krebs abbekommen, weiß ich
    ich habe es ihm heimgezahlt!

    Ich übe immer an Gummipuppen
    aber es gibt auch nicht mehr Möglichkeiten,
    oben, unten hinten, vorne;
    der Mensch ist begrenzt!

    nicht Schenkel öffnen sich
    Nicht dringt die Sonne ins Dunkel
    Nicht zwischen den Weiden die Liebe
    Nicht fährt ein Fisch in den Schoß
    Nicht weht der Wind in ein Haar
    Die Liebe, Liebe, Liebe
    Die Nacht vergeht oder kommt sie erst?

    Was drängt uns der See?
    Die Liebe im Sack zu ertränken?

    Du siehst es nicht?
    Ich heb den Rock!
    Schau näher hin!

    Die Erotik spricht die Liebe an es läuft ein Tonband aus einer Schaufensterpuppe:

    Liebe, Liebe, Liebe, was ist die Liebe?
    Dicke Brüste, Brustwarzen und Onanieren
    Warum Lieben?
    Nur weil wir selber lieben können, Selbstliebe
    aber das reicht nicht
    Erektionen nur wenn es donnert und blitzt.
    Wobei wir wieder bei Gottheiten wären!
    (nicht bei Eros) bei Bakchos den er in seinem Schenkel gebar
    Wir werden nicht aus Liebe geboren, niemals!
    Wir werden geboren als Futter für Gräber
    Liebe ist nur ein Spiel zwischen Kacken und Pissen
    Das ganze Leben nur Finger und Löcher
    Irgendetwas zum Reinstecken in irgendetwas zum Hineinstecken
    Werden wir vom Pfeil getroffen spüren wir nur Rheuma und Arthrose
    Kein Apoll, kein Amor, es ist unser Griff nach der täglichen Ration Tabletten
    ein Blatt Papier und einen Stift nun mal schön, mal dir Liebe

    Liebe, Liebe, Liebe
    ein Pfeil nur, nur ein Pfeil
    verletzt was du nicht siehst
    was in dir tot und unerweckt
    und allen spricht es sang ein Lied und trägt der Körper dich noch fort
    Vergessen, kein Vergessen bleibt
    und bluten alle Wunden
    so tief verletzt nach innen drin
    und von der Liebe längst schon tot
    Was haben wir alles vergessen?

    Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio

    Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?

    Chor / Sprechgesang und Chor

    Die Angst sagt:
    alles ist die Unfähigkeit der Freude, orgiastisch
    Die Schuld sagt:
    wir müssen mehr Leiden
    Der Hass meint:
    wir leben in immer mehr Unwissenheit
    Der Zorn spricht:
    wir finden immer weniger Gleichheit

    III. Sommer:
    Enttäuschung, Hass, Eifersucht,
    Ein Raum in Form eines Bootes, einer Arche
    Die Schauspieler im
    Bild im Bett liegend im Schlafzimmer

    Anderer Zwischenrufer aus dem Publikum:
    nunmehr gekleidet mit Gewand als Engel mit Rettungsring
    Die RETTUNG/HOFFNUNG

    Freudvoll und Leidvoll
    eine Handvoll
    Mineral des Lebens.
    Deiner Zelle Ingrediens.

    Leer ist dein Glas.
    Aber Voller Spaß
    Halbleer und halbvoll
    Das es nicht überquoll.

    Freud und Leid
    das gleiche Kleid
    Das Darunter.
    Verändert die Zeit

    Leer die großen Becher
    der durstigen Zecher
    Kein Streit mit der Zeit
    Ohne Freud und ohne Leid

    Die Zeit geht auf – die Zeit geht ab
    Sie hält uns alle angenehm in Trab
    Noch schneller können wir nicht mehr
    und hinken häufig hinterher.

    Das Leben trägt sein schönstes Kleid,
    besteht nur aus geschenkter Zeit,
    und eine Kette, lang und weit,
    und jedes Glied ein bisschen Zeit.

    Es nimmt uns mit, ein kleines Stück.
    Einmal nach vorn, manchmal zurück,
    für den der die Zeit mal überschreitet,
    hat sie die Arme ausgebreitet.

    Und schneller noch als Flug und Schall,
    zerplatzt die Zeit als heller Ball,
    mit einer Hand die wir mal schnell ergriffen,
    hat uns die Zeit zurückgepfiffen.

    Nichts ist mehr wie es vorher war.

    Ab sofort geht die Sonne nur noch im Westen auf.
    Im Norden hält sie Mittagslauf.
    In der Wüste knattern wieder die Mörser.
    In Städten rattert wieder die Börse.

    Gewinner – Verlierer, ist eh egal.
    Der schmale Pfad ist eh sehr schmal.
    Gläser krachen – halbvoll, halbleer – Scheißegal.

    Im Süden geht die Sonne unter,
    im Osten ist sie nicht zu sehen.
    Schmetterlinge fallen von den Bäumen.
    Äste weinen klebriges Harz.

    Die Sonne reist von Wolke zu Wolke,
    reist von Staub zu Staub.
    Wenn die Blumen wieder blühen,
    tote Hasen düngen die Felder.

    Die Nacht schreit ihre Balladen
    auf die Notenblätter der Seelen
    die in den schwachen Körpern
    der Überlebenden abgelegt wurden

    Keine Fuge verlässt die müden Räume
    die von Sehnen gehaltenen Knochen
    deren Haut wie Trommelfelle
    die schwachen Gebeine bespannt

    Noch hält der Atem die schwachen Gedanken
    tief in der schwindsüchtigen Lunge
    ein kleiner Husten nur und schon
    geht die Masse der Gefühle ins Leere

    Immer noch im tiefen Dunkel der Nacht
    schreit das verlorene Herz zum Himmel
    es ruft die Geister von den Ketten los
    damit sie dem letzten Überlebenden dienen

    Das große Schiff das die Meere des Körpers
    mit weiten Segeln hart im Wind durchkreuzt
    navigiert am Stern des Südens Cap Horn
    und segelt mit metaphysischen Gedanken hinaus

    Noch schreit die Nacht ihre sanften Balladen
    die Engel lenken das Schiff hinaus
    auf das unendliche Meer der Unkenntnis
    bis zur äußersten Grenze am Horizont

    Gebrochen ist der Damm
    geflossen ist was fließt
    das es zusammentreibt
    das Schwefelfarbige und das Schmutzige
    und mancher Fisch
    der hier im Trüben treibt
    Heißt Karpfen oder Hecht
    Gebrochen ist sein Herz: zweimal
    Geflossen ist sein Blut ins Morgenrot
    - ist von Natur flüssig!
    Steh auf! Steh auf!
    Es schwimmt die Hoffnung

    Man wird uns fragen:
    geht`s noch gut?
    Wir laden Gäste ein!
    So mancher der geht fort
    nur noch Einer bleibt im Sumpf

    Person Die Gewalt spricht noch einmal:

    ihrer Stimme entnommen
    sprechen wir für alle
    Du und ich, und nur wir Beide
    Haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Mit unserer Sprache zu Zeichnen
    Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
    Wenn wir den Mund öffnen
    Können nicht: Nicht antworten
    Wenn wir mit den Worten verwunden
    Mit unseren Zungen züchtigen
    Mit der infektiösen Rolle der Sprache
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wenn wir den Mund auftun
    Und uns der Schrei der Opfer verfolgt

    Rechtfertigen wir mit unserem Schreiben
    Und begeben uns in Komplizenschaft
    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Blond deine schönen kirschroten Zöpfe
    Dein weißer Mund mit deinen gespaltenen Augen
    Im schmutzigen Heilbad der blutenden Tränen
    Du und ich, wir Beide wir haben gelernt
    Haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Mit unserer Sprache zu zeichnen
    Rohes Fleisch in den Abfallgruben voller Phantasien
    Fließen durch die Fleischmaschinen jedes nackt für sich
    Wie die Bilder die ohne Schildern still sind
    Füllen sie weiter alle Geschmackskondome

    Du und ich, wir beide wir haben gelernt
    Haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Mit unserer Sprache zu zeichnen
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Bleiben deinen wahren Träumen treu
    Nur die Schatten an den Decken wissen
    Ist es die Sonne oder der Mond der hier entbindet
    Wir beide wissen von den Ansprüchen
    Wenn wir den Mund öffnen Können nicht: nicht antworten
    Retten wir den brennenden Bankrott freiwillig
    Lesen wir die Zeichen auf den sterbenden Körpern
    Die wir ein Letztes Mal fertig schminken
    So meine kleine Taube nun beachte den Falken
    Wenn wir mit den Worten verwunden Mit unseren Zungen züchtigen
    Mit der infektiösen Rolle der Sprache

    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Alle Bücher die darüber berichten verbrennen wir
    Asche von unserer Asche düngt diese Welt
    Feuerwerke verbrennen den Himmel
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen nur
    Wenn wir den Mund auftun
    Und uns der Schrei des Opfers verfolgt
    Falten wir die Bilder die unsere Iris erblickt
    Nur die vergangene Zeit wird die Seiten schließen
    Von Liebe schreiben wir einen neuen Band
    Der sittlichen Begierden der Kulturmenschen
    Dies alles zu rechtfertigen mit unserem Schreiben
    Und begeben uns in Komplizenschaft

    Es skandiert der Chor / Sprechgesang und Chor
    von besonderer Position:

    Wir trennen uns von den Barbaren

    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir die wir nicht sind die wir alle einmal waren
    Wir die wir sind die wir immer waren
    Wir die wir töten was uns tötet
    Wir die wir verschweigen was uns tötet
    Wir die wir töten was uns verschweigt
    Wir die wir ohne Nachsicht und ohne Hinwenden
    Wir die als Würger würgen aus unverdauter Gewalt
    Wir kennen und wir erkennen uns im Angesicht
    Wir fallen mit unserm Engel in die tiefsten Abgründe
    Wir erwarten des kommenden Gottes
    Wir schweigen um nichts zu Vergessen
    Wir töten aus Angst vor dem Frieden
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wir trennen uns von den Teufeln
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen
    Wir werfen zum Henker die Münze um Zahl oder Kopf
    Wir sprechen täglich von Schuldig und Schuldig
    Wir schreien den Schmerz aus den Bildern
    Wir werfen die Schatten auf lose Blätter
    Wir köpfen die Köpfe der Kahlen
    Wir scheren die Schatten der Gerichteten
    Wir vollenden die klugen Sätze
    Wir tragen das Salz auf unseren Zungen
    Wir brennen auf Platten all unser Vergessen all unser Vergessenes
    Wir kämpfen innen und außen
    Wir atmen die faulige Luft
    Wir verkaufen uns an die Meistbietenden
    Wir zeigen uns in den Schaukästen
    Wir urinieren weiter in die Finsternisse
    Wir liegen in künstlichen Betten begraben
    Wir verschenken unsere Uhren den Toten
    Wir schreien im Sommer am Meer
    Wir ersticken die noch schreien nach Leben mit Worten
    Wir legen die Gedärme in Gläser mit Spiritus
    Wir fressen noch während wir reden
    Wir beklagen die menschlichen Zeiten
    Wir vergessen die althergebrachteren Zeitpunkte
    Wir töten nun auch den Himmel über uns
    Wir tragen Munition zu den Waffen in den Tüten der Kaufhäuser
    Wir sammeln in Kirchen für Waffen des Friedens
    Wir sammeln die Waffen in Kirchen des Friedens
    Wir schließen als Taube die Ohren vor jeder Taubheit
    Wir sparen das Geld für alles Sterben in Krippen
    Wir teilen den Staat unter Armen die uns Reichen
    Wir verletzen die Ansprüche der Anderen
    Wir verletzen Ansprüche des Anderen
    Wir leben in der Gewalt der Sprachen
    Wir formen Gewalt zu Gewaltsamen zu Samen der Gewalt
    Wir sind ausgesetzt unserer Haut die wir nie verlassen
    Wir können uns des Leibes nicht befreien
    Wir sind doch nicht alle Menschen Nein wir sind nicht alle Menschen
    Wir verletzen uns durch unsere Zungen
    Wir sagen Krieg und auch Folter und Gewalt für Alle und Jedes
    Wir sind nicht verletzbar sind nicht verletzt
    Wir erlernen Gewalt ohne Spuren zu hinterlassen
    Wir sind alle Opfer und Täter immerzu alle gleich alle Mörder
    Wir reißen das Wort wider Willen mit Gewalt aus uns aus
    Wir tanzen und lachen sind fröhlich und künstlich und kotzen
    Wir verfolgen noch immer die Sklaven bis in die Schiffe
    Wir haben gelebt und geliebt ehe wir alle geboren
    Wir hatten noch viel Zeit in meinen Augen in deinen Augen
    Wir sind zum Sterben vermählt bis zuletzt vertraut
    Wir kamen wie wir gegangen unsere Kleider hingen am Kreuz
    Wir aber hingen bereits am Haken lagen in den Öfen
    Wir alle waren immer da und ewig
    Wir alle brauchen keinen Schierling und keinen Sprung vom Turm
    Wir sind das Volk unter Kakerlaken: Wehrlos und Wahllos
    Wir lieben die Gräber wie die Strände wie alles in Sand und Staub
    Wir wissen nicht ob wir jemand vertrauen können nicht irgendeinen
    Wir sind dein Gott dessen Haut ich alle nicht entkamt
    Wir wissen nicht in welcher Sprache wir noch denken müssen
    Wir wollen uns doch gegenseitig töten und beerben
    Wir schärfen die Klingen die wie Gedichte klingen
    Wir bleiben zu Hause wo Geschichten und der Kaffee besser
    Wir schreien vor der Welt die so beschissen wie sie ist
    Wir haben nur den Pfurz dazu mit vollgefressenen Bäuchen
    Wir haben diese Welt doch selbst gewählt so wie sie ist
    Wir aber die uns zu den Guten zählen sind uns genug
    Wir brauchen nichts mehr als uns selber Bier und Wein
    Wir wenn dann ab und zu die richtige Sonne scheint
    Wir haben dann vom Leben mehr als das uns je erwartet
    Wir tragen im Herz die alten Kämpfe
    Wir dienen den alten Philistern
    Wir schlagen mit Messern die gleichen Narben
    Wir haben weniger Angst vor Gewalt als vor der Einsamkeit
    Wir kommen nicht von den eigenen Alpträumen los
    Wir kennen nicht den Sitz des Bösen

    Wir können vor Intelligenz nicht mehr sprechen
    Wir schrieen uns alle aus einer Mutter
    Wir husten uns alle in die bekannten Stellungen
    Wir stecken uns an mit Biografien
    Wir infizieren uns mit neuen Gedichten
    Wir springen nackt von fahrenden Geisterzügen
    Wir würgen uns selbst aus Bewusstsein zum Schein
    Wir sind nicht die verletzten im Glauben
    Wir tragen nicht die Male an unserem Körper
    Wir verlassen mit unseren Gedanken alles Schöne
    Wir sind nicht gerecht wir sind Mörder

    Wir haben ein Recht auf Gewalt von Natur
    Wir Verfolgen den Täter mit unseren Schreien
    Wir stoppen durch Sprechen die Kriege
    Wir können uns der Gewalt nicht verweigern
    Wir verweigern die Sprache dem Leib
    Wir stehen nackt auf Altären wenn wir frei wären
    Wir sind nicht beherrschbar im Tod
    Wir empfinden keine Gewalt – Wir sind alle schon Tot

    Wir Treiben und Treiben und Treiben
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    Wir in trägem Schleim, zähfließend der über die Stufen rinnt
    Wir eilen von Kammer von Kammer zu Kammer
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht
    Wir stehen im Elend des Himmels
    Wir zählen nicht in der Wissenschaft wir – Staunen
    Wahnsinn, beginnender Wahnsinn mit Fußmarsch von Bordeaux
    mit eingeschlossenen Gedanken in einem Turm in Nürtingen
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    Der Andere: - kein Gedanke vor Schmerz
    er erstickt am eigenen Kotz
    Das Leben selbst, nicht der gedruckte Text
    - wird uns zum Drama –
    Wir in der Musik, im Klang nicht in den Noten
    Vom Schönen unserer Gedanken geht das harte, das Hässliche aus
    und fürchtet ausgesaugt zu werden für das ewige Leben
    Wir in schwammigem Felsengarten harter Gedanken
    was aber alles irrt der Gedanke zum Licht
    Wir irren mit unseren Gedanken zum Licht

    Es reißt das Wort im Schmerz Dem Anderen entsprochen
    Zurück, dort wo der Mensch gebrochen
    In seiner Haut so ausgesetzt dem Leib
    Dem er verbunden, Jäh entleibt Befragt so mit Gewalt zum Sprechen
    Verschärft – VERNOMMEN – bohrend
    Die Antwort bleibt Nur Reine Form Von seinem Körper schon entleibt
    Hat er gesprochen, gegen seinen Willen
    Entkommen wird er nicht der Haut – Und auch der Tod wäre viel zu leer.
    Der Welt dies Opfer: geht dies Opfer verloren
    Entgegen dem Willen sein Wort entrissen
    Es wird erzwungen für seine Welt, Zurück, wo Mensch, erst wird der Hilferuf
    Erzittert Körperschrei die Kehle Und ausgesetzt von Haut und Leib
    Die Ohnmacht glaubt der Stimme nicht
    Ein Schmerzensschrei dem Peiniger folgt
    Der Schmerzensschrei entspringt dem Zeichen
    Durchbricht die Ordnung und befreit, Gibt Antwort bloßer Haut des Leibes
    Lebendig seiner Welt beraubt - Und willenlos dem Schmerz entrissen.

    Wir beide haben gelernt vom Reden und Schreiben
    Wir zeichnen mit unserer Sprache
    Wir öffnen den Mund und können nicht mehr reden
    Wir verwunden mit unseren Zungen
    Wir öffnen den Mund und schlucken die Schreie der Gefolterten
    Wir Beide Wissen von den Ansprüchen
    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wir trennen uns von den Barbaren
    Wir trinken das Blut aus kleinen Kinderschuhen

    Person Die Gier

    Person der Ekel
    was du kriegen kannst

    Person Die Freude

    es ist immer das Leid das wir lieben
    Freude – Leiden – Lieben

    Unfähigkeit der Freude
    In uns ist Angst, Hass und Zorn
    Wir haben alle nur Angst, darum sprechen wir.
    Wir wissen nichts und was wir nicht wissen können, erklären wir als erkannt.
    Wir ignorieren das sokratische Nichtwissen. Wir überleben im Nachdenken.

    Die Fähigkeit des Menschen beruht nicht auf der Fähigkeit: was kann ich wissen,
    sondern auf der Fähigkeit: was kann ich vergessen.
    Reich sein nur noch aus Furcht. Arm sein nur noch aus Mitleid.
    Dichter sein aus Erbarmen und Schaudern.
    Es ist das Schauderndmachende und erbarmungswürdige Geschehen
    gegen übliche und gewöhnliche Erwartungen.
    Alle und Alles ist schwach, drinnen wie draußen.

    Freude – Leiden – Lieben

    Die Menschen meiner Generation sind voller Schuld und Angst
    Plötzlich als Affen zu gelten oder sich in Ungeziefer zu verwandeln
    Ungebrochen in allen Gedanken und Gedenken der Vermischung von Schmutz verschiedener Qualitäten

    Hass - kommt mir entgegen und jedem lauf ich hinterher;
    diese toten Mäuler die mir entgegenkommen?
    Draußen ist alles Tot wenn drinnen alles blüht.
    In meinen inneren Städten halte ich den Frühling.
    Was habe ich die Menschen geliebt und heute kein gutes Wort
    Nur in meinen Träumen werden aus Menschen Blumen und aus Steinen Worte.
    Kein Wort kommt mir entgegen. Jedem laufe ich hinterher.

    Zorn - der in hartem Boden wächst der dort liegt und treibt
    Von keinem Windhauch je berührt
    Fühlt seine Erde fühlt nicht die Welt
    Baum der stets frische Blätter treibt, krallt sich fest in hartem Lehm
    Nur für sich, verhärtet und vergrämt im Boden, wenn nach kräftigem Regenguss
    er beweint wozu darauf die Sonne scheint, dann tanzt ein Wind vorbei
    Freude – Leiden – Lieben

    III. TEIL:

    Ausrufer Zwischenrufer aus dem Publikum: Valerio

    Haben wir noch Hoffnung?
    Nur eine Generation?
    Gestorben?

    Das Leiden

    Mehr Leiden, wir müssen mehr Leiden!
    Ein besseres, schöneres Leben, ja vielleicht im Paradies das bleibt unser Wunsch?
    Wer hat uns dies nur eingeredet, dass wir uns dies zu hoffen wünschen?
    Der Mensch hat seinen Gott nie gefunden.
    Darum kann er so sein wie er ist, er darf so sein und er muss Leiden.
    Seit unserer Geburt müssen nicht nur die Gebärende leiden, nein auch wir werden leidend geboren und schreien zum Himmel.
    Ja, sind wir nunmehr aller, ja, jeder Arbeit los
    das wir von allem werken, was klein ist und das was groß
    verlieren in dem großen Spiel, was früher Schweiß und Fleiß
    das heute uns genommen, was gestern noch Geheiß
    wir sind doch alle eins und jeder nur für sich.
    Das Brot wird schlecht verteilt, an einem leeren Tisch
    und standen wir soeben noch Hand in Hand am Band
    so ist der Job geflogen,
    Veränderung in anderem Land
    Tränen hart wie Wasser rollt das bunte Band

    Mehr Leiden
    In Ansicht des Blutes
    rücken wir enger zusammen
    öffnen die Wasserhähne
    spülen das Blut in die Abflüsse

    Die offenen Wunden können wir nicht stillen
    die Zeichen der Stigmata nicht verbinden
    aus Augen fließt das Blut
    Hände und Füße schmerzen

    Kriege brennen sich in unser Fleisch
    bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen
    von hohen Bergen überblicken wir alles
    und erhalten die neuen Gebote

    In Ansicht des Blutes
    rücken wir enger zusammen
    wir nehmen jedes Opfer an
    auch das Blut aller Bäume

    Die geköpften Hähne
    die zerrissenen Tauben
    die geknickten Zweige
    bluten für den Frieden
    ohne das blutende Leiden
    fehlen uns die Symbole
    die uns als Menschen
    Zusammen führen in Fleisch und Blut!

    Weinen der leidenden Sonne
    halten wir nicht mehr auf
    es streifen ihre Tränen
    noch immer unsere inneren Schichten

    Weint sich bedeutungsvolle Löcher
    in ihr ausgefülltes goldenes Gesicht
    es gibt keine Worte für Dichter
    zu trösten und ihre Leiden zu hindern

    Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel
    Sandwüsten inmitten sengender Hitze
    laden die Sonne auf die Postkarten
    unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben

    Weinen der altersschwachen Sonne
    halten wir nicht mehr auf
    wie tief geht noch unsere Trauer
    wenn wir uns nicht mehr offen zeigen

    Wir leiden, also ich leide
    Das Drama schweigt
    Die Romantik scheint ratlos
    Die Tragödie beginnt
    Es beginnt die Lyrik
    Ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie leiden
    Freude – Leiden – Lieben
    Es jammert die Poesie
    Tränen fallen aus ihren Zeilen
    Gebore

  • Tausch

    Wir definieren uns über den Tausch, sowohl über Produkte der Jäger, wie der Sammler. Da wir jedoch diese Güter in Massen produzieren, bleibt der einzelne Mensch, der diese Güter benötigt, die er ja auch mit produziert hat, außen vor. Er profitiert nicht an diesen produzierten Waren, noch an ihrem spekulativen Tauschwert.
    Durch Tausch wird unsere Gesellschaft zusammengehalten. Aber Tausch ist aufgrund ungleicher Interessen nicht fair. Der Tausch sollte Dinge wie Menschen gleich handeln. Aber wir können nicht mehr tauschen. Dafür benötigen wir den stillen Dritten, den stillen Teilhaber. Wir tauschen Äpfel gegen Birnen, Arbeit für Fernseher, aber ein unbekannter Dritter nimmt das Geld und verschwindet. Das menschliche Blut ist im Grunde kalt. Christus wartete vergebens auf Liebe und bekam die ganze Kälte der Menschheit zu spüren. Von Beginn an war das Falsche in der Welt, Aber die Erinnerung von Richtigem in der Kindheit, davon mischt sich das Falsche mit dem Richtigen. Wir haben Kraft verloren. Was bleibt ist Kritik.Wachstum heißt auch immer, dass Masse ausgebeutet wird. Die Masse Mensch, Pflanze, Tier oder Ware, das bleibt alles gleich.

  • Autoreninfo Freude Manfred H.

    FREUDE, Manfred H.
    Dichter, Philosoph, Dramatiker, Essayist, Herausgeber

    Geb. in Aachen. Wohnt und lebt in Aachen in NRW. Lyriker, Dramatiker, Essayist und Philosoph. Ein Philosoph zu Sprache und Zeit mit einem Hang zur Poesie. Er ist einer der vielseitigsten „Wortakrobaten“ unter den deutschsprachigen Poeten. Außer Lyrik schreibt er philosophische Essays und sprach- und dichtungswissenschaftliche Theorien. Seine Themen sind: das tragische Bewusstsein, das sagende Schweigen in Schwaigen&Nichts, Eskapismus, Supervaluationismus, Extrem-Hermeneutik, Zorn als kreative Selbst-Motivation, Skeptischer-Poststruktualismus, Post-Dialogphilosophie. Zwei seiner Theaterstücke wurden öffentlich aufgeführt. Seit 2005 hat er über 10 Theaterstücke geschrieben und über 30 Bücher veröffentlicht. Aufführung: Debüt öffentliche Bühnenaufführung in Koblenz, am Theater Konradhaus auf der Festung Ehrenbreitstein, mit Spiegel der Ideale und Faust Arbeitswelten; sein Debüt: Alles Gedichte-Keine Genichte 2005; Kunst-, (Ästhetik-), Philosophie-, (Lyrik-), Sprachen-, Literaturstudium an der RWTH Aachen. Erste Gedichte 1968. Neuere Gedichte ab 2002. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften, seine Gedichte wurden vertont, im Rundfunk übertragen und übersetzt in Russisch, (Kyrillisch), Niederländisch, Englisch, Tschechisch. Siemens Projekt: Gedicht: „Zukunft“ Auflage 10 Tausend für Hochschulen und Gymnasien; Er ist Projektleiter der Silbenschmiede, einer Einrichtung des Literaturbüros Euregio Maas-Rhein, die jeden Monat eine Lesung veranstaltet. Mitglied im Autorenkreis und im Literaturbüro Euregio Rhein-Maas. Lyrische Texte, Storys, Dramen, Kurzgeschichten, Escapistenlyrik, Philosophische- Poetologische - Essays und Kunstgeschichtliche - Essays, intertextuelle Interpretationen; narrative Experimente und Dokumente von Selbstreflexion; fragmentarische Erzählungen; Prosaminiaturen; Interpretationsübungen; insgesamt veröffentlichte er 25 Gedichtbücher von über 40 Büchern. Letzte Veröffentlichung: Schwaigen&Nichtsz, die unerhörte Wende, Sprachphilosophie, 480 Seiten in Hardcover und Softcover und Eskapismuslyrik, Literaturtheorie sowie die Biografie Todeszug KZ Ravensbrück hin und zurück.

    Kunst-, (Ästhetik-), Philosophie-, (Lyrik-), Sprachen-, Literaturstudium an der RWTH Aachen. Erste Gedichte 1968. Neuere Gedichte ab 2002; ab 2003 erste Internetveröffentlichung. Zahlreiche Veröffentlichungen, verschiedene Lyrikbücher; Siemens Projekt: Gedicht: „Zukunft“ Auflage 10 Tausend für Hochschulen und Gymnasien; Debüt 2005 mit - Keine Genichte – Alles Gedichte, Gegenwartslyrik, weitere Bücher Denkheft und Schriftmal, Treibsand und Lianen, Mallorkinische Reise, Tödlicher Frieden, Alles aus einer Hand. Aufführung: Debüt öffentliche Bühnenaufführung in Koblenz, am Theater Konradhaus auf der Festung Ehrenbreitstein, mit Spiegel der Ideale; und im da Faust Arbeitswelten; Manfred H. Freude ist Projektleiter der Silbenschmiede, einer Einrichtung des Literaturbüros Euregio, Rhein-Maas, die jeden Monat eine Lesung veranstaltet. Lyrische Texte, Haiku, Zitate, Storys, Dramen, Kurzgeschichten, Escapistenlyrik, Philosophische-, Poetologische-Essays- und Kunstgeschichtliche-Essays, intertextuelle Interpretationen; narrative Experimente und Dokumente von Selbstreflexion; fragmentarische Erzählungen; Prosaminiaturen; Interpretationsübungen; u. a. Mitglied im Autorenkreis und Literaturbüro Euregio Rhein-Maas. Ich, der Betrachter meiner Gedichte. Ich glaube an das, was mich zum Dichten treibt. Projektleiter der Silbenschmiede des Literaturbüros Euregio Rhein-Maas Aachen, Mitglied des Literaturbüros Euregio-Rhein-Maas Aachen.

    Persönliches:
    Biografische Aufklärung darf nicht mit der existenziellen Welt, in der die Menschen eingetaucht sind, verwechselt werden. Seine Themen sind: Das tragische (nicht Dialektik) Bewusstsein, das sagende Schweigen in Schwaigen&Nichts, Eskapismus, Supervaluationismus, Extrem-Hermeneutik, Zorn als kreative Selbst-Motivation, Skeptische-Diskursphilosophie, Poststruktualistische-Dialogphilosophie. Seine Schriften sind bewusstseinserweiternde Waffen. Wenn man Gedichte liebt, so muss man als Dichterfreund nun anders interpretieren als klassisch psychoanalytisch. Ein Dichter, Lyriker, ein Poetiker, ein später Schreiber, nach getaner Arbeit. Umfangreich schreibt er Gedichte (work in progress ). Unter den Poeten ist er ein Zehnkämpfer. Ab und zu muss er sich auch an leichter Poesie des Alltags austoben, meint er. Schreibt leicht verständliche als auch hermetische Gedichte, Escapistenlyrik, Liebeslyrik, politische Gedichte, philosophische Lehrgedichte, Chormusikdichtung. Schreibt reimlose Lyrik, in unregelmäßigen Rhythmen wie auch in strengen antiken Metren und Sonette. Er schreibt Essays, Dramen, philosophische Fragmente, artistisch-konkrete und experimentelle Sprachmagie, intertextuelle Interpretationen, narrative Experimente und Dokumente von Selbstreflexion, fragmentarische Erzählungen und Prosaminiaturen. Gedichte mit moralischem Anspruch, anspruchsvolle Gedichte für eine andere, bessere Gesellschaft; gegen Pseudorealisten gibt es keinen Star keine Diva, keine Konkurrenten oder Konkurrentinnen. Teilweise geheimnisvoll, schwer zugänglich, dunkel. Er versteht es nicht und du verstehst es nicht und ich verstehe es doch auf unserer eigenen Ebene und wir wissen dass wir es nicht erklären können wovon es spricht und berührt. Es verweigert jede außerästhetische Bestimmung ein Mitempfinden von Leser und Gedicht. Betrachte das schöne Gedicht aber steig nicht ein, verzichte, respektiere das Werk und seinen Schöpfer erhaben, nobel. „… seine Gedichte zeichnen sich durch sensible, poetische Wahrnehmung des Alltags und durch einen liedhaften Ton aus. Sprachgenau hält sie Abschied, Unverständnis, Zurückweisung fest und bringt in stimmungsintensiven Bildern die Natur zum Sprechen …“
    Zum Dichter wurde Manfred H. Freude vom Kaufmann (Handwerker – Verkäufer - Bürokaufmann) Inneneinrichter, Gestalter bis zum – Geschmack ist erlernbar - Bauhaus. Mit dem Kunststudium entdeckt er die Ästhetik. Als Kunstsammler die Werte. Mit Musik (Lyrik) - im Chor ist jeder grundverschieden, deviant, abweichend, hybrid, wie jeder Vers im Gedicht – eingedichtet - wie ein Chor. Mit Philosophiestudium erwirbt er das Wissen vom Nichtwissen und mit dem Lyrikstudium schließt sich seine kulturelle Kompetenz. Er sieht sich selber als: Zeitkritiker, Postromantiker, Sehnsucht nach Frieden. Seine Interessen: Gedichte, Kunst, Philosophie, Kultur, Musik. Sein Werk ist vor allem als Lyriker bedeutend. Er ist auf der Suche nach der Wahrheit, so auch in seiner Poesie.. Er wird oft als Dichterphilosoph bezeichnet, da viele seiner Gedichte sehr philosophisch waren. Die Worte für ein gutes Gedicht suchen wir täglich neu; und in täglich neuen Versuchen und Übungen finden wir die Worte, deren wahres Gehalt die Zeit bestätigt!

    Stationen u. a. :
    Kaufmann, Handwerker, Dichter, Dramatiker, Philosoph, Essayist, Unternehmensberater, Makler, Kurator, Rhetoriker, mit Sprachbildung und Chorgesang. Kunst-, Musik-, Philosophie- und Lyrik. Angestellt und Gasthörerstudium an der RWTH Aachen, Philosophie, Kunstgeschichte, Sprachen + Literatur (Schwerpunkte Ästhetik und Lyrik); aktives Mitglied im Literaturbüro in der Euregio Maas-Rhein und dem Lyriktreff und als Projektleiter der Silbenschmiede.

    Arbeitsgebiete:
    Gedichte, Gegenwartslyrik, lyrische Texte, Haiku, Limericks, Zitate, Storys, Kurzgeschichten, Escapistenlyrik, Philosophische-, Poetologische-Essays-, und Kunstgeschichtliche-Essays, Intertextuelle Interpretationen; Narrative Experimente und Dokumente von Selbstreflexion; Fragmentarische Erzählungen; Prosaminiaturen; Interpretationsübungen; Schreibt über WORTE, über Gedanken, über Zeit und Zeiten, über Tod, Abschied und Einsamkeit und den WEG, – SINN - Liebe – Kunst – Vergänglichkeit – Politik – Hoffnung – Leben weit über 3.500 Gedichte und Prosa, Dramen und philosophische Texte;

    Veröffentlichungen, Anthologien (Auswahl):
    LuuP e.V. im Park Goethestraße 2003 und 2005, VDK Chor + Konzert Heft 3/2004 Nr. 116 - Chormusik; Literamus 27 – Älterwerden 3-88746-749-6; Buchanthologie: Ein Zeichen von Dir, - Liebeslyrik Liebesgedichte 204 Seiten, Juni 2005 ISBN Nr. 3-938607-25-4 Die Vielfalt unterschiedlicher Liebesgedichte, die der Band enthält: Nachtlicht eines schönen Abends, In Liebe So war die Liebe wie der Tag, Venus, Herz, fasziniert. Beziehungshumor, Leidenschaft, Erotik und stille, nachdenkliche Zeilen sind zu entdecken; Bundesgartenschau 2005; CD "Frühlingsgefühle- ein Sommernachtstraum" der Gruppe 4w. Text "Frühlingstrauminstinkte" interpretiert auf Hörbuchanthologie CD; Die Junge Akademie Berlin: Gedicht: „Welche Sprache spricht Europa“ bei Wanderausstellung Berlin; Sommerfelder Buchverlag Anthologie: Leben in der Großstadt; Okt.2005 Gedichtband „Beziehungsweise“ MBVerlag; 2005 Bibliothek deutschsprachiger Gedichte ausgewählte Werke Band VIII, Gedicht: „Zeitsphären in memoriam G. Benn u. E. Lasker – Schüler“; OSTRAGEHEGE - Zeitschrift für Literatur und Kunst Gedicht „Eisloch“ MRZ 2006; Jahrbuch 2006 des Kunstraum für Lyrik, Anthologie „Jeder Friedensgedanke ein Gedicht“; Preisträger Anthologie Farbenfroh mb Verlag ISBN 978-3-9811136-6-2 € 12,95; Preisträger Anthologien Markus Ferst, Winterrast, Schwarzes Afrika und Gefüllte Artischocken - Erotische Geschichten ISBN 3-86703-528-8; Drachenblume Märchengeschichte; 2007 Bibliothek deutschsprachiger Gedichte; Ausgewählte Werke Band X Gedicht: „Liebe der Nacht“; Brentano-Gesellschaft, Frankfurter Bibliothek des zeitgenössischen Gedichts 2007, Gedicht: Zweiter Stock; Hölderlin-Gesellschaft engere Auswahl unter 9 für den Vortrag Hölderlin-Jahr 2008; Matjes, mild bis makaber, ISBN 978-3-00-027878-5 9,90 €; Versnetze_zwei, 2009 von Axel Kutsch, Verlag Ralf Liebe, Gedicht: Grenzfälle; Kunstraum-Lyrikwettbewerb, Jeder Friedensgedanke ein Gedicht, Frieden und Freiheit, mv-buchhandel Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Edition Octopus; Kulturhauptstadt2010, Gedicht Castrop-Rauxel; Versnetze_drei, von Axel Kutsch 2010 Verlag Ralf Liebe, Gedicht: Natürliche Zeichen; verschiedene Anthologien; Lange Lesenacht Leerzeichen Hochschulradio 2010, 2011 + 2012; Lange Lesenacht Leerzeichen Hochschulradio am 1.3.2014 übertragen; 2013 Anthologie Spuren aus 30 Jahren Literaturbüro Euregio Maas-Rhein ISBN-13: 978-3732281565; 2014 deutsch-tschechische Anthologie "Über den Dächern das Licht - Nad střechami světlo" ISBN: 978-80-7272-505-2, ISBN: 978-80-7272-506-9 (pdf), ISBN: 978-80-7272-507-6 (ePub); Frankfurter Bibliothek, Brentano Gesellschaft 2014 Gedicht: Meine Fenster schließe ich; Versnetze 9 Anthologie Axel Kutsch Verlag Ralf Liebe 2014; Buchhandlung Schmetz/Vennen, "Der "Aachener Kanon der Literatur" - 100 kostbare Tipps für Buch-Liebhaber" aus Aachen; Mein wilder Kampf gegen die Angst/ Korkuya Karşı Çılgın Kavgam deutsch/türkisch Lyrikanthologie/ Siir antolojisi, elifverlag, ISBN 978-3-9816147-4-9; Anthologie "worte im mond" Sperling Verlag Gedicht: Liebeleer und sprachlos;

    Preisträger: CD für Schüler und Schulen Horicons 2020 CD Locando-Siemens Projekt: „Zukunft“ Auflage 10 Tausend; Mein Nietzsche, Ein Projekt des Nietzscheforums München. 198 Seiten Verlag Traugott Bautz GmbH, ISBN 978-3-88309-543-1;
    DRAMEN und Theaterstücke: Aufführungen: erste öffentliche Bühnenaufführung eines Kurzdramas: Spiegel der Ideale, In Koblenz am Theater Konradhaus auf der Festung Ehrenbreitstein 2007; 2008 Vorspiel zu Faust-Arbeitswelten; weitere Dramen: 1848, Machina oder die Rettung für 4 und 25 Personen, Prinzenraub bis zu 250 Personen; Diogenes-Masturbation; weitere Literarische Lesungen

    Lesungen (Auswahl): Autorenkreis; Aachener Barockfabrik; Café Couleur Aachen; Lousberglesung im Rahmen der Aachener Literaturtage 2005 der Stadt Aachen; Lesung St. Severin, 5.5.2006 Eilendorf; Eigene Lesung LYRIK im Haus der Dommusik - Domsingschule Aachen 27.09.2006, Rundfunk Weihnachtslesung Peter Heuser Antenne Aachen 100,1, 25.12.2007 19-21:00 Uhr; 23.02.2008 Silbenschmiede Zeitungsmuseum Aachen; 13 Aachener Lyriker lesen am 29.02.08 im Gartensaal Institut Française; am 23.07.2009 im Rahmen der Leselust Literaturbüro Aachen, Atrium; Am 29.08.2009 in Aachen in Haus Löwenstein; Am 30.10.2009 im Haus der Dommusik in Aachen auf dem Katschhof; 2010 Lesung Lauter Liebe im Café Opera; 19.Dez.2010 L__rzeichen Viktoriastraße, 24h Lesung übertragen Hochschulradio; 27.08.11 Leerzeichen Lesung Mit freundlichen Grüßen; 17.12.11 Lange Lesenacht Hochschulradio; 21.07.11 Quadrum Domkreuzgang; 21.10.2011 Spätlese Café Opera; 26.-29.Jan. 2012 Hochstadter Stier, Weßling; Projektleiter seit 2011 der Silbenschmiede des Literaturbüros Euregio Maas-Rhein Aachen; Lange Lesenacht Leerzeichen Hochschulradio2012 und 2013; Anthologie 30 Jahre Spuren Literaturbüro Euregio Maas-Rhein; 2013 Lange Lesenacht Hochschulradio am 1.3.2014 übertragen; Deutsch-Arabischer Lyriksalon 10/2014 in Aachen im Couvenmuseum, und Bonn im Institut Française;

    Buchveröffentlichungen (Auswahl) :
    manfred h. freude
    im gesamten Bestand: Wissenschaftlicher Bücher, Philosophie, Lyrik, Germanistik, Theater, Herausgeber Autobiografien, Übersetzungen
    - alphabetisch geordnet

    1. 1848 Theaterstück ISBN: 978-3-8442-1590-8 Hardcover
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    2. Alles aus einer Hand ISBN: 3-86703-469-9
    Freude, Manfred H.. - [Leipzig] : Engelsdorfer Verl., 2007
    3. Beziehungsweise… Lyrik ISBN-10: 3737535558
    57 Seiten Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2015
    4. Blumenliebende, Lyrik ISBN: 978-3-7375-3746-9
    52 Seiten Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2015
    5. Das ganze Jahr ISBN: 9783844227185
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2013
    6. Denkheft und Schriftmal ISBN: 3-939404-67-5
    Freude, Manfred H.. - [Leipzig] : Engelsdorfer Verl., 2006

    7. Dichter am Gedicht Edition Freude spezial ISBN-13: 978-3-86901-152-3
    126 Seiten, Freude, Manfred H.. - Leipzig : Engelsdorfer Verlag
    8. Die schweigenden Fische ISBN-13: 978-3-86268-239-3
    141 Seiten, Untertitel: Edition Werk Band 7 - Lyrik & Dichtung 2010
    9. DIOGENES Masturbation Theaterstück n. n. V.
    10. ESKAPISMUSLYRIK ISBN: 978-3-8442-2180-0
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    11. FREIHEIT Ich bereue Nichts! Theaterstück ISBN: 978-3-8442-1590-8
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    12. FREUDE Das dichterische Werk ISBN 978-3-86858-188-1
    2002 - 2006 Freude beim Lesen, Gebundene Ausgabe 2009
    13. Freude des Bösen ISBN: 978-3-8442-1184-9 Hardcover
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2011

    14. Gedichte vom laufenden Meter ISBN: 978-3-8442-1924-1
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    15. Gesang einer Nachtigall ISBN: 978-3-8442-5697-0 Hardcover
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2013
    16. HIMMEL&HÖLLE Theaterstück ISBN: 978-3-8442-1736-0
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    17. Hinter dem Sprechen ist Nichtsz. Sprachphilosophie. ISBN: 978-3-8442-8916-9
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2014
    18. Ich hörte Schweigen. Werk Band 8, ISBN-13: 978-3-86268-755-8
    83 Seiten. Freude, Manfred H.. - Leipzig : Engelsdorfer Verlag, 2012, 1. Aufl.

    19. In einem kalten Garten, Werk Band 9 ISBN-13: 978-3-95744-027-3
    110 Seiten Freude, Manfred H.. - Leipzig : Engelsdorfer Verl., 2014
    20. KATALOG alle Werke; ständig aktualisiert, bei Epubli
    21. Keine Genichte - Alles Gedichte ISBN: 3-939144-41-X
    Freude, Manfred H.. - Leipzig : Engelsdorfer Verl., 2005
    22. II. Band 2015 ISBN-13: 978-3737533867 Berlin : epubli GmbH
    23. KontraVerse zur Kontroverse 10 Jahre 2003-2013 ISBN Nr.: 978-3-8442-6693-1 Hardcover 828 Seiten 754 Gedichte Freude, Manfred H.: epubli, Sep. 2013
    24. Lieder der Liebe 100 Liebesgedichte ISBN 978-3-86858-439-4
    Verlag Shaker Media 2010
    25. Machina oder Die Rettung Theaterstück SHM 00.000-0.00539
    Rollenbuch Arbeitsbuch A4 März 2010
    26. Mallorkinische Reise ISBN: 3-86611-189-4
    Freude, Manfred H.. - [Mammendorf] : [Pro-Literatur-Verl.], c 2005
    27. II. Band 2015 ISBN: Berlin : epubli GmbH
    28. Meindichten, ISBN: 9783844252460 - 132 Seiten
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2013
    29. Mit freudischen Grüßen ISBN 978-3-86268-460-1
    59 Seiten, Freude, Manfred H.. - Leipzig : Engelsdorfer Verl., 2011

    30. Parmenides Lied der Natur n. n. V.
    31. Schlagwort & Dichterstreit ISBN-13: 978-3-86901-153-0
    Freude, Manfred H.. - [Leipzig] : Engelsdorfer Verlag 2009
    32. SCHWAIGEN & NICHTSZ Hardcover ISBN: 978-3-8442-1662-2
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    33. SCHWAIGEN & NICHTSZ Softcover ISBN: 978-3-8442-1887-9
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012

    34. SPIEGEL der IDEALE Theaterstück ISBN 978-3-8442-1530-4
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2011

    35. Todeszug KZ Ravensbrück Hin und Zurück ISBN: 9783844238129
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2013
    36. Tödlicher Frieden Edition Freude ISBN: 3-86703-111-8
    Freude, Manfred H.. - [Leipzig] : Engelsdorfer Verl., 2006
    37. Treibsand und Lianen ISBN: 3-939404-64-0
    Freude, Manfred H.. - [Leipzig] : Engelsdorfer Verl., 2006

    38. Unaussprechbarkeit; Seiten ISBN: 9783844238129
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2014
    39. WAHRHEIT zur FREUDE - WAHRHEIT-DICHTUNG-PHILOSOPHIE
    ISBN: 978-3-8442-2029-2 Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2012
    40. Weihnachtsausgabe; jährlich aktualisiert, nur über Epubli
    41. Widerwort und Widerstreit ISBN: 3-86858-365-3
    Verlag Shaker Media Untertitel: Edition Werk Band 6 - Lyrik & Dichtung, 2010
    42. Wieso es kein ICH gibt. ISBN: 9783844294200 88 S.
    Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2014
    43. Wunden des Daseins, Lyrik, ISBN: 978-3-73751-439-2
    56 Seiten, Hardcover Freude, Manfred H.. - Berlin : epubli GmbH, 2014

    43 Bücher, davon 25 Lyrikbände
    Bestellung in jeder Buchhandlung, beim Verlag Shaker, Epubli und Engelsdorfer, im Internet und bei AMAZON; leihweise in vielen Bibliotheken in Aachen in der Städtischen Bücherei und RWTH Bibliothek, Lyrik-Kabinett München und Literatur Archiv Marbach in Leipzig, München, Dresden,
    Erfurt, Bonn, Tokio und vielen weiteren.

    Theaterstücke und Dramen

    1. 1848 Deutschland in der Krise Buch Epubli Verlag
    2. Amok I + II
    3. Bakchen als Theaterstück Sprech-Chor
    4. Das Buch des Salomon Liebeslied
    5. Diogenes Masturbation Blaue Pillen
    6. Faust Arbeitswelt Vorspiel Aufgeführt Koblenz / Festung Ehrenbreitstein 2009
    7. Himmel und Hölle Bedingungsloses Grundeinkommen
    8. Lied der Lieder Parmenides Philosophie
    9. Linzertorte Adolf Hitler und Ludwig Wittgenstein in Linz
    10. Machina oder Die Rettung Angst Schuld Hass Zorn Arbeitsbuch Rollentext SHAKER
    11. Prinzenraub Altenburg
    12. Regie Hoffnungslos
    13. Spiegel der Ideale Aufgeführt Konradhaus Koblenz / Ehrenbreitstein 2007

  • Schwaigen&Nichtsz

    Vorbemerkung
    Das Schwaigen des Nichtsz
    Die unerhörte Wende
    Entgegen aller Unkenrufe, auf Kritik und Schelte, habe ich mich entschlossen, das Schwaigen des Nichtsz zu veröffentlichen, gerade aus Standort und Tradition heraus. Der wahre Denker und Pädagoge, der sich nur auf die direkte Sprache der lebendigen Stimme verlässt, kann mit diesem Text gegen alles bestreiten, umwandeln oder aus seinem Schweigen nicht an. Nein dies würde gerade dem Inhalt des Buches widersprechen. Das Schwaigen schreit nach einer Veröffentlichung. Als Dichter spreche ich mit Gottfried Benn „… was schlimm ist … einen neuen Gedanken haben, den man nicht in einem Hölderlinvers einwickeln kann, wie es die Professoren tun." Sprache lässt Sichtbarwerden, was im Text meist verborgen bleibt oder im Diskurs meist verworfen oder ausgeschlossen wird. Diese sprachliche Verdeutlichung von Gegenständen verbirgt Unzeigbares von den Dingen, indem das Abweichende vom Text, als ein Unsagbares deutlich sich zeigt.

    Philosophie sprachlicher, intermedialer Wandlung
    Schwaigen oder Nichtsz, das ist hier die Frage.
    Das Denken zum Sprechen bringen.
    (Nenne es Reden, wenn Du willst.)
    Poetologische Lust an der Sprache.
    Universale Sprachkritik:
    Philosophische Theorie einer Poetik mit philosophischen Ansätzen. Implizierte, intuitive Äußerungen intuitiv erfassen.
    Paradigmenwechsel der Faszination Stille der Rede.
    Philosophische Analyse von Sprache und Realität.
    Spuren aus der Unverantwortlichkeit.
    Die Aufgabe des Wortes.
    Interpretation von Erfahrung, Erinnerung,
    Erkennen als einer Resonanz des Schwaigens.
    Mnemosyne, als das bei Sprache und Schrift implizite, intuitive, apriorische Erkennen, aus dem Gedächtnis und der Erinnerung.
    Nicht allein spröde Wissenschaft, teils amüsant, teils tiefgründig, teils Faktenhaft.

    „Jede Kommunikation teilt nicht nur etwas mit, sondern auch noch das, wovon sich das Gesagte unterscheidet. Literatur kann nur wirklich begriffen werden, wenn nicht nur das Gesagte kritisiert wird, sondern auch sein, wogegen mitbedacht wird.“
    Niklas Luhmann Philosophie der Gegenwart.

    Faszination Stille und dann die unerhörte Wende: Schwaigen.
    Leidenschaft: Nichtsz.
    L´taire et le néant Introite, nam et heic Dii funt!
    Schwaigentheorie: Texte als dialogischen Diskurs dekonstruieren, im Ästhetischen, Übertragenen und unbewusstem Verständnis (Geistesdekonstruktion zur Rezeptionsästhetik.).

    Schwaigentheorie hieße an dieser Stelle: Texte als dialogischen Diskurs dekonstruieren, im Ästhetischen, Übertragenen und unbewusstem Verständnis (Geistesdekonstruktion zur Rezeptionsästhetik.).

    Wittgenstein hat recht.
    Aber ich glaube es nicht!

    Wer dieses Buch freundlich gelesen hat, kann a posteriori intuitiv, aufrecht und selbstbewusst sagen, dass er weiß, dass er nichts weiß, und nichts wissen wird, ohne diesem, dass er weiß! Ich verlasse mit meiner Theorie, (die keine These ist, und auch keine Hypothese ist,) das Gefängnis meiner Sprache, das nur kärglich möbliert ist. Auch reicht nicht meine Vorstellung zu dem, was man denken, oder auch nicht denken kann, und meine Bewunderung gilt jenen, die bereits wissen, was ich damit sagen will. Ich rede, also denke ich (nicht), spreche dunkel, also bin ich (und mein Leben ist doch reichlich). Wenn ich rede, habe ich bereits gedacht oder denke nach. Was Sprechen heißt, bezieht sich auf unser Denken. Damit wir unsere Rede verstehen, müssen wir bereit sein zu verstehen, was geredet wurde und nicht was gesagt oder geschrieben wurde … Es geht um die Bedeutungslosigkeit des gesprochenen Wortes in ganzen Sätzen. Das ausgesprochene Wort ist bereits ein Artefakt. Die Reinigung, als eine Katharsis, dient nicht dem Menschen. Sie dient vielmehr der Reinigung der Sprache. Kein abweichen von der normalen Sprache. Wir reden so klar, wie wir denken, dass wir verstanden werden könnten. Beim Sprechen geht der Sprecher immer von der Unwissenheit seiner Zuhörer aus. Das heißt er versucht sich „verständlich“ auszudrücken. Was wir, von Welt wissen, wissen wir über unser Sprechen. Aber nicht so, dass wir das Sprechen so übernehmen, wie wir zum Beispiel ein Lexikon übertragen würden. Wir sind in eigenen Einbildungen gefangen. Aus diesem Gefängnis kommen wir nicht mehr heraus. Es gibt einfach nichts Einfaches. Wenn wir die Worte der Sprache als einfach betrachten, so sind sie Nichts, etwas, vom Nichts im Nichts, eine ausgesprochene Leere. Kein Verständnis, wo wir uns missverständlich ausdrücken, was wir aber so nicht sagen wollten. Der Andere interpretiert eine völlig andere, neue Version. Das Reden wird beendet, weil es auf diese Weise nicht weiterkommt. Besserwisserisches Sprechen, zu allem und jedem. Aber in der Sprache entsteht nur das Eine. Die Leere, das Nichtsz. Schwaigen erfüllt den Raum. Melancholie ist nach aller Erfahrung. Schwaigen ist das Restrisiko der Sprache. Gänzlich ist das Nichtaussagbare bei aller Rede, nicht auszuschließen. Weil es, wie ich behaupte, im Schwaigen nicht darauf ankommt, wie ich spreche und dass ich etwas ausdrücke; sondern auf das Prinzip: warum ich so spreche, das muss der Hörer beachten.
    Der ganz klare Sinn meines Buches vom Schwaigen wäre eine Methode eine Sprache und Darstellungsform zu finden, in welcher sich Philosophisches ausdrücken lässt. Eindeutig sollte Philosophisches sinnvoll sein, aber philosophieren heißt nicht unbedingt Sinnvolles sagen, wer philosophiert, das versteht der Philosoph, der Wissenschaftler versucht hiergegen zu argumentieren. Wie sinnvoll das wohl sein wird, muss sich zeigen. Bereits Wittgenstein zog in der Sprache eine Grenze und nannte das, was jenseits dieser Grenze liegt, einfach Unsinn. So nennt er auch philosophische Sätze, „dass sie der, der mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt“ (6.54) nach seiner Konzeption ist dies selbst unsinniges, das aber verstanden werden kann. Er unterschied, was sinnvoll gesagt werden kann, und dem, was sich zeigen muss. Lediglich empirische Sätze erklärte er für sinnvoll. Später machte er sprachlichen Sinn, nicht mehr allein in der Funktion des sich Zeigens fest, er gab der Sprache Bedeutung, in der Vielfalt von kommunikativen und sprachlichen Äußerungen. Noch erkannte der späte Wittgenstein, die sinnvolle Rede vom sprachlichen Unsinn. Er blieb dabei, dass keineswegs alles sagbar wäre. Dahin gehend ändert meine Theorie Grundlegendes. Ich gehe davon aus, dass Sprache bedeutungsvoll ist, bis darauf, dass sich etwas in der Sprache und aus Sprache heraus, zeigen muss, jedoch das in der Sprache, im Text nicht der Sinn steckt, den wir mit unserem Bewusstsein und Denken hineinstecken, vielmehr dass das was sich zeigen muss, das Sinnvolle erst vom Rezipienten aus dem Text heraus geholt werden muss. Meine These lautet also: Es gibt keine sinnvolle Rede!
    Wittgenstein sagte bei einer Vorlesung den Satz: „Was wir sagen, wird einfach sein, doch zu erkennen, weshalb wir es sagen, das wird sehr schwierig sein.“ (Vorl. 242) also, wir sprechen nur einfach. Wir erkennen nur schwer, als Autor und als Rezipient.

    Die Geschichtlichkeit der Literatur beruht nicht auf einem post festum erstellten Zusammenhang literarischer Fakten, sondern auf der vorgängigen Erfahrung des literarischen Werkes durch seine Leser. Dieses dialogische Verhältnis ist auch die primäre Gegebenheit für die Literaturgeschichte.
    H. R. Jauss, Literaturgeschichte als Provokation der Literaturwissenschaft.

    Schwaigen oder Nichtsz,
    das ist hier die Frage?
    Die unerhörte Wende.

  • Wissen

    Was wissen wir?
    von Manfred H. Freude
    In meinem Text, da redet das Reden, das spricht, das Sprechen, und wenn es redet, dann redet es nicht, dann schweigt es, es schweigt, und wenn es spricht, so spricht es nicht, da ist kein Sprechen, da ist kein Wort, dort ist Nichts, nur Schweigen ist da. Und einer ist dort, der spricht nicht, der sagt kein Wort, der redet nicht, der schweigt. Aber sein Schweigen ist kein Schweigen. Er schweigt nicht, wenn er schweigt, er redet, er spricht. Sein Schweigen ist ein Sagen. Ein Dahersagen. Denn außen, außen da spricht er nicht, da schweigt er, aber innen, von innen, da redet er, da spricht er. Er spricht von dem, das er nicht aussprechen kann, das er nicht sagen kann. Denn sein sprechen, das ist kein Entsprechen, und sein Sprechen ist ein Anderer, das Sprechen eines Anderen, ist sein Gegenüber, der spricht und der schweigt. Es ist der Beobachter, der Wächter. Er hört, er sieht, und er spricht. Zu ihm redet er, zu ihm spricht er, von innen redet er, und er redet zu sich selbst, hör zu, hör zu sagt er zu sich selbst, doch er hört ihn nicht, er hört ihn nicht, weil er niemanden hört, weil er nicht einmal sich selbst hört. Und die Worte, von denen er spricht, sind keine Zeichen, sind keine Bilder, undeutbar, unbedeutend, bedeutungslos, unerkannt. Denn die Bilder sind keine Bilder mehr, und die Zeichen sind keine Zeichen mehr. Sie sind, was niemals war, was nichts ist, kein Wort, kein Bild. Von dem kann ich nicht schweigen, von dem man nicht sprechen kann. Schweigt man sowieso, sowieso, immerzu, immerzu. Offengesagt, offensichtlich, sieht man, hört man, hört man sagen. Das nicht gesagte, das Verschwiegene, das Schweigen. Dinge, die man nicht anfassen kann. Schluss, Ende, endlich, zum Ende. Das Schweigen des Mundes, das Schweigen der Lippen. Denn, was ist es, das heraus will, nicht gesagt werden kann? Es ist das Verstandene, nicht verstanden. Hörst Du, das Eine, doch es, ist nicht das Eine, es ist das Andere, das was Du verstanden hast, was Du verstehen wolltest, dass was ich nicht sagte, was Du hörst, was Du nicht hörst, was Dein Wächter, Dein Beobachter hörte, was Dein Wächter, Dein Beobachter Dir sagte. Nicht den Namen, der Dir verboten wurde zu hören, der mir verboten wurde zu sprechen. Diese Geschichte, die dort steht, dort entsteht. Die da ist, plötzlich im Raum ist. Steht, steht dort. Ein Schrank, der alle Worte bewahrt, verschließt. Der Schrank aber spricht immer, denn er bewahrt die Worte als ein Wächter, als ein Beobachter, die Worte, die niemand herausholt, die Worte, von denen wir nicht sprechen können. Sie reden und reden und sie schweigen, als gäbe es keine Geschichte und gäbe es kein Ende. Denn, gäbe es ein Ende, dann öffneten sich seine Türen und alle Worte träten her aus und beginnen zu sprechen, aus dem Nichts, aus dem Nichts zu sprechen, damit sie sterben könnten, denn keines der Worte, die nie gesagt wurden, darf überleben. Und ich schweige, ich schweige dazu, denn ich bin der Zeuge, ich zeuge für die Worte, die ungesagten und sie sind und sie sind nicht genau so wie nichts, das einmal nicht gesagt wurde. Denn sie wussten nicht, wovon sie sprachen, sie die nicht wussten, was sie sagten, sie schwiegen, während sie sprachen. Ihr Sprechen war kein Sprechen und ihr Reden war keine Rede. Sie wachten nicht und sie schliefen nicht, sie träumten, sie träumten vor sich hin. Sie taten nicht dies und sie taten nicht das, sie entflohen, und sie sagten nicht so oder so, denn man verstand nicht und begriff nicht, was sie sagten. Je mehr sie aber sprachen, verstand man nicht, verstand nicht, was sie sagten. Es stand und stand, stand dort und der Verstand, verstand und dachte und das Denken wurde zum Denkmal, und Himmel und Erde waren bedeckt mit Sprache. Nun aber, was soll ich sagen ist der Sprecher, der Sprecher, der ist nicht alleine, denn dort ist noch einer, einer der hört, der hört zu, der hört alles, und alles, das heißt alles, er hört, was er sagt und er hört das, was nicht gesagt wurde, dass was geschwiegen wurde und das, was nicht gesagt und nicht geschwiegen wurde und das, was nicht gesagt wurde und nicht geschwiegen wurde. Das, was nicht da war, nicht bei ihm der sagt, und nicht bei ihm der hört, es war nicht da und es war dort, es war hier. Es war anwesend, denn das, was nicht gesagt wurde, dass was aber doch gesagt wurde, das was aus dem Nichts kam, sah und wurde gerissen, gezerrt und war da, da vom Mensch, vom Leben, vom Vorhandensein. War wahr und war vorhanden, alles war mit dem anderen zusammen, in jedem Fall, Welt. Der Andere versteht, der andere hat verstanden, auch wenn ich nicht sprach, nichts zu ihm sagte, denn der Andere hört, solange ich ihm seiner Stimme entsprochen habe, ihn seiner Stimme nicht enthoben habe, solange er spricht, wo immer er auch schweigt. Denn ich rede nicht und der nicht redet, der spricht, und der, der spricht, der schweigt, der sagt nichts. Doch dort ist er der Andere, der hört, der mein Schweigen versteht, den ich schuf, mit meinem Wort, mit meinem Bild, der mich hörte, mein Schweigen, mein Sprechen, in dem ich schwieg, und meine Wächter, die reden, was ich weiß, was ich schon vorher gewusst habe, was keine Frage ist auf diese Antwort, was kann ich wissen wollen? Was ich nur denken kann: Wir können es nicht sagen, wir müssen reden, auch, wenn uns klar ist, dass wir nichts wissen!

  • Der Chorleiter

    D
    er Chorleiter

    von M. H. Freude,

    Der Chorleiter betrat den Raum und, brummte. Er brummte einen Ton, der wohl seinen derzeitigen Tageszustand ausdrückte, seinen Seelenzustand.
    Einen Ton der zeigen sollte, wie er den weiteren Verlauf der Proben gestalten würde.
    Der Brummton klang wie „Guten ...“ zeigte aber gleichzeitig,: „na freut euch nicht zu früh“.
    Noch hatte er keinen Blickkontakt, es war nur dieser Brummton, der beim Hinsetzen auf den Klavierhocker in ein Ausbrummen überging, was die Anwesenden wohl mit „na dann wollen wir mal gleich anfangen“ interpretierten.
    Alle Anwesenden empfanden erst mal die darin enthaltene Musik
    ja, es konnte vorkommen, das einige Stimmen im Chor dieses Brummen für das Vorgeben des Grundtones annahmen und gleich mit dem Anstimmen begannen. Worauf der Chorleiter nur antwortete „ ich habe noch keinen Ton angegeben“.
    Das Brummen, das leichtere Ausbrummen, und dann das Krachen. Krachen des Klavierhockers, auf dem sich hundertachtzig Kilo niederließen. Wumm.
    Dieses Wumm, war das Zeichen, bei dem sich die einzelnen Chormitglieder ihrem Nebenmann zuwandten und ihn jeweils vielsagend anschauten.
    Sie schauten sich an, und innerhalb weniger Sekunden lief eine lange Geschichte von Auge zu Auge. Und dies gleich zwanzigfach mal zwei und das hin und her, wie ein Gewitter im Gehirn
    in den Nervenzellen, die bereit waren sich in einem Blitz zu entladen, bis, ja plötzlich wurden alle wieder aufgeschreckt durch ein hartes KLACK.
    KLACK, jetzt hatte der Chorleiter den Klavierdeckel hochgeklappt. KLACK.
    Das Ritual war fast vollendet. Klack das war das Zeichen, der Ton, den der Chorleiter in seinem Notengedächtnis brauchte. Klack, wenn er diesen Ton hörte, wusste er, jetzt geht’s los, jetzt war er wieder Musiker. Klack das war sein Ton.
    Wie für einen Hundertmeterläufer der Startschuss. Aber es war noch mehr. Während dieses Klack, öffnete sich eine Reihe schwarz-weißer Tasten. Tasten, die nach dem Klack, riefen, riefen wie die Zähne eines Raubtieres. Grrrrrrr, wehe wenn wir berührt werden. Aber dieses konnte den Chorleiter nicht schrecken.
    Man weiß auch nicht, wollte er mit dem Klack sich selber Mutmachen oder Aufwecken oder die Tasten erschrecken. Alle Anwesenden wussten, was nun geschah, aber sie starrten gebannt und erwartend auf den Chorleiter. Wie war seine Stimmung?
    An wen würde er sich auslassen? An den einzelnen Sänger, an den Chor, an den Tasten?
    Der Chorleiter starrte auf die Tasten und griff mit weit ausgebreiteten Armen über die Tasten. Die Arme schwebten über den Tasten, so als wolle er ausprobieren, wie weit er wohl mit seinen Armen komme. Dies kontrollierte er indem er zuerst bis zur rechten Hand blickte und dann bis zur Linken.
    Es wirkte als wären die Arme etwas kurz, aber sie waren nicht kürzer als bei anderen Menschen von gleicher Größe, aber bei diesem massigen Körper wirkten die Arme einfach zu kurz. Man musste sich aber wundern, das diese zu diesem Klavier aber völlig ausreichten.
    Und man wunderte sich, das er nun nicht plötzlich mit dem Klavierspiel loslegte. Nein,
    er senkte mit ausgestreckten Armen seinen Kopf, so dass seine Nase fast die weißen Tasten berührte, um ihn gleich wieder zu heben. Er schaute hoch, fast durch den Chor, der mittlerweile in zwei Reihen vor ihm stand, hindurch. Dann zog er seine Arme zusammen, presste die Hände mit offenen Handflächen gegeneinander um dann die Rechte Hand hochzuheben und mit dem Zeigefinger gegen den Himmel zeigte, als ob er darauf hinweisen wollte, wo Gott wohnt um dann den Finger herunterstürzen zu lassen und eine weiße Taste zu treffen, so als hätte er mit einem Karateschlag zwei Ziegelsteine durchschlagen.
    Durch den Raum ertönte ein Piiinnnnnnnnngg.
    Ein Ton, mein Gott ein Ton, ein richtiger Ton. Das erste Lächeln trat auf sein Gesicht.
    Wie gelöst ging auch zunächst ein Lächeln durch den Chor. Man blickte sich wieder an, diesmal wesentlich gelöster, um dann einem Gemurmel überzugehen, ja Einige waren nun so gelöst, das sie zu leichtem Witz und Lachen übergingen.
    Der Chorleiter hatte sich inzwischen wieder gefasst und schickte soeben einmal ein hartes und ganz kurzes „Ruhe“, in den Raum. So kurz wie dieses Klack des Klavierdeckels, oder das Pinnnnng des herabstürzenden Zeigefingers.
    „Ruhe, wir wollen doch alle endlich anfangen“
    Dazu war nichts zu sagen. Alle und Endlich. Wozu nun diese Gemeinsamkeit? Und wer bitte verzögerte hier die Chorproben mit der unsäglichen Selbstinszenierung.
    Gewiss, nur die wenigsten im Chor wussten, das der Chorleiter auf diesen Moment schon seit zwei Stunden gewartet hatte, bis endlich alle Mitglieder mit insgesamt zehn Minuten Verspätung eintrafen ging er im Vorraum des Proberaumes auf und ab.
    Aber nun war seine Zeit, nun war er am Zug und alle könnten nun mal auf ihn warten und ihm die Aufmerksamkeit zuwenden. Die Aufmerksamkeit, die er auch aufzubauen versuchte.
    Es gehörte ebenfalls zu seinem Ritual die Spannung zu Beginn der Proben aufzubauen.
    „Ruhe, wir beginnen mit den Proben“ so waren immer seine Worte, wobei er sich mit beiden Händen am Klavier festhielt, seinen gewichtigen Körper versuchte über die schwarz-weißen Tasten zu bringen, in den Knien durchdrückte und das enorme Körpergewicht aus dem Drehhocker zu wuchten.
    Viele sagten, das er, den leibhaftigen Organisten, wahrhaft verkörperte.
    Manche glaubten in ihm den fleischgewordenen Johann Sebastian Bach zu sehen.
    Sicher ist, das einem die Tasten leid tun konnten wenn man an die Masse dachte, die auf sie einwirkte.
    „Wir beginnen mit einigen Lockerungsübungen“ sagte er. Was nicht ironisch gemeint war. Bei diesen Lockerungsübungen machte er nur insoweit mit, soweit sie seine Hände betrafen.
    Sämtliche Ganzkörperbewegungen und das strecken der Arme machte er nur mit seinen Händen nach und kam auch gleich zum musikalischen Teil.
    Einige Stimm- und Tonübungen, den Mund, den Unterkiefer, die Stimme zu lockern.
    Und immer wieder Widerholungen, die er mit einem kurzen „und“ forderte.
    Etwa so, immer die Tonleiter: la-la-la-la-la-la-la „und“ la-la-la-la-la-la-la. Dies forderte er in einer fast immer gleichen Reihe von Übungen, bei denen er im Halbkreis um seinen Hocker herumging,
    mit der rechten Hand den Takt vorgab und immer wieder sein kurzes, die Wiederholungen forderndes „ und“ bei dem er wie ein kleines Häkchen mit einem imaginären Taktstock vor sich schlug.

    Nachdem diese Übungen abgeschlossen waren, kam es zum eigentlichen Singen. Mit einem: „so“, setzte er sich und spielte einige Zeilen aus einer Kindersendung, etwa die Biene oder die Maus oder aus der Werbung bekannte Stücke. Dies diente wieder zur Auflockerung und erfreute, sobald einige das Stück erkannten.
    Es wurde gelacht und der Chorleiter ging ansatzlos zum Spielen des Stückes über, das nun gesungen werden sollte.
    „Also, meine Damen, meine Herren... Tutti, tutti!“
    Auch hierbei riefen wieder diejenigen, die das Stück erkannten, den Namen des Stückes in den Raum. Wieder allgemeine Heiterkeit.
    Das waren so die Spielchen die seinem kindlichen Gemüt entsprachen, einem Gemüt, das man in einem Riesenteddybären wohl kaum vermuten würde.
    Und schon hätten wir auch den richtigen Ton getroffen; das heißt
    wir wären auf den Punkt gekommen oder hätten den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Unser Riesenbaby von Chorleiter spielte nämlich zu Hause,
    und dies bitte nicht weiterzusagen, mit Teddybären.
    Jetzt gibt es ja nun viel zu sagen, wie vereinbart sich Orgelspiel mit Teddybären?
    Ist der Teddybär der richtige Ausgleich für einen Organisten?
    Hat Mann innerhalb seiner Lebensentwicklung
    zum Chorleiter ein Teddydefizit?
    Das alles trifft für unseren Chorleiter nicht zu.
    Organist und Chorleiter ist die eine Schiene, Teddybären die andere.
    Vielleicht kam von den Teddybären auch der Brummton.
    Aber genug der Bösartigkeiten.
    Sobald der Chorleiter seine Proben zuende hatte oder das Orgelspiel in seiner Kirche, in der er hauptamtlicher Organist war, beendet hatte, zog es ihn nach Hause.
    Ein Zuhause voller Teddybären in allen Größen und Farben.
    Sein Kuschelreich.
    Hier konnte er abschalten, wenn er die verkratzte, hunderttausende Male gespielte Platte, oh Teddybär, abspielte.
    Manchmal begleitete er Sie am Klavier, wenn er sehr gut aufgelegt war.
    Wenn er dann die Platte auflegte, den Plattenarm ansetzte und fast gleichzeitig zur anderen Seite des Raumes hechelte. Dort, wo das Klavier stand und um noch einige Tasten anzuschlagen, ehe er noch sein Bazillensieb in der Hand hatte.
    Bei diesen Gelegenheiten setzte er sich nicht auf den Klavierhocker.
    Er stand, das rechte Bein seitlich nach vorne abgewinkelt und wippte den Fuß auf dem Absatz, wie ein Twisttänzer.
    Gleichzeitig gab er den Takt wie ein Luftgitarrespieler.
    Mit seinem Kopf bangte er vor und zurück und wiederholte immer wieder: „oh Teddybär, oh“. Dabei rollte er das R bei Bär, wie im Englischunterricht, wenn der Englischlehrer erklärt, die Zunge so zu rollen, das man fast die Zunge verschluckt.

    Wenn der Kopf hochrot wird, dann wird es gewöhnlich Zeit, die Zähne weit auseinander zuziehen, die Zunge zu greifen und sie schnell aus dem Hals zu ziehen, ehe man völlig erstickt.
    Und wenn dann die Platte endete, und er ganz prima drauf war, gab er nach dem Teddybär, statt dem einfachen oh,
    noch ein langgezogenes: oh yeah.
    Hierbei zog er das yeah zu einem langgezogenen und immer lauterwerdenden yääää und konnte gar nicht mehr aufhören die letzte Taste auf dem Klavier zu malträtieren und immer wieder yää, yää, yää zu frohlocken.
    Ein Beobachter konnte glauben, das war kein Elvis Song sondern ein Beatles Song. yää yää yää, und es entsprach auch nicht seinem
    Hauptbetätigungsfeld, als Chorleiter.
    Einmal so auftreten und nicht immer diese ewigen Bach Fugen,
    Beethoven Sonaten, oder Felix Mendelssohn Messen.
    Als Chorleiter duldete er keine Töne, die sich nicht genau an die Notenblätter hielten.
    Das Original ist noch immer am besten, behauptete er.
    Nicht die Übersetzungen von einer Sprache in die andere oder Änderungen in den Noten.
    Da war er sehr gewissenhaft.
    Wenn es soweit war konnte er gar nicht mehr aufhören, bis, ja bis
    wieder Zeit war..

    So war der Chor der Chor der immer so schön und geschlossen, zumindest aus der Sicht des Chors, dastand.
    Der Chor den die Gemeinde bewunderte.. wie schön war doch die Chorgemeinschaft, welch schöner Chor, wie schön im Chor, eine Kirchengesanggemeinschaft, eine Harmonie, ein Organ.
    Ja, ja, das Organ und der Organist. Das waren schon zwei, eins und eins sind zwei und zusammen noch eins das macht schon drei und drei ist schon ein vielfaches.
    Ja so war das harmonische Organ der Chor. Vielleicht erreichte man einmal, wenn’s gut geht zweimal eine Harmonie. Harmonie, welch schönes Wort.
    Monos der Einzelne und Harmonie der Zusammenklang der Einzelnen.
    So etwas von wir Gefühl.
    Doch nichts von alledem.
    Aber dafür gab es zu viele Ungleichheiten der Charaktere im Chor.
    Vom Alter, von den einzelnen Interessen und von Musik, von dieser besonders.
    Wie sollte da auch eine Einigung zustande kommen.
    Da gab es die unterschiedlichsten Wünsche. Alleine was die Kirchenmusik betraf, gab es die verschiedensten Ansichten, ja man kann sagen, jeder, jeder im Chor hatte eine andere Auffassung.

    Doch das konnte den Chorleiter in seiner Übung nur bestärken und dies zeigte sich auch in seinem verkniffenen, breiten Gesicht.
    In den Querfalten über seiner Stirn, den zwei wulstigen Falten direkt über der Nase, die großen hellen buschigen Augenbrauen über den kleinen grüngrauen Augen. Die dicken Backen, hochgezogen, man konnte nicht erkennen ob diese Backen und die Augen lachten oder böse wurden. Und dann sein musikalisches Kinn, das sich immer bei
    seinen Äußerungen bewegte, das dicke, spitze Kinn und in der Mitte eine Kuhle, ja eine Kuhle in der man gut und gerne einen Bleistift hineinstecken konnte.
    Er stand dort vor dem Chor wie ein Licht, ja wie eine Leuchte.

    Es war wieder einmal Zeit der Proben.
    Das Klavier war vor dem Chor aufgestellt und er begann das übliche Prozedere.
    Seine Gedanken waren weit weg aus diesem Raum. Irgendwo im Bärenland. Er spielte aber all seine Erfahrung aus. Seine Instruktion folgte ständig dem gleiche Schema und seine jahrelange Erfahrung war geradezu phänomenal.
    Der Chor stand nur davor und staunte. Was alle mitgebracht hatten waren die Stimmen und diese Stimmen zu fördern, herauszulocken, aufzubauen, auszubeuten, bloßzulegen, zusammenzufügen, auszunutzen, das war seine Aufgabe und dieser Aufgabe wollte er gerecht werden.
    Hiermit konnte er hier und jetzt spielen.
    Manchmal standen die Sänger so im Halbdunkel, das er diese im einzelnen nicht erkennen konnte, aber das störte ihn kaum.
    Er sah mit seinen Ohren.
    Er hörte die Töne und Geräusche, die Richtigen und die Falschen.
    Ich weiß nicht wer, aber irgendwo im Alt sind Töne die nicht dahingehören.

    Wie gebannt blickte dann der Alt auf sein Kinn, um dann den richtigen Ton zu wiederholen, den er auf dem Klavier vorgab.
    Ab und an stach ein Lichtstrahl durch die hohen Kirchenfenster und
    traf entweder den Chorleiter, wie ein Fingerzeig, oder er lief über den Chor hinweg wie ein Nachtstrahler, der entlaufenen Sträflingen nachging, so leckte er über die Gesichter des Chors hinweg.
    In diesem diffusen Licht wirkte der Chor wie ein auf der Straße zusammengesuchter Haufen, einer Ansammlung von Statisten.

    Und manchmal verirrte sich wieder ein falscher Ton in die Proben,
    wobei er plötzlich die Proben unterbrach und versuchte den Grund für den Fehler herauszufinden, spielte er die vorhergehenden Noten Neu und dann erneut die Stelle an der Fehler war und seht, seht, seht ihr so, so muss das gespielt, so muss das gesungen werden.

    Ein Fremder konnte aber nicht erkennen, ob er mit sich selber, oder ob er mit dem Chor sprach.
    Und wie war das mit dem Chorgesang?
    Die Frage ist, muss man singen können um bei einem Chor mitzusingen und welche Rolle spielt der Chorleiter?

    Es ist so, man muss um in einem Chor mitzusingen nicht singen können. Wer singen kann braucht keinen Chorleiter und keine Stimmbildung.
    Es geht im Chor um das gemeinschaftliche singen.
    Und hier ist es die Aufgabe des Chorleiters die guten Stimmen erbarmungslos niederzumachen um dann den ganzen Chor auf ein Repertoire auf ein Niveau zu bringen.
    Die Guten werden erniedrigt, die Schlechten werden erhöht werden. Anhand seines Notenmaterials bringt er die Superstimmen auf eine Stimme, die dem jeweiligen Sänger gar nicht liegt, und das ist ihm schließlich egal.
    Er bringt den gesamten Chor auf eine ihm gewünschte Stimmigkeit und die kann nun hoch oder niedrig liegen, je nach der Qualität des Chorleiters.
    Jeder Chor ist nun mal nur so gut wie sein Chorleiter.
    Und unser Chorleiter brachte es auf den Level 4 + Tendenz zur 3 -,
    er brachte den Chor zu einer Stimmigkeit, manchmal.

    Ja manchmal, das lag natürlich sehr am häufigen Fehlen bei den Proben. Bei jeder Probe fehlten die Hälfte der Leute, und immer wieder andere, so das man sagen konnte, bei viermal Proben hatte gerade jeder einmal miteinander geprobt.
    Das zeigte sich natürlich auch in der Qualität des Chors wieder.

    Und so kam es auch, das bei den Vorkonzerten in der Kirche sich schon die ersten Gläubigen beim Pfarrer beschwerten.
    „Bei diesem Chor muss man sich zu sehr auf den Gesang und die Stimmigkeit konzentrieren. Es kommen immer wieder Fehler vor, so dass man sich nicht mehr auf den Glauben konzentrieren kann.“
    Was war das? Was wurde da gesagt, auf den Glauben? Wo sind wir den hier? In der Meditation?
    Kann man nicht froh sein, das es hier Menschen gibt, die sich zusammentun und singen?
    Und wenn man meditieren will kann man das auch in einer Waldkapelle, oder zu Hause auf dem „Stillen Örtchen tun“
    ……ja wo sind wir denn hier.
    Es war wirklich so, das diese Äußerung zu Verärgerung und Missstimmungen in der Gemeinde und im Chor führte.

    Da musste sich der Chorleiter erst einmal etwas einfallen lassen.
    Er hatte sich nun einmal um die Musik zu kümmern.
    Genauer gesagt zunächst einmal um die Orgelmusik als Organist und dann um die Chormusik, der er sich nun einmal verschrieben hatte und der er sich verpflichtet fühlte; der religiösen Kirchenchormusik.

    „Religiösen….“, das war natürlich ein weiter Begriff.
    Sollte nun gesungen werden die Bachfugen und Kantaten und Oratorien von Bertholdy, Messien, Rutter, Haydn, ….oder soll hier nun das Gotteslob gesungen werden: „vom Himmel hoch da komm ich her“.
    Das war wirklich eine fundamentale Frage, der er so nicht gewachsen war.
    Das musste er erst einmal mit sich, zu Hause, mit seinen Teddybären ausmachen und besprechen.
    Wie konnte man so etwas von ihm verlangen und ihn so unter Druck setzen. Druck konnte er nun mal sowieso nicht vertragen, schließlich war er Künstler.
    Damit musste er sich erst einmal auseinandersetzen.
    Einen Chor wie diesen von Anfängern, Amateuren zu führen, ja wie sollte das eigentlich gehen, davon hatte er nun so gar keine Vorstellung.
    Da spielte er nun mal seine Orgel vor und der Chor musste dem nachziehen. Denn Orgelspielen das konnte er, ja das konnte er das würde ihm auch keiner nachsagen und alles andere würde sich schon richten. Er würde schon die Stimmen zusammenbringen und wenn nicht konnte er die Orgel ja etwas lauter spielen.
    So oder irgendwie hatte er sich das schon vorgestellt.

    Und wieder war ein neuer Probentag.
    Ein völlig verregneter Tag, nasskalt und ungemütlich.
    Heute wird es in der Kirche wieder unangenehm,
    In den Fenstern.. In drei, nein fünf, nein es sind bestimmt acht Meter Höhe fehlen in den Kirchenfenstern einige Scheiben und es zieht von dort wie Hechtsuppe, insbesondere, wenn die Große Türe zum Kirchenschiff geöffnet ist.
    Das hat schon so manchem Chormitglied einige Tage Bettruhe, oder eine ordentliche Grippe gebracht.
    Und die klamme Nässe zog wie ein Fluss durch das Kirchenschiff und die Kälte zog mit ihr, wie der Nachwuchs der Lachse, die es ständig zur Mündung zieht.
    Da trieft es auch schon einmal von den Wänden. Ganz genau so wie es von den Nasen trieft. Und das Husten und das andauernde, abwechselnde Husten und räuspern.
    Und der Wind zog mit und säuselte: „der falsche Ton, der falsche Ton“ „Hört ihr nicht“ hörte man den Chorleiter sagen „ Hört ihr nicht“ doch, doch es konnten alle hören: „der falsche Ton, der falsche Ton“ , „der falsche Ton, der falsche Ton“
    Woher wollte der Wind wissen das dies der falsche Ton ist? Welche Töne kannte er denn schon? Die hohen Töne? Die tiefen sicher nicht. Die kalten, harten, Tiefen Töne. Mit diesen Tönen trieb er den Sängern den letzten Funken Wärme aus der ohnehin unzureichenden Kleidung. Entweder war man in diesen Kirchenräumen viel zu warm angezogen oder man fror sich sozusagen das Fell von den Knochen das war immer dasselbe, das wussten alle Sänger. Da froren selbst die Heiligen von den Wänden und schauten mit ihren erfrorenen, gepeinigten, leidenden Gesichtern von den Wänden auf diese Gesellschaft. Und selbst der leidende Christus blickte herab von seinem Kreuz als wenn sich seine Lippen nur leicht zu öffnen schienen und ein leiser Hauch schwebte über die Sänger: „Ihr seid alle verrückt, Ihr seid alle verrückt“. Diesen Gesang oder dieses Gejammer konnte kein Mensch anhören, nicht einmal ein leidender Christus. „ Das ist doch kein Gesang“ so schien er zu sagen. Und von draußen prasselte der Regen gegen die großen Fensterscheiben, prasselte unaufhörlich den Rhythmus dadam, dadam, dadam, dadam, ja so mussten die Töne kommen dadam, dadam, dadam, dadam und immer wieder dadam, dadam, dadam, dadam das musste doch der letzte einsehen, weiter: dadam, dadam, dadam, dadam ja so kam Rhythmus in die Sache und der Regen trommelte weiter dadam, dadam, dadam, dadam und vom Eingang her schoben sich Menschen in das Kirchenschiff. Triefendnass von dem unaufhörlichen Regengeprassel und so als wären sie bereit das ganze Wasser aufzunehmen und an ihren Hosenbeinen in dieses Kirchenschiff hinein zutragen immer im Rhythmus des Regens: dadam, dadam, dadam, dadam Knöcheltief brachten sie das Wasser hinein und mit ihm einen alten Ton, den sie draußen gefunden hatten der in diesen springenden Pfützen lag und hineinwollte, mit ihnen hineinwollte in dieses Kirchenschiff:
    dadadada, dadadada. ja das war ein völlig neuer Ton in diesem Dauerregengeprassel, dieses dadadada, dadadada, dadam, dadam, dadam, dadam und wieder dadadada, dadadada, dadam, dadam, dadam, dadam. Herrlich, nun kam Rhythmus in die ganze Sache. Kälte und Nässe und Windzug wie Hechtsuppe spielten mit, dazu das durchnässte Publikum und der ganze Chor war hingerissen und sang aus vollen Kehlen bis die Scheiben klirrten: dadadada, dadadada, dadam, dadam, dadam, dadam dadadada, dadadada, dadam, dadam, dadam, dadam. Es war wie Engelchöre, zum Lob des Herrn, das himmlische Jerusalem war endlich unter den Menschen. Ich glaube es war noch nie eine solche Harmonie in diesem Chor, in diesem Kirchenschiff. Und draußen weinten die Engel des Herrn bitterlich. Ab und an blitzte ein Paukenschlag dazwischen und ein himmelhoher Notenschlüssel öffnete jede Note einzeln und es regnete weiter Noten vom Himmel Einzel zu Einzel und sie tönten in den Pfützen und auf den Dächern.
    Und es gurgelte in den Kanälen und Rinnen. Und der Regen siebte die Luft. Und die Wolken aus denen sich diese Tropfen lösten, verdunkelten den Himmel. Und sie schickten immer neue Tropfen auf die Erde, unaufhörlich. Die Erde hatte schon lange ihren Durst gestillt, ja soviel konnte sie nicht auf einmal trinken und der klang der Töne wurde immer heller. Der Himmel
    hatte kein Erbarmen, ja er besaß nicht den Respekt, die Barmherzigkeit, nicht die Güte, die Rücksicht endlich Schluss zu machen mit diesem Dauerkonzert. Von diesem Dauergetöne erzitterte schon das ganze Chorschiff. Ja dies war das Richtige Wort. nun begriff man auch den Namen Chorschiff. Es war als würde bald die ganze Kirche mitsamt diesem Schiff wegschwimmen.
    Bis, ja bis der Chorleiter wieder seine Bassstimme erhob und lautstark, wie eine platzende Seifenblase rief: „Schluss“ „Schluss“, einfach „Schluss“. Ja so einen Schluss, so einen Abgang hatten sich weder der Himmel noch der ganze Chor vorgestellt. wie auf einem „Schluss“ hörte es auf zu regnen und die Gesangstimmen verstummten und das Verstummen ging im Gemurmel der Chormitglieder und der Besucher unter.
    Dieser Ton der draußen in der Luft gelegen hatte, dieses Getrommel, in den Pfützen, auf den Dächern, an den Scheiben. Dieses gurgelnde Geräusch in den Rinnen und Kanälen, dieses dadadada, dadadada, dadam, dadam, dadam, dadam das war mit einem mal alles verschwunden, als wäre es nie dagewesen.
    Und es wurde stickig in der Kirche und so wie es draußen heller wurde, wurde es in der Kirche dunkeler. Es war als öffneten sich die Gräber, die Grüfte und die Toten würden sich erheben, um einmal nachzusehen, wer denn da gesungen hat und wo die Töne, die Töne die eben noch durch das Schiff schwebten. Wo denn diese Töne geblieben sind? Wo sind diese Töne hin diese Töne in Moll und Dur? Trocken und tonlos und schwarz, mäuschenstill und leise klang es nach Gruft.
    Und der Chorleiter schaute mit dunklen Augenhöhlen vom hintersten Teil des Chors, durch die weit geöffnete Eingangstür, schaute noch einmal an die Decke, und dann, zuckte er zusammen, schüttelte den Körper in Moll, und ja, es ist die Wahrheit, und der ganze Chor ist Zeuge, er zog seine Ohrstöpsel aus.

    ***** Autoreninfo ******
    Manfred Hubert Freude (*er lebt in Aachen.
    *****************
    © 2003 Manfred H. FREUDE

  • Schiller

    Schiller von Manfred H. Freude

    DAS SCHÖNE, DAS ERHABENE UND DAS GEDICHT - DER GESCHMACK - DAS GLÜCKEN Das "schöne" Gedicht

    Versuche mein Verständnis von Philosophie, Lyrik, Ästhetik und Ethik zu erklären.
    Dies soll keine wissenschaftliche Bearbeitung des Textes werden, noch werde ich eine Interpretation des Textes liefern ich bin hier an einer Meditation über den Text hinaus interessiert.

    1. Schiller Kant – Kant Schiller
    Schiller, der Mensch im Idealismus tatsächlich als Subjekt. Der Mensch könne Geschichte machen, durch Jakobiner Terror als Folge der gescheiterten Revolution.
    Er reagierte auf Kant 1775 – 1820
    Das Erhabene bei Kant sieht Schiller darin, dass der Mensch einer physischen Macht ausgeliefert ist. Der Mensch fühlt aber sich geistig in der Lage, sich damit auseinanderzusetzen.

    Sturm und Drang eine Folge der Aufklärung.
    Zur deutschen Systemphilosophie Schelling, Hegel, Kant gehört auch Schiller.
    Der Grundgedanke des Menschen ist die moralische Vervollkommnung (Harmonie, Metaphysisch) Die Vollkommenheit der von Gott geschaffenen Natur.

    Gott sich als liebendes Wesen erkannt. Der Mensch kultiviert diese Zuneigung.
    Die Frühromantiker, unter ihnen führend Novalis (Novalis war ein Schüler Schillers in Jena) erkennen eine Chiffrenschrift Gottes in der Natur. Eine Autorenschaft Gottes in den Linien in der Natur. Schriftzeichen, die entziffert werden könnten, wenn wir die Sprache Gottes verständen.

    Der Glaube ist ein heißer Draht, eine Hybris. Das Verhältnis Mensch zu Gott.
    Furo Poetikus, Begeisterungslehre (Platon ION, sieht zwischen Finger) über die Gefühle; ist der falsche Weg. Der Dichter steht der Schöpfung näher.
    Mit dem Lesen von Kant macht Schiller mit dieser Auffassung Schluss.
    "Der Pöbel gibt den Ton an" schreibt er in seiner Pöbelvorrede 1781 in der Ostermesse im Selbstverlag. Mitte der 90er Jahre beginnt er mit seinen Kantstudien und liest Russeaux Zivilisationskritik.
    Er erkennt: Innere Zufriedenheit ist Menschenfreundlichkeit.
    Idealismus ist bei Schiller immer gepaart mit Pragmatismus. Nicht ein romantisches nach inneren Werten sich zurückziehen.

    Der philosophische Kopf: vereinigt. - Der Brotgelehrte: trennt.
    So hat er die Wahrheit immer mehr geliebt als ihr System:
    "In seinen Göttern malt sich der Mensch "
    "Breiter wird die Welt und kürzer wird das Brot "

    Er sieht im Genius den Schöpfer der Kunst. Kant ist ihm zu rigoros, er sieht das Spielerische und die Neigung.

    2. Schiller seine Dichtung und Umgang mit seiner Ästhetischen Theorie
    Die vorsprachlichen Quellen geben keine Auskünfte, selbst sind sie lückenhaft und leere Strecken in der Überlieferung. Der Gang der Welt ist fließend und der Gang der Weltgeschichte ist im Missverhältnis und nur die Wellen sind beleuchtet.
    Verstand verkettet zum Ganzen. Rückwärts Schluss und Licht, Analogieschlüsse.
    Stoff und nach eigener, vernünftiger Natur zu ordnen. Erscheinung zu Gedanken und logischen Ketten. Ursache und Wirkungsketten als Mittel und Absicht.
    Eine idealistische Geschichtsphilosophie. Die Absicht z. B. ein vereintes Europa durch Napoleon.
    Hinzu kommen:
    Schlözers Universaltheorie
    Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
    Kants Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht

    Schiller schrieb an Goethe zum Wallenstein:
    "Gewöhnlicher Hausverstand ist Prosa
    Einbildungskraft ist Lyrik und Dichtung!"
    (Er dichtete den Wallenstein um in Knittel und Jambus)

    Mit Wallenstein beginnt die klassische Periode 1796 –1800
    Hegel schreibt: mit Wallenstein beginnt der Nihilismus:
    Der Glaube an die Sterne ist verloren
    Ewiger Geist, Weltgeist ist so nicht sichtbar

    Schiller meinte das der Welt durch die Kunst zu helfen sei: phantastischer Geist – gemeines wirkliches Leben; Götter – Himmel.
    Er bezieht sich auf Aristoteles, das Drama, das Orakel: dass sich das nicht erfüllen möge. Ende – Überlegenheit der göttlichen Weltordnung vom göttlichen Handeln (menschliche Hybris) dem göttlichen Willen auszuweichen. Nach der Aufklärung, statt dem Göttlichen die Vernunft, die menschliche Ratio.
    Der Mensch ist in der Lage die Geschichte zu verändern durch Vernunft
    Goethe: Der Glaube an die Sterne ruht auf dem dunklen Gefühl eines Weltganzen.

    In Wallenstein lässt Schiller Seni den Sterndeuter sagen: ..jetzt brauch ich keine Sterne mehr!
    "Wir" sind in der Realität angekommen!
    Und Wallenstein sagt: "Es gibt keinen Zufall. und : Da siehst du wie die Sterne dir gelogen"
    Bezieht sich auf die Naivität
    Der Wachtmeister in Wallenstein sagt: Ich weiß, wie das mit den Sternen ist: Da kommt ein graues Männlein, mit einem grauen Röcklein, der Mann kann durch die Wände gehen, und immer wenn das graue Männlein kommt passiert etwas.
    Wallenstein meint: Der Teufel ist nicht in den Sternen, der Teufel ist in dir.
    Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst schreibt Schiller und Goethe verbessert: Sei die Kunst!

    Das Erhabene bei Kant und Schiller, Schillers Schönheit zur Freiheit

    Schillers Funktion Kunst und Dichtung in einer Zeit nach dem Scheitern der Revolution

    Das Schöne überträgt Schiller (zum Schönen bei Kant) als Ausdruck der Freiheit.
    Das Erhabene ist für Schiller, abgesehen von der körperhaften, sichtbaren, erkennbaren Welt ein Erheben des Menschen über seine Natur.
    Das Schöne bindet uns an die Idee. Das Erhabene befreit uns davon.
    Bei Kant erhebt sich der Mensch über die Sinnlichkeit und ruft Ideen im Wahrnehmenden hervor.
    Bei Schiller ist das Erhabene eine Befreiung aus der sinnlichen Welt.
    Ein Entfliehen. Dem Hermetischen zu entfliehen. Die Einbildungskraft entflieht dem Hermetischen. (Das vollbringt die Vernunft mit ihrer rhetorischen Verdichtung, ihrem Streben nach Hermetik und der Deviation vom Realen dem Ausstieg aus dem abgeschlossenen dem Unwirklichen) das Reale aus einem sicheren Ort zu betrachten. These: Das Eskapistische ist deshalb gerechtfertigt, weil es für die Zeit eines Gedankens von der Realität ablenkt.
    Schillers eigenwilligen Verbindung von Klassischem und Modernen im Geiste des Erhabenen.

    Das Erhabene bei Kant =
    Das Erhabene als "Erhebung" über die Sinnlichkeit.
    Das Erhabene bei Schiller = das Erhabene als "Ausgang aus der sinnlichen Welt"

    Besinnungslosigkeit und Begrenztheit einen Gegenstand mit dem Eindruck zu umfassen und andererseits unsere Überlegenheit
    Schiller hielt die kantische Ästhetik als subjektiv-rational.
    Schiller medizinische-, militärische - Ausbildung, Kant Lektüre, Ästhetik und Poetik.

    Schiller sieht den Anspruch auf das Ästhetische Vergnügen, glaubt aber an den Untergang des Schönen:
    Auch das Schöne muss sterben! Das Menschen und Götter bezwinget, / Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. / [...] Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle, /, dass das Schöne vergeht, dass das Vollkommene stirbt.
    Bis Schiller einsieht, dass die fortschrittliche Dichtkunst nicht mehr nach dem Modell des Schönen gedeutet werden kann, sondern durch Konflikt und Abstand vom Ideal gekennzeichnet ist, wie er in seiner zweiten weltbewegenden philosophischen Untersuchung über naive und sentimentalische Dichtung ausführt.

    Aber das Leben ist im Grunde so fatal ernsthaft, dass es nicht zu ertragen wäre ohne solche Verbindung des Pathetischen mit dem Komischen. (Heinrich Heine Ideen. Das Buch Le Grand)

    3. Die Dichtung Schillers und das Erhabene
    Schiller schrieb 1793 das dritte Stück der neuen Thalia, darin vom Erhabenen
    1791 in der zweiten Hälfte des Januar. Er war fortgesetzt krank, begann er mit dem Kantstudium, das er 1794 im Juni/Juli fortsetzte. Am 13.6.1794 bat er Goethe und Kant um Mitarbeit an den Horen, die Kant am 30.3.1795 freundlich ablehnte.

    Hegel notiert 1800-01 über den Wallenstein: Es ist ein trauriges Verstummen. Das Stück endet; es ist alles aus. Nicht einmal als Anklage an Gott, es ist Nihilismus, es ist NICHTS. Der Blick ins Chaos, der Blick in den Abgrund.
    Die klassische Tragödie. Er Einzelne scheitert, das Allgemeine wird erhoben.

    Schiller dichtet in seinem Wilhelm Tell: die Idee der Freiheit als Naturrecht. Der Vertausch von Naturstand mit dem Stand der Verträge und dem Gesetz (hier geht es um das Thema, das Napoleon in die Schweiz einmarschiert). Der naive Mensch ist in seinem Handeln mit der Natur eins.

    Zu (in "über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen" in sämtl. Werke Bd. 5 hersg. von Gerhard Fricke + Herbert G Göpfert Mchn 1980 570-669)

    4. Schillers Abgrund
    Die Ausbildung des menschlichen Empfindungsvermögens
    Hiervon erhofft Schiller die Freiheit des Menschen durch ästhetische Erziehung.
    Sinnlichkeit die gilt es für ihn zu bekämpfen. Das Genie muss den Stoff durch die Form vertilgen
    Kant: Das Genie, das der Kunst die Regel gibt. Ursprünglich aber will Schiller ein Gleichgewicht von Sinnlichkeit und Vernünftigkeit.
    Kategorischer Imperativ verbietet zu lügen, zu stehlen oder Unrecht zu tun.
    Schiller folgt dem elevantorischen Imperativ: ästhetischer Imperativ.: Tiere unterscheiden, schädlich und nützlich über Schmerz oder Unlust. Der Mensch kennt Recht und Unrecht und gut und schlecht. Dies verlangt Reflexion. Der elevatorische Imperativ, reines Wohlgefallen – höheres Wesen. Das hängt mit der Konstitution des Menschen als Mensch zusammen.
    Diese Ausbildung des Empfindungsvermögens (Veredlung) verlangt eine Verabschiedung des unmittelbar sinnlichen. Wir sollen uns nicht mehr sinnlich, sondern allein ästhetisch verhalten. Schiller lobt die schönen Künstler dafür, das sie "Keine Bedenken" haben der Materie "Gewalt anzutun". Die Kunst ist nur Oberfläche und Schein des Sinnlichen, nur Schattenwelt von Gestalten, Tönen und Anschauungen.

    Vor dem Abgrund, warten auf das Phänomen, das Sich-an-ihm-selbst-zeigende, das Seiende zeigt sich, was es an ihm selbst nicht ist, das Helle. Das Scheinbare scheinende.
    Wir treten vor den Abgrund und erkennen uns selbst zum ersten Mal. Die Leere unserer Zukunft nehmen wir im Anblick vorweg.
    Einsamkeit, Schweigen, Geburt mit uns selber alleine.
    "Denken in den Abgrund unseres Denkens" Traum und Rausch sind Triebe der Natur am Abgrund der Vernunft unserer Natur.
    Wie beim Überschreiten der Grenze des Abgrunds in Traum und Rausch aus beidem etwas Neues entsteht. Durch diese Anerkennung der Natur bringen wir es ans Licht.

    Was heißt und zu welchem Ende kann man heute Schiller lesen?
    Lieben – ja, dass geht.
    Aber wer, wer kann ihn schon lesen oder noch besser wer kann ihn sprechen?

    Ins Leben durch Trauer und Finsternis
    Erzogen ohne Geist und Herz
    Schlechter Anfang für große Geister
    Da braucht man gute Freunde
    Aufbau von Innenwelten
    Arbeitsames Weimar
    Schwere Lesestoffe
    Klassisches Weimar

    Ins Leben durch die Finsternis
    Kurz aufblühend immer im Schatten
    Eines Großen. Eines Übergroßen
    Unterbewertet – immer
    Nicht allen zugänglich
    Schwer zu sprechen. Verkannt, verkanntes Genie

    Es lebe der Dichterkönig, der Dichter als für die Gegenwart des Menschlichen zeugende Majestät des Absurden.
    Dort steht er schön, den Blick weit voraus in eine Zukunft die noch lange nicht erreicht. Majestät Schiller als Dichtermensch einer Gestalt einem Ich.
    Ja, es lebe der König: Damit spannt sich der Bogen zwischen Kunst und Freiheit. Es ist kein Bogen es ist ein Pfeil. Von der Kunst durch die Dichtung in die Freiheit
    Mitten ins Herz.
    Ins Herz des größten Dichters der Freiheit er ruft nicht "Es lebe der König "
    Die Dichtung selbst scheint zu rufen "Es lebe der König "
    Vielleicht merkelt etwas an dieser Geschichte.
    Vielleicht haben wir vergessen die verstorbenen Dichterfürsten
    Zu krönen, wer weiß? Das klassische Weimar
    Eins der letzten Königreiche für Dichter.
    Ich liebe Schiller ein Leben lang-.
    Erspare ich mir den Lebenslauf, erspare ich mir unzählige Zitate
    Erspare ich mir den Namen des großen Weimarer und lasse Schiller aus seinem Schatten an das Licht.
    Wir betreten ein großes Haus ein Haus mit vielen wundervollen Räumen. Literarische und philosophische Räume der Schriftsteller und der Theaterautoren, der Kritiker und der Dichter. Seiner Balladen und seiner Dramen. Das ist dieser Schiller?

    Ihn zu kennen heißt sein Leben zu kennen.
    Das Kind will Pfarrer werden, studiert alles ringsum. Die Räuber führen ihn nach unten, nach oben und fort.

    Prolog
    Escape, fliehen, Flucht
    Ästhetisch
    Schön
    Form, buchstäblich
    Schiller/ Kant
    Wählen wir, Ausrichtung Zentrieren
    Mitte, Dunkel, Dämmerung, Leere, Innen,
    Unsichtbare Tornados, schwarze Löcher
    Wellen, Wüste, Brandung, Explosion
    Zwilling
    Geschmack und Glücksprinzip
    Das Erhabene
    Freude, Lust
    Riechrezeption, Reflex

    Es geht um die Wahrnehmung eines Gedichtes mit der dieser verbundenen Ethik und der Ästhetik dieses Gedichtes.
    Sprache eines Gedichtes ist auf Wahrnehmung angewiesen.
    Wird ein Gedicht nur als eine Abweichung der Sprachnorm verstanden so verfehlt das spezifische der Dichtung seine Absicht.
    Im freien Spiel des Dichters gelingt eine menschliche Selbstüberschreitung.
    Ein Spiel kann wie im Kinderspiel heucheln, es kann andererseits aber auch zu lernen führen
    Wahrnehmung und Vernunft verändern hierbei ihr Verhältnis bei der Suche nach einer Ethik.
    Bereits aus ethischen Gründen verwarf Platon die Künstler, die Dichter.
    Kant: Die Natur ist die Grenze, der Ort der Krise. Die Freiheit (Moral) ist das Schöne das Erhabene. Der Mensch aber ist frei dank seiner Vernunft Theorie-Urteilskraft-Praxis. Kant fordert auf selbst zu denken: "Habe den Mut Dich des eigenen Verstandes zu bedienen".
    Wie sollte man dies besser beherzigen oder anwenden als bei einem Gedicht?
    Ein Gedicht zu lesen (ein Gedichtsurteil) ist ein ästhetisches Urteil.
    Die Bildung eines reinen Geschmacksurteils – ob ein Gedicht schön ist oder nicht; das Wohlgefallen (Interesse), das wir an einem Gedicht finden ist ohne alles Interesse.
    Wenn ich ein Gedicht herstellte, von dem ich wüsste, das es niemand liest oder wüsste, es gäbe gar keine Menschen, die es lesen könnten, um hier zu sagen, das Gedicht sei schön, oder ich müsste meinen Geschmack beweisen; dies alles wäre nicht logisch. Dies bedeutet ich habe zunächst kein Interesse ein schönes Gedicht zu schreiben, noch hat mein Erstleser ein Interesse ein Geschmacksurteil zu bestimmen.
    Er steht dem Gedicht zunächst gleichgültig gegenüber.
    Das Gefühl einer Lust oder Unlust am Gedicht rein subjektiv ästhetisch ohne logische Erkenntnis über Sinn und Form und Inhalt.
    Es sieht schön aus, es scheint ein schönes Gedicht.
    Nirgendwo spricht ein Mensch so konzentriert wie in der Dichtung.
    Aller Ballast der allgemeinen Verständigungssprache ist entfernt.
    Das Gedicht ist auf seine Zeichen (Ampel) reduziert. Die sofort erkannt oder auch erst durch Nachforschungen.
    Hilfen sind hierzu das sprachliche klanghafte Zeichensystem, das über den Rhythmus, Bilder, Metaphern, Bedeutungen bis zu konstanten Mustern reicht.

    Unterschiede finden wir im Gedicht, dessen Aussage wir gleich erkennen, wie den verrätselten, hermetischen Gedichten (Benn, Celan) die weitere Lektüren wie Lexiken, Pchyremble, Botanikbücher, etc. verlangen.
    Wichtig ist bereits beim Dichten der Beginn. Das Gedicht erhebt sich dort. Dann aber verlässt es den sicheren Boden, es entflieht" Es flieht davon in die verschiedenen Welten der Ideen.
    Jeder individuelle Leser interpretiert Gedicht in seiner Welt.
    Einbildungskraft führt uns bei einem Gedicht weiter.
    Die Einbildungskraft besitzt eine ethisch Verpflichtung gegenüber dem Anderen.
    Produktive Einbildungskraft und sittliche Verantwortung sind keine Gegensätze.
    Wir erkennen die Form, die schöne Form, nicht beim ersten Mal des Lesen oder hören und auch nicht die Struktur des Gedichtes.
    Die Einbildungskraft hilft uns weiter bei Wiedererkennen (Mimesis) sie stellt etwas her. Ein neues Gedicht
    Wir kommen den Dingen näher, wenn wir näher und öfter und länger hinsehen
    apprehendieren - Wie ist der Gedanke des Dichters dargestellt? Durch die Einbildungskraft und einem Sehen von bildhaften Flecken erkennen wir ein Schema. Dieses ist jedoch ebenso hart zu erarbeiten wie dem Dichter das Gedicht.
    Beispiel: Ein Urlaubskatalog, alles schön, schöne Bilder und schöne Beschreibungen sehr wahr, aber wenn dieses sehr wahre nicht ganz genau gelesen wird, habe ich ein großes Problem.
    Das Gleiche gilt, wenn ich Platon oder Kant nicht sehr genau lese, soweit dies überhaupt möglich ist. Dieses Problem habe ich bei den Dichtern.
    Es beginnt damit, wenn ich annehme, der Dichter meint mit diesem "ich" sich selbst.
    Der Dichter ist kreativ und schöpferisch, nicht nach vorgegebenen, sondern durch eigenen Genius schaffend.
    Kant: "das Genie, das der Kunst die Regel gibt".
    Die Form eines Gedichtes (als Begriff) vermag nicht der Einbildungskraft, der Sinnlichkeit zu entsprechen, wenn die Sprache nicht dem individuellen entflieht.
    Ist ein Gedicht zunächst schön, hässlich oder verwirrend – das ist nur ohne Interesse.
    Es verlangt der Reflexion
    Der Einbildungskraft
    Ich muss zunächst lesen, sortieren – für Benn Gedichte benötige ich einen Pchyremple für andere ein Botaniklexikon usw. und dann vielleicht dann erkenne ich einige Bildflecken die ich zusammenführen kann zu etwas das mir Sinn zu geben erscheint.
    Den Zusammenhang von Ethik und Ästhetik verbürgt die "freie" Tätigkeit der Einbildungskraft.
    Hierbei ist der ästhetische Blick auch auf Dinge der äußeren Welt zu richten.
    Wechsel von Ich und Nicht-Ich, Subjekt und Objekt, innere und äußere Welt. Der Mensch, kraft seiner schöpferischen Einbildungskraft erzeugt eine Vielfalt, durch die er zum Genie wird.
    Das Schöne an dem / einem Gedicht ist zunächst einmal die Abweichung.
    Abweichung, die es von normaler Sprache abhebt – das hört sich gut an. – oder es erzeugt Verwirrung.
    Hier muss sich intensiv mit dem Gedicht befasst werden.
    Poetisches Sprechen ist unschuldig, frei pragmatisch.
    Deshalb kann der Dichter schreiben, wie es seine Kreativität zulässt. Das normale Sprechen verlangt Ethik – ich meine es gibt keine Moral für das poetische Sprechen.
    Das Gedicht ist nicht nur Literatur und Unterhaltung, es dient in erster Linie der Erkenntnis.
    Das Gedicht unterliegt qualitativen Kriterien wie auch dem Geschmacksurteil.
    Es bietet dem Konsumenten eine intersubjektive Erfahrung.
    Wenn das Gedicht nur schön ist.
    Die Worte bannen. Was ist noch verborgen, was ist noch ungeweckt in diesem Bann. Auch dieses Unverständnis kann Leidenschaft wecken, wenn das Gedicht nur schön genug ist.
    Der Anblick des Gedichtes ist ohne Interesse,
    Wenn ein Symbol oder ein Weg erkannt ist, beginnt das Arbeitsgedächtnis.
    Wenn aber etwas sofort oder über die Interpretation neu erkannt ist beginnt das Feuerwerk im Gehirn.
    Ästhetische Gesichtspunkte spielen für die Ethik keine Rolle
    Die Lust teilt sich entweder den Sinnen oder den Reflexionsgeschmack.
    Die ästhetischen Gesichtspunkte zu dem Gedicht
    Wir werden beim Lesen feststellen, das beim Eindringen in diesen Text wir in ein Labyrinth eindringen und uns verfangen.
    Erkennen zunächst das es ein Gedicht ist, an seinem Verstext.
    Die Frage lautet weiter handelt es sich hier um ein Gedicht oder um Lyrik?
    Die Verskunst besteht aus Vers und Sprache.
    Die Bildung eines Gedichtes ist zunächst unabhängig von Regeln.
    Die Abgrenzung = "Definition" von Begriffen klärt durch ihre Abgrenzung von den anderen Begriffen.
    Hierbei wird sich zeigen ob sich ein/dieses Gedicht gegen eine/die Definition/Abgrenzung, Klärung von Begriffen sträubt.
    Dies stellt sich als äußerst schwierig, da sich das Gedicht nicht so ohne Weiteres auf den einen Begriff bringen lässt.
    Allein die erforderlichen Kenntnisse erleichtern nicht den Einstieg in die Interpretation. Es ist wie die Entschlüsselung einer Geheimsprache.
    Wie bei der Entschlüsselung von Hieroglyphen steigt man tiefer in die Archäologie, in die Schichten des Gedichtes ein.
    Wenn einem ein Gedicht gefällt, dann muss dieses einem Anderen deshalb nicht automatisch auch gefallen. Geschmack ist subjektiv und oft eine Frage der jeweiligen Stimmung. Wenn wir einen Wohlgefallen oder Missfallen an diesem Gedicht finden, ohne alles Interesse und dieses Gedicht so beurteilen, nennen wir dies Geschmack. Für Kant gibt es, wie er betont, keine Geschmacksregel, die durch Begriffe bestimmen würde, was schön wäre.
    Wenn uns das Gedicht ohne Begriff gefällt und erkannt wird, als Gedicht, so nennen wir es schön.

    DAS SCHÖNE GEDICHT –
    DER GESCHMACK –
    DAS GLÜCKEN

    Definitiv schreibt der Dichter eine Partitur (Sartre)
    Doch führt der Leser dieses Oratorium nicht auf.
    Er betrachtet die Partitur interesselos und aus Kenntnis oder Unkenntnis von Gattung und Interpretation. Fragend und hilfesuchend hält er das Blatt in die Höhe und schaut sich um. Sein erster großer Fehler: Man bleibt cool
    Es interessiert nicht Dichter noch Partitur
    Es beginnt mit Vergleichen
    Ton um Ton Wort um Wort
    Nutzlos sterben auch die Gedichte
    Alle Gedichte sind nutzlose Erdbeben

    Es geht alleine um die Negierung eines Gedichtes.
    Die Gedanken (Verstand) verlaufen von unten (wenig )
    Nach oben (viel)
    In umgekehrter Richtung (Vernunft) wobei es dann um die Erkenntnis geht, wann die Negierung aufhört, ein Gedicht zu sein.
    Alle Kunst ist Erkenntnis
    Gedichte sind Kunst
    Also sind Gedichte Erkenntnis
    dieser Terminus Medius (Mittelbegriff) scheint mir für einen Syllogismus als besonders kunstvoll. DAS SCHÖNE DAS ERHABENE DAS GEDICHT DER GESCHMACK DAS GLÜCKEN
    Poetologische Herangehensweise an:
    Die Ästhetik; Das Schöne; Das Erhabene,
    Glück
    = Glücken
    = geglücktes (Kunst-, Dichtwerk)
    = Glückseligkeit
    Das Glücksprinzip gegenüber dem Vollkommenen
    These nach Christian Wolff (kein Wort von Ästhetik in seinen Philosophien) während sein Schüler Baumgarten eine bedeutende Schrift über die Ästhetik verfasste.
    Zufälliges zustande kommen = Sonnenuntergang = nur schön
    Das hergestellte Schöne = Glück
    Glück als Artefakt nicht als einfache Himmelserscheinung, nicht als schöner zufälliger Sonnenaufgang.
    Glück kein bloßer Zufall, kein Reflex und keine Intuition.
    Glück als ein aus einem groben Klotz entwickeltes Produkt.
    Glück muss ein Zwilling sein:
    Zwilling – Verschiedene im eins, das halten an Regeln
    Alles hat doppelte Bedeutung
    Wie, dies ist wieder eine andere Geschichte
    Ausrichten – Zentrieren – Mitte
    (Die leere Mitte G. Benn, Sedelmeyer: Verlust der Mitte)
    Tiefe, Schicksalhaft, Verwurzelung bis in den Ursprung.
    Das Füllen der Mitte, die mit Leere besetzt, rechts und links bleibt keine Wahl
    Schwarzes Loch in der Mitte,
    Gagarin: Der Himmel ist schwarz!
    Irgendein Dichter hat doch behauptet der Himmel sei blau.
    Welches Unglück, welche Täuschung.
    Dämmerung rechts und links saugt zum Zentrum, schwärzer als schwarz, die Abwesenheit von Licht, Raum, Zeit.
    Escape (englisch)- entfliehen

    Visuelle Ästhetik

    Die Städte sind leer von Menschen
    In unserer Fantasie der Utopie
    Wie schön das Abbild sich entwickelt
    Aus der u-bahn denken sich die Urlaubsbilder

    In meinen Augen spiegelt sich die Form
    Und ohne ende ziehen sich die Linien der wellen
    Unbewusst speichern die Augen das Geheimnis
    Schwingender Kompositionen in Bewegung

    Horaz Textbeispiel bearbeitet über die Dichtung über das Entdecken des Dichters hinter seinen Versen:
    Das Schöne und das Argument: dazu den Text Horaz:
    Horaz Satiren I 4 Übersetzung Gerd Herrmann

    Löst du sie auf in gewöhnliche Rede, glaub‘, jeder Vater
    Tobt dann so ‘wie der auf der Bühne. Entfernst du aus meinen
    Versen oder aus denen, die einst Lucilius geschrieben,
    Versmaß und Rhythmus veränderst auch wohl die Stellung der Worte,
    Rückst nach vorn, was sich hinten befand, so wirst du doch niemals,
    6o Ob auch in Stücke zerrissen, einen Dichter entdecken,
    Wie in den folgenden Versen: ~Als die verheerende Zwietracht
    Sprengte die eisenbewehrten Tore, die Pforten des Krieges.

    (Löst du sie auf in gewöhnliche Rede, glaub‘) Wenn etwas nicht so gesprochen wird wie es vom Dichter erwünscht ? gewollt? erzeugt!

    (jeder Vater )glaub, jeder Erzeuger, (Tobt dann so ‘wie der auf der Bühne.) das will kein Dichter-Vater, weil das Gesprochene, die Betonung, verändert den Sinn.

    (Entfernst du aus meinen Versen oder aus denen, die einst Lucilius geschrieben,
    Versmaß und Rhythmus, veränderst auch wohl die Stellung der Worte,
    Rückst nach vorn, was sich hinten befand,) bedeutet: wenn das Geschriebene verändert, interpretiert, auseinandergenommen wird,

    4. (So wirst du doch niemals, Ob auch in Stücke zerrissen, einen Dichter entdecken,)
    So wird man auch nicht in "Einzelteilen" auseinandergenommen, verrissen ,einen Dichter "erkennen", noch hinter dessen Wesen und Sein kommen.

    5. (Wie in den folgenden Versen: ~Als die verheerende Zwietracht
    Sprengte die eisenbewehrten Tore, die Pforten des Krieges. ~)
    Also wenn die wie Menschen sprechende Zwietracht, zwei sich gegeneinanderstellende Begriffe die Hermetik öffnen, ist Kampf und Durcheinander, Schlachtengetümmel. Der Einzelne ist nicht mehr wiederzuerkennen.

    Das Schöne und das Argument
    16.10.2004 M. H. Freude
    Wir haben es hier mit zwei verschiedenen Begriffen zu tun:
    Das Schöne = ist etwas visuelles (Sehen)
    Das Argument = ist etwas Verbales (Sprechen)

    Das zeigt für diese beiden Begriffe: Das Schöne und das Argument = Das Sprechen und das Sehen = zwei gegeneinandergestellte Begriffe (Sprengte die eisenbewehrten Tore, die Pforten des Krieges) Je mehr wir diese Begriffe öffnen, desto weiter entfernen wir uns (auch vom Dichter) vom Anfang.
    Je mehr wir öffnen,
    ....Wir kommen von Platon, Aristoteles, zu Descartes, Hume, Kant ,Nagel, Habermas und kommen immer wieder auf Platon und Aristoteles zurück.

    Wenn wir das Schöne mit Argumenten "Beschreiben" entfernen wir uns vom Schönen.
    Das Schöne ist, basta.
    Wenn Poeten, Maler und Bildhauer etwas Schönes herstellen, können sie es nicht beschreiben es sei denn, im Gedicht, im Bild oder im Bildwerk.

    Wie Horaz sagt: "Löst du sie auf in gewöhnlicher Rede. Glaub, jeder Vater tobt dann"

    Wir nehmen den Vers eines Dichters, ein Wort, ein Bild oder eine Plastik.
    Andere nehmen dies hermeneutisch, interpretierend auseinander, füllen damit ganze Bücher, Bände, Bibliotheken. Wieder andere kommen verarbeiten diese und produzieren einen neuen Vers, ein Wort, ein Bild, eine Plastik.

    Mitte, Dunkel, Dämmerung, Leere, Innen,
    Unsichtbare Tornados, schwarze Löcher

    Die Mitte füllen, das Sterben der Sätze = die Geburt der Worte
    Schwarze Löcher, Tornados sind unsichtbar
    Saugen die Worte, sammeln auf
    Schleudern wieder Sätze hinaus
    Reißen alle Wörter in Stücke, verschlingen ganze Sätze
    Wörter sind vor den Wörtern unsichtbar.
    Gravitationseffekte
    Eines Tages werden alle Worte, alle Sätze vom Nichts erfasst.
    Die einzelnen Phasen bis zum Ende/Anfang des Nichts

    Einschläge
    Kommt näher
    Beben
    Sonnenmaterie aufsaugen
    Schmilzt
    Verschlingt

    Dunkel, Dämmerung, Leere, Innen,
    Unsichtbare Tornados, schwarze Löcher

    Kant "Kritik der Urteilskraft": Analytik des Erhabenen

    Skizzen u. a. nach einer Schiller Vorlesung bei Prof. Gellhaus Apr./Juli 2005
    Hieraus und Einstellungen zu den Punkten: Schiller/Kant/das Erhabene, das Gedicht:

    (Biographie, Orte, Beginn mit äußeren Problemen
    Goethe, Humboldt, Körner, Cotta, Revolution, Idealismus
    Literaturgeschichtlicher Fokus: Aufklärung, Sturm und Drang
    Klassik, Romantik
    Werkgeschichtlicher Fokus: Lyrik, Prosa, theoretische Essays, Drama, Briefe)

    Dichterische Zitate über das Erhabene
    (Schiller und Platen ):

    An die Astronomen

    Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen,
    Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?
    Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume,
    Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.

    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 155. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63830 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 253)]

    Der erhabene Stoff

    Deine Muse besingt, wie Gott sich der Menschen erbarmte,
    Aber ist das Poesie, dass er erbärmlich sie fand?

    [Schiller: (Xenien und Votivtafeln), S. 145. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 64224 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 259)]

    An Denselben

    Wo der Gehalt doch steckt in dem Drama, verlangst du zu wissen?
    Nirgend, so wahr Gott lebt, für ein gemeines Gemüt!
    Zwar nicht Jeder vermag das Erhabene vorzuempfinden;
    Aber ein Tropf, wer's nicht nachzuempfinden vermag.

    [Platen: Gedichte (Ausgabe 1834), S. 497. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 58301 (vgl. Platen-W, S. 565)]

    Logen im Kloster zu Assisi

    Dieser erhabene Gang und erhabene Blick in die Täler
    Lockt, durch Würde des Raums, aus dem Gemüt ein Gedicht.

    [Platen: Gedichte (Ausgabe 1834), S. 522. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 58326 (vgl. Platen-W, S. 569)]
    RWTH Aachen / WS 2005/06
    OS: Kant "Kritik der Urteilskraft": Analytik des Erhabenen
    Leitung Prof. Dr. Andrea Esser
    Referent: Manfred Freude

    Skizzen u.a. nach einer Schiller Vorlesung bei Prof. Gellhaus Apr./Juli 2005
    Hieraus und Einstellungen zu den Punkten: Schiller/Kant/das Erhabene:

    (Biographie, Orte, Beginn mit äußeren Problemen
    Goethe, Humboldt, Körner, Cotta, Revolution, Idealismus
    Literaturgeschichtlicher Fokus: Aufklärung, Sturm und Drang
    Klassik, Romantik
    Werkgeschichtlicher Fokus: Lyrik, Prosa, theoretische Essays, Drama, Briefe)

    1. Schiller Kant – Kant Schiller
    Schiller, der Mensch im Idealismus tatsächlich als Subjekt. Der Mensch könne Geschichte machen, durch Jakobiner Terror als Folge der gescheiterten Revolution.
    Er reagierte auf Kant 1775 – 1820
    Das Erhabene bei Kant sieht Schiller darin, das der Mensch einer physischen Macht ausgeliefert ist. Der Mensch fühlt aber sich geistig in der Lage sich damit auseinander zu setzen.

    Sturm und Drang eine Folge der Aufklärung.
    Zur deutschen Systemphilosophie Schelling, Hegel, Kant gehört auch Schiller.
    Der Grundgedanke des Menschen ist die moralische Vervollkommnung (Harmonie, Metaphysisch) Die Vollkommenheit der von Gott geschaffenen Natur.

    Gott sich als liebendes Wesen erkannt. Der Mensch kultiviert diese Zuneigung.
    Die Frühromantiker, unter ihnen führend Novalis (Novalis war ein Schüler Schillers in Jena) erkennen eine Chiffrenschrift Gottes in der Natur. Eine Autorenschaft Gottes in den Linien in der Natur. Schriftzeichen die entziffert werden könnten, wenn wir die Sprache Gottes verständen.

    Der Glaube ist ein heißer Draht, eine Hybris. Das Verhältnis Mensch zu Gott.
    Furo Poetikus, Begeisterungslehre (Platon ION, sieht zwischen Finger) über die Gefühle; ist der falsche Weg. Der Dichter steht der Schöpfung näher.
    Mit dem Lesen von Kant macht Schiller mit dieser Auffassung Schluss.
    "der Pöbel gibt den Ton an" schreibt er in seiner Pöbelvorrede 1781 in der Ostermesse im Selbstverlag. Mitte der 90er Jahre beginnt er mit seinen Kantstudien und liest Russeaux Zivilisationskritik.
    Er erkennt: Innere Zufriedenheit ist Menschenfreundlichkeit.
    Idealismus ist bei Schiller immer gepaart mit Pragmatismus. Nicht ein romantisches nach inneren Werten sich zurückziehen.

    Der Philosophische Kopf: vereinigt. - Der Brotgelehrte: trennt.
    So hat er die Wahrheit immer mehr geliebt als ihr System:
    " in seinen Göttern malt sich der Mensch "
    "breiter wird die Welt und kürzer wird das Brot "

    Er sieht im Genius den Schöpfer der Kunst. Kant ist ihm zu rigoros, er sieht das spielerische und die Neigung.

    2. Schiller seine Dichtung und Umgang mit seiner Ästhetischen Theorie
    Die vorsprachlichen Quellen geben keine Auskünfte, selbst sind sie lückenhaft und leere Strecken in der Überlieferung. Der Gang der Welt ist fließend und der Gang der Weltgeschichte ist im Missverhältnis und nur die Wellen sind beleuchtet.
    Verstand verkettet zum Ganzen. Rückwärts Schluss und Licht, Analogieschlüsse.
    Stoff und nach eigener, vernünftiger Natur zu ordnen. Erscheinung zu Gedanken und logischen Ketten. Ursache und Wirkungsketten als Mittel und Absicht.
    Eine idealistische Geschichtsphilosophie. Die Absicht z.B. ein vereintes Europa durch Napoleon.
    Hinzu kommen:
    Schlözers Universaltheorie
    Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit
    Kants Idee zu einer Allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht

    Schiller schrieb an Goethe zum Wallenstein:
    "gewöhnlicher Hausverstand ist Prosa
    Einbildungskraft ist Lyrik und Dichtung!"
    (er dichtete den Wallenstein um in Knittel und Jambus)

    mit Wallenstein beginnt die klassische Periode 1796 –1800
    Hegel schreibt: mit Wallenstein beginnt der Nihilismus:
    Der Glaube an die Sterne ist verloren
    Ewiger Geist , Weltgeist ist so nicht sichtbar

    Schiller meinte das der Welt durch die Kunst zu helfen sei: phantastischer Geist – gemeines wirkliches Leben; Götter – Himmel.
    Er bezieht sich auf Aristoteles, das Drama, das Orakel: das sich das nicht erfüllen möge. Ende – Überlegenheit der göttlichen Weltordnung vom göttlichen Handeln (menschliche Hybris) dem göttlichen Willen auszuweichen. Nach der Aufklärung, statt dem göttlichen die Vernunft, die menschliche Ratio.
    Der Mensch ist in der Lage die Geschichte zu verändern durch Vernunft
    Goethe: der Glaube an die Sterne ruht auf dem dunklen Gefühl eines Weltganzen.

    In Wallenstein lässt Schiller Seni den Sterndeuter sagen: ..jetzt brauch ich keine Sterne mehr!
    "Wir" sind in der Realität angekommen!
    Und Wallenstein sagt: "Es gibt keinen Zufall .. und : da siehst du wie die Sterne dir gelogen"
    bezieht sich auf die Naivität
    Der Wachtmeister in Wallenstein sagt: Ich weiß, wie das mit den Sternen ist: da kommt ein graues Männlein, mit einem grauen Röcklein, der Mann kann durch die Wände gehen und immer wenn das graue Männlein kommt passiert etwas.
    Wallenstein meint: der Teufel ist nicht in den Sternen, der Teufel ist in dir.
    Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst schreibt Schiller und Goethe verbessert: sei die Kunst!

    Das Erhabene bei Kant und Schiller, Schillers Schönheit zur Freiheit

    Schillers Funktion Kunst und Dichtung in einer Zeit nach dem Scheitern der Revolution

    Das Schöne überträgt Schiller (zum Schönen bei Kant) als Ausdruck der Freiheit.
    Das Erhabene ist für Schiller, abgesehen von der körperhaften, sichtbaren, erkennbaren Welt ein Erheben des Menschen über seine Natur.
    Das Schöne bindet uns an die Idee. Das Erhabene befreit uns davon.
    Bei Kant erhebt sich der Mensch über die Sinnlichkeit und ruft Ideen im Wahrnehmenden hervor.
    Bei Schiller ist das Erhabene eine Befreiung aus der sinnlichen Welt.
    ein Entfliehen. Dem hermetischen zu entfliehen. Die Einbildungskraft entflieht dem hermetischen. (das vollbringt die Vernunft mit ihrer rhetorischen Verdichtung, ihrem Streben nach Hermetik und der Deviation vom Realen dem Ausstieg aus dem abgeschlossenen dem Unwirklichen) das Reale aus einem sicheren Ort zu betrachten. These: Das eskapistische ist deshalb gerechtfertigt, weil es für die Zeit eines Gedankens von der Realität ablenkt.
    Schillers eigenwilligen Verbindung von Klassischem und Modernen im Geiste des Erhabenen.

    das Erhabene bei Kant =
    das Erhabene als "Erhebung" über die Sinnlichkeit.
    das Erhabene bei Schiller = das Erhabene als "Ausgang aus der sinnlichen Welt"

    Besinnungslosigkeit und Begrenztheit einen Gegenstand mit dem Eindruck zu umfassen und andererseits unsere Überlegenheit
    Schiller hielt die Kantische Ästhetik als subjektiv-rational.
    Schiller medizinische-, militärische - Ausbildung, Kant Lektüre, Ästhetik und Poetik.

    Schiller sieht den Anspruch auf das Ästhetische Vergnügen, glaubt aber an den Untergang des Schönen:
    Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget, / Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. / [...] Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle, / Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
    Bis Schiller einsieht, dass die fortschrittliche Dichtkunst nicht mehr nach dem Modell des Schönen gedeutet werden kann, sondern durch Konflikt und Abstand vom Ideal gekennzeichnet ist, wie er in seiner zweiten weltbewegenden philosophischen Untersuchung Ueber naive und sentimentalische Dichtung ausführt.

    Aber das Leben ist im Grunde so fatal ernsthaft, dass es nicht zu ertragen wäre ohne solche Verbindung des Pathetischen mit dem Komischen. (Heinrich Heine Ideen. Das Buch Le Grand)

    3. Die Dichtung Schillers und das Erhabene
    Schiller schrieb 1793 das dritte Stück der neuen Thalia, darin vom Erhabenen
    1791 in der zweiten Hälfte des Januar. Er war fortgesetzt krank, begann er mit dem Kantstudium, das er 1794 im Juni/Juli fortsetzte. Am 13.6.1794 bat er Goethe und Kant um Mitarbeit an den Horen, die Kant am 30.3.1795 freundlich ablehnte.

    Hegel notiert 1800-01 über den Wallenstein: Es ist ein trauriges verstummen. Das Stück endet; es ist alles aus. Nicht einmal als Anklage an Gott, es ist Nihilismus, es ist NICHTS. Der Blick ins Chaos, der Blick in den Abgrund.
    Die klassische Tragödie. Er Einzelne scheitert, das Allgemeine wird erhoben.

    Schiller dichtet in seinem Wilhelm Tell: die Idee der Freiheit als Naturrecht. Der Vertausch von Naturstand mit dem Stand der Verträge und dem Gesetz ( hier geht es um das Thema das Napoleon in die Schweiz einmarschiert). Der Naive Mensch ist in seinem Handeln mit der Natur eins.

    Zu (in "über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen" in sämtl. Werke Bd. 5 hersg. von Gerhard Fricke + Herbert G Göpfert Mchn 1980 570-669)

    4. Schillers Abgrund
    Die Ausbildung des menschlichen Empfindungsvermögens
    hiervon erhofft Schiller die Freiheit des Menschen durch ästhetische Erziehung.
    Sinnlichkeit die gilt es für ihn zu bekämpfen. Das Genie muss den Stoff durch die Form vertilgen
    Kant: Das Genie, das der Kunst die Regel gibt. Ursprünglich aber will Schiller ein Gleichgewicht von Sinnlichkeit und Vernünftigkeit.
    Kategorischer Imperativ verbietet zu lügen, zu stehlen oder Unrecht zu tun.
    Schiller folgt dem elevantorischen Imperativ: ästhetischer Imperativ. : Tiere unterscheiden, schädlich und nützlich über Schmerz oder Unlust. Der Mensch kennt Recht und Unrecht und gut und schlecht. Dies verlangt Reflexion. Der elevatorische Imperativ, reines Wohlgefallen – höheres Wesen,. Das hängt mit der Konstitution des Menschen als Mensch zusammen.
    Diese Ausbildung des Empfindungsvermögens (Veredlung) verlangt eine Verabschiedung des unmittelbar sinnlichen. Wir sollen uns nicht mehr sinnlich, sondern allein ästhetisch verhalten. Schiller lobt die schönen Künstler dafür, das sie "Keine Bedenken" haben der Materie "Gewalt anzutun". Die Kunst ist nur Oberfläche und Schein des Sinnlichen, nur Schattenwelt von Gestalten, Tönen und Anschauungen.

    Vor dem Abgrund, warten auf das Phänomen, das Sich-an-ihm-selbst-zeigende, das Seiende zeigt sich was es an ihm selbst nicht ist, das Helle. Das Scheinbare scheinende.
    Wir treten vor den Abgrund und erkennen uns selbst zum ersten mal. Die Leere unserer Zukunft nehmen wir im Anblick vorweg.
    Einsamkeit, Schweigen, Geburt mit uns selber alleine.
    "Denken in den Abgrund unseres Denkens" Traum und Rausch sind Triebe der Natur am Abgrund der Vernunft unserer Natur.
    Wie beim überschreiten der Grenze des Abgrunds in Traum und Rausch aus beidem etwas Neues entsteht. Durch diese Anerkennung der Natur bringen wir es ans Licht.

    6. Dichterische Zitate über das Erhabene ( Schiller und Platen ):

    An die Astronomen

    Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen,
    Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?
    Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume,
    Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.

    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 155. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63830 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 253)]

    Der erhabene Stoff

    Deine Muse besingt, wie Gott sich der Menschen erbarmte,
    Aber ist das Poesie, daß er erbärmlich sie fand?

    [Schiller: (Xenien und Votivtafeln), S. 145. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 64224 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 259)]

    An Denselben

    Wo der Gehalt doch steckt in dem Drama, verlangst du zu wissen?
    Nirgend, so wahr Gott lebt, für ein gemeines Gemüt!
    Zwar nicht Jeder vermag das Erhabene vorzuempfinden;
    Aber ein Tropf, wer's nicht nachzuempfinden vermag.

    Aus : Der Verbrecher aus verlorener Ehre
    Eine wahre Geschichte
    Von Friedrich Schiller "Jetzt stand ich allein vor dem Abgrund, und ich wußte recht gut, daß ich allein war. Die Unvorsichtigkeit meines Führers entging meiner Aufmerksamkeit nicht. Es hätte mich nur einen beherzten Entschluß gekostet, die Leiter heraufzuziehen, so war ich frei, und meine Flucht war gesichert. Ich gestehe, daß ich das einsah. Ich sah in den Schlund hinab, der mich jetzt aufnehmen sollte; es erinnerte mich dunkel an den Abgrund der Hölle, woraus keine Erlösung mehr ist. Mir fing an, vor der Laufbahn zu schaudern, die ich nunmehr betreten wollte; nur eine schnelle Flucht konnte mich retten. Ich beschließe diese Flucht - schon strecke ich den Arm nach der Leiter aus - aber auf einmal donnerts in meinen Ohren, es umhallt mich wie Hohngelächter der Hölle: ,Was hat ein Mörder zu wagen?' - und mein Arm fällt gelähmt zurück. Meine Rechnung war völlig, die Zeit der Reue war dahin, mein begangener Mord lag hinter mir aufgetürmt wie ein Fels und sperrte meine Rückkehr auf ewig. Zu gleich erschien auch mein Führer wieder und kündigte mir an daß ich kommen sollte. Jetzt war ohnehin keine Wahl mehr. Ich kletterte hinunter.

    Am Abgrund leitet der schwindliche Steg,
    Er führt zwischen Leben und Sterben,
    Es sperren die Riesen den einsamen Weg,
    Und drohen dir ewig Verderben,
    Und willst du die schlafende Löwinn nicht wecken,
    So wandle still durch die Straße der Schrecken.

    Es schwebt eine Brücke hoch über den Rand
    Der fürchtbaren Tiefe gebogen,
    Sie ward nicht erbauet von Menschenhand,
    Es hätte sichs keiner verwogen;
    Der Strom braust unter ihr spat und früh,
    Speit ewig hinauf, und zertrümmert sie nie.

    Es öffnet sich schwarz ein schauriges Tor,
    Du glaubst dich im Reiche der Schatten,
    Da tut sich ein lachend Gelände hervor,
    Wo der Herbst und der Frühling sich gatten,
    Aus des Lebens Mühen und ewiger Quaal
    Möcht' ich fliehen in dieses glückseelige Tal!

    Vier Ströme brausen hinab in das Feld,
    Ihr Quell der ist ewig verborgen,
    Sie fliessen nach allen vier Straßen der Welt,
    Nach Abend und Mittag und Morgen,
    Und wie die Mutter sie rauschend gebohren,
    Fort fliehn sie, und bleiben sich ewig verlohren.

    Zwei Zinken ragen in's Blau der Luft
    Weit über der Menschen Geschlechter,
    Drauf tanzen umschleiert von goldenem Duft
    Die Wolken, die himmlischen Töchter,
    Sie halten dort oben den einsamen Reihn,
    Da stellt sich kein Zeuge, kein Sterblicher ein.

    Es sitzt die Königin hoch und klar
    Auf unvergänglichem Throne,
    Die Stirn umkränzt sie sich wunderbar
    Mit Diamantener Krone,
    Drauf schießt die Sonne die Pfeile vom Licht,
    Sie vergolden sie nur und erwärmen sie nicht.

    Hoffnung
    Von Friedrich Schiller
    Lange vor dem Philosophen Ernst Bloch (1885-1977) hat bereits Friedrich Schiller (1759-1805) "das Prinzip Hoffnung" entdeckt. Von der Geburt bis zum Tod treibt die Hoffnung den Menschen an; und selbst angesichts des Grabes gibt er sie nicht auf. Die Suche "nach einem glücklichen goldenen Ziel" ist in der kollektiven Gesellschafts- wie in der Individualgeschichte eine zentrale Antriebskraft. Die dritte Strophe resümiert in einer Gedankenfigur dieses Hoffnungsvermögen als anthropologische Konstante.

    Es reden und träumen die Menschen viel
    Von bessern künftigen Tagen,
    Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
    Sieht man sie rennen und jagen.
    Die Welt wird alt und wird wieder jung,
    Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

    Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
    Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
    Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
    Sie wird mit dem Greis nicht begraben;
    Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
    Noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.

    Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
    Erzeugt im Gehirne des Toren,
    Im Herzen kündet es laut sich an:
    Zu was Besserm sind wir geboren,
    Und was die innere Stimme spricht,
    Das täuscht die hoffende Seele nicht.

    Schillers Gedicht ist im Frühjahr 1797 entstanden, als der Dichter einige Erfolge verzeichnen konnte. Seine großen philosophisch-ästhetischen Werke hatte er gerade abgeschlossen und sein geliebtes Zeitschriftenprojekt "Die Horen" hatte sich gerade etabliert; in dieser Zeitschrift erschien auch der Erstdruck seines Gedichts. "Zu was Besserm sind wir geboren": Das ästhetische Temperament Schillers war auch in den folgenden Jahren mit diesem Gedanken verbunden.

    Schiller Abgrund

    Vor dem Abgrund ist die Zukunft
    Was hinter uns liegt ist bekannt, das haben wir gesehen

    Wo der Mensch, der Gottes Ratschluß prüfte?
    Wo das Aug, den Abgrund durchzuschaun?
    [Schiller: Gedichte (1776-1788), S. 65. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63510 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 47)]

    Aber flüchtet aus der Sinne Schranken
    In die Freiheit der Gedanken,
    Und die Furchterscheinung ist entflohn,
    Und der ewge Abgrund wird sich füllen;
    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 26. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63701 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 204)]

    Findet der trübe Gram, findet die Sorge dich nicht,
    Liebend halten die Arme der Mutter dich über dem Abgrund,
    Und in das flutende Grab lächelst du schuldlos hinab.
    Spiele, liebliche Unschuld! Noch ist Arkadien um dich,
    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 88. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63763 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 243)]

    Welches Wunder begibt sich? Wir flehten um trinkbare Quellen,
    Erde! dich an, und was sendet dein Schoß uns herauf!
    Lebt es im Abgrund auch? Wohnt unter der Lava verborgen
    Noch ein neues Geschlecht? Kehrt das entflohne zurück?
    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 117. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63792 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 234)]

    In die Tiefe mußt du steigen,
    Soll sich dir das Wesen zeigen.
    Nur Beharrung führt zum Ziel,
    Nur die Fülle führt zur Klarheit,
    Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.
    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 269. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 63944 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 227)]

    Am Abgrund leitet der schwindligte Steg,
    Er führt zwischen Leben und Sterben,
    [Schiller: Gedichte (1789-1805), S. 372. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 64047 (vgl. Schiller-SW Bd. 1, S. 416)]

    Doch, unerbittliches Licht dringt ein;
    Und vor mir dehnt es sich,
    Öde, voll Entsetzen der Einsamkeit;
    Dort in der Ferne ahn ich den Abgrund;
    Darin das Nichts. -
    [Storm: Gedichte (Ausgabe 1885), S. 165. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 67860 (vgl. Storm-SW Bd. 1, S. 187)]

    68. Ein Abgrund ruft dem andern

    Der Abgrund meines Geists ruft immer mit Geschrei
    Den Abgrund Gottes an: Sag, welcher tiefer sei?
    [Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann, S. 69. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 667 (vgl. Angelus-SW Bd. 3, S. 14)]

    Hinein in deine tiefste Selbstversenkung,
    In Platons Abgrund mutig dann hinein!
    Da schaust du in dem wilden Weltengraus
    Mit Götterblicken aus dir selbst heraus,
    [Arndt: Gedichte, S. 634. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 3047 (vgl. Arndt-Werke Bd. 1, S. 307)]

    Schiller I

    Ins Leben durch Trauer und Finsternis
    erzogen ohne Geist und Herz

    Schlechter Anfang für große Geister
    da braucht man gute Freunde

    Aufbau von Innenwelten
    Arbeitsames Weimar
    schwere Lesestoffe
    klassisches Weimar

    Ins Leben durch die Finsternis
    Kurz aufblühend immer im Schatten
    eines Großen. Eines Übergroßen

    unterbewertet – immer
    Nicht allen zugänglich
    Schwer zu sprechen. Verkannt, Verkanntes Genie

    Manfred H. Freude

    Schiller "Lang lebe der König"

    "Lang lebe der König" damit spannt sich sein Bogen zwischen Kunst und Freiheit; es ist kein bogen, es ist ein Pfeil. Von der Kunst durch die Dichtung in die Freiheit mitten in Herz. Ins Herz des größten Dichters der Freiheit. Er ruft nicht "Lang lebe der König". Die Dichtung selbst scheint zu rufen " Lang lebe der König". Vielleicht merkelt etwas an dieser Geschichte? Vielleicht haben wir vergessen die verstorbenen Dichterfürsten zu krönen, wer weiß? Das klassische Weimar eins der letzten Königreiche für Dichter. Ich liebe Schiller ein Leben lang - . Erspare ich mir den Lebenslauf, erspare ich mir unzählige Zitate, erspare ich mir den Namen Goethe und lasse Schiller aus seinem Schatten ans Licht. Wir betreten ein großes Haus, ein Haus mit vollen Räumen. Literarische und philosophische Räume des Schriftstellers und des Theaterautoren, des Kritikers und Dichters. Seiner Balladen und seiner Dramen. Wer war dieser Schiller? Ihn zu kennen heißt, sein Leben zu kennen. Das Kind will Pfarrer werden, studiert alles ringsum. Die Räuber führen ihn nach unten, nach oben, und fort. Schiller kein Dichter, kein Dichter für die ganze Welt. Sein komplettes Werk "open source ". Es ist nicht mehr möglich in sein Werk einzugreifen, noch zu übernehmen, noch weiterzuführen. Keine Worte des Glaubens. Der Mensch wird in Ketten geboren und vom Pöbel niedergehalten. Freiheit? Wovon? Wieso? Freiheit nur in der Idee?
    Das Erhabene bei Kant und Schiller, Schillers Schönheit zur Freiheit

    Schillers Funktion Kunst und Dichtung in einer Zeit nach dem Scheitern der Revolution

    Das Schöne überträgt Schiller (zum Schönen bei Kant) als Ausdruck der Freiheit.
    Das Erhabene ist für Schiller, abgesehen von der körperhaften, sichtbaren, erkennbaren Welt ein Erheben des Menschen über seine Natur.
    Das Schöne bindet uns an die Idee. Das Erhabene befreit uns davon.
    Bei Kant erhebt sich der Mensch über die Sinnlichkeit und ruft Ideen im Wahrnehmenden hervor.
    Bei Schiller ist das Erhabene eine Befreiung aus der sinnlichen Welt.
    ein Entfliehen. Dem hermetischen zu entfliehen. Die Einbildungskraft entflieht dem hermetischen. (das vollbringt die Vernunft mit ihrer rhetorischen Verdichtung, ihrem Streben nach Hermetik und der Deviation vom Realen dem Ausstieg aus dem abgeschlossenen dem Unwirklichen) das Reale aus einem sicheren Ort zu betrachten. These: Das eskapistische ist deshalb gerechtfertigt, weil es für die Zeit eines Gedankens von der Realität ablenkt.
    Schillers eigenwilligen Verbindung von Klassischem und Modernen im Geiste des Erhabenen.

    Kurz :
    in einem Wort das Erhabene bei Kant =
    Brustwarze = das Erhabene als "Erhebung" über die Sinnlichkeit.

    das Erhabene bei Schiller =
    Eskapismus = das Erhabene als "Ausgang aus der sinnlichen Welt"

    Besinnungslosigkeit und Begrenztheit einen Gegenstand mit dem Eindruck zu umfassen und andererseits unsere Überlegenheit
    Schiller hielt die Kantische Ästhetik als subjektiv-rational.
    Schiller medizinische-, militärische - Ausbildung, Kant Lektüre, Ästhetik und Poetik.

    Schiller sieht den Anspruch auf das Ästhetische Vergnügen, glaubt aber an den Untergang des Schönen:
    Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget, / Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. / [...] Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle, / Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
    Bis Schiller einsieht, dass die fortschrittliche Dichtkunst nicht mehr nach dem Modell des Schönen gedeutet werden kann, sondern durch Konflikt und Abstand vom Ideal gekennzeichnet ist, wie er in seiner zweiten weltbewegenden philosophischen Untersuchung Ueber naive und sentimentalische Dichtung ausführt.

    Aber das Leben ist im Grunde so fatal ernsthaft, dass es nicht zu ertragen wäre ohne solche Verbindung des Pathetischen mit dem Komischen. (Heinrich Heine Ideen. Das Buch Le Grand)

    Schiller

    Vom Körper verabschiedet
    Was ist das Leben?
    Alles beengt auch der Schmerz
    Alles Eschatologie
    Wie Rinde Blatt und Reflexion
    Nur was tot ist weiß
    Von Kalt und Dunkel
    Das ganz natürliche eben

    Auch Schweigen muss sterben
    Noch wo
    Kein Grab
    Ist nur der Ruhm der bleibt
    Ein Denkmal das im Wind kommt
    Und vergeht
    Verhaucht die Seele

    Es liebt der Körper
    Die Liebe schmerzt
    Das ist das Leben
    Ist das das Leben?
    Schädelbasis

    Aachen, 2007-09-06
    © 2007 MANFRED H. FREUDE

    Schiller Abgrund
    Vor dem Abgrund ist die Zukunft
    Was hinter uns liegt ist bekannt, das haben wir gesehen

    68. Ein Abgrund ruft dem andern

    Der Abgrund meines Geists ruft immer mit Geschrei
    Den Abgrund Gottes an: Sag, welcher tiefer sei?
    [Angelus Silesius: Cherubinischer Wandersmann, S. 69. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 667 (vgl. Angelus-SW Bd. 3, S. 14)]

    Hinein in deine tiefste Selbstversenkung,
    In Platons Abgrund mutig dann hinein!
    Da schaust du in dem wilden Weltengraus
    Mit Götterblicken aus dir selbst heraus,
    [Arndt: Gedichte, S. 634. Die digitale Bibliothek der deutschen Lyrik, S. 3047 (vgl. Arndt-Werke Bd. 1, S. 307)]

    Was heißt und zu welchem Ende kann man heute Schiller lesen?

    Lieben – ja, aber wer, wer kann ihn schon lesen oder sprechen?

    Schiller Der erhabene Stoff

    Der erhabene Stoff
    Deine Muse besingt, wie ein Gott
    sich der Menschen erbarmte,
    Aber ist das Poesie, dass er
    erbärmlich sie fand? Xenien + Votivtafeln

    Die Muse besingt. Die Muse, die nicht ich ist noch du noch ein anderer. Die Muse die den Dichter schützt vor den Fragen. Sie ist da, wie ein gewisser Wilborn schrieb, die Tatsache zu verschleiern, das das Gedicht an niemand gerichtet ist.

    Sing mir den Zorn oh Muse Homer Ilias 1. Satz.

    Ein Gott der in Menschengestalt zu den Menschen kommt mit einem Schwarm seiner Musen.
    Verändert als Gott das allgemeine Leben; die Herstellungspraxis (poiesis) der Ziele der Menschen zum Schönen und Guten (dem Schöngutsein, kalok agathia) verwirrt der Gott dem Menschen die Sinne.
    Diesen Zustand verändert die Aufklärung mit Kant und Schiller. Der Mythos des Apollinischen und Dionysischen weicht dem Verstand und der Reflexion

    bei Platon in ION sagt Sokrates: 534 b:..der Dichter pflückt aus Hainen der Musen nicht durch Kunst Schönes sagend sondern durch göttliche Schickung jeder nur schön zu dichten vermögend, wozu die Muse ihn treibt ;in Euripides Bakchen heißt es ab 877: Was ist Weisheit? oder was gibt es für eine schönere Gunst von Göttern in den Augen der Menschen, als die Hand über dem Haupt der Feinde machtvoll zu halten? Was schön ist, lieb ist´s uns immer. Langsam zwar, doch unfehlbar erhebt sich die Göttliche Macht;
    n also immer das Schöne, die göttliche Macht aber erhebt sich.

    http://www.blog.de/admin/b2edit.php?action=edit&post=20228634#

  • Hinter dem Sprechen liegt Nichtsz

    Interpretation des Titels:
    Hinter dem Sprechen liegt Nichtsz.
    Wir gehen aus, von dem Buch Schwaigen&Nichtsz, und dort bedeutet eine jede Aussage Unsinn, genauer: nicht Unsinn eines Clowns, sondern der „andere Sinn“. Der Grund der Aussage, ist dieses verrückt sein vom eigentlichen Sinn.
    Hinter dem Sprechen, diese Frage nach der Frage: Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? Die interessiert nicht. Diese Frage ist selbst Unsinn. Zu beurteilen, ob hinter dem Sprechen eine Gewohnheit ist? Sprechen ist noch keine Kommunikation!
    Das Sprechen ist nun eine Aussage, die zunächst leer ist. Was steckt dahinter? Was ist hinter dieser Aussage? Dort ist das Nichtsz, also nicht nichts, vielmehr etwas, das noch nicht bezeichnet werden kann. Es geht um ohnehin offene Begriffe. Der Verstand (der danebensteht) versteht (abseits von dem, was dort steht) den verrückten (verschobenen) Sinn. Hinter dem Sprechen dieses Nichtsz ist eigentlicher Sinn. Dieser muss auf einen Träger treffen um verstanden (Verstand) zu werden. Man könnte auch sagen hinter dem Sprechen liegt das Sein, der Grund des Sprechens. Nichts geschieht ohne Grund, auch nicht das Sprechen, also was liegt dem Sprechen zugrunde? Ist der Gedanke aussprechbar oder aufzuschreiben, oder liegt vielmehr das Verständnis für den Gedanken im Interpreten, sodass der eigentliche Gedanke, niemals zu vermitteln ist?
    Wenn man spricht, so ist nicht dies meine Behauptung, das der Sinn, der hinter dem Sprechen ist zum Verständnis des Sprechens (des Gesagten) notwendig ist. Denn, wäre es so, dann würde ich ja wirklich sagen man redet nur Quatsch, also fehlerhaft, man wäre also der Sprache nicht mächtig. Aber ich sage ja, dass ein anderer Sinn hinter dem Sprechen liegt. Im Gegensatz zur Kunst, wo die Aussage im Werk liegt, liegt beim Sprechen die Aussage hinter dem Werk, der Ausführung. Sprechen ist kein Ergebnis dieses intellektuellen Pols von Sprache. Das Ergebnis ist eine Kombination aus Denken, Sprechen, Hören und wieder Denken, also dieses Denken zwei Mal. Eine Übertragung sozusagen von einem Flussufer zum Anderen. Es ist jedoch dieses Verstellen eines Kunstobjektes. Das Werk verstellt sich in den Menschen und der Mensch in das Werk, Verstellen hier im Sinne von Verständnis und auf das Sprechen hin im Sinne von Verrückt-Sein. Auch nicht diese Lösung von Bedeutung, was sollte der Satz bedeuten, sondern „mit allen Sinnen verstehen“. Das Datum, in dem ich einen Satz sage, ist ein anderes, ob ich es heute sage oder etwa aus dem Mittelalter nehme. Dieses Menschenwerk von Sprechen der Jahrtausende weist hin auf ein anthropologisches Sprechen. Was macht das Sprechen mit dem Menschen, wohin führt es den Menschen und was bringt es dem Menschen. Sprechen können alle Menschen, wenn auch nicht alle an dieser Evolution durch die Sprache, oder sagen wir genauer an der Dichtung teilhaben. Alles, was an Sprache war und geblieben ist, soweit uns die ältesten Schriften überliefert, sind (es fehlt ja ein ganzer Teil) hilft, dieses Menschenwerk von anthropologischem Sprechen zu vollenden. Also man denkt nach und spricht, alles innerhalb der Gesellschaft und der Menschen, dann folgt diese Emanation, ein Überfließen von Sinn, und dann ist der Text da. Und ob ich bis dahin spreche, dialogisch mit Bäumen, Pflanzen, Vögeln, Tieren oder einer Steinwand, das ist bis zu dieser Stelle gleich-gültig. Und wenn der Andere den Satz, den Text, als eine große Idee sieht oder erkennt, so ist diese zwischen den Menschen entstanden und kam nicht irgendwo vom Himmel (von Gott). Denn das Sprechen als, ich sage Un-sinniges, braucht doch erst seine Inkarnation, also Fleischwerdung um Gedanken symbolhaft realistisch werden zu lassen.
    Alle diese geschriebenen Bücher die es gibt, die kann man zitieren und heranziehen und die Menschen sagen dann, ja, da steht es, das gab es schon mal. Aber das was neu gesagt wird, dazu braucht es Ideen. Man muss sich erst einmal Gedanken machen zu dem was hinter dem Sprechen liegt, dieses entweder oder. Entweder gab es das schon mal, oder es ist neu. Also Nichtsz. Denn was soll denn diese Frage gabs oder gabs nicht. Schon ist man von der eigentlichen Aussage weg.

    Dienstag, 7. April 2015
    © Manfred H. Freude

  • Eskapistenlyrik

    Der fliegende Robert

    Eskapismus ruft ihr mir zu,
    vorwurfsvoll.
    Was denn sonst antworte ich
    bei diesem Sauwetter! –,
    spanne den Regenschirm auf
    und erhebe mich in die Lüfte.
    Von Euch aus gesehen,
    werde ich immer kleiner und kleiner,
    bis ich verschwunden bin.
    Ich hinterlasse nichts weiter
    als eine Legende,
    mit der ihr Neidhammel,
    wenn es draußen stürmt,
    euern Kindern in den Ohren liegt,
    damit sie euch nicht davonfliegen.

    1980 schrieb Hans Magnus Enzensberger das Gedicht:

    Aus dem «Struwwelpeter», dem Kinderbuch von Heinrich Hoffmann von 1845, wagt sich der kleine Robert, allen Warnungen zum Trotz, bei Regen und Sturm hinaus ins Freie. Er trägt, einen Regenschirm. Der Sturm packt ihn, und der Junge verschwindet als der «Fliegende Robert» in den Himmel.
    Eskapismus, wie ihn Hans Magnus Enzensberger im Gedicht beschreibt.
    (Aus diesem Eskapismus in diesem Gedicht erwächst eine Eskapistenlyrik.)
    Für Enzensberger wagt sich der Robert, davonzufliegen.
    Die Gesellschaft missachtet sein Verhalten.
    Er verhält sich anders, als erwartet, verhält sich nicht nach ihren Normen. Eine Deviation, ein abweichendes Verhalten gegen die kantische Modalität. Einfach so davonzufliegen, statt einfach hier zu bleiben. Und sich den Aufgaben zu stellen. Den Aufgaben die ihm, von der Gesellschaft, aufgegeben. Mache deine Aufgaben! Heißt es. Du musst deine Arbeiten machen!
    Einfach so davonzufliegen. Wo kämen wir da hin. Und doch (kein Auswandern, kein Exil, nicht dieses emporschwingen nach dem Studium ins Ausland) nur ausweichen, einfach entfliehen.
    Eskapismus ist die lakonische Diagnose der Gesellschaft mit ihren Politikern, Anwälten, Richtern, Psychologen. Fliehen vor den An-Forderungen so nennen sie das. Kein Mitmachen, kein Engagement. Heraustreten aus der Gesellschaft, der Norm, der Formation. Diese Kritik erfolgt von Links.
    Sie galt für die Klassiker, die Romantiker wie auch für die 68er. Jenen die nicht linientreu zur Fahne, zur linken Fahne standen und entflohen und trotzdem das Parteibuch hielten.
    Solidarität war gefragt kein Eskapismus.
    Es wagt sich das Gedichtete, der „Dichte Gedanke“, das Gelesene, allen Warnungen des Dichters zum Trotz, bei (Gewalt) Regen und (Kampf) Sturm hinaus ins Freie. Der Gedanke trägt, einen Regenschirm. Der (Kampf) Sturm packt ihn, und der Gedanke verschwindet als der «Fliegende Eskapismus» im Himmel.
    Dem Robert aber stört das nicht. Für ihn ist es nicht mehr als richtig, dass er sich bei diesem Sauwetter davonmacht. Er entzieht sich dem allgemeinen Klima und erhebt sich mithilfe seiner Fantasie in die Lüfte.
    In Wahrheit sind sie doch alle nur neidisch auf ihn.
    Den Erziehern entkommen. Eltern, Lehrern die mit ihren Parolen nur von Ihren Fehlern ablenkten und dressieren, disziplinieren wollten.
    Freiheitsberaubung, darauf wollte Robert sich nicht einlassen.
    Der Zögling hatte sich ent-zogen.

    Der Leib ist die Bleibe, in der sich der Leib befindet.
    Das Haus ist mit dem Leib verbunden.
    Im Haus gewöhnt sich der Leib im Raum. Niedrige und hohe Decken sind sinnliche Leiblichkeiten für Verletzbarkeiten.
    Alles Metaphern, alles Metaphern wie Schäume und Sphären.
    Um dem Körper nicht zu entfliehen, brauchen wir keinen Verstand, wir brauchen eine zweite Haut.

  • Was ist Interpretation?

    Was ist Interpretation?

    Detaillierte Erklärung der Metrik eines Gedichtes mit allen wunderbaren Details und Definitionen über Sprache, Form, Rhythmus, Reim hasse ich und liebe es gleichzeitig sehr.
    Es macht mir große Freude diese Analysen zu lesen, es ist mir ein eigenes Gedicht. Aber ich frage mich immer, was soll das? Wofür wozu?
    Es bedeutet nichts und ist nichts. Wie die Legende eines Computerdokuments oder der Name auf einem Grabstein. Geboren und gestorben. Alles sagt, spricht und Nichts.

    Das Wort
    war beim Dichter, solange er lebte. Nach seinem Tod ergriffen es die Interpreten, als sie sein Haus plünderten, warfen es aus dem Fenster für alle. Kein Wort blieb ungeschoren. Die Hunde rissen sich um es. In Fetzen mit ihm! Das Wort schrie. Einige legte man auf Samt. Andere wieder trat man in den Staub. Das Wort hat weder Freunde noch Verwandte. Das Wort ist, wie der Wind der kommt und geht und weht, mal hier mal da.

    Dichten ist Hoffnung.
    Pantheus der vorausdenkende Epimetheus der Nachdenkende Pandora erhielt von Zeus eine Büchse (Unheil) Prometheus durch Feuer an den Felsen gekettet Epimetheus nahm Pandora zur Frau aus der Büchse trat Unheil, Krankheiten und Mühsal. Nur die Hoffnung blieb als Trost für die Menschen. Dichter befreien ihr Denken von den Fesseln des Prometheus.

    Den Dichter nimmt man auseinander. Man wühlt in seinem Müll. Durchstöbert seine Abfalleimer und Papierkörbe. Jeder Kern und jedes benutzte Taschentuch ist ein Indiz.
    Kriminalgeschichte. Kriminalarbeit. Der Dichter Opfer oder Täter oder beides?

    Diese ewigen Analysen, Interpretationen, Kommentare. Seine erste Rede zum Meridian warf Paul Celan in den Papierkorb. Wie soll man da weiterforschen?
    Man muss mit dem dichter arbeiten statt hinter seinen Gedichten, statt den Dichter zu hinterfragen, in Interpretationen und Kommentaren.

    Ich merke: Ich arbeite wie Celan. Nach meinem Tod braucht man unter das Gesamtwerk Celans nur zu notieren: Freude dito. Aber Notizen? Wenig, kaum Notizen.
    Horaz schreibt in Satiren 4: „So wirst du doch niemals ob auch in Stücken zerrissen, einen Dichter entdecken“ je mehr wir Begriffe öffnen, desto weiter entfernen wir uns (auch vom Dichter) vom Anfang.

    Die Kunst der Rede, die Kunst des Wortes beginnt auf den Marktplätzen. Bei den Valerios, den Ausrufern, den Marktschreiern, nicht nur bei denen, die das Wort führen, die mit ihren Worten die Jugend verführen; jenen, die rufen „Es lebe der König“ wie die derer die den Tod des Königs herbeireden.

    Bezug nehmend auf Literaturhinweise und die nächste Interpretation und so fort zeigt sich die Qualität eines Gedichtes an dessen Interpretationen. So kann aus einem ... Gedicht ein gedichtwissenschaftliches Meisterwerk werden. Bedeuten nun wenige Literaturhinweise, dass das Gedicht, noch wenig interpretiert wurde oder der Interpret eine Qualität besitzt, die es ihm erlaubt, nur wenige Literaturhinweise zu benötigen? Wie wissenschaftlich fundiert ist seine Interpretation mutmaßt er nur oder begibt er sich auf der Basis nachweislicher Erkenntnis aus dem Leben des Dichters?

  • Kopilot

    Gott schuf den Menschen, zum Piloten der Welt, und wurde selbst zum Kopilot.

    4.4.15 MHF

  • Geräusche

    Geräusche.
    Klopfen, Hämmern, Audio, Atmen, Schweigen.
    Klang des Windes.
    Klopfen des Piloten.
    Hämmern der Crew.
    Schreien der Passagiere.
    Krachen auf die Felsen.
    Aufnahmen des Voice Rekorders
    Atem des Kopiloten
    Stille der Herzen
    Laute der Menge.
    Diskussion der Medien
    Schweigen der Massen.

    26. März 2015
    © Manfred H. Freude

  • Wieso es kein Ich gibt.

    Interpretation, wieso es kein ich gibt.

    "Der Liebende blickt in einen Spiegel, in dem er sein Selbst entdeckt."
    Platon (427 - 348 od. 347 v. Chr.)
    Da wir unser Ich bereits verloren haben, sind wir nur noch die Erzeugnisse, zu denen wir uns selbst gemacht haben. In dem Moment, wo die Menge um ihre Freiheit kämpft, schlägt sie über den Rand.
    Carl Gustav Jung:
    Wer in den Spiegel des Wassers blickt, sieht allerdings zunächst sein eigenes Bild. Wer zu sich selber geht, riskiert die Begegnung mit sich selbst. Der Spiegel schmeichelt nicht, er zeigt getreu, was in ihn hineinschaut, nämlich jenes Gesicht, das wir der Welt nie zeigen, weil wir es durch die Persona, die Maske des Schauspielers, verhüllen. Der Spiegel aber liegt hinter der Maske und zeigt das wahre Gesicht. Dies ist die erste Mutprobe auf dem inneren Wege, eine Probe, die genügt, um die meisten abzuschrecken, denn die Begegnung mit sich selber gehört zu den unangenehmeren Dingen, denen man entgeht, solange man alles Negative auf die Umgebung projizieren kann.
    C.G. Jung, Bewusstes und Unbewusstes

    Wir können immer nur den Horizont als eine Grenze aus unserer Perspektive betrachten, wobei der Horizont sobald wir uns bewegen nicht der gleiche bleibt. So ist auch unsere Position zum Horizont nicht die gleiche und verändert, so wie der Fluss verändert und wie das Ufer verändert auf dem wir zu stehen glauben. Unser Standpunkt und unsere Position ist nicht festzulegen.
    Es ist natürlich auch dieses Problem des Mittelpunktes, zu vermeintlich parallelen Welten. Wo stehen wir eigentlich? Gibt es unsere Welt wie diese Welt der Ideen Platons?
    Fichte: Ich bin ich und die Welt ist nicht ich. Die Kämpfe finden stets mit dem anderen ich, z. B. dem ich des Grippevirus, oder der Killerdrohne statt. Es scheint wichtig zu sein, das wir die Grenzen zu einem anderen Ich erkennen. Auch wenn dieses andere Ich wir selbst sind. Der Mensch würde kein Nicht ich mehr kennen.

    Doch wo Descartes stabile Denkgründe sieht, da tun sich für Pascal existenzielle Abgründe auf. "Ich weiß nicht, wer mich in die Welt gesetzt hat, und auch nicht, was die Welt und ich selbst sind. Ich weiß nicht, was mein Körper, meine Sinne, meine Seele und selbst jener Teil meines Ichs sind, der denkt. Ich sehe überall nur Unendlichkeiten, die mich wie ein Atom und wie einen Schatten einschließen. Alles, was ich erkenne, ist, dass ich bald sterben muss; doch was ich am wenigsten begreife, ist gerade dieser Tod, dem ich nicht entgehen kann."

    ~ Von Eulen, Egos und Welten ~
    Wer "Ich" denkt hat sich klein betrogen um die Welt -
    Der denkt nicht wirklich, ja der glaubt den kleinsten Rest.
    Die Eule der Minerva zirkelt trunken ihre höchsten Kreise -
    Und wenn die Tagesschlummerschwelle mit Glockenschalle rückt,
    Wenn jenes "Ich" noch königlich bei großen Dingen ruht,
    Wenn jenes "Wir" noch sanft von tausend Eitelkeiten träumt,
    Dann, wie ein Unfall überwältigt uns die Göttergabe Freiheit.
    Wenn Eule, "Ich" und "Wir" zu klaren Wassern wandeln,
    Wenn Wandel wie ein "Ich" erscheint und alle Dinge fallen,
    Dann steigen gleichsam ungeahnte Tiefen um uns auf -
    Dann schauen wir als Welt den Frieden wacher Ganzheit.
    Wer Wahrheit will, muss seine ganze Falschheit schultern
    Und eine falsche Welt ist immer leicht der erste Schritt.
    Wer "Ich" denkt und dabei ein Lügen weiß -
    Der sieht die hohen Eulen fliegen, wo stetig eine Welt entspringt.
    (Daniel R. Kupfer 2013)

    Wenn der alte Goethe allerdings von der Kollektivität seines Ichs spricht, dann findet darin keineswegs ein Gefühl der eigenen Wichtigkeit, kein Narzissmus seinen Ausdruck, sondern eher artikulieren sich am Ende eines langen Lebens eine Demut und eine Bescheidenheit, die so gar nicht zu einer Deutung Goethes

    Nach Descartes kann Sein als solches nicht vernommen werden, für Kant ist es kein reales Prädikat in Urteilen und für Hegel ist Sein der abstrakte Begriff, der inhaltlich ebenso leer und unbestimmt ist wie der Begriff des Nichts.

    Pascal, Blaise Gedanken über die Religion Erster Teil: Gedanken, die sich auf Philosophie, Moral und schöne Wissenschaften beziehen 8. Gründe einiger Volksmeinungen 18.
    Wenn sich ein Mensch an das Fenster setzt um die Vorübergehenden zu betrachten und ich gehe da vorbei, kann ich sagen, dass er sich dahin gesetzt hat um mich zu sehen? Nein, denn er denkt nicht an mich besonders.
    Aber der, welcher ein Weib liebt um ihrer Schönheit willen, liebt er sie? Nein; denn die Pocken, die ihr die Schönheit rauben ohne sie zu töten, erden machen, dass er sie nicht mehr liebt; und wenn man mich liebt um meines Urteils oder meines Gedächtnisses willen, liebt man mich? Nein; denn ich kann diese Eigenschaften verlieren ohne auf zu hören zu sein.
    Was ist denn dies Ich, wenn es nicht im Leibe und nicht in der Seele ist? Und wie mag man den Leib oder die Seele anders lieben als um dieser Eigenschaften willen, die nicht das Ich machen, weil sie vergänglich sind? Denn würde man wohl die Substanz der Seele eines Menschen Abstract lieben, welche Eigenschaften auch an ihr währen? Das geht nicht und wäre ungerecht.
    Man liebt also nie die Person, sondern allein die Eigenschaften, oder wenn man die Person liebt, so muss man sagen, dass die Vereinigung der Eigenschaften die Person ausmacht.

    http://www.epubli.de/shop/buch/Wieso-es-kein-ICH-gibt-Manfred-H-Freude-9783844294200/37250

    Philosophie

    Sprache: Deutsch

    ISBN: 9783844294200

    Format: DIN A5 hoch

    Seiten: 88

  • Tödlicher Frieden

    Diese Aktualität. Das ständig auf dieser Welt etwas passieren kann. Das Menschen gegen Andersgläubige ihre Waffen richten. Das Krankheiten, plötzlich vom Himmel fallen. Alles ist Unmachbar. Daraufhin weist dieses Gedicht:

    TÖDLICHER FRIEDEN

    Tödlicher Frieden der tauben Panzer
    Die rollen und rollen
    Nicht wissend wohin noch woher

    Und in den Straßen
    Und auf den Plätzen
    Spielen die Kinder der Landser
    Mit Holzpferden und Steinkreuzen

    Die Armen und die Doofen sind geblieben
    Die Anderen zog es zum Meer
    Wo man den Horizont noch sieht
    Den Horizont, der einem so fehlt

    Ihr Lacher lacht noch lächerlicher
    Glaubt weil ihr im Blut gebadet
    Ganz getaucht in schwarzem Blut
    Ihr wäret unverwundbar wunderbar

    Hört ihr nicht die Wellen, rufen singend
    Seht ihr nicht die Wälder, brennen fressend
    Warum schweiget ihr noch
    Die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten

    ****** Autoreninfo *******
    Manfred H. Freude geb. in Aachen
    Aachen, 2004-01-07

    Krieg & Frieden, Gedanken, Escapistenlyrik, Allgemein, Nachdenkliches, Gefühle, Trauer + Verzweiflung, Weltpolitik

    Tödlicher Frieden ISBN: 3-86703-111-8 D 15,00 €
    Tödlicher Frieden - Gedichte - Poesie der Ruinen - Nur die Zukunft sehen
    ISBN: 3-86703-111-8
    1. Auflage 2006_09 bei Engelsdorfer Verlag
    Preis: 15,00 EUR
    © 2004 MANFRED H. FREUDE

    Tödlicher Frieden
    Zur Interpretation
    Tödlicher Frieden der tauben Panzer
    Die rollen und rollen
    Nicht wissend wohin noch woher
    Die Panzer rollen und keiner weiß, woher, von wem bestellt und wohin ist ihr Ziel.

    Und in den Straßen
    Und auf den Plätzen
    Spielen die Kinder der Landser
    Mit Holzpferden und Steinkreuzen
    Und in den Straßen läuft das Leben, als sei nichts gewesen.

    Die Armen und die Doofen sind geblieben
    Die Anderen zog es zum Meer
    Wo man den Horizont noch sieht
    Den Horizont, der einem so fehlt
    Nur wer Geld hat, flieht vor der Realität, kann es sich leisten.

    Ihr Lacher lacht noch lächerlicher
    Glaubt weil ihr im Blut gebadet
    Ganz getaucht in schwarzem Blut
    Ihr wäret unverwundbar wunderbar
    Manche glauben es kann ihnen nichts geschehen.

    Hört ihr nicht die Wellen, rufen singend?
    Seht ihr nicht die Wälder, brennen fressend?
    Warum schweiget ihr noch
    Die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten.
    Aber es gibt noch Naturkatastrophen.

    Was alles jederzeit und überall passieren kann.
    Oft verwechselt alleine mit Kriegen. Aber Kriege sind immer, jederzeit, überall. Ständig, überall, immer. Die ständig, immerwieder irgendwo und überall stattfinden. Das Gedicht mit allen Kriegen verwechselt, wohl wegen der Panzer, die taub zu sein scheinen? Taub, wodurch? Taub, wogegen? Ständig wird gewarnt. Von allen Seiten. Wovor? Wofür? Wieder das Vergessen? Wieder das Vergessene? Gibt es Krieg? Gibt es Streit? Gibt es endlich Frieden? Das Gedicht beginnt mit etwas, das unveränderlich fortbesteht. Sind die Kriege und die Frieden menschlich, Artefakte? Oder sind sie natürliche Erscheinungen? Wie Unwetter oder Dürren? Alles Fragen. Alles unbeantwortet. Und das Gedicht? Unbeantwortet stellt es die Frage „was kann geschehen? Immer. Jetzt.“ Der intelligente Mensch versagt. Da gibt es nichts wissenschaftlich zu interpretieren. Er steht vor seinem Urteil. Einem Oxymoron. Widersprüchlich, different, paradox. Er spricht aus Angst. Wie der große Dompteur. Wissend, dass der Tiger niemals beißt, dass er immer spielen will. Historisch rollen die tauben Panzer immer. Ab und an löst sich ein Schuß, mitten im Frieden. Ein Attentäter, ein Amokläufer ein Verrückter. Was soll da noch erklären? Der Mensch könnte an seinem Mörder im stillen Tunnel vorbeigehen. Der Mensch erkennt, wenn der Strand ins Meer zurückgeht, ist Gefahr. Es ist nicht mehr schön. Die Kinder sind mit der Geschichte geboren und aufgewachsen. Sie spielen, doch glauben alle an die Unverwundbarkeit. Ihnen wird an diesem Ort nichts geschehen. Tödlicher Frieden. Aber was geschieht? Sie wurden gebadet wie Siegfried im Blut der scheinbaren Unverwundbarkeit. Aber niemand ist unverwundbar. An irgendeiner Stelle klebte das Pflaster der Unverwundbarkeit. Dort ist man verwundbar. Die Natur ruft ihre grausamen Kräfte herbei. Der Mensch, der in der Wüste, lernte seine Häuser nicht mitten in die Oase zu bauen, um diese nicht zu zerstören. Nun baut er seine Villen mitten in die Wälder. Wälder brennen immer. Das ist ihre Natur. Der Mensch wird sich nicht ändern. Das ist seine Natur. Er versucht, die Natur zu ändern. Hinzurichten auf eine neue Schöpfung. Das Gedicht tödlicher Frieden (welches auch dem gleichnamigen Buch seinen Titel gab), wird fast ausnahmslos falsch interpretiert. Man schwankt, bei der Interpretation, zwischen Krieg und Frieden. Das ist falsch! Dies passiert auch berufsmäßigen und geübten Kritikern, Lesern, Poetologe, Sprachphilosophen. Auch wenn das Gedicht, stellenweise von Landsern, Panzern spricht, so handelt es bei genauerem Hinsehen, Hinhören und Betrachten, um diese alltägliche Situation einer Katastrophe, gleich welcher Art, die jedem von uns, zu jeder Sekunde treffen kann. Auch am ruhigsten Urlaubsort kann uns eine explodierende Bombe treffen, sowie eine tödliche Monsterwelle. Das Haus, in dem wir uns gerade befinden, kann sich selber in ein tiefes Erdloch stürzen. Es kann sich zu jeder Zeit die Erde öffnen von Vulkanen oder Erdbeben. Der Regen kann uns, ganze Häuser und Autos wegspülen. Immer und überall kann etwas passieren. Immer und überall kann plötzlich das Friedliche ins Tödliche umschlagen. Die Idylle zur Ruine werden. Das ist Sinn des Gedichtes Tödlicher Frieden. Der Tödliche Frieden. Hier wird immer Krieg angenommen. Dass der Krieg tödlich ist, ist wohl schwer zu bezweifeln. Aber es geht hier um Frieden. Nur der Frieden kann tödlich sein; der Krieg ist per se tödlich (nur tödlich und niemals untödlich). Der Frieden hat an sich friedlich zu sein, doch dies täuscht. Frieden ist so wenig friedlich wie Krieg tödlich ist. Attentate, Naturkatastrophen, Mitte, Dunkel, Dämmerung, Leere, innen, unsichtbare Tornados, Wellen, Wüsten, Tsunami, Feuer, Brandung, Vulkane, Erdbeben, Explosionen, Straßenkämpfe, Schüler, Hacker, Terroristen, was noch? Unsere eigenen menschlichen Aggressionen, ob als vermeintliche Friedensstifter oder als Krawallmacher. Das friedliche Nebeneinander, unsere aufgezwungene freundliche Toleranz, schamlos ausgenutzt, wie die Natur, der wir arglos begegnen an Traumstränden von urplötzlichen Wellen, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen überrascht. Begegnen wir unserem Leviathan. Begegnen wir auf der Stille der Friedhöfe nur unseren Toten. Die Sekunden der Stille vor der Atemwende des Todes. Zu dem Gedichtband geht mehrdeutig der Beweggrund hervor. Zunächst zu dem Text, dieser Anlass, dass verstärkt berichtet wurde, dass die gebräunte Gesellschaft sich nun aufmachte, diesen Tag wieder in ihre Reihen zu bekommen und Aufmerksamkeit zu fordern, die sie auch in jedem Fall wieder erreichte, weil sie ständig zu allen unpassenden Gelegenheiten präsent ist. Solange keine Gegenbewegung erfolgt, bekommt diese haarlose Gesellschaft ihre Plattform, ob negativ oder positiv, sie kommen leider in die Schlagzeilen. Zu seinen Gedichten, die Freude zu diesem Thema geschrieben hat. Da erübrigt sich auch ein Kommentar, was den Dichter hier bewogen hat. Das bewegt gewisse Herren in der Schweiz, in Lichtenstein und am Gardasee sicher nicht. Es gehört aber immer wieder aufgetischt und verstärkt in die Aufmerksamkeit. Das Thema wird leider viel zu sehr, so einfach hingenommen. Zu dem Gedicht Auslandeinsatz ist zu sagen, dass es bei dem ersten Auslandseinsatz, der Abstimmung im Bundestag geschrieben wurde. Wie weit wir heute mit unseren Auslandseinsätzen sind, ist bekannt. Fuß um Fuß, bewegen wir uns weiter in die Kriegsgebiete, und schaffen es, dass wir in fremden Weltmeeren, nun mit riesigen Kriegsschiffen kleine aber umso schnellere Piratenboote jagen. Kapitän Hook lässt grüßen und von den Kriegsgebieten kommen die Särge und die Öffentlichkeit nimmt nichts war, oder heißt es wahr? Bei allen Themen von Tod und Frieden geht es um Berichterstattung und um das Wegsehen. Wir sind doch blind für die Dinge, die geschehen. Selbst bei Amokläufern sehen wir nicht hin, sondern suchen uns Begründungen, die unser Gewissen beruhigen; mit denen wir leben können. Den wahren Grund wollen wir doch nicht sehen. Der ist bei blindwütigen Mördern, Terroristen und totalitären Personen gleich. Wir aber trennen fein. Beim Trennen in grüne, weiße und braune Flaschen, bleiben es doch immer Flaschen. Wir sehen aber nur die Farbe. Dies ist hoffentlich eine kleine Einführung in eine Interpretation, das reicht fürs Erste als Erklärung. Weiteres ergibt sich aus seiner kompletten Arbeit. Im Übrigen hat er einen einzelnen Band herausgebracht, mit dem Titel: tödlicher Frieden. Hier geht es darum, dass es im Allgemeinen, keine Sicherheit gibt. Auch nicht in der Natur. Leider werden der Titel und auch einige Gedichte, wie das Gedicht Tödlicher Frieden, oft als einen Text, alleine wider den Krieg oder wider das Vergessen, angesehen. Es geht aber darum, dass wir zu keiner Zeit, zu keiner Sekunde sicher sein können, weder vor Krieg noch vor Erdbeben noch vor Amokläufern noch vor Hauseinstürzen. Wir leben einfach gefährlich. Na, wenn das keine neue Botschaft eines Dichters ist. Wir leben in gefährlichen Zeiten; der Lachende hat die furchtbare Nachricht nur noch nicht empfangen … der dort ruhig über die Straße geht ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde, die in Not sind? Aber nun spricht das Gedicht von den Armen und den Doofen, die noch geblieben sind. Dies war immer schon so. Die Reichen gingen ständig fort. In der dunklen Zeit nannten Sie sich Emigranten (Brecht, Brand, Mendelssohn, Thomas und Klaus Mann). Andere mussten bleiben und aushalten. In Zeiten der Finanzkrise verschwand das Geld mit den Menschen auf Traumboote, Traumschiffe und Trauminseln. Im Vorwort zu seinem Buch Tanz der Heuschrecken Einige dieser Bekannten sitzen heute im Gefängnis oder residieren in Luxusorten an der Cote d Azur, auf den Bahamas oder in der Schweiz. Es scheint auch schlimme Ereignisse zu geben, die uns als Katastrophen erscheinen wie der plötzliche Unfall oder Tod eines Prominenten?

    Meteoriteneinschlag
    Hat ein Meteorit eine ausreichende Größe und Geschwindigkeit, wird bei seinem Einschlag eine so große Menge des Meteoriten- und Erdgesteins als feine Partikel in die Atmosphäre geschleudert, dass sich eine Staubschicht um die Erde legt, die fast jede Fotosynthese und damit letztlich fast alles Leben auf der Erde unmöglich macht. Für das Massenaussterben am Ende der Kreide gilt ein Meteoriteneinschlag als Ursache für äußerst wahrscheinlich (Kreide-tertiär-Grenze), für die übrigen steht ein solcher Beleg noch aus.
    Vulkanismus
    Starker Vulkanismus kann durch die in die Atmosphäre geblasene Asche die Sonneneinstrahlung behindern und zu einer Eiszeit führen. Andererseits können durch Vulkanismus auch ausgestoßene Treibhausgase (z. B. Kohlendioxid) eine globale Erwärmung verursachen, die ihrerseits weitere Treibhausgase freisetzen kann (z. B. Methan aus Methanhydrat durch einen deutlichen Temperaturanstieg in den Ozeanen). Eine derartige Entwicklung hin zu einem gigantischen Treibhauseffekt wird als Ursache für das Massensterben am Ende des Perm vermutet.
    Klimawandel
    Durch einen abrupten Klimawandel, insbesondere durch eine Eiszeit, kann großflächig Lebensraum verschwinden.

    Luftangriff auf einen Markt in Syrien, Anschlag auf einen Gottesdienst im Irak, Selbstmordattentat in Afghanistan, Raketen auf Israel, Explosion in Südrussland
    Katastrophen (Umsturz) und Geschichten mit anderer Einstellung zur Wirklichkeit. Die Pranke der Natur, die Natur die Einfluss hat.
    Vesuv Ausbruch, 365 Tsunami westlich von Kreta, Erdbeben nahe Byzans, Pest Justitianpest, Julian Apostata 363 J.n.Chr., Finanzkatastrophen (wie Jesus Brot wird Geld vermehrt) 1.Jh. vor Chr. Mikradatis brachte Rom ins Wanken erst Finanzkrise, dann Diktatur, der dicke Plinius war zu nah am Vesuv, 79 nach Chr. brannte der Vesuv, und Rom brannte unter Nero, Persepolis 930 n.Chr. Das Unerwartete. Feuersbrunst Crassus reichster Mann Roms Feuerwehr,

    Erdbeben von Lissabon das Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755 zerstörte zusammen mit einem Großbrand und einem Tsunami die portugiesische Hauptstadt Lissabon fast vollständig. Adorno sah eine Analogie zwischen dem Erdbeben von 1755 und dem Holocaust; beide Katastrophen seien so groß gewesen, dass sie die europäische Kultur und Philosophie zu transformieren vermochten.
    Die Brücke am Tay Theodor Fontanes Ballade Die Brück' am Tay handelt vom Einsturz der Firth-of-Tay-Brücke in Schottland am 28. Dezember 1879, der mit einem Eisenbahnzug 75 Menschen in den Tod riss. Choleraepidemie in Haiti ab 2010.
    2014 Ukraine,
    Gaza,
    Gräuel in Syrien,
    Ebola,
    IS Massaker im Irak
    Mord und Totschlag in der Ukraine
    Boko-Haran Bluttat in Nigeria

  • Hochstadt es reicht

    Hochstadt es reicht, es spritzt, es flitzt, es zittert, ich spür es flirren, ich hör es klirren, es fällt, es schüttet, es fuhr, es rüttelt, es blitzt, es blinkt, es drückt, es ringt, von den abgerissenen Gliedern, von den abgeschnittenen Lidern, hält noch fest was längst schon lose, blutverschmiert und abgebissen, Kuppeln, Nippel, Nasenspitzen, Nägel, die in Häute ritzen, glatt und weich und perlengleich, Samen, die in Erde kamen, rund und glatt und abgeschnitten, Von der Nase zu den Titten, kam die Schönheit angeritten, Kratzer prägten, festgehalten, Schweiß und Tränen aufgespalten, blank rasiert den Blick gehalten, in der Nacht der Lichtgestalten, Nervenäste zum Zerplatzen, Zauberwesen voller Fratzen, Träume, die an Fenster kratzen, Dorfmusik gespielt von Atzen, hormongeschwängert in den Wochen, Hitzefühler vor dem kochen, Träume, die zusammenbrechen, Mädchen unter Ebereschen, Welse, die im Wasser liegen, Vögel, die im Himmel fliegen, blank rasiert mit frischen Düften, mit Gedanken in den Lüften, Riementesten festgehalten, Worte, die den Text gestalten, auf den Bänken lauter Damen die mit ihren Gatten kamen, Reime von dem Meister Goethe, vorgespielt auf seiner Flöte, Träume, die uns hier verbinden, dass wir ewig wieder finden, einen schönen neuen Reim, bis er klebt wie Flüssigleim, Atem hart wie Felsgestein, einer Puppe fehlt ein Bein, und im Magen steigt der Hunger, es entspannt ein Bock ein junger, und vom Himmel treffen Blitze, eben auf die Kirchturmspitze, doch wir sind hier nicht alleine, alle kamen auf die Beine, Fühlten, hier ist ihre Pflicht, hier beginnt es das Gedicht, und an Weßlings schönem See, stand die Muse, eine Fee, fragte nicht was wollt ihr hier, ging nach Hochstadt in den Stier, denn dort saßen sie die Richter, und sie schauten auf die Dichter, und diesen dort mit einer Hupe, den nahmen sie unter die Lupe, dessen Gedichte man nicht kennt, dieses war: nur ein Moment.

    © Manfred H. Freude

  • Gebt die Bücher frei!

    Gebt die Bücher frei.
    Immer mehr hört man, dass Bücher in privaten Bücherregalen gefangengehalten werden.
    Gebt die Bücher frei. Bücher haben Freiheit verdient. Das Booking-hording greift zu einer messihaften Verwahrlosung um sich. Sondereinheiten von Polizei, Schlüsseldiensten und Bibliothekaren mussten schon Wohnungen und Häuser öffnen, aus denen der Gestank alter Bücher nach draußen drang. Lasst Bücher nicht einsam sterben. Gebt ihnen ein neues zu Hause, eine Aufgabe, ein neues Leben. Kein Mensch hat das Recht, Bücher alleine aufzubewahren. Gefährdete und süchtige Personen sollten sich lieber einen Ebook-reader anschaffen. Der ist auch in hohem Alter noch geruchslos.

    Montag, 9. März 2015
    © Manfred H. Freude

  • Sensationelle Entdeckung: Bisher Unbekannte, „letzte“ Nietzsche Handschrift gefunden!

    Sensationelle Entdeckung: Bisher Unbekannte, „letzte“ Nietzsche Handschrift gefunden!

    London: Stellen sie sich vor sie sitzen im Theater von Athen, in Griechenland 450 v. Chr., und beobachten eine Komödie des Aischylos. In London wurde, worüber bisher nur leise geflüstert wurde, nun eine bislang unbekannte Handschrift zu einer bisher nur geplant geglaubten Kompilation Nietzsche contra Wagner und der Gedichte Dionysosdithyramben gefunden, die überarbeitet zur Veröffentlichung war. Mit vielen, bisher unbekannt gebliebenen Hinzufügungen, sind die entdeckten Blätter versehen. Sie befinden sich im ausgezeichneten Zustand. Die Handschrift scheint aus der Zeit eines beginnenden Größenwahns um 1888/1889 zu sein, wahrscheinlich aus kritischer Zeit nach Turin und der Zeit während seiner Rückkehr zur Mutter. Gleichzeitig fand man bei den Handschriften einen Brief des Franz Rosenzweig von 1918. Es wurde bisher nur soviel bekannt, dass es um die Beziehungen Nietzsches zu Wagner geht. Sein Sprachrhythmus gleicht der Musik Wagners. Sein Ton ist schwülstig und von falschem Pathos. Von seiner Veröffentlichung erhofft man völlig neue Erkenntnisse über den „Stern der Erlösung“ und die Verbindung „Wagners contra Nietzsche“. Das Nietzsche-Archiv erhebt Ansprüche auf dieses Werk. Die Bekanntgabe erfolgte über eine Londoner Anwaltskanzlei. Eine Erbin, Tochter eines 1938 nach London emigrierten Musikwissenschaftlers ( welcher wohl Kontakt hatte mit den Ärzten, Otto Binswangers aus der Psychiatrische Universitätsklinik in Jena, der dort die Leitung hatte als Nietzsche 1888 Patient war; so wie Julius Langbehns der 1889 einen Heilungsversuch wagte ) fand im Nachlass auf dem Speicherboden einen Koffer mit verschiedenen weiteren Handschriften. Unter anderem diese späte Nietzsche Handschrift. Eine genauere Herkunft der Blätter braucht wohl noch Jahre weiterer Untersuchungen. Nun soll das Werk in den Handel kommen. Es ist eine Frage ob alle Werke in England bleiben oder nach Deutschland gehen. Die Handschriften wurden bereits vor einem Jahr entdeckt. Inzwischen wurden sie von hochrangigen, Nietzsche Fachgrößen, erforscht. Allen Beteiligten Experten wird weiteres Stillschweigen empfohlen, um die weiteren Verhandlungen nicht zu stören.
    ... Mehr anzeigen
    Die Preisträger des Nietzsche Preises, schrieben einen öffentlichen Brief
    Im Streit um die neu-entdeckten Nietzsche Handschriften plädierten wie man aus gesicherten Quellen hört, anerkannte Wissenschaftler, für ein Moratorium – bis die Geschichte der Londoner Anwaltskanzlei mit ihrem Kontaktmann einem Germanisten auf dem Spezialgebiet Nietzsche (London), aufgearbeitet ist:

    Sehr geehrte Kollegen,
    in Ihren öffentlichen Äußerungen, zuletzt im offenen Brief an die Generaldirektion der Stiftung vom 10.02.2008, kritisieren Sie die bisher als »Nietzsche Kollektion« bezeichnete Handschrift in London und die Verweigerungshaltung »der« Familie des Nachlassers. Bitte verstehen Sie, dass wir zu den Aussagen Ihres Briefes nicht schweigen können, mit denen Sie verallgemeinernd über »die Enkel« des Philosophen Friedrich Nietzsche – und damit auch über uns – urteilen.
    Wir teilen Ihre Auffassung, dass es ohne eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die auch die Bereitschaft zu materiellen Konsequenzen umfasst, nicht möglich ist, einer »dunklen Seite eine hellere hinzuzufügen«, falls man überhaupt ein derart problematisches Ziel befürworten will. Und wir wissen, dass gerade die finanzielle Bereitwilligkeit in dieser Hinsicht jahrzehntelang versagt hat. Aber gerade dieses Wissen hat uns schon vor Jahren – nicht erst im Zusammenhang mit dem aktuellen Streit - um die neuen gefundenen Handschriften des großen Philosophen – veranlasst, einen anderen, eigenen Weg zu gehen, und zwar jenseits aller Öffentlichkeit.
    »Wir können das Verfahren mit den Handschriften als Veräußerungsprojekt in der jetzigen Form als Politikum nicht gutheißen«

    Es geht also darum, die Handschriften, für eine deutsche Stiftung Nietzsche oder zumindest für ein deutsches Museum zu sichern. Die Stiftung für deutschen Kulturbesitz hat ebenfalls ihre Ansprüche geltend gemacht. Man kann nur hoffen, dass alle Institutionen an einem Strang ziehen und das Projekt erfolgreich abwickeln. Aufgrund unserer besonderen Kontakte ist es uns gelungen, einen Auszug mit Genehmigung der jetzigen Besitzer aus der letzten Handschrift hier veröffentlichen zu können. Der Text: Akte eines Gottes, der hier einhundertachtzehn Jahre nach seiner Entstehung ans Licht kommt, gehört zu Nietzsches erhabensten und gewaltigsten Dichtungswerken. Jetzt hat auch dieses, wohl letzte Werk des Philosophengenies und Dichters, sein Geheimnis der Öffentlichkeit preisgegeben, und es wird noch viel Arbeit nötig sein, dieses Werk richtig einzuordnen. Von den vergeblichen Bemühungen für dieses, für den Druck vorbereitete Werk einen Verleger zu finden, ist nichts überliefert.

    Friedrich Wilhelm Nietzsche (* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen; † 25. August 1900 in Weimar) war ein deutscher Philosoph, Dichter und klassischer Philologe.

    Welterste Veröffentlichung, eines bisher geheim gehaltenen Dokuments aus der, 2007 aufgefundenen Handschrift:

    Akte eines Gottes
    Ich habe nun das Bild erkannt, seit ich in Gottes Auge sah.
    Sah ich mein Spiegelbild vor mir, und trat,
    Mit neuem Saft und frischem Blut hervor, aus anderer Welt.
    Die nur der Messe dienten: Schopenhauer und Wagner,
    Zu huldigen mir, dem Gott auf Erden -
    Sehe ich nur das Große.
    Was alt ist, ist vorbei, vergangen.
    Was herabfährt, fährt zur Hölle
    Was wäre ich ohne jene, die zu Lebzeiten,
    Vergöttert und Verstorben? Nichts!
    Es schaudert mich, und wenn ich stehen bliebe.
    Was soll ich schaffen? soll ich tun?
    Und noch eins: ist der Deutsche Geist so arm
    Und nicht geschaffen sich zu bilden?
    Und längst gestorben, trug ins Grab mich, Ariadne
    Und atme, Gram und Groll und Gruft
    Doch stieg ich höher nun, wer wird mich bewundern?
    Weiß ich genug vom Menschenwerk und wer ich war?
    Ich war das Genie! In meinen Nüstern sitzt das Genie!
    War geworden. Einzig wahr.
    Ewig bleibend, zeitlos wahr.
    Erinnern an meinen Namen als Dynamit
    Lässt doch dem Pöbel seine Not
    Der Täter zeigt nur Macht und Größe
    Und zeigt der Welt den starken Menschen
    Nur ich als Herrscher und als Schöpfer,
    Liegt meine Quelle an der Stirne so
    Ohne Gott, Kaiser, Papst und Vaterland
    Ist Gott auch tot, so lebe ich weiter
    Sterbend, siegend und vernichtend
    Werde ich ärmer sein,
    Liebe nur dem Leidenden, dem Hungernden
    Selbstverschenkend mich als Wahrheit …

    Auch wenn das alles etwas streng klingt, wird man feststellen, dass mit Befolgung dieser wenigen Regeln das Genie des Friedrich Nietzsche und die darauf folgenden Antworten nicht nur viel schmerzfreier sind, sondern ein sehr lockeres und humorvolles Miteinander ermöglichen werden. Garantiert wird hier seine Vita ein neues oder anderes "Bild" erhalten, ebenso wie man nach Herausgabe der Handschriften ungeahnt metapherreiche Varianten der Diskussion erleben wird.

  • FREUDE

    Freude

    Unter Freude verstehe ich nicht eine Temperamentbegeisterung, vielmehr eine allerhöchste Erfüllung und Bereicherung, indem sich der allgemeinste Zustand eröffnet. Dort, wo ich als Mensch ver-sage, wo sich meine, weltliche Tragik erfüllt, dort geschieht das Größte, indem ich losgelöst vom eigenen Bewusstsein, diese Empfindung des Absoluten erst möglich wird. Meine Grüße, diesen Gruß der ganzen Welt, als ein Funke der Apparition, die wie ein Blitz auftreten, der den barhäuptigen Dichter trifft, entsprechen einer Trauer, die eine Wende zum Freudigsten erst möglich macht. Nur wer das Gedicht lernt, lernt sein Leben zu dichten. Wenn Du das Gedicht erkennst, erkennst Du auch Dein Leben. Warum wir uns freuen? Eine falsche Frage. Mord, Vergewaltigung, Auslöschen ganzer Völker wie Naturkatastrophen schrecken die Toten. Aber die Lebenden, diejenigen, die dem Tod aufspielen? Spielt auf nun zum Tanz ... streicht dunkler die Geigen. Dass ich lebe, ist schrecklich und freudlos und das ich flüchtig denke, ich würde das furchtbare des Lebens besiegen, ist entsetzlich. Meine Freude entsteht im Verrücken aus einer Welt, die ich selbst nicht geschaffen habe. Wenn Freude selbst entsteht, wie das Licht im Dunkeln, trete ich geschunden aus dieser Welt. Wahn ohne Sinn, Freude dieser sinnlose Wahn. Trauerauseinandersetzung als die Ursache, wer aber klagt bereitet dem Schmerz sein Motiv. Wer trauert, vergisst schnell den Grund. Aber es dauert in der Trauer, die Welt der Freude zu finden. Freude geschieht trotz der Welt. Wir setzen keiner Welt, die uns traurig macht, Freude entgegen. Freude gibt es nicht von der Natur. Danach muss man streben und suchen. Kein „der Welt zum Trotz“ vielmehr ein: trotz der Welt, einer Welt, die uns traurig macht, Freude entgegenzusetzen. Unser Interesse besteht in der Vermeidung von Unglück, aber nicht in der Suche nach Freude, sondern vielmehr nach Glück. Ob wir mit dem Glück auch Freude erreichen, bleibt fraglich. Glück ist der Beginn der Trauer, dem Ende des Glücks. Freude beziehungslos zu äußeren Fällen, ist kein Eskapismus. Das Vernichtungslager stellt diese Frage nach dem Warum? Das Bild des Bösen, aber nicht den Bezug zur Freude. Freude kann unabhängig auf beiden Seiten sein. Beim Massenmörder, der Chopin hört und beim Geigespieler, der lebt. Spielt auf nun zum Tanz ... streicht dunkler die Geigen, wie es Paul Celan beschreibt. Von außen gesehen scheint es jedoch beim Geigespieler Glück; welches vielleicht auch der Massenmörder für sich in Anspruch nimmt. Freude jedoch ist Schutz vor dem uneingeschränkten Bösen. Das Böse ist nicht immer und ewig, wie auch wenige Naturkatastrophen endgültig sind. Auch der Rauswurf aus dem Paradies war schrecklich, aber vielleicht hatte Eva doch an dem Apfel ihre Freude? Das Böse ist eben banal, wie für Hanna Arendt, einfallslos und geistlos, weil es geschieht, so wie auch Freude geschieht. Das Glück unglücklich sein zu können, im Angesicht des Grauens und der Vernichtung ist das kleine Glück der Freude, grundlos erfüllt. Wer aber mitleidet, leidet mit, aber er teilt nicht das Leid, sondern vermehrt es. Erkennen, dass man Mensch ist, noch ein Mensch ist, das macht Freude. Aus nicht nachvollziehbarem Grund gibt es im Christentum kaum Freude (oft mit Nächstenliebe ausgetauscht), Freude wäre Menschlichkeit. Freude ist Realität, die zwischen dem existierenden und dem Nichtexistenten (dem Traum) zeitgleich, andauernd und abwesend vom Anderen wahrgenommen wird. Wer Glück hat, trennt sich vom anderen zum Erfreuen. Wer beschreibt detailliert, wie die Dinge um einen herum geschehen, ob im Lager oder im Salon (wie Proust) um sich selbst Zustände von Freude oder Zeit wachzurufen. Wie ich die Dinge sehe und erkenne, so scheinen sie auf mich. Freude im Abrücken von der Welt aufgelöst von mir entfernt als Eskapist.

    © Manfred H. Freude

  • Wie ich einem toten Hasen mein Gedicht erkläre

    Wie ich einem toten Hasen mein Gedicht erkläre. Es geht um die Dichtung. Es geht um die Sprache. Dichtung und Sprache der Narren. Nur der Verrückte steht zu sich im grundverschiedenen Betrachtenden. Das Gedicht ist der Punkt, geschaffen aus der Welt, etwas in der Welt zu erschaffen. Der tote Hase ist das bereits zerstörte Weltbild. Ihm gilt es, den Spiegel der Zerstörung vorzuwerfen. Wahrheit glänzt im schönen Gedicht. Es ist die Kunst der Dichtung, die erscheint. Wer den richtigen Abstand nimmt, dringt am tiefsten in das Innere eines Gedichtes ein. Das Gedicht als das Vorgestellte, diese Vorstellung des Dichters, vor das Gesicht des toten Hasen, zeigt das Wahre der Sprache im Verheimlichen des Zitates. Das Wort des Gedichtes weist transzendent über den geschriebenen Manuskripttext hinaus. Was an den gepriesenen Gedichten durch falsche Rezeption zerstört ist, ist das Tote des Hasen, das nun durch erläuternde Erklärungen diesem fruchtbar hinzugefügt wird. Es ist der Verstand des Verrückten.

    Dienstag, 22. April 2014
    © Manfred H. Freude
    Interpretation des Titels:
    Hinter dem Sprechen liegt Nichtsz.
    Wir gehen aus, von dem Buch Schwaigen&Nichtsz, und dort bedeutet eine jede Aussage Unsinn, genauer: nicht Unsinn eines Clowns, sondern der „andere Sinn“. Der Grund der Aussage, ist dieses verrückt sein vom eigentlichen Sinn.
    Hinter dem Sprechen, diese Frage nach der Frage: Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? Die interessiert nicht. Diese Frage ist selbst Unsinn. Zu beurteilen, ob hinter dem Sprechen eine Gewohnheit ist? Sprechen ist noch keine Kommunikation!
    Das Sprechen ist nun eine Aussage, die zunächst leer ist. Was steckt dahinter? Was ist hinter dieser Aussage? Dort ist das Nichtsz, also nicht nichts, vielmehr etwas, das noch nicht bezeichnet werden kann. Es geht um ohnehin offene Begriffe. Der Verstand (der danebensteht) versteht (abseits von dem, was dort steht) den verrückten (verschobenen) Sinn. Hinter dem Sprechen dieses Nichtsz ist eigentlicher Sinn. Dieser muss auf einen Träger treffen um verstanden (Verstand) zu werden. Man könnte auch sagen hinter dem Sprechen liegt das Sein, der Grund des Sprechens. Nichts geschieht ohne Grund, auch nicht das Sprechen, also was liegt dem Sprechen zugrunde? Ist der Gedanke aussprechbar oder aufzuschreiben, oder liegt vielmehr das Verständnis für den Gedanken im Interpreten, sodass der eigentliche Gedanke, niemals zu vermitteln ist?
    Wenn man spricht, so ist nicht dies meine Behauptung, das der Sinn, der hinter dem Sprechen ist zum Verständnis des Sprechens (des Gesagten) notwendig ist. Denn, wäre es so, dann würde ich ja wirklich sagen man redet nur Quatsch, also fehlerhaft, man wäre also der Sprache nicht mächtig. Aber ich sage ja, dass ein anderer Sinn hinter dem Sprechen liegt. Im Gegensatz zur Kunst, wo die Aussage im Werk liegt, liegt beim Sprechen die Aussage hinter dem Werk, der Ausführung. Sprechen ist kein Ergebnis dieses intellektuellen Pols von Sprache. Das Ergebnis ist eine Kombination aus Denken, Sprechen, Hören und wieder Denken, also dieses Denken zwei Mal. Eine Übertragung sozusagen von einem Flussufer zum Anderen. Es ist jedoch dieses Verstellen eines Kunstobjektes. Das Werk verstellt sich in den Menschen und der Mensch in das Werk, Verstellen hier im Sinne von Verständnis und auf das Sprechen hin im Sinne von Verrückt-Sein. Auch nicht diese Lösung von Bedeutung, was sollte der Satz bedeuten, sondern „mit allen Sinnen verstehen“. Das Datum, in dem ich einen Satz sage, ist ein anderes, ob ich es heute sage oder etwa aus dem Mittelalter nehme. Dieses Menschenwerk von Sprechen der Jahrtausende weist hin auf ein anthropologisches Sprechen. Was macht das Sprechen mit dem Menschen, wohin führt es den Menschen und was bringt es dem Menschen. Sprechen können alle Menschen, wenn auch nicht alle an dieser Evolution durch die Sprache, oder sagen wir genauer an der Dichtung teilhaben. Alles, was an Sprache war und geblieben ist, soweit uns die ältesten Schriften überliefert sind, (es fehlt ja ein ganzer Teil) hilft dieses Menschenwerk von anthropologischem Sprechen zu vollenden. Also man denkt nach und spricht, alles innerhalb der Gesellschaft und der Menschen, dann folgt diese Emanation, ein Überfließen von Sinn, und dann ist der Text da. Und ob ich bis dahin spreche, dialogisch mit Bäumen, Pflanzen, Vögeln, Tieren oder einer Steinwand, das ist bis zu dieser Stelle gleich-gültig. Und wenn der Andere den Satz, den Text, als eine große Idee sieht oder erkennt, so ist diese zwischen den Menschen entstanden und kam nicht irgendwo vom Himmel (von Gott). Denn das Sprechen als, ich sage Un-sinniges, braucht doch erst seine Inkarnation, also Fleischwerdung um Gedanken symbolhaft realistisch werden zu lassen.
    Alle diese geschriebenen Bücher, die es gibt, die kann man zitieren und heranziehen und die Menschen sagen dann, ja, da steht es, das gab es schon mal. Aber das, was neu gesagt wird, dazu braucht es Ideen. Man muss sich erst einmal Gedanken machen zu dem, was hinter dem Sprechen liegt, dieses entweder oder. Entweder gab es das schon Mal oder es ist neu. Also Nichtsz. Denn was soll denn diese Frage: gab es oder gab es nicht. Schon ist man von der eigentlichen Aussage weg.

    Samstag, 7. März 2015
    © Manfred H. Freude

  • Menschenautomat

    Menschenautomat

    Menschenautomat die Metamorphose des Menschen
    Ist die Metamorphose des Menschen tatsächlich möglich?
    Diese Verwandlung vom Menschen zum Automaten in der Matrix?

    Der Mensch ist ein überflüssiges Wesen, wird nicht gebraucht und wird von der Gesellschaft durchgefüttert, so oder so. Die Dinge sind nicht mehr für Menschen gemacht. Die Menschen sind die Diener der Dinge. Die ganze Geschichte der Menschheit war ein menschlicher Irrtum.

    Man geht zum Grunde. In einem gewissen Sinne zugrunde, zugrunde.
    Man arbeitet und kauft gleichzeitig.
    Wir wollen uns produzieren, das heißt unser innerstes Zeigen. Das gibt es aber nicht. Es gibt nicht dieses Ich, das sich selbst ist und somit zeigen kann.
    Wir müssen uns dem Anderen zuwenden, um in diesem Anderen unser sich selbst zum Ausdruck zu bringen.

    Der erste Menschenautomat war Götz von Berlichingen, als Prothesenträger mit eiserner Hand, ein Menschenautomat. Der heutige moderne Mensch ist als Prothesenträger bei den paralympischen Spielen angekommen.

    Maschinenphilosophie
    Die Bestie im Menschen (eine Lokomotive, bringt Soldaten an die Front) (Emile Zola)
    Naturalismus
    Mensch und Technik Leben Mechanik
    Maschine beflügelt, sie ist Teil des Lebens; Avatar.
    Maschinen heute dienen zur Erklärung des Lebens.
    Maschinen sind menschliches Handeln.

    Bergson: Begegnungen. Kommunikation nicht nur Mechanismus.
    Diese Majestät des Absurden, diese gebräuchliche Alltagssprache mit Ausdrücken. Es geschieht, gegen die Logik der Physik – zu verstehen ist, bedingt beim Rezipienten jenen Moment der „Atemwende“, in dem das „Medusenhaupt“ schrumpft und die „Automaten“ „für diesen einmaligen kurzen Augenblick“ versagen.
    Industriell wird die Kunst verwertet und es bleibt das Beliebige.

    Neue Felder
    Ursache
    Homo Faber der Mensch als Handwerker
    Individuum

    Unendlich, Groß und Klein.

    Macht ist suspekt ambivalent.
    Technik ist nicht gut oder böse, noch ist sie neutral.

    Politisch: Wer bestimmt über die Macht?
    Beziehung zur eigenen Natur
    Transhumanismus Argosmythos
    Mensch ist unvollendet und schafft seine Vollendung selbst.

    Ist das Gedächtnis verloren, wenn die Gebrauchsanweisung verschwunden ist?

    Ist eine Maschine ohne Funktion noch immer eine Maschine?

    Technolatrie Technophobie
    Wenn Maschinen nicht funktionieren, ist eine Katastrophe.

    Menschautomat.
    Buchdetails
    Buch-ShopBelletristik & Literatur → Allgemein
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783737516914
    Format: DIN A5 hoch
    Seiten: 192
    Altersempfehlung: keine Altersbeschränkung (0 - 99)
    Erscheinungsdatum: 18.11.2014
    http://www.epubli.de/shop/buch/Menschenautomat-Manfred-H-Freude-9783737516914/41685

    Dass der Mensch kein natürliches Wesen ist, sondern ein Artefakt, eine Maschine, ein homo-techné, ist unbestritten.
    Von Medizinern und Ingenieuren immerwieder bestätigt.
    Wie aber verhalten wir uns in Sklavenketten?
    Als Marionetten–Spielautomaten, auf unseren Bühnen?
    Wenn der Vorhang fällt; wenn das Licht ausgeht;
    Bleiben wir stehen.
    Wenn der Applaus niederschlägt, sind wir irritiert.
    Was ist noch Menschliches?
    Der Samen? Nein!
    Zum Verrücktwerden meinen Sie? Vielleicht.
    Vielleicht ist das Verrücktwerden die einzige Möglichkeit des Körpers mit etwas menschlichem zu konfrontieren.

    Was erwarten wir von unseren Kindern?
    Die im übrigen gezeugt wurden, in einem Vorgang, der bis in´s letzte Detail geklärt ist.
    Was, bitte schön, ist daran Natur, frage ich?
    Was übrigens ist Natur?
    Sie ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts.
    Gelehrte aus London, Paris, Berlin gingen in die Berge, in die Urwälder Afrikas und Asiens und erklärten den Eingeborenen: das alles sei jetzt Natur.
    Das wussten die noch gar nicht.

    Und heute? Alles umgegraben.
    Jeder Baum umgepflanzt, jeder Stein umgedreht.
    Bis auf 8000 m über Meereshöhe. Alles Himalaja, alles industrialisiert.
    Sieht man vom Weltall: Der Himmel ist schwarz.
    Schwarz und nicht blau (wie man von der Erde glaubt ).
    Und die Erde: Nichts von Natur.
    Selbst die Wolken die sich dort drehen –
    Dreck und Chemie.

    Und nun die Kinder von denen wir sprachen.
    Was haben die zu erwarten?
    Zunächst, wenn sie nicht schon von Geburt mit Schläuchen, Apparaten und Maschinen konfrontiert wurden, werden in die gleichen Anzüge gesteckt.
    Sie werden an die gleichen Ketten gelegt, die wir vorbereitet haben, ihre Beweglichkeit einzuschränken.
    Die Listen, die abzuarbeiten sind,
    Kindergarten, Schule, Beruf,
    vom Leben bis zum Tod, die sind fertig.
    Du sollst, du musst, du wirst.
    Raum für persönliche Freiheit ist 14 Tage Urlaub im Jahr. Industriemäßig natürlich.
    Wir schaffen eine Neue Welt?
    Bäume aus Beton die schöner sind, gleichsam die aus Holz die vorher da waren.
    Klima? Machen wir selber.
    Der Mensch, als Schöpfer seiner selbst und seiner Umgebung, ist der Schöpfer der Welt
    Aber dies nicht wie es gemeint, sondern: im wahrsten Sinn der Worte.
    Schöpferische Macht total.
    Lebenskunst ohne Selbstbegrenzung.
    Nicht aufzuhalten.
    Und dann die Frage nach der Wahl.
    Recht und Pflicht und Normen.
    Die Wahl ist bereits getroffen.
    Alles läuft ab. Die Maschine. Selbst unser Gehirn läuft weiter, ist nicht abzuschalten.
    Wir stimmen nur noch ab. Scheinwahlen.
    Wer war dafür und wer dagegen?
    Das Programm läuft.
    Es gibt keinen Schalter zum Ein- und Ausschalten.
    Es geht aber nicht um die literarischen oder filmischen Traumwelten von Zukunft.
    Von Golem bis Matrix, von Frankenstein bis Lara Croft.
    Es geht um uns, als reale Menschenautomaten.
    Kopien von Kopien.
    Alles Erscheinung statt Wirklichkeiten.
    Was sollen wir noch urteilen, wählen?
    Wenn wir doch wissen, das jeder Baum, jeder Berg, jede Wolke.
    Ja das jeder Mensch künstlich. Ein Kunstwerk, ein Artefakt ist.
    Der Mensch ist eine Maschine.

    Technisch betrachtet ist der Mensch Maschine geworden, ökonomisch betrachtet Ware.
    Die bürgerliche Aufklärung seit dem 18. Jahrhundert hat wahre Wunder bewirkt.
    Wir denken, dass wir denken. Dabei liegen wir fest. Wir wissen nicht, wer wir sind.
    Drüber müssen wir noch einmal nachdenken?
    Wir sind krankhaft unheimlich. Nichts geht ohne die richtige Medikation.
    Psychisch gestört müssen sich die Anderen vor uns schützen.
    E.T.A Hoffmans Olympia ist kein Mensch, sondern ein Automat, eine "leblose Puppe".
    Diese Täuschung erlebt Nathanael als eine Bedrohung seiner Identität so stark, dass sie ihn in den Wahnsinn und Tod treibt.
    Wer ist der Schlimmere, der Automat oder der Mensch? Oder der Menschenautomat?
    Der künstliche Mensch wird zum Roboter.

    ARTEFAKTE
    Der Mensch arbeitet, verdient Geld, bringt es zur Bank, aber die Frage ist hier, handelt er natürlich? Wächst sein Handeln natürlich? Oder wird das, was von seinem Handeln übrig bleibt, nämlich die Schulden, sind diese nicht die Folge der Tätigkeit, eines bewusst gemachten Handelns, seiner Performanz, welche als Artefakt, letztendlich von seinem menschlichen Tun zurückbleibt? Der Mensch verschwindet und das, was zurückbleibt, ist lediglich sein Schatten. Nach einem Atomblitz bleibt lediglich der Schatten eines Menschen auf den kahlen Flächen zurück. So, wie wir ein Artefakt als ein Fundstück am Strand finden, so betrachten wir das ökonomische Artefakt, den Kontoauszug auf ein Gemachtes, Hergestelltes, als die Addition des Lebens. Das Artefakt ist das, (sind die Fakten) was der Mensch zusammenträgt. Das, was der Messie zusammen sammelt. Jedes Teil seiner Sammlung ist ein Artefakt. Andere nennen es einfach Müll. So wie wir Kontoauszüge einfach als Müll bezeichnen. Nur, auf dessen Namen ein Guthaben ausgewiesen wird, für den ist der Kontoauszug kein Müll, aber das ist ein anderer Fakt. Zwischen Natur und Artefakt besteht nur ein kleiner Unterschied. Die Schuld des Menschen ist sein Artefakt. Im Zeitalter des Netzes wird es immer schwerer Artefakte zu hinterlassen. Das hinterlassene Buch als ein Artefakt. Alle Festlegungen und Begriffe sind vage. Wenn wir sagen kein Buch mehr, so sagen wir ebenso das die Bücherstapel in den Handelsketten ebenfalls keine Bücher sind. An der Qualität eines Artefaktes werden diese gleichen Eigenschaften gefordert, wie die an einem Kunstwerk. Wollen Religionen keine Bilder hinterlassen, so wollen sie die Einbildungskraft, sowie die Menschen manipulieren. Ich gehe nun einmahl in meinen Überlegungen noch einen Schritt weiter. Wir finden am Strand verschiedene Gegenstände, von denen der eine ein Stein ist, während das andere Teil von einem Ziegelstein herrühren könnte. Zunächst bezeichnen wir das eine Teil als ein Natürliches, hingegen das andere Teil benennen wir als ein Artefakt. Wie können wir in unserer Anschauung aber sicher sein? Wie können wir wissen, dass wir die Objekte richtig sehen? Kant empfiehlt hier einen Perspektivwechsel. Eine Umkehr der Sichtweise. Der Gegenstand richtet sich nach unserem Erkennen. Also der Gegenstand wird erst von uns geformt. Die Dinge sind so beschaffen, wie wir sie sehen und was wir, in sie hinein, interpretieren. Ein Artefakt ist nicht nur dadurch artifiziell, das es von Menschen artistisch gemacht wurde, vielmehr als ein geistiges, abstrakt Gemachtes, so braucht es auch nur geistig einer Form.

    Kommunikationsartefakte
    Kalkül und Artefakt.
    Die Sprache, nicht das Sprechen, sondern Reden und das Abgeben von Lautbuchstaben selbst, sind ein Kalkül. Worüber gesprochen wird und Art und Ziel der Dialektik gehören nicht zum Kalkül. Kalkül nenne ich hierbei einen durch Regeln annähernd beschriebenen Apparat, mit welchem kalkuliert werden kann. Sprache muss berechenbar sein. Begründend hierzu wird auch die Beschreibung eines Kalküls „Kalkül“ genannt. Was wir aber berechnen, muss nicht immer aufgehen. Wir stellen im Sprechen das Ergebnis hin und erwarten hierzu eine Rechenformel. Es kommt aber nicht auf die Aufgabe, noch auf das Ergebnis an. Vielmehr richtet sich das Ergebnis nach dem gesamten Kontext. Der Prozesscharakter zeigt sich von vorneherein im Denken. Wir beschreiben lediglich noch den Vorgang einer Lösung.
    Das Sprechen eines Satzes ist ein Artefakt, wie jede Schrift und Sprache ein Artefakt ist. Wir können den Satz erkennen, wofür er gemacht wurde. Der Satz ist ein absichtlich modifiziertes Werkzeug. Der Akteur hat die Absicht, dass ein Akteur zu einem späteren Zeitpunkt die Absicht erkennt, dass die Eigenschaften des Satzes absichtlich modifiziert wurden. Der Schriftsteller oder der Sprecher will das sich die Menschen erinnern, der Dichter will mit seinem Werk etwas erreichen. Es schließt den Akt der Kommunikation ein. Indem der Dichter dem Leser die Worte in den Mund legt, spricht er dessen Sprache. Am Satz ist zu erkennen, wozu er gemacht wurde. Absicht ist zu erkennen und zwar eine Implizite. Der Leser reagiert, dass er zu einem späteren Zeitpunkt erkennt, dass die Eigenschaften vom Dichter, absichtlich modifiziert wurden als ein kommunikativer, sozialer Effekt. Das ein Satz bewusst gemacht wird ist unbestritten. Demgegenüber stehen direkte Nonsenssätze, die sozusagen unbearbeitet dahergeplappert sind. Die Sprache wird benutzt als ein Instrument ein Werkzeug, nicht als ein natürliches, als ein Artefakt, als ein absichtlich modifizierter Satz, der vom Rezipienten auch als solcher erkannt wird oder als ein Non Artefakt, man sagt etwas, weiß aber selbst nicht, was man redet, noch kann ein anderer etwas mit dem Gesagten anfangen. Es hat den Charakter als hätte man mit den Worten gewürfelt. Der Satz ist ein Artefakt in, sofern er ein Instrument ist, mit dem gehandelt werden kann. Der Satz ist ein absichtlich modifiziertes Werkzeug. Der Dichter hat die Absicht, dass ein Rezipient zu einem späteren Zeitpunkt erkennt, dass die Eigenschaften des Gedichtes, absichtlich modifiziert wurden, damit das Gedicht einen kommunikativen, sozialen Effekt erzielt. Der Dichter will mit seinem Gedicht etwas erreichen, indem er es herstellt, er will ebenfalls erreichen, dass sich Menschen daran erinnern, dass er das Gedicht hergestellt hat. Anhand des Gedichtes ist zu erkennen, wozu es gemacht wurde.

    Ein Beispiel:
    Höre ich die Geräusche eines Rennwagens, so höre ich nicht die Geräusche, also sagen wir: Lärm, vielmehr höre ich die Geräusche, die der Motor dieses Fahrzeuges erzeugte. Das sind Artefakte, ob ich mir dieser bewusst bin oder auch nicht.
    Lese ich im Gegenzug den Satz eines Gedichtes, so höre ich nicht die Sprache des Dichters, sondern das, wie dieser Satz, in mir als solcher, durch den „Artefakt“, angefertigt und gestaltet wird. Was mir der Dichter sagen will, ist nicht das, was mir der Dichter sagt. Was denkt der Rezipient? Was meint der Rezipient, was der Dichter meint? Nicht diese Frage, was will uns der Dichter damit sagen, vielmehr vom Rezipienten her gedacht, was will uns der Dichter damit sagen, dieses ist die Antwort. Für die Bedeutung eines Gedichtes ist es belanglos, was der Dichter wohl gemeint hat.

    Poetische Artefaktdefinition:
    Ein Artefakt ist absichtlich hergestellt mit der Intention, als solches erkannt zu werden. Ein Kunstwerk ist ein Artefakt, das geschaffen wurde, einem Kunstweltpublikum präsentiert zu werden. Artefakte sind abstrakt. Gedichte sind abstrakte Artefakte. Im Artefakt zeigen sich die Absichten der Akteure. Sie werden als Artefakte erkannt, in dem sie im Anderen Überzeugungen hervorrufen. Ein Gedicht beginnt mit seiner Rezeption. Für seine Bedeutung liegen keine Absichten seines Autors vor. Voraussetzung für eine gute Interpretation ist, was der Leser meint. Darum sind auch vernünftige Texte, Missverständnisse und Unschärfe belanglos. Was mir der Dichter sagen will, ist nicht, was mir der Dichter sagt. Eine andere Erklärung wäre dogmatische Ontologie. 1. Wenn ein Gedicht ein Artefakt ist, hat es einen Autor. 2. Ein Gedicht ist ein Artefakt nur mit einem Autor. Dass ein Autor ein Gedicht schreibt, ist ein Artefakt. Diese Beschreibung nennt man Arbeiten. In der lexikalischen Bedeutung heißt das: „Absichtlich hergestellt mit der Intention das Es, als solches (Gedicht) erkannt wird“. Es bestehen kausale Verbindungen zwischen dem Gedicht als Artefakt und seiner beabsichtigten Funktion als auch zur produktiven Absicht des Autors in sein Artefakt. Man zitiert auf ein Artefakt, man stellt fest, dass gleiche Inhalte und Sinne übereinstimmen. Sätze zum Medium Sprache und seiner Unhintergehbarkeit treffen zu. Man bleibt aber unter sich, weil das Andere auch ein anderes Thema ist. Man schweigt also über das eine Thema, indem man darüber spricht und hybrid indem man nicht davon spricht.

  • Philosophische Hintertreppe

    Auf der philosophischen Hintertreppe.
    Warum heißt es die philosophische Hintertreppe? Weil sämtliche Abläufe und Bewegungen im Vorderhaus zum Tagesgeschäft gehören. Diese sind allgemein bekannt. Diese Hintertreppe wird sehr selten benutzt. Es ist eine Not- eine Behelfstreppe, die als ein zweiter Fluchtweg bei einem Feuer, wenn das Haupttreppenhaus verqualmt ist, benutzt wird. Sollten wir ihren Sinn erkennen, so haben wir bereits das Wesentliche begriffen.

    So kann man es auch sehen: Die Gier des Menschen zeigt sich bei Sendungen wie: Wer wird Millionär. Den meisten Menschen geht es nicht mehr darum eine Million zu gewinnen, vielmehr haben sie alle Angst mit NICHTS nach Hause zu gehen. Das heißt, bei sechzehn oder zweiunddreißigtausend Euro bekommen sie kalte Füsse und grabschen sich den sicheren Betrag.

    Diese Frage nach dem Sein, das der Mensch ist und nicht vielmehr nicht ist. Dieses Gewordensein und sein hinübergehen zum Nichtmehrsein. Heißt es doch, das der Körper stirbt und vergänglich ist. Während die Seele, der Geist bleibt. Bei einem Demenzkranken geht der Geist allmählich, während der Körper noch vorhanden ist. Der Demenzkranke, erinnert sich an Kinderlieder, an die sich der gesunde Mensch nur schwer erinnern würde. Das ganz Besondere ist auch dass er manchmal in diesen Kinderliedern antwortet, und diese Antwort, dieses Kinderlied ist wiederum passend zu diesen Fragen.

    Dieses aus der Welt sein dieses Verstorbenen ist dieses körperliche Ableben und dieses geistige Gewesensein. Welches nicht mehr aus dieser Welt zu löschen ist.

  • Aus dem Buch: Alles Gedichte, Keine Genichte Taschenbuch: 94 Seiten Verlag: Engelsdorfer Verlag (Januar 2006) Sprache: Deutsch ISBN-10: 393914441X ISBN-13: 978-3939144410

    Die leeren Blätter

    Die leeren Blätter,
    werden wir sie jemals beschreiben?

    Die leeren Leinwände,
    werde wir sie füllen?

    Werden wir die Felsen sprengen,
    um uns aus Ihnen unser Bild zu meißeln?

    Den letzten Baum?
    Werden wir ihn umholzen?
    Aus ihm einen Tisch schnitzen, oder ein Kreuz?

    Wenn wir endlich dem Wahnsinn verfallen sind.
    Wenn wir unser Genie überwunden,
    sind alle Blätter beschrieben,
    alle Leinwände bemalt,
    alle Felsen gemeißelt und alle Hölzer geschnitzt.

    Dann werden wir nur noch unsere Werke signieren.

    Und unsere Zeichen in die Welt senden: gezeichnet
    und unsere Unterschrift hinzufügen,

    auf leere Blätter,
    auf leere Leinwände,
    wie Verliebte in Bäume ritzen und
    wie unsere Steinzeitvorfahren auf Felsen spucken.

    Nur unsere Unterschrift.
    Das wird alles sein was uns ausmacht.

    Anleitung: wie ich dichte.

    ich such den Punkt an meiner Stirn
    und denk dahinter wäre Gehirn
    dann meditier ich, schließ die Lider
    und find mich bei den Füßen wieder
    fängt die Erde an zu beben
    entsteht um mir neues Leben
    plötzlich wird mir eisig kalt
    ein Pflänzlein
    dringt durch den Asphalt
    ich stehe da von allen Sinnen
    und das Dichten kann beginnen
    Eins, Zwei, Drei, ein kleiner Keim
    dieses war der erste Reim
    ob ich stehe oder sitz
    warte auf den Geistesblitz
    so als würde es gleich kommen
    wird es wieder weggenommen
    versuch es doch mal aus dem Bauch
    glaube manchmal das geht auch
    plötzlich hab ich es erfasst
    und freue mich dass alles passt
    mir kommt nur etwas in den Sinn
    und alles weitere fließt dahin
    ich stehe da als Geistes Wesen
    und bin bereit es vorzulesen.

    Augenblick

    Die Kunst bewahre ich im Auge
    das ich ausreiße
    für die Musik der Realität
    und Wirklichkeit.

    Die Schatten der leeren Flächen
    signiere ich.
    den Augenblick
    im Namen der Kunst.

    Wenn keiner kommt
    und alles abgehängt
    öffne ich die Tore
    der Tempel, für alle Staunenden.

    DAS FRISCHE JAHR

    so nah kommt schon die Zeit
    so nah zum greifen bald
    das vertraute Jahr ist fast schon kalt

    die Hand die ausgedehnt
    die Hand trägt schwarze Stätten
    das Glied ist krumm von Gicht und weist

    den Fuß der kaum gesetzt voran
    den letzten Schritt der jetzt noch fehlt
    berühren das Alte abzuschließen

    der Schwung hat den Scheitel schon gereckt
    der kleine Schopf bereit und auch das Maul
    noch los zu schreien ehe das frische Jahr eröffnet

    nur ein paar Augenblicke noch
    nur ab und an ein lauter Knall
    die Luft ist zum Erbrechen Klar

    dem gewohnten Jahr fehlt jedes Haar
    dem vertrauten Jahr fehlt jeder Zahn
    und tief geneigt drängt es zum Schluss

    die Zeit sie brennt nun stillzustehen
    die Zeit drängt immer fortzuschreiten
    das frische Jahr es wartet nicht

    das neue Jahr es steht schon klar
    das frische Jahr klatscht einfach ab
    Cool Alter,, und frohes frisches Jahr “.

    ENDE der Harmonien

    Bild der Stille
    schreibt dunkel
    den Ton
    auf fallende Herbstblätter
    die schreien in Trommelfelle
    bevor sie das Moos ergreifen.

    Und der Wald erzittert.
    Ohne Grund fliehen Tiere wild,
    gestört in Städte,
    in vergitterte Räume der Menagerien
    in Museen der Angst.

    Ohne Tänzer und ohne Strom
    erbleichen Bilder unter Sonnenlicht.
    Beenden die erloschenen Projektoren
    die Vorführung.

    Schwarze Augen

    Schwarz und abgrundtief
    entdeckt von rätselhaften Lichtern
    siehst du die Rast ohne Heimat unvergleichlich.

    See der leer vom dunklen Harz genommen
    noch tiefer du je in dich gestaunt
    ersehnend atmest du die tiefe Gunst.

    Erblickt wird nicht das Herzweh
    noch das Blut des wilden Pferdes
    nicht brennendes Feuer das niemals verlöscht.

    Licht aus Süden kannst du durchschauen
    in tanzenden Augen voll Flamenco
    und Tarantella.
    Wo Blicke verwunden sticht
    dein Blick den Tod.

    Spiegelbild

    Sehe
    im Fenster
    ein verkehrtes Bild
    und beobachte
    durch Glas und Unbild
    getrennt vom
    Davor, bestimmt
    Nichts anderes
    als Ich;
    fühle,
    Stille
    dazwischen.

    Trennung

    erblicke
    im Fenster
    ein Spiegelbild
    und sehe
    durch Glas
    und Spiegelbild
    getrennt vom
    davor
    tatsächlich nichts
    anderes
    als ich berühre

    Tango

    Tango tanz ich mit mir selber.
    Der Geiger stimmt den ersten Ton.
    Die Dame wartet auf den Einsatz
    der Boden wurde frisch gebohnert
    und vom Plafond kracht blank der Lüster.

    So tanz ich; als wär´s der Letzte.
    Ein kurzer Augenblick;
    Sie führt, ich stech.
    Gib mir noch ein paar Sekunden
    es eine Ewigkeit zu kosten.

    Der Tango ist schon lang getanzt
    ich steh auf und geh zum Fenster.
    Den schweren Samt reiß ich, zur Seite!
    Und lass das Licht allein dem Saal.

    TÖDLICHER FRIEDEN

    tödlicher Frieden der tauben Panzer
    die rollen und rollen
    nicht wissend wohin noch woher

    und in den Straßen
    und auf den Plätzen
    spielen die Kinder der Landser
    mit Holzpferden und Steinkreuzen

    Die Armen und die Doofen sind geblieben
    die Anderen zog es zum Meer
    wo man den Horizont noch sieht
    den Horizont der einem so fehlt

    Ihr Lacher lacht noch lächerlicher
    glaubt weil ihr im Blut gebadet
    ganz getaucht in schwarzem Blut
    ihr wäret unverwundbar wunderbar

    Hört ihr nicht die Wellen rufen singend
    seht ihr nicht die Wälder brennen fressend
    warum schweiget ihr noch
    die Natur wird’s richten meint ihr hinrichten

    Zeiten

    Der Morgen war
    wo der Frühling
    sang am Mittag
    lebte es
    den Sommer - Tanz
    kein Abend
    weiß schon
    was Herbst vermag
    die Nacht ist still,
    allein im Winter – erinnert –
    der Schlaf:
    erträumt den Tod,
    voraus.

    AUS SCHMERZ

    schwarze Tulpen auf weißem Grund
    schreien aus dem rahmenlosen Bild
    aus Schmerz der gebärenden Welt
    Schattenlos werfen sie graue Blätter
    auf das leichenweiße Tuch
    über dem Abgrund
    des Tischrandes hinaus

    mich ekelt
    die Schlange frisst sich
    aus Schmerz

    Mythos von Sisyphos
    - der wahre philosophische Akt –

    Leichte Todsünde im Schatten
    des Lebens das wert ist
    zu leben oder nicht

    den rock´n roll zu hassen
    der Lust des Wahns
    einmal das Fruchtwasser zu durchschwimmen

    und an das ENDE zu kommen

    Schrei den Tod vom Leib
    Der Schrei der tiefer
    sitzt noch als die Brust
    so tief im Genitalbereich
    mit einer Hand

    die Andere fortgestreckt
    die Hilfe greifend
    wo Hilfe die nicht da
    weil es allein im Schmerz

    den Kopf zum Nacken
    eingeknickt und hoch
    so vor der Brust zum Hals
    die Adern schwellen

    Gesicht verzerrt
    die hübschen Augen fest geschlossen
    die Haare wild und wirr
    die Nase mittendrin

    der Schmerz sitzt fest
    und will und muss
    heraus und mit ihm
    alles Gedärm

    und Herz und Leber
    Lunge Nieren Magen
    nicht vergessen alles
    was dazu und drin

    wo nur der Klagejammer
    kann nicht kommen
    lautloser Aufschrei
    aus Weitgerissenem Maul

    das weit genug
    die ganze Erde auszuspeien
    auf ein einziges Mal
    obgleich es geht doch nicht

    denn nichts geschieht
    und keine Hilfe naht
    armer Mensch in seiner Not
    ach wäre er doch

    o Herr vergib Maria hilf
    wie weh ist uns
    schrei nicht und bleib
    die Hände zu Kreuz

    gewinkelt noch
    vor seinem Busen offenleer
    so schreit es hier
    den Tod vom Leib

    WEINEN DER LEIDENDEN SONNE

    Weinen der leidenden Sonne
    halten wir nicht mehr auf
    es streifen ihre Tränen
    noch immer unsere inneren Schichten

    Weint sich bedeutungsvolle Löcher
    in ihr ausgefülltes goldenes Gesicht
    es gibt keine Worte für Dichter
    zu trösten und ihr Leiden zu hindern

    Unzählbare Horizonte unter gläsernem Himmel
    Sandwüsten inmitten sengender Hitze
    laden die Sonne auf die Postkarten
    unmöglich alle ohne Leiden zu beschreiben

    Weinen der altersschwachen Sonne
    halten wir nicht mehr auf
    wie tief geht noch unsere Trauer
    wenn wir uns nicht mehr offen zeigen

    BLUTENDE LEIDEN PASSION

    In Ansicht des Blutes
    rücken wir enger zusammen
    öffnen die Wasserhähne
    spülen das Blut in die Abflüsse

    Die offenen Wunden können wir nicht stillen
    die Zeichen der Stigmata nicht verbinden
    aus den Augen fließt das Blut
    die Hände und Füße schmerzen

    Kriege brennen sich in unser Fleisch
    bei jedem Wetter kämpfen die Einzelnen
    von hohen Bergen überblicken wir alles
    und erhalten die neuen Gebote

    In Ansicht des Blutes
    rücken wir enger zusammen
    wir nehmen jedes Opfer an
    auch das Blut aller Bäume

    Die geköpften Hähne
    die zerrissenen Tauben
    die geknickten Zweige
    bluten für den Frieden

    ohne das blutende Leiden
    fehlen uns die Symbole
    die uns als Menschen
    Zusammen führen im Blut!

    FERN SEH WELT

    Hänge am Fenster zur Welt
    die mir berichtet
    Rund um die Uhr
    mit Werbeunterbrechung
    so fern zu sehen
    höre vom Neuesten
    aus aller Welt
    immer dabei Krieg
    das Neueste vom Tage
    Aktuell am Zeitgeschehen
    Sieger und Verlierer
    auf der Fensterbank
    betrachte die Nachbarn
    Kommen und gehen
    über alle Sender
    was können wir noch sehen
    was kann man uns noch zeigen
    NEUES folgt nach
    dem Testbild
    mit Musik
    das Wetter

    GEMEINSAMER WORTWECHSEL

    Siehst Du: die ganzen Jahre
    in denen wir versuchten
    gemeinsam Schritt zu halten
    mit den übrigen Menschen
    Haben wir kein Wort gewechselt
    Kein Wort: jedenfalls kein solches Wort
    was nicht führte zu einem weiteren
    Schritt, der uns weiterführte
    weiter in Gedanken und
    in den Pfaden die vor uns
    eingetreten von den Menschentieren
    die uns vorangingen und
    die noch Wussten –
    die noch die Regeln kannten
    vom Wissen das schon lange verbrannt
    in Alexandria in Peking
    unwiederbringlich verloren
    so verloren wie wir
    wenn wir nicht bald den Schritt finden
    der uns weiterführt
    Nur ein Schritt
    der uns weiterführt
    warte noch, mache nicht den
    nächsten Schritt:
    in den Abgrund

    Literarischer Ort
    DICHTERGASSE

    Im Inneren des Ortes
    fern aller leeren Worte
    stehen die Wände dichter.

    Kann ein Wort entkommen?
    Ein Vers, ein ganzer Satz: -
    hinaustreten auf den Platz?

    Aus allen Eingängen
    betreten die Bilder die Ebene,
    ziehen mit Rhythmus und Klang.

    Die Stätte dieses heiligen Ortes
    weiht der Dichtung eine Gasse.
    Kein Wort bleibt Alleine!

    NACHGEBURT
    (Hommage an Franz V.)

    Gehasste Liebe Den Nachgeburten
    Verbrannt und weggeworfen in den Müll
    den Tieren dort im Zoo zum Fraße hingeworfen
    und um so sehr vermisst es fehlt
    ein Teil von mir das ich’s vermiss
    vom Leben nur ein Teil vom Tod
    und doch so jäh entrissen wie ich
    dem Mutterleib mit einer Spachtel ausgekratzt

    wohin bist du gegangen in der Frühe
    Bruder oder soll ich sagen Schwester
    hätt man zumindest dich mir eingepackt und beigegeben
    und legte dann in Windeln fein
    zu Hause dich in einen Reliquienschrein
    so wie die Kirche es tat ein Leben lang
    so schön auf einer schönen Bank
    und auch ein Teil der Nabelschnur dabei
    sollt nicht als Schlange weiterleben
    um mir zu zeigen manchen Weg
    An mancher Gabel angekommen wusste nicht wohin

    Ihr sollt mich führen habt mir gefehlt
    und bleibt mir lebenslang so groß
    gehasste Liebe den Nachgeburten
    verbrannt und weggeworfen in den Müll
    und dann zum Himmel aufgestiegen
    oder geradewegs in die Höll wohin ich folg

    Ach, hätt ich euch doch hier bei mir
    in mancher schweren Stunde Hilf
    so könnte ich die falschen Wege mir ersparen
    und hätt noch Zeit zum Beten
    zum Lernen und zum Klagen von dies und das

    Aber muss es nehmen wie es ist
    den anderen will’s auch nit besser gehen
    das Leben treibt sie so dahin
    und können auch den Halt nicht finden

    Es hilft wohl hier sehr wenig
    wenn ich zeige wie ich leide
    so bittre Qualen mich hier in Gedanken treiben
    und all der weil den Lustigen spiele
    der stets vergnügt dem nichts zu viel
    wenn andere ebenso lustig und vergnügt
    Anderen in die Tasche greifen
    und haben dazu auch noch ihren Spaß
    und sie sind auch doch nur ein Stück von denen
    tragen sie denn nicht wie ich
    gehasste Liebe den Nachgeburten
    verbrannt und weggeworfen in den Müll

    Auch ich hab einst gefeiert TRALALA
    getanzt gesungen auf den Tischen
    als ich die Nacht zum Tag gemacht
    hab nicht gefragt ob du mir fehlst
    vielleicht warst du auch nah dabei
    hast selbst in manchem Bett gelegen
    und konntest mir selber sagen
    was gut und richtig sei

    Doch wie war es damals aus dem Mutterleib
    als wir so jäh getrennt
    Es hat halt nicht sollen sein
    und trotzdem grüß ich dich im nachhinein
    so mach es gut man sieht sich sicher wieder
    so dann wenn das Fleisch zum Fleische kommt

    Riesenroter Mond der aufstieg

    Riesenroter Mond der aufstieg
    brennend mit leidenschaftlichen Küssen
    begrüßt rotes Kalkweißgesicht pausbäckig
    Kinderträume fliehen in glühende Himmel
    Lila Kühe auf goldenen Wolken
    Berge so flach wie Gedanken
    und Meer so steil wie Wünsche

    Sonne Mond und Sterne wahren Geheimnisse
    im Nachtdunklen des Alls
    so verliebt in träumende Galaxien
    wie können wir die neuen Straßen finden
    so zwischen den Gestirnen
    bei welchem Stern kann man noch landen
    mit Flöten auf den Lippen

    Der Weg ist vorgezeichnet programmiert
    die Erde reicht uns lang nicht mehr
    wir greifen mit der Hand nach Sternen
    und auch im Kopf schwirrt`s hin und her
    und liegen doch auf unserer Wiese
    die Blume steckt noch keck im Mund
    wir bleiben wo wir sind

    SCHÖNE KRIEGSBILDER
    sind die blicke der menschen vergeblich gestorben
    wenn sie trafen mit kameras stafeleien und bleistiften
    kommentatoren des elends
    war es das wert das sie stinken schreien starben
    von hass fieber liebe und tod
    vor unseren bildern die wir als erste bewahrten

    bilder von amateuren des abenteuerurlaubs
    bilder der skelette aus afrika
    bilder der sexopfer aus asien
    seht schaut die ansehnlichsten gewaltigsten bilder
    bei häppchen und perlwein zu vernissagen

    malen wir den sterbenden christus mit aller grausamkeit
    auf die leinenwände der t-shirts
    es ist nicht vergeblich gestorben worden
    wie die skelette und die sexopfer
    nicht vergeblich gestorben sind-: un-menschlich

    in unseren augen-: die viel ertragen
    morgen tanzen wir auf den schlachtfeldern
    und die neuen tempel bauen wir auf den gräbern

    wenn unsere augen am elend erstarren
    erstarrt auch das unmenschliche
    das schöne

    Morgue

    -Leichenschauhaus-

    So kalt wenn draußen brennt das Licht
    so drinnen tief das Leben bricht
    die Kühlung lässt das starre Fleisch
    nur noch notiert
    sind allesamt gleich

    so frostig geschlossen liegt im Lot
    so still und ruhig weiht der Tod
    den Frieden der nun eingetroffen
    er geht vorbei
    er lässt das Hoffen

    so ist die Nacht wie Tag so hell
    so wird der Wind von Nebel feucht
    die Stille die den Atem löscht
    sie greift die Hand
    sie stärkt den Arm

    so fühlt der Anfang noch das Ende
    so weiß der Schluss wie es begann
    das frühe Licht wirft weite Schatten
    es ist vollbracht
    lasst es geschehen

    Still ein Blatt

    Der Morgen beginnt
    wacht auf Vögel singt:
    mein Bruder Wels
    schläft tief.
    Wie ich die Sonne rief
    fiel still ein Blatt
    im Wind
    sei stets gegrüßt,
    mein Kind.

    Ein Wort

    Es schlug ein Meister
    ein Wort in den Leib
    Seine Injektion
    treibt er fein
    in die Ader des Blattes ein
    nicht ohne Sinn kein Schrei

    Es schlug ein Gärtner
    ein Wort in das Feld
    wie schnell es spross
    das satte grün
    Zum Winter wuchs ein weißer Baum
    bis alles Gras darüber war

    ADIEU

    DEINE Hand, die eben ich noch hielt
    die zogst du fort, für immer
    gingst den letzten Weg alleine

    Verzeih mir, vieles wollte ich noch sagen
    vergessen ist das letzte böse Wort
    doch das blieb stehen in der Welt
    und ist noch nicht zurückgenommen

    Dein letztes Wort: mach´s gut
    das du mir gabst als letzten Gruß
    gab ich zurück dir, als du schliefst

    Ich weiß, nun bist du fort von hier
    doch weiter trag ich dich in mir
    und nimm dich mit durchs Leben
    Am Gitter

    Kunstmenschen wie wir
    Beim Spielende
    Glattrasiert und Schön
    Fluchen den harten Tag
    Verbittert am Gitter
    Kennend die gleiche Wahrheit
    Während wir alles Richtig machen
    Wählen wir die Worte
    Vor dem Altar

    Einsamer Nie

    Wie einsam und verlassen
    so einsam hängt die volle Brust
    und immer einsam stirbt die Lust
    einmal lieben oder hassen

    Einsam liegt der kalte Leich
    doch so einsam ist die Reise
    und im Kühlhaus ist es leise
    noch so jung und Fell so weich

    Versenkt im Hause wohnt ein Genie
    sucht die Unzugängliche zu finden
    Einsamer will die Einsame
    in Irgendwer ständig in der Ecke

    Für die Menschen sprechen

    Für die Menschen sprechen -
    die Stimmen der Sprachlosen
    der Stummen
    die wortlosen Schweiger
    wie die mundlosen Gesichter

    für die Menschen sprechen –
    die bodenlos am Abgrund stehenden
    der Verlierer
    die nicht über Wasser gehenden
    stehen bis zum Hals im Fluss

    für die Menschen sprechen –
    als Sprecher der verfolgten
    der Entleibten
    aus Käfigen der Schädelgebeine
    denen das Wort wortlos entzogen

    Gewalt

    Du und ich, wir beide
    haben gelernt vom Reden und Schreiben
    mit unserer Sprache zu zeichnen

    Wir beide wissen von den Ansprüchen
    wenn wir den Mund öffnen
    können nicht: nicht antworten

    wenn wir mit den Worten verwunden
    mit unseren Zungen züchtigen
    mit der infektiösen Rolle der Sprache

    Wir verletzen die Ansprüche des Anderen
    Wenn wir den Mund auftun
    und uns der Schrei des Opfers verfolgt

    Rechtfertigen mit unserem Schreiben
    und begeben uns in Komplizenschaft
    Wir trennen uns von den Barbaren

    Plastikblumen

    Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings
    erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang
    Das Auge schreibt die Textanalyse
    ordnet die Teile des Erbrochenen
    auf der Suche nach Sprache
    zu gemachten Formen

    Der Torso ist keine Natur
    der Garten ist keine Kunst
    Arkantus, Bärenklau und Lotus sind Formen
    ein Bild heißt unzählige Worte

    Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings
    erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang
    Das Auge hat notiert; das Auge hat fotografiert
    und ohne die Nuancen -
    am Ende ist der Mensch
    der Mensch ist; mit seiner Kunst am Ende

    so schaffen wir die Schöpfung neu
    so schaffen wir die Kunst, der Schöpfung
    und ohne Schöpfer schöpfen
    uns selbst am Schopf aus dieser Schöpfung

    Welkende Plastikblumen des dorren Frühlings
    erbrechen in kitschige Vasen den Sonnenuntergang
    was welkt, was erbricht
    schön und erhaben, erhaben und schön
    so stehen wir hier: und staunen

    Stehe nicht

    Ich steh am Abend
    und höre nicht
    Ich steh in der Nacht
    und sehe nicht
    Ich steh am Tag
    und glaube nicht
    Ich stehe im Traum
    und weiß

    Lege mich hin und schlafe.
    In des Augen Blick

    Wirklichkeitsgleichnis

    Bewusstlos trat ich in den großen Raum und nehme Platz
    Falle in die bequemen Sitze zum Träumen
    Den Traum den ich durch einen Spalt betrat
    Hab ich mit Neugier und mit Münze bezahlt

    Schon erscheinen an den Wänden die flackernden Bilder
    Steige ich sofort ein in die bewegten Bilder
    Das Auge gebiert die Bilder sofort
    Geblendet von der Schönheit der Realität

    Nicht täuschend lassen erkenne ich den Raum
    Es bleiben an den Wänden die wahren Bilder
    Begreife ich die Realität meines Sitzplatzes
    Und lasse Bilder an mir vorüberziehen

    Mit allem Wissen meiner Wirklichkeiten
    Verlasse ich nun den geschlossenen Raum
    Und ist eins mit den objektiven Bildern
    Die mich hinaustragen in meine Eigene Welt

    Der Natur gegenüber bleibt der Gedanke dunkel
    Täuschen wir uns nicht, spätestens wenn wir erkennen
    Wenn wir nur den eigenen Leib erkennen
    Und für immer schweigen könnten

    Alte Stunden

    Irgendwann
    Wenn wir die alten Stunden und
    das hermetische Poem
    durchbrochen haben
    zu entfliehenden Träumen der Realitäten
    finden wir keine Titel für unsere Bilder
    Wenn unsere Antitexte gebären
    neue Begriffskräfte
    Unsere Einbildungen sichtbar zu machen
    Beginnen die neuen Zeiträume
    Die Alten Reime gehen vorbei
    Im Geschlossenen Verborgenbleiben
    auch die junge Metapher von Morgen
    Irgendwann ertrinkt der Hochgefluchte Tag im Nichts
    - ich liebe jeden Tag der mir verflucht-
    und wenn ich schrieb wie schön doch alles
    ich glaub ich müsste mich erbrechen

    Frag mich im August

    Frag mich im August
    Sommerende, im letzten Sonnenblick.
    Ich war nie fort
    wie Schnee und Eis
    meine Haut im Sommerwind

    Groß ist der Himmel im Goldfischglas
    immer neue Inseln ohne Land
    Frag mich im August
    Das Gute ist so winzig
    nur was Schlecht ist das bleibt groß.

    Jede Pore stürmt
    meine Haut im Sommerwind
    Frag mich im August
    ich war nie fort
    und war einsam und allein unter den Menschen

    Noch spurt der Sommer
    Alles bleibt Erinnern
    Frag mich im August
    Wartend, wie Wind und Wolken
    meine Haut im Sommerwind

    Spiel ich noch einmal mit den Schlangen
    und singe den bodenlosen Ton mit allen
    Welche Nachricht bringt der Dornenvogel
    an diesen Sommer, Nur Erinnern.
    Frag mich im August

    Himmelsworte

    Gemalte Fensterscheiben scheinen
    wie Himmelsworte bei Sonnenlicht
    Spiegeln Töne auf Betbänken

    Zeilenweise abzulesen
    im goldenen Kirchenschiff
    im Monstranzenschein

    Gemalte Worte eingeschlossen
    in gesegneten Tabernakeln
    Betgedichte hermetische

    Wehe, wehe
    eins entkommt dem Kirchenraum
    zur Kirchentür hinaus

    Wie viele Kerzen müssten wir verbrennen
    um ein entflohenes
    zu bekehren

    Hybride

    Die weiße Orchidee ist eine Blume
    ein Stern im Wasserglas
    und Feuer brennen in den Tonnen

    Hinter den regennassen Fenstern
    tropfen die Schwarzweißbilder zerstört
    und Glut brodelt in den Kratern

    Die Liebe drängt zwischen den Phrasen
    wie Blüten zwischen dem Fels
    wie Schafe zwischen den Fronten

    Die weiße Orchidee ist eine Blume
    ein Stern im Wasserglas
    der weint, wo längst keine Träne mehr

    Hör noch

    Nicht abzuschalten hören eure Ohren
    Noch immer – Immerzu Noch
    Ohren die alle Töne finden im Schneckenreich
    Auch wenn die Worte
    stumm und leer und still

    So müssen alle Ohren weiterhören
    Wenn sich die Augen schon
    zum Schlaf gelegt
    Wenn Flurnachbarn noch Feste feiern
    Auch wer nicht will der hört noch mit

    Kalt schlägt der Ton den Hammer Amboss
    Auch wer nicht hören will der muss erlöschen
    Wenn wir im Parlatorium noch Worte zählen
    Hermetisch schließt das Totengedicht

    Mediterranes

    Verwässert sind die alten Quellen
    Zu viele sind den alten Text durchfahren
    und tranken von dem inneren Quell
    der das Geflecht von neuem speist

    Verdunkelt ist der alte Sternenhimmel
    der stets die Ausfahrt und die Ankunft hat geleitet
    den wir betrachtet schlafend am Olivenbaum
    den Ort an dem die Fahrten wir geträumt

    Es ist nicht leicht auf hoher See der Spur der Schiffe folgend
    die gleiche Spur die sich in Räumen eingeschrieben
    die neu durchmessen belichtet und erfahren
    mit unseren Augenlichtern in die Wasser eingeritzt

    Schönste Afrika

    Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
    es brennt und brennt und brennt
    mein makelvoller Körper
    Dein Stolz mit wehendem Gewand wie
    Erhaben führst du die Krone Afrikas sonnengleich
    Bleib diese Nacht und auch die Anderen
    Im Dunkel meines Herzens
    werde ich weinen um dich
    und früh die Milch von deinen Lippen trinken

    Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
    Es brennt und brennt und brennt
    Mein unheilbares Herz in Tränentrauer
    Und dein gedeckter Tisch am fetten Busen
    Wann werd ich ruhen noch dort schlafen
    Die Schatten die dein Land bedeckt
    In deinen Schenkeln werden sie Ruhe finden
    Barfuss wie sie gekommen waren

    Blonde Schönste Afrika mein Atem stockt
    Es brennt und brennt und brennt
    Ich höre deine Trommelschläge rufen
    Es ist viel Zeit vergangen zum Lernen
    Von den Palmen die du einst gepflanzt
    Fallen die Worte wie reife Nüsse
    Es brennt jedes Zitat und schmerzt
    Es ist dein eigener Kelch
    Du schaffst dir selber deine Qualen

    Süße Honigmilch

    trinken und trinken und trinken
    aus deinen schwarzen Kalebassen
    die süße Honigmilch Afrikas
    Am Morgen wenn wir uns treffen am Brunnen
    Deine schwarze Haut und meine weiße Zunge
    Schicke deine Kläffer zu den Kühen

    trinken und trinken und trinken
    aus deiner jungen schwarzen Milch
    der süßen Quelle die mein Gedicht
    Am Abend wenn du spielst das Spiel
    werde ich schreien in die Nacht
    bis der Panther lauscht
    Dein Lächeln mit weiten Armen stillt den Kelch

    trinken und trinken und trinken
    aus deinen schwarzen Kalebassen
    den öligen Saft deiner Haut
    den Saft deiner süßen Frucht
    Die reif ist wie dein duftender Körper
    der meine Augenlichter jeden Tag versüßt
    Ich werde die Schale holen schenk deinen Körper ein

    Texte wachsen

    Ich weiß nicht ob die Texte wachsen
    Ich weiß nicht ob die Blätter nachgeboren
    werden, gerade aus der Pflanze wachsen
    wie leer ist doch ein Blatt und aderlos

    Im Schriftraum steht der Text. Auf einem Fensterbrett.
    Und wie am Brunnen treibt der Text mir aus dem Ohr
    Der Akt des Schreibens ist mir manchmal peinlich
    Wenn mir so nackt und ohne Wort vor leerem Blatt
    das ich so bilderlos beschreibe. Es fehlt.

    Es reicht nicht an das heilige Wort heran
    vor dem die Heiden niederknien, erstaunt.
    Im Spiegel bist du mir so nah wie unberührbar
    höre ich dich nicht und kann dich nicht verstehen
    Nur meinen Text im Spiegelbild. Der bleibt.

    Was der Toten Gedichte

    und trete ich doch in dieses land
    das so rein so rein wie klares Wasser sei
    was soll ich Gedichte schreiben für die LEBENDEN

    die lebenden haben doch ohnehin keine zeit
    nur die toten sind noch an Gedichten interessiert
    die toten nehmen sich noch zeit
    aus dunklen Augenhöhlen entziffern sie Zeichen
    und tragen ihre Schatten zur Kunst

    und tret ich doch in dieses land
    das so rein so rein wie klares Wasser sei

    tief in die dunkelsten Gräber hinab zum Feierabend
    nur dort kommen die besten Gedichte zusammen
    lassen wir sie laut lesen wie es unsere Väter taten
    und aus den tiefen hören wir die stimmen
    die unsere Gedichte rezitieren mit Fleiß

    und tret ich doch in dieses land
    das so rein so rein wie klares Wasser sei
    was soll ich Gedichte schreiben für die lebenden

    CIELO himmelsblau

    Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht
    den ewig hohen den unendlich blauen
    Es sind schon viele aufgefahren
    und kamen nicht zurück
    und auch die untergingen fielen tief.

    Wer sucht schon selbst den Himmel aus
    der ständig weint und brüllt
    und wenn er schlägt mit seinem Zorn
    Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?

    Nur an den Straßen gibt es Halt
    doch warten wir doch vergebens oft
    Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.

    Ich bin nicht unter diesem Himmel
    Ich bin nicht unter diesem Blau
    Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern

    DVORAK Messe in D

    Vom Kyrie Eleison bis Pacem
    klagen wir betrübt das Göttliche
    in die blühenden Töne

    Weiterblättern zwischen Dornen
    Schöpfen den Fluss
    die harten Balken zu tränken
    Wie schön die alte Orgel erblüht.

    Im Segen des Gesangs steigen die Töne
    Zwischen den Zeilen
    Es fließt ein Bächlein zum rasenden Strom
    Lasst noch einmal klingen MOLL

    Wenn aber die Glocken läuten
    in den Himmeln des Agnus Dei
    Fallen Menschen auf die Knie.
    Wie Engelschweben

    Es ist kein Ton zuviel im Raum
    Klagen wir betrübt das Göttliche
    in die blühenden Töne.

    Fraglos

    Fraglos – Fraglos die
    stummen Zeiten still
    und wortlos
    keine Antwort

    Ungefragte Fraglos -
    Stille, Atemräume
    Fragloshauch im
    Kältenebel sichtbar
    Kein Ton atmet, Atemlos
    ein und aus im Stimmenhauch
    nur Gurgeln, Stammeln,
    Stimmlos – Stimmlos
    Fraglos

    Kämest du wieder

    Kämest du wieder weiße Wolke eines Tages
    die von Westen nach Osten fliegt
    Kämest du wieder eines schönen Tages ohne zu wissen
    im frühen September eines schönen Tages

    Weiße Wolke kämest du wieder an diesem schönen
    unendlichen Tag so weiß wie heute jetzt himmelhoch
    Wie du vorbeiflogst mit Brüdern und Schwestern
    Erzähle mir vom Gras von Sand vom Meer

    Kämest du einmal zurück und erzählst eines Tages
    du triffst mich hier wie immer wenn ich nach oben schaue
    ziehst du vorüber im weißen Kleid deiner Unschuld

    Ich werde Trauer tragen und Blut wenn du wiederkommst
    und nie mehr gehen von diesem Platz
    Mein Herz stand über dir es war die Sonne

    Keine Gedichte

    Dies sind keine Gedichte
    Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
    im Sprachzentrum
    Nichts im Ewignichts
    Gehörloses Wortspinnennetz
    ohne Kopf

    Dies sind keine Gedichte
    gefüllter Zeilen im Trauermarsch
    Schmetterlinge flattern
    über den Gräbern
    im Dauerschlaf
    Jetzt sollst du träumen
    und in Gedichte fliehen

    Dies sind keine Gedichte
    Ungeschrieben Ungelesen Ungespurt
    auf diesem nackten Blatt Papier
    unschuldig weiß

    Dies sind keine Gedichte
    die als Gedichte kommen
    und wortlos gehen
    und spurlos verschwinden

    Narrativ kennt jeder

    Narrativ
    der Kulturkreis –
    kennt jeder
    das Allgemeine
    das Erzählerische Wissen –
    kennt jeder
    aber
    das wissenschaftliche
    Wissen
    das Wissenschaftliche,
    beschäftigt die Mathematik
    Zusammenhänge der Natur
    theoretisch
    sehr theoretisch
    kennt jeder

    Kindergarten 1953

    Die kleinen Klapperschlangen spielten
    hinter dem Strich der Reformation
    Wir aber trugen Hirschleder
    ohne wenn und aber

    alles mit Jesulein und Ave Maria
    gab’s Prügel auf dem Schulhof
    hinter der Linie
    bis aufs Blut

    Viel Schlimmeres
    Prügelstöcke nach verlorenem Krieg

    das Schlimmste -:
    Kakaogeld vergessen
    alles Jesulein und Ave Maria
    wenn sich die Klapperschlangen drehten
    gab’s Nachsitzen
    Kein Vergnügen
    Selbst Spielen war Ernst

    Aber heute noch sehe ich wie
    die kleinen Klapperschlangen spielten

    Leser

    Wir, die Lesenden, kennen die Welt
    die verkehrte Welt
    nur aus unseren Büchern.
    Wir, lesen doch mit beiden Augen
    und leben doch in anderen Welten.
    Wenn ich die Türen öffne – STAUNEN

    Wir, die Lesenden, kennen die Welt
    nur von den Hörenden
    erfahren sie
    vergänglich und flüchtig
    teilen wir uns alles mit
    Was schon immer doppelt vorhanden

    Wir, die Lesenden, kennen die Welt
    Hier, nicht ohne den Unterschied
    Wann und wo wir hinausgehen
    von Innen nach Außen
    entsteigt unser Gedicht
    Dunkel dem Licht

    Liebe, du weißt....

    mein Herz fiel, noch ehe es geöffnet
    brennt nun auf kaltem Marmor
    der in der Röte wunder Rosen
    mein Herz tötet, noch ehe es spricht.

    mein Herz zerfloss ehe es geschöpft,
    fließt nun hinauf in die Schöße
    der sich ewig Liebenden
    Mein Herz ertrinkt, ehe es geatmet

    Wo sind die Töne die erklangen
    in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag
    als wir uns liebten,

    Wo sind die Schreie die erklangen
    in der Nacht, am heraufbeschwörten Tag
    als unsere Liebe entbrannte. Du weißt.

    Meiner Schreibe

    Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf
    Du, schreibst in diesen Gedanken dir
    Dein Wort unter unserem Himmel.
    Komm, komm, hilf mir den Text verschieben

    Der Himmel deckt sich über meinen weißen Schlaf
    Dir gefällt nicht dieser Text der dich beschreibt
    Du glaubst mir das er unbedeutend
    und sich entfaltet so wie du am Abend

    Ach, wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben
    Wort für Wort und Wort
    wird meine Zunge deine Reden schreiben

    Ach wenn ich tot bin werd ich Weiterschreiben
    Wort für Wort und Wort
    und meine gebrochenen Augen von dir lesen.

    Scheinheilig vergangen

    Ich fühle die Worte nicht
    es ist kein Gefühl für Sätze
    weiche und narbte Worte
    stoßen sich ab

    Wie Wasser von herzem Stein
    Wie Wasser von Blau, Genau

    Ich fühle die Worte nicht
    im immer Stromauf - Lachsgleich

    die Worte zu Götterhöhe,
    Trinke auf halbem Wege
    aus dem bitteren Brunnen - scheinheilig

    Ich fühle die Worte nicht
    es ist kein Gefühl für Sätze
    bei den Quellen vergangen

    Schöpfungsstunde

    Nun kommt die Stunde
    in der die Worte aufgestiegen
    heraufgeworfen
    waren da,
    wo vorher nichts
    von ihnen war

    Doch,
    als der Dämmerzustand
    endete
    Da war ich leer und hungernd,
    taumelnd

    Unvergleichlich
    - mit Roger Willemsen und
    Benjamin von Stuckrad-Barre -

    Alles unvergleichlich wie man nachsagt
    aber was soll´s?
    Alles unvergleichlich
    Nicht mit diesem Roger Willemsen
    und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre
    Kein Vergleich
    alles unter den Schein Werfern
    Glücklos, trostlos, langweilig
    Wir haben uns nie geliebt
    Niemals
    aber unser Publikum lacht
    über alles über jeden über all
    wie über den Clown der sich bald
    den Hals bricht.
    alles unvergleichlich wie man nachsagt,
    aber was soll´s?
    Alles über Allem wird schwer und
    Alles wird schwer über uns
    Nicht mit diesem Roger Willemsen
    und auch nicht mit Benjamin von Stuckrad – Barre
    vergleichbar
    vielleicht zwischen den Zeilen
    vielleicht zwischen den Worten
    vielleicht auf der Mitte des Weges
    alles was Menschenmöglich
    von den Ursprüngen der Geschichten
    bis zu deren Sterbebetten
    Alles Unvergleichlich
    Unvergleichlich

    Würgen

    Alles empirisch,
    Schicht um Schicht
    Millionen
    fruchtbare und furchtbare Jahre
    Mit dem Abgrund fängt`s an:
    Tiefschlafschichten
    Versunken – Hocharbeiten ins REM
    Wende der Zeiten

    Friedensfürsten bis zur Grasnabe
    Von Unten.
    Unerreichbar unterm Himmelsblau

    Heilsam; den Schwarzwald sehen?
    Schinderhütte
    Knüppelpfade zu Einsiedeleien
    Anspruch und Ungesprochen
    ungelöste feuchte
    Herzen

    Aachen, Am Hof

    EISZEIT, kalte Brüste
    schwülheißer Hintern
    überall Pflaster

    Chic auf Alt
    Von Römerbad bis Domkeller
    Nur kein Verkehr
    Fühlt ihr es auch wie wir

    Ihr Klingeltöne

    Ihr zerstörten Freizeitler
    Ihr Schleckermäuler schokoladenhäutige
    ihr Liebhaber des edlen Gerstensaftes

    Du liest mein Gedicht

    Du liest
    du liest mein Gedicht
    du liest noch einmal mein Gedicht
    du schweigst, liest noch einmal
    dein Auge tränt über deine Wangen
    das Gedicht ist leicht folglich so schwer
    und dir bekannt wie dir der Text
    es bleibt still während du
    jeden Buchstaben neu betrachtest
    kein Wort zu wenig kein Wort zu viel
    Mein Herz wird schwer ich gehe
    und heute fast ein Jahr vergangen
    Du liest
    du liest mein Gedicht
    du liest mein Gedicht noch immer
    Ich aber seufze!

    EISKALT

    Eiskalt dieses Leben
    unerkannt
    bleiben Illusion und Glaube
    Viele Schichten von Geschichten
    zur Geschichte
    Vom Ursprung zur Distanz

    Beugen wir uns noch
    an der Quelle trinkend
    von Erinnerungen
    Ursprünglich von tiefem Grund
    Geburten folgend
    ohne Eingriff, ohne Götter
    Neuen Bedeutungsschichten

    Der schöne Krug
    den wir zur Quelle trugen
    nur gibt Kraft weiter zu leben

    Es ist der Quell der unter vielen
    unentdeckten Schichten
    unzerstörbar weiterfließt
    ungetrübt noch mit sich selber spielt

    Ijskoud

    Ijskoud dit leven
    onherkennt
    blijven ilusion en geloof
    Veele laage van geschiedenisse
    toe geschidenis
    Van oorsprong toe afstand

    Buigen wij ons nog
    an de bron drinkend
    van herinneringe
    Oorspronglik van diepe grond
    Geboorten volgend
    zonder ingreep, zonder godde
    Niewe betekenenlaage

    De mooie kruik
    deze wij toe de bron gedragen
    maar geeft kracht verder te leven

    Et is de bron die onder veele
    onontdekkte laage
    onvernielt verderstromd
    ongetroebelt nog met zich zelf spelt

    Холодно.

    Ледянaя эта жизнь
    Неопознанная,
    Лишь иллюзии и вера остаются.
    Много сменилось историй
    От рождение к настоящему.

    Но мы все еще склоняемся
    Чтобы пить из родника
    Воспоминаний,
    Первоначально из глубокой причины
    Рождения следуя,
    без вмешательства, без богов,
    Новым сменам придавая значения.

    Прекрасный кувшин
    Мы несли к роднику.
    Только силу дай, чтобы жить продолжать.

    Этот источник под многими
    Еще неоткрытыми слоями
    Продолжает течь,
    Играя еще безмятежно с самим собой.

    Holodno.

    Ledjanaja jeta zhizn'
    Neopoznannaja,
    Lish' illjuzii i vera ostajutsja.
    Mnogo smenilos' istorij
    Ot rozhdenie k nastojashhemu.

    No my vse eshhe sklonjaemsja
    CHtoby pit' iz rodnika
    Vospominanij,
    Pervonachal'no iz glubokoj prichiny
    Rozhdenija sleduja,
    bez vmeshatel'stva, bez bogov,
    Novym smenam pridavaja znachenija.

    Prekrasnyj kuvshin
    My nesli k rodniku.
    Tol'ko silu daj, chtoby zhit' prodolzhat'.

    JEtot istochnik pod mnogimi
    Eshhe neotkrytymi slojami
    Prodolzhaet tech',
    Igraja eshhe bezmjatezhno s samim soboj.

    Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten

    Ich tauche auf aus meinen Niemandsschichten
    Ich tauche auf aus Herz und Kopf
    alles was mir noch fehlt
    drei, zwei, eins – mein´s

    Was ich mir nicht kaufen kann
    dies bisschen Verstand
    was ich mir nicht kaufen kann
    dies bisschen Liebe
    was ich mir nicht kaufen kann
    das zwischen dir und mir
    das was wir „mitmenschlich“ nennen

    In meinem Elternhaus hingen keine toten Schweine
    wurde auch kein Krieg gespielt
    alles bürgerlich, alles spießig

    Ich tauche auf aus den Niemandsschichten
    Ich tauche auf aus Herz und Kopf
    all diese Krankheiten auf der Haut
    mit Worten zuschmieren wie mit Salben
    diese syphillistischen Krankheiten
    des Genius poetica zwischen uns
    immer neu infizierend

    Landschaften zwischen Erzählenden und Hörer
    unter dem Mikroskop – Monaden –
    Schichten um Schichten alles Geschichten
    Verstand, Liebe und Mitmenschlichkeit
    alles Leichenschauhaus, alles pathologisch
    Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase
    Nahe dem Ufer liegt die Droste im Grase
    aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei
    aber
    alles so Dicht, Gipfel und Wolken
    nicht Pfarrer Oberlin und Dichter Lenz im Steinthale
    in wahnsinnigen drei Wochen, o Ideale

    Aus verachteter Natur
    werden Menschen zu Holzpuppen.
    Ist dieser Himmel schöner als die Welt?
    Zum Leben das Leben, mit Fleisch und Blut.

    Soviel zwischen Tal und Himmel.
    Graue Wolken mal unten mal oben.

    Escape ins All, schmerzhaft den Kopf im Moos
    aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei
    Innen geplagt und zerrissen in Depressionen
    kein Außen. Leere Mitte, nichts anderes.

    Bewusstlos vor all den Träumen erscheinen
    denkbare Bilder; nicht mir, nicht dir
    Ein phalerae für das Heer der aqulifai
    aber alles so dicht, mal unten, mal oben

    Leere, vollkommene Leere - in der Mitte.
    Rechts und links saugen die Ränder ins Zentrum
    doch dies ist wieder eine andere Geschichte
    keine Nänie für Frühgeburten
    Aus trunkenen Quellen ein Schöpfungsschrei.

    Noch richtet sich die Welt nach meinen Worten
    Alles hat doppelte Bedeutung und Kontinuität
    Nichts war und nichts wird sein
    Verkünden ewig wiederkehrend die Wellen

    NICHTS

    Unschlagbar harte Worte in Urgestein
    Ihr steht am Fuß der Schichten
    nach dem Schritt am Bodengrund
    kein Echo – kein Wort
    Schichten und am Anfang Himmel
    Allein, Einsam und Allein
    mit dem Selbst
    mit dem Handgriff den Faden finden
    bleibt: NICHTS
    zwischen Muschelkalksandschichten
    längst verschwundener Meere
    wie wir verschwunden
    Unschlagbar harte Worte in Urgestein
    kein Münchhausen zieht es selbst
    bis die See kommt und aufschwemmt
    bleibt: NICHTS
    Tonlos in den Schichten in Urgestein
    hören, Noch den Knall
    der Entstehung dieser Welt

    Nur im harten Sturmwind
    stehe ich fest

    Nur im harten Sturmwind
    stehe ich fest
    Nur im harten Anflug der Worte an der Klippe
    mit meinen Flügeln
    befestigt mit Bienenwachs
    Wachsworte in eurem Mund
    Schmelzen wie Schaum
    Schäumen wie Schmelz
    Mund voller Wachsworte
    Von dieser Klippe
    Sonnenaufgang, Sonnenuntergang
    aushalten verblendet
    über der Mitte von Wasserhimmelblau
    Nur im harten Sturmwind stehe ich fest
    Nur im harten Anflug der Worte
    an der Klippe
    Zerstört und ruiniert
    mit der Suche nach dem Poeten

    Warum du

    Warum du
    sprichst noch diese Wälder auf die See an
    alle Götter sind verschwunden so wie du

    Allein du
    Gestern noch, ging einer übers Meer
    Verbannt ist von Augustus nach Thomae
    so ins Antiparadies der Gegenwart Berlin
    die Sprache

    Wirklich, diese haben alle ja so Recht
    aber sie meinen es nicht echt
    diese Frage sei mir erlaubt

    Keiner, keiner, Nein nicht einer
    nichteinmal wir selbst am allerwenigsten
    Wenn wir das Alles vorher gewusst hätten

    Alles Gedichte Keine Genichte Taschenbuch: 94 Seiten
    Verlag: Engelsdorfer Verlag (Januar 2006)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 393914441X
    ISBN-13: 978-3939144410

  • Demokratie

    Nach Platon funktioniert Politik, wenn es dem Staat gut geht am besten, in der Diktatur, Monarchie oder Aristokatie. Wenn es dem Volk gut geht, kann ein Alleinherrscher gut regieren. Wenn jedoch die Politik nicht funktioniert, ist die Demokratie die beste Staatsform. Denn, wenn es dem Volk schlecht geht, ist es besser, wenn das ganze Volk mitentscheidet. Die Idealvorstellung in der Medizin, für alle Ärzte, wäre, wenn alle Menschen gesund wären. Im idealen Staat, wenn es allen Menschen gut gegen, brauchte, man keine Politiker mehr. Wenn ein idealer Zustand im Staat herrscht, brauchte man, nur einen Herrscher, der nur das Gute verkündet. Da wir aber ein Krankenstand haben, brauchen wir die Demokratie, damit jeder im Volk die Möglichkeit hat, mit zu entscheiden.

    Selbstbewusst formuliert (schon um 570) der korinthische Politiker Periander, einer der Sieben Weisen: „Demokratie ist stärker als Tyrannenherrschaft.“ Etwa ein Jahrhundert später prägt der Philosoph Demokrit die bemerkenswerte Sentenz: „Die Armut in der Demokratie ist dem vermeintlichen Glück in der Gewaltherrschaft um so viel mehr vorzuziehen wie die Freiheit der Knechtschaft.“

  • Demokratie

    Was fragt Demokratie und Menschennot?
    Den Stein, dass er sagt, dass er spricht, dass er redet? Das Menschenlos fällt in jeden Stein zurück und aus dem Felsen spricht das Donnerwort. Es scheint das Helle nicht und auch das Dunkel leuchtet nicht herein. Diese Flecken auf der Sonne sind nur Schatten der Seelen von Blüten. Wir aber werden uns treffen in der Muttersprache der Menschheit, dann werden wir wissen, was wir sagen wollten. Der Tag, an dem der Anfang war, ging dem Ende voraus da ging ein Mensch. Das alle Tyrannei ein Ende hat zeigt die andauernde Hitze, die von der Helligkeit des Mondes ausging. Was wird der Mond über die Sonne sagen, was der Stein über eine Rose berichten? Lass uns in alle Bilder zurücktreten. Es hat nicht begonnen. Es hat noch nicht begonnen zu strahlen. Laternen bei jeder Friedensfeier, wir ziehen hinaus aufs Feld. Weißt du, was fragt Demokratie und Menschennot?

    © Manfred H. Freude
    Mittwoch, 28. Mai 2014

  • Heideggers schwarzen Hefte

    Die schwarzen Hefte, die Minima Moralia aus Heideggers denken?
    Diese ständige Aufarbeitung von Heideggers Rektoratsrede und Schwarzen Heften, hält von einer ordentlichen Aufarbeitung mit seinem philosophischen Werk ab. Wohlweislich hat sich Heidegger dieser Diskussion entzogen. Heidegger hatte nicht zu Unrecht sehr viele jüdische Freunde. Betrachtet man seine christliche Herkunft aus Messkirch, so hatte er wohl ein differenziertes Verhältnis zu jeder Religion, allerdings ein starkes Gefühl für Heimat. Andererseits liegt es fundamentalistisch orthodoxen Kampfgenossen daran sich nicht mit seinem wohl eher schwierigen philosophischen Werk zu beschäftigen. Sie benutzen sofort diese Totschlagskeule des Antisemitismus. Was wollen sie erreichen? Nichts. Doch sie sind erfolgreich in der Diskriminierung. Ein solches Werk wie Sein und Zeit, hat diese Diskussion einfach nicht verdient. Auf diese Art könnte man alle Künstler und Philosophen und Wissenschaftler fertigmachen.
    An der Flüssigkeit des Sprechens der Kenner und Kritiker, merkt man, das eine Stellungnahme zu dem Denken Heideggers nicht eindeutig sein kann. Es wird unterschwellig unterstellt, man bezieht sich auf Heidegger, dabei bezieht man sich ja nur auf diese Hefte. Das ist unstrittig. Das Zurückhalten und Verbergen dieser persönlichen Hefte Heideggers diente seiner eigenen Ideenfindung und es waren die Notizen seiner unausgesprochenen Gedanken. Sie waren wohl sein Spiel mit dem Geheimnis einer Katze im Sack. Das Wichtigste ist für Heidegger das Geheimnis, das man nicht alles sagt und das man sogar das Wichtigste nicht sagt. Seine Sigetik ist die Kunst des Verschweigens. Sigetik ist nicht einfach seine Spielerei, sondern ein Orakel, welches das Wichtigste bis zum Schluss bewahrt. Das was für Heidegger zu gründen war ist das Tiefste, das Hölderlin gedacht hat. Heidegger liebte Hölderlin als Dichter, aber er verehrte den Philosophen Hölderlin. Worum es Heidegger letzten Endes ging, verwahrte er in diesen schwarzen Heften. Dieses herauslesen von Persönlichem aus diesen Heften, kann man bei jedem herausragenden Menschen vollziehen. Dieser Zwiespalt und vermeintliche Widerspruch trifft wohl auf jeden Menschen zu und dies ist auch das, was er nicht ausspricht. Dies trifft auf Philosophen zu wie auch auf die Dichter. Hölderlin, Nietzsche, Brecht, Mann, Wagner, George, Platon, sind alles Persönlichkeiten, deren Werk man im negativen Kontrast zu ihrem Charakter sieht oder auch sehen kann, ganz wie man dies betrachten will. Das beginnt bei Platon, dessen Staat man heute noch nicht ernsthaft ganz lesen kann, ohne ihn als das grausamste Verbrechen zu lesen, bis zu Gedanken von Stefan George, die bis in den Widerstand gegen Hitler reichen und doch totalitäres Gedankengut beinhalten. Es scheint auch bei Heidegger so, dass er nach einer philosophischen Begründung des Nationalsozialismus ist. Dies ist philosophisch nachvollziehbar und nicht zu kritisieren. Auch heutige Philosophen (wie Sloterdijk) machen das und werden auch in eine Ecke gestellt. Man unterstellt Heidegger eine Enttäuschung über das aufgegebene Rektorat, allerdings entsteht nicht die Frage ob er in das Rektorat gedrängt, oder aus dem Rektorat gedrängt wurde. Die Interpretationen seiner persönlichen Gedanken sind doch abenteuerlich. Wenn man mein Buch Schwaigen&Nichtsz gelesen hat, so kann man nicht aus einem Brief den Wortlaut als sein Gedankengut herausnehmen, denn wenn ich jemanden einen Brief schreibe, so passe ich meinen Inhalt den Gedanken des Empfängers an. Auch Adorno liebte die Gedichte von Horst Wessel und Baldur Benedikt von Schirach und war doch kein Nazi, wenn er hierzu Stellung nahm. Wenn der Saltomortale Heideggers, dass jüdisches Denken, das menschheitliche Denken entwurzelt, so ausgelegt wird, dass ein bestimmtes, persönliches Denken (einer Gruppe, einer Religion) das Ganze menschheitliche Denken zerstört, so könnte man auch hier nicht das Denken Heideggers, im Sinne von antisemitischer Tendenz deuten. Also, wenn einzelnes Denken das Gesamte zerstört, so würde sein persönliches Denken ebenfalls das Gesamte zerstören. Dis kann nicht in seinem gesamten philosophischen Sinne sein. Natürlich kannte Heidegger den jüdischen Geist und natürlich redete er am Stammtisch, wie man eben am Stammtisch redet und nicht wie er denkt. Das macht eben das Reden aus, das man so redet, wie man mit anderen zu reden hat. Wenn ich als Dortmund Anhänger in München bin, rede ich natürlich nicht gegen den FC-Bayern. Also was aus einem Gespräch oder einem Brief herauszulesen ist bedarf doch erheblich mehr als nur eine wortwörtliche Analyse. Man kennt heute auch das, was man "böse Worte" nennt. Auf diese hinzuweisen ist schon ein "Totschlagargument" als inhaltlich nahezu leeres Argument, also Scheinargument, bloße Behauptung oder Vorurteil, von denen der Disputant annimmt, dass die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer entweder mit ihm in der Bewertung übereinstimmt oder keinen Widerspruch wagt, da dies in der öffentlichen Meinung auf Ablehnung stößt (siehe auch diese Schweigespirale). Die französische Sprachwissenschaftlerin Marie-Hélène Pérennec stellte eine Häufung von Nazi-Vergleichen seit Ende der 1990er Jahre fest und meinte, "dass der politische Diskurs sich seit einem Jahrzehnt so radikalisiert hat, dass derartige Entgleisungen beinahe allen Rednern passieren können und dass es schwierig wird, zwischen Provokation und Ungeschicklichkeit zu unterscheiden". Es ist nicht abzustreiten, das Heidegger ein Ressentiment gegen Juden im akademischen Bereich hatte (im Übrigen auch gegen Katholiken), dies scheint mir aber bis heute im allgemeinen (allseitigen) Rahmen. Die Scheußlichkeiten, die in Freiburg und um ihn herum geschahen, wurden von ihm nicht als solche erkannt oder wahr genommen. Sein Aussprechen geht aber über Platon und das Unsagbare und Unaussagbare, was wir auch bei Wittgenstein erkennen können. Schweigen kommt dieses Unaussagbare am nächsten. Bei mir heißt es nun Schwaigen, das heißt: Schwaigen ist, dass weder das Gesagte, noch das Verschwiegene die Bedeutung der Meinung ist und sein kann! Heidegger konnte seinen eigenen Ansprüchen genügen. Dies konnte und kann man nicht von jedem Philosophen sagen. Er widersprach seinem Lehrer Husserl in dessen Theorie im Gegensatz zu angepassten Philosophen die lediglich Philosophien übertragen und weiterschreiben, auch mit allen ihren Fehlern. Heidegger war ein dunkler Philosoph, das sicher. Wie jeder zitierte er frühere Philosophen (besonders die Vorsokratiker) aber er besaß die Fähigkeit, so zu zitieren, ohne die Urheber zu nennen und doch nicht als Plagiator zu erscheinen. Durch Hölderlin suchte er den neuen denkenden Schöpfer. Der Idealismus, den Hölderlin mit Schelling, Fichte, Hegel verdichtete. Er fragt 1931, was sollen wir tun? WAS SOLLEN WIR TUN? Kant entwickelt bei dieser Frage u.a. in der Kritik der praktischen Vernunft die Begriffe der Pflicht, des kategorischen Imperativs und der Unterscheidung von Moralität und Legalität. Er entdeckt den Ursprung der Moral in der Autonomie des Willens und sucht mit dem Faktum der Vernunft die Wirklichkeit der Moral zu beweisen. Heidegger wartet auf eine Wendung, eine Kehre. Die Frage, ob das, was die Moral fordert, auch einmal zur dauerhaften Wirklichkeit wird, ist für Kant Gegenstand des Hoffens, freilich nicht eines träumerischen, sondern eines durchdachten ("rationalen") Hoffens. Daran glaubte auch Heidegger. Die Deutschen, das sind diejenigen, von denen Hölderlin spricht. Aber nicht die Nazis, welche ein Massengut der Technik darstellen. Das man im Zuge der Industrie und Technik, auch den Menschen formt und zwar so wie man ihn braucht, das ist doch unbezweifelbar Teil der Staatsform. Heidegger hatte (und dies entsprach auch in anderer Form den Gedanken Stephan Georges und Grafen Stauffenberg) eine andere, aber ähnliche Staatsform auch in Hinsicht auf Platons Staat im Auge. Heidegger von der philosophisch-dichterischen (Hölderlin) Seite und George von elitärer dichterischer Seite. Die Kultur wird zur Grundform der Barbarei, so zitiert Heidegger, was Theodor W. Adorno mit, von einer Kulturindustrie, die in der Lage sei, das Bewusstsein der Menschen so zu "verdinglichen", dass sie in der Abspeisung mit sinnentleerten Produkten zur Affirmation des Bestehenden vermittelst des "Verblendungszusammenhangs" ihrer Kulturerfahrungen gebracht würden, beschrieb. Dies beschreibt Hölderlin vorab im Hyperion: "So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. [...] Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark [...], in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gut geartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes. Das sind für Hölderlin, Heidegger, Celan und Adorno die Deutschen. Sicher wäre es für alle Deutschen ab 1950 besser gewesen, wenn sie hatten, nicht so gesprochen, wie sie gesprochen haben. Vielleicht waren alle von beiden Kriegen traumatisiert. Der letzte universale Gott, der geheimniskundige, zu entbergende, der ohnmächtige, der die Menschen benötigt. Nur ein Gott kann uns retten, aber nicht wir brauchen ihn, sondern er uns. Scheinbar ist er von Gott abgewandt. Wir lernen auch ein Gott kann irren. Habermas forderte den Diskurs, die Diskussion, das Argumentieren ebenso wie Paul Celan. Aber Heidegger und auch Adorno schwiegen. Der Gedanke des Schwaigens ist der fragende Dichter-Philosoph.
    Wenn heute Kritiker erklären, dass Heidegger auch ein Stammtischnazi war, so galt dies noch in den 60er und 70er Jahren als übliches Stammtischgeschwätz, und davor waren die Erlebnisse in den Kriegen (zumindest unter Kriegsteilnehmern) Thema. Also es verstummten die Gespräche, wenn jemand dabei war, der hier nicht mitreden konnte. So wird auch Heidegger seine Gespräche angepasst haben, so wie er dies bei Celan tat (der Rest ist Schweigen). Wenn er seinen schwarzen Heften anvertraute, wie er die Lage (philosophisch zur Wahrheit) sah, nämlich seine antisemitischen Ressentiment, so braucht dies nicht unbedingt die Auffassung Heideggers gewesen zu sein. Dem Ressentiment einem "heimlichen Groll" liegt einheitlich das Gefühl einer dauernden Ohnmacht gegenüber erlittener Ungerechtigkeit und Niederlage oder persönlichem Zurückgesetztsein zugrunde. Als der Ausdruck des Mangels einer muttersprachlichen Entsprechung ist der Ausdruck wesentlich mit der moral- und demokratiekritischen Philosophie Friedrich Nietzsches verknüpft und der dem moralphilosophischen Begriff zugrunde liegende Gedanke findet sich schon in Platons Dialog Gorgias. Dort trägt Kallikles im Streitgespräch mit Sokrates seine Vorstellung vom "richtigen Leben" vor: "[W]ie könnte wohl ein Mensch glückselig sein, der irgend wem diente? Sondern das ist eben das von Natur Schöne und Rechte, was ich dir nun ganz frei heraus sage, dass wer richtig leben will, seine Begierden muss so groß werden lassen als möglich, und sie nicht einzwängen; und diesen, wie groß sie auch sind, muss er dennoch Genüge zu leisten vermögen durch Tapferkeit und Einsicht, und worauf seine Begierde jedes mal geht sie befriedigen. Allein dies, meine ich, sind eben die Meisten nicht im Stande, weshalb sie grade solche Menschen tadeln aus Scham, ihr eigenes Unvermögen verbergend, und sagen, die Ungebundenheit sei etwas Schändliches, um, wie ich auch vorher schon sagte, die von Natur besseren Menschen einzuzwängen; und weil sie selbst ihren Lüsten keine Befriedigung zu verschaffen vermögen, so loben sie die Besonnenheit und die Gerechtigkeit, ihrer eigenen Unmännlichkeit wegen." Auch wenn es die Welt, genauso wie das Sein, oder nehmen wir auch Gott hinzu, nicht gibt, so ist doch für Heidegger der Schlüssel zu diesen, die Philosophie. Also auch wenn es dies Alles nicht gibt, so ist es doch möglich, also hinter der Tür zu der uns der Schlüssel fehlt.
    Es ist bezeichnend, das Philosophen (und das kenne ich aus der Dichtung von den Literaturwissenschaftlern, die zu Kritikern oder zur Jury-Elite wurden, genau) die sich mit Heidegger beschäftigen, aber zu keiner eigenen Philosophie imstande sind, also wie können sie sich in die Lage versetzen zu jemanden, der sich auf die wichtigen Philosophen bezieht und daraus eine eigene Philosophie macht, aber man kann dann doch nicht sagen es wäre seine eigene "Meinung". Staunen bedeutet diese Ambivalenz, das man Hitler zunächst als dümmlichen Versager (Schule, Gefreiter und Kunstakademie) sieht, auf der anderen Seite doch nun auf gleiche Ebene mit dem großen Philosophen sieht, und ihm Gedankengänge zuschreibt, zu denen er ein längeres Philosophiestudium haben musste.
    Platon würde zu den Schwarzen Heften sagen: Die Schrift "kann sich selbst nicht helfen" und bedarf des Eingreifens ihres Autors, heißt hier: wir können Heidegger dazu nicht mehr befragen (und dies war ihm bewusst).

    MHF

    1931 bis 1941 und wieder 1944 bis die schwarzen Hefte.
    Was sollen wir tun? Wesen, Massenhafte, Seyn, (Wesen ist niemals Massenhaft) Platon redet von den Vielen. Kulturkritik von 1920 bis 1950, den (wenigen und den) Vielen, die Lärmen und Reden, (Juden des Riesigen, Kennzeichen, Vollendung der Neuzeit, Riesige ist der Widergott des Großen, was in der Geschichte des Seyns abzulehnen ist, Betriebsamkeit war in Sein+Zeit noch das Man) alles Zahlenhafte ist als Leeres und Entscheidungsloses zu sehen. Der Nationalsozialismus ist Barbarei ist seine mögliche Größe ist nicht seine Gefahr, denn sie können hinaustreiben. Wenn die Juden der Gegengott wären, dann bräuchten wir die Juden, damit wir das Wahre finden. Gerede, Banalität des Lebens, wenn Jude das was nicht zum Leben fähig ist, wesenlos. Das Wesen der Wissenschaft ist die Unwissenheit. Die Welt zu Gegenständen. Wer fragt erschüttert die Philosophie. Reden statt tiefer Gedanken. Misanthrop. Kein Geist, nur Versprechen von Haus und Volkswagen, was Nietzsche den letzten Menschen nannte. Technik und Sozialstaat, war alles andere als das griechische Sein.
    Platon: Der Anfang ist auch ein Gott.

    In Frankreichs Beziehung zu Heidegger steht Sartre, in seiner Entfernung von Descartes, von Jaques Derrida und dem Poststrukturalismus auch: Neostrukturalismus, Dekonstruktivismus. "Was also ist ein Text? Heute ist es Alain Badieu: Auch ein Warten auf ein Ereignis, (dies wäre eine Absage an Ethik und Moral) von etwas Unvordenklichem, was schlagartig eintreffen möge.
    Heideggers flammende Hüttenreden, seine Flammenreden, haben ihren Ursprung bei Heraklit seinem Feuer und Bezug zur Wanderjugend. Nikolaus von Autrecourt bestritt die Möglichkeit jeder Metaphysik. Die Kirche erkannte die Sprengkraft solcher Aussagen, und 1346 musste Nikolaus von Autrecourt seine Schriften vor versammelter Universität verbrennen. außer ein paar Briefen scheint nichts auf uns gekommen zu sein. Ein Segen (oder Fluch), dass Heideggers Schriften nicht verbrannt wurden (wann auch immer 1937 oder 1945?).
    "Die Frage nach der Rolle des Weltjudentums ist keine rassische, sondern die metaphysische Frage nach der Art von Menschentümlichkeit, die schlechthin ungebunden die Entwurzelung alles Seienden aus dem Sein als ´weltgeschichtliche´ Aufgabe übernehmen kann", so Heidegger.

    Die Frage nach Antisemitismus ist diese: Nach welchem Antisemitismus. Die Moderne heißt auch, dass jeder, der in irgendeiner Form mit, von oder bei den Nazis gelebt hat, auch indirekt Antisemit war. Wenn man meint, (wie die Basis der schwarzen Hefte Heideggers) die Juden können gut rechnen, so ist dies Antisemitismus. Das Schwaigen ist, dass man nicht die Protokolle der Waisen von Zion, aus der russischen Propaganda des Zaren, nicht gelesen haben muss (was ja ebenfalls nicht aus den Heften hervorgeht), da sich jede publizierte Äußerung von Nazis darauf implizit bezog und dieses grundlegend für Antisemitismus ist, also dem Antisemit mit seinen Äußerungen liegt dies stets schweigend (Schwaigen) zugrunde. Hat die Öffentlichkeit ein Recht für einen moralischen Anspruch, da diese selbst unmoralisch war?
    Zunächst habe sich Hitler zu einem Feind der angloamerikanischen Welt entwickelt, den er bald mit einem ausgeprägten Hass auf einen internationalen Kapitalismus verbunden habe. Erst dadurch sei im nächsten Schritt Hitlers antikapitalistischer Antisemitismus durchgebrochen. Erstaunlich ist einfach bei allen "Sozialismen" des letzten Jahrhunderts die geballte Antiklerikalität und der Kampf gegen elitäre oder dünkelhafte Ständegesellschaft. Nicht zu vergessen parallel rasante Entwicklungen der Technik und Wirtschaft. Wir stehen heute an einen vergleichbaren Punkt nach fast einem Menschenalter halbwegs Frieden in Europa. Wieder wollen Eliten irgendwie international mitmischen und kriegerische Handlungen sind eine politische Option.

  • Weltuntergang

    Die Welt ist untergegangen und goldene Gestirne prangen an unzähligen Nahrungsmitteln, die verkauft werden als Medikamente. Weil alle natürlichen Lebensmittel unbezahlbar werden. Und in den Regalen leuchten die Warnhinweise, dass Verzehr tödlich sein könnte. Nur der Geschmack wurde verändert. Natürlich im Labor, natürlich hinzugefügt worden. Kein Aufstehen und kein Aufstand. Nur diese Beratung, dass es helfen soll, oder Gespräche über die Einnahme. Einnahmen von wem?

    © Manfred H. Freude

  • Vereinsgemeinschaft

    Verein
    Ernsthaft sein ist die Schmach des Einzelnen. Es gibt keine Möglichkeit Energie in einem Verein unterzubringen. Eigeninitiative, eigenes Denken, alles das ist nicht gefragt. Im Gegenteil, es wird, als das Böse, oder als Beleidigung aufgefasst. Die Götter und die Knechte. DAS wird im Verein gebraucht: - keine Soldaten, keine Helden. Die Helden sind alleine; Achill kämpfte alleine im unerbittlichen Zorn. Zorn der im Verein alle verärgert. Selber angreifen und sich beleidigt fühlen, das ist die Art der Banausen. Sie lesen sich die Banalitäten zu und loben sich schleimig. Stehlen die Zeit der Ernsthaften. Und reden sich hymnisch zu. Das Heilige wird zum Törichten. Aber eigene Wichtigkeiten? Jeder ist nur sich selber. Warum ärgere ich mich? Warum ereifere ich mich? Nur weil ich die Häme in ihren Gesichtern sehe, mit der sie mir jede Ernsthaftigkeit absprechen. Auf ein ernsthaftes Wort folgt mit Sicherheit die Widerlegung. Die Gemeinschaft wird gemein. Das Gemeine ist in der Gemeinschaft.

  • Kunst eine Totgeburt.

    Kunst lebt nicht, Kunst ist die Negation der Kunst, die Abscheu vor der Kunst durch die Gesellschaft. Die Kunst muss authentisch sein. Keine Liebe zur Kunst mehr.
    Man muss Kunst lieben, aber man darf nicht verliebt sein in die Kunst. Man muss die Kunst Scheiße finden, ja, das Scheißhaus ist die letzte Kunst. Der Künstler zieht sich selber ab. Die Kunst nicht als das Gemachte, Schöne, Geschmackvolle. Künstler und Kunst als das abgelehnte, Verrückte, nicht lebensfähige und nicht lebenswerte. Nur die verachtete Kunst ist die wahre Kunst. Es erklärt sich das, was nicht in die Kunst passt. Die Antikunst, gegen die Vorstellung von Kunst. Es gibt keine zeitgenössische, moderne Kunst. Der große Künstler macht Kunst gegen sich selbst. Der Künstler stirbt, noch bevor sein Bild fertig ist. Damit ist die Kunst eine Totgeburt. Das große an der Kunst ist nicht das sie rezitiert wird, sondern das sie ignoriert wird.

  • Kulturwechsel

    Manfred H. Freude
    Die Vermarktung eines Werkes (Lyrik) sagt sicher etwas über den Wert aus. Also, wenn etwas gekauft wird, (zu hohem Preis) hat es auch Wert. Nicht umsonst, werden Werke in Massenauflagen, als publikumswirksam bezeichnet (Vergleich Boris Becker oder Dieter Bohlen). Es liegen sicher viele hochwertige Kunstwerke in der Schublade, die nicht einmal veröffentlicht sind, aber was soll das schon. Und dann erhält jemand den Nobelpreis (zu Recht) und die Auflage steigt, obwohl viele behaupten, na ja. Also woran erkennen wir ein großes Werk? An unserem eigenen Gefallen. Sind wir bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen.
    Es geht um Vernunft. Ist das Feuerwerk an Sylvester vernünftig? Auch wenn ich selbst der Ansicht bin, es ist unvernünftig, schaue ich mir es doch gerne an. Dieser Moment der Explosion und des Knalls, das ist es, was ich im Gedicht suche.

  • Ungesagte Ekphrasis

    Ungesagte Ekphrasis

    Über allen Worten
    steht Sinn,
    In allen Worten
    Spürest Du
    Kaum einen Sinn;
    Die Gedanken schweigen im Satz.
    Warte nicht! Nichts
    Zeigt sich in jeder Sprache.

    © Manfred H. Freude
    2014-12-30

  • Schwaigen&Nichtsz

    Die Welt, als alles was der Fall ist, hieße, dass alle Tatsachen, die der Fall sind, eine Logik haben. Dies kann aber, in keinem Fall der Fall sein. Denn alleine der Fall, dass logisch eine neue Welt existiert, ist nicht mit allem, was der Fall ist, logisch zu erklären.

    In einem Gespräch müsste ich (nach der Theorie von Schwaigen&Nichtsz) meinen Gesprächspartnern sagen, dass alles, was sie gesagt haben Unsinn ist. Daraufhin würden diese dann fragen, was denn richtig sei? (Oder sie würden sagen, dass ich auch nur Unsinn rede). Dann könnte ich nach meiner Theorie ebenfalls nur Unsinn sagen. Das mache ich auch. Bis man sagt, man habe den Sinn verstanden. Also noch mal, immer Unsinn (im Sinn für ohne Sinn) reden, bis Einer versteht. Sinn kann nur im jedem einzelnen, objektiven Bewusstsein entstehen. Da gibt es kein richtiges Denken oder Sprechen.

    Der Punkt, als Flucht vor dem Ende und dem Beginn von Anfang löscht Autor und Leser aus. Draußen vor dem objektiven Inhalt. Suizid des Ich. Unbeteiligt am Geschehen. Aber wir sind in der Welt gefangen. Ein Fall der Fälle. ;

  • Der Stadtneurotiker. Woody Allen und McLuhan. Medien. Handy

    Der Stadtneurotiker. Woody Allen meets McLuhan.
    Darf ich nicht meine Meinung sagen, wir leben in einem freien Land, sagt der Columbia-Klugscheißer, Natürlich dürfen sie das, sagt Woody Allen, aber nicht so laut. Wir Menschen reden aber immer laut am Handy. Im Woody Allen Film, sagt McLuhan zu einem intellektuellen Medienprofessor: „Was sie sagen ist völliger Bullshit“ und Woody Allen kommentiert: „Ach wäre es doch immer so“. Das ist, Medien. Inhalte spielen in der Medienwelt keine Rolle. »jeder wird für 15 Minuten berühmt« das war McLuhans Gebet, und Andy Warhol betete es ihm nach. Wenn die Medienöffentlichkeit ins Wohnzimmer einfiele, schrieb er, dann würden sich die Menschen im Gegenzug selbst »veröffentlichen«, sie würden sich »umstülpen wie Amphibien«: den »Panzer nach innen«, die seelischen »Weichteile nach außen«. Wer das sein soll? Es ist der Handybenutzer von heute, der einen voll besetzten Bus ungefragt über seine Trostlosigkeit aufgeklärt. Nach Descartes heißt es nun: »Ich zeige mich, also bin ich.« Wir können den Medien nicht entkommen, auch wenn wir es als Buchleser gerne wollen.

  • Was würden sie für Kunst bezahlen? Was ist Kunst?

    Was würden sie für Kunst bezahlen? Von Manfred H. Freude
    Was würden sie für diesen Satz bezahlen? Was wäre dieser Satz ihnen wert? Einen wertlosen Satz überhört man gerne. In der Kunst, der Musik und in der Sprache gibt es ein ästhetisches Urteil und ein kommerzielles Urteil. Es kann einem noch so gut gefallen. Die Frage ist doch, was würde man dafür bezahlen. Ein Buch, das massenweise gekauft wird, auch wenn es nicht gelesen wird, hat seinen Wert. Wohlgemerkt gekauft und nicht geschenkt. Selbst der röhrende Hirsch oder ein buntes Bild mag schön sein und es mag auch viel Arbeit darin stecken. Letztendlich bleibt diese Frage, ob man es auch kauft und was man dafür bezahlt. Ein guter Künstler, Kunstprofessor an der Hochschule, fragt mich bei jeder Begegnung, wo hast du deine Bücher verlegt. Frage ich ihn vielleicht welches seiner Bilder er verkauft hat? Nichts hat er zu einem großen Preis verkauft. Kein Höchstgebot von Sotheby und kein Werk wurde ihm aus der Hand gerissen. Und auch diese Bilder in den Galerien. Schön, aber sie suchen Käufer. Verstehen sie mich richtig. Ich kenne mich in Kunst aus und sehe auch ein gutes Werk. Aber wenn mir jemand sagt: Dann kaufe es doch? Was wirklich gut ist, verkauft sich auch wie verrückt. Das gilt in der Kunst, wie in der Musik und im Theater und auch bei Büchern. Auch diese Nobelpreise werden nicht vergebens vergeben. Und Bestseller heißen nicht umsonst Bestseller, auch wenn der intellektuelle Leser gerne die Nase rümpft. Ein philosophisches Werk ist erst dann bahnbrechend, wenn es viel rezipiert, gelesen und vergriffen ist. Und wenn die ganze Musikscene ein Werk ablehnt. Es ist ein Hit, wenn es wochenlang an Nummer eins in der Hitparade steht. Und dann kommen wir noch einmal zur Kunst. Was nützt es, wenn die expressionistischen Werke schöne Bilder waren. Keiner hatte es erkannt und niemand kaufte sie. Van Gogh verkaufte kein Werk. Also wann ist die Kunst? Und was ist dann Kunst? Erst spät erkannte man und zahlte Höchstpreise. Dies ist auch so in den Wissenschaften, der Musik, der Literatur. Selbst bei der Herstellung eines Autos stellt sich heraus, das ein sehr gutes Auto sich nicht verkauft. Also warum sollte das dann ein Spitzenmodell oder ein Topmodell sein? Nach 46 Jahren in der Kunst, als Sammler, Student der Kunstgeschichte und vor allem der philosophischen, ästhetischen Theorien bin ich zu der Auffassung gekommen, dass nur der Kommerz das Kriterium für Qualität sein kann. Wenn sie ein unverkäufliches Werk schön finden, dann kaufen sie es doch zu einem Spitzenpreis.

  • Schwaigen&Nichtsz

    Schwaigen I.
    Manfred H. Freude
    Ausgangspunkt des Werkes ist eine kritische Betrachtung der Sprachtheorien aus sprachpragmatischer Perspektive. Die Kombination von Philosophie und Dichtung. Wie bringt man etwas zur Sprache? Was sagt uns das Schweigen (Schwaigen)? Schließlich die sprachanalytischen Fragestellungen um eine wissenschaftliche Sicht auf unsere Sprachpraxis. Durch die sprachanalytische Vorgehensweise werden dagegen die Texte kontrastiert mit der »abendländischen« Philosophie mit den vorher aus sprachanalytischen Ansätzen gewonnenen Überlegungen. Beide Traditionslinien werden somit im Sinne einer kritischen Sprachphilosophie zusammengeführt.
    Unzweifelhaft scheint Sprache zu „sein“. Aber verstehen wir, was wir uns sagen oder was wir sagen wollen? Reden und Hören sind nur Teil eines Prozesses ohne den Verstand. Ein Verstehen muss erst aufgrund von Interesse gebildet werden. Eine Kompetenz, mit der wir Sprachregeln verwenden, sagt nichts über unser sprechen, vielmehr zeigt sich, dass wir verschiedene Spiele beherrschen. Sprechen ist natürlich und Sprachregeln sind unnatürlich für unser Sprechen. Nicht unser Sprechen für unser Denken. Wir reagieren beim Sprechen auf das, was gedacht wird, nicht auf theoretische Linguistik oder Grammatik.
    Über Sprache kann man gut reden, weil wir es mit einem vagen System zu tun haben. Jeder kann etwas sagen und jeder redet bezeugt im sprachlichen Urteil wahres Zeug. Aber wer urteilt? Sprecher oder Hörer? Ist nicht der Sprecher auch Hörer? Zwischen Sprechen und dem Hören ist „Nichts“. Sprachanalytik unterschlägt geflissentlich den gemeinen Umweg vom Ohr zum Gehirn: Unser Denken, wie Sprachliches urteilen, sind wichtig. Ob wir reden oder ob wir schweigen, bleibt für unser verstehen unbenommen. Aber sämtliche Wissenschaft kann nicht so viel Aufwand treiben und différance zwischen Sprache und Sprechen, Kompetenz und Performanz herstellen, ohne diese „differens“ zu erfassen, dass dieses „ens“ zwischen dem Diskurs und dem Ereignis nachträglich unterscheidet. Es ist also nicht ein Schweigen im Sinne von, nicht reden, vielmehr ein Reden hinter der Rede. Darum nenne ich es „schwaigen“. Wer redet, „schwaigt“ denn die „differens“ zwischen Reden und denken und hören und denken ist nicht damit erklärt, dass man eine Sprache internal oder external verwendet.
    Das Menschliche und das Unmenschliche ist der Ausdruck, ist die Sprache. Massenmord und Langeweile einerseits und die Kultur andererseits sind unwiderruflich zu beweisen. Aber Schwaigen stellt uns die Frage, ob nicht schon im Schönen, in der Menschlichkeit selbst, in deren Neigung zur Abstraktion und zum ästhetischen Werturteil, ein radikales Versagen angebunden ist. An der brutalen Faktizität des Nationalsozialismus und der besonderen Blickrichtung auf das innere Leben der deutschen Sprache barbarisch und notwendig, ist der Mensch noch zum menschlichen in der Lage, oder geht das menschliche schon weit über den Menschen hinaus?
    http://www.freude-autor.de/

  • Bewusstsein

    Die Geschichte des Bewusstseins.
    Die Frage stellt sich nach dem Kunstbegriff, und der Begriff Kunst ist ja nicht aus der Natur entstanden, er ist vom Menschen gemacht und daher nicht auf einen Schöpfergott zurückzuführen, vielmehr auf den Menschen. Aus dem Menschen als Gegenstand wissenschaftlicher und künstlerischer Projekte erwächst der sich selbst entwerfende Mensch, der Mensch als sein eigenes Projekt. Die Welt, als alles was der Fall ist, also die gibt es ja, jetzt, und sie wird geformt durch die Mitarbeit des Menschen an dieser Form von Welt, an der Gestaltung und diese Entwicklung ist nachvollziehbar, jedenfalls soweit es den Menschen betrifft. So wie die Menschheit sich auf dem Planeten entwickelt, durch Zeugung und Geburt, so arbeitet jeder Mensch an der Entwicklung eines neuen Menschheitsideals mit.

  • Kunst

    Dahinter zur Kunst.

    Erschrocken vom Anblick
    der Erde
    Scheinbarer Stille meiner
    Raumstation
    Wie Worte um Worte dahinzutreiben

    Zwischen Sternen und
    Kometen Zwischen Schreiben
    und Sprechen
    Zwischen Reden und Schweigen
    Dahinter

    Überfliege ich die
    Buchrücken Aller mir
    zugänglichen Bibliotheken
    Verkürze meine Zeit um einen Titel

    Spreche mir von
    Anbeginn - Sagen wir die Meder -
    Fehlt mir noch Buchstabe, Buchstabe

    Wissen ob es ihn gab
    und er sich findet - Das ich ihn
    hinzufügen kann
    Alle bedeutenden Sätze zu vollenden
    Zur Kunst

    Aachen, 2009-07-28

    ***** Autoreninfo ******
    Manfred H. Freude geb. in Aachen
    Escapistenlyrik, Liebe, Tod, Das Leben, Erfahrungen, Aktuelles, Trauer & Verzweiflung, Wut, Sehnsucht, Klartext, Kritisches, Gedanken, Allgemein, Nachdenkliches, Gefühle
    © 2009 MANFRED H. FREUDE

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